Diese Mail hat mir Boris (älteren Forumsteilnehmern wohlbekannt ;-)
zukommen lassen mitsamt Erlaubnis sie hier zu veröffentlichen:
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Schöne Grüße!
Heute habe ich den Mut und die Zeit gehabt, einen Selbstversuch mit dem
Satanspilz zu machen. Bei den schönen Fruktifikationsschüben der letzten
zwei Wochen habe ich mir ein schönes junges Exemplar beiseitegelegt. Ich
mußte es allerdings nach dem Ausputzen in der Tiefkühltruhe zwischenlagern
da ich nur selten Zeit zum Kochen habe, denke jedoch nicht daß das das
Versuchsergebnis nennenswert verfälscht. Insgesamt waren es 100g trocken
eingefrorene Pilzstücke die ich heute verkonsumierte.
Ich habe mir schon lange überlegt, wie man das seltsame an Maggi erinnernde
Aroma des Satanspilzes für ein Pilzgericht nutzbar machen kann und bin zu
folgendem Ergebnis gekommen:
Pilzrezepte, die keiner haben will, Folge 1:
- Satanstopf-
1 junger fester Satanspilz
2 kleine Dosen Kidney Bohnen
1 Tomate
1 Zwiebel
1 Handvoll Speckwürfel
1 Becher Sahne
1 Würfelchen Butter
3 getrocknete Chilischoten
Gewürze: Cayennepfeffer, Pfeffer, Salz
Satanspilz fein blättrig schneiden um den Garvorgang zu erleichtern und die
meist reichlich vorhandenen Madengänge zu entfernen. Butter in der Pfanne
zum Schmelzen bringen, Pilzstücke hinzufügen und scharf braten, ggf. mit
etwas Wasser aufgießen und ständig rühren. Nach fünf Minuten Speck,
Zwiebel- und Tomatenwürfel hinzufügen. Gemüsepaprika würde sich hier wohl
auch gut machen, ich hatte allerdings in meinem Junggesellenhaushalt grad
keinen zur Hand. Weitere fünf Minuten alles knusprig garen, dann die Pfanne
vom Herd nehmen.
Dosenbohnen abspülen, in einen Topf geben. 1 Becher Sahne, die Chilies und
die geschmorten Pilze hinzufügen. Das Ganze unter ständigem Rühren nochmals
aufkochen. Wegen des Giftes sollte man von Probierversuchen vor Ende der
Kochzeit besser absehen, danach kann man das Ganze mit den Gewürzen
abschmecken.
Das Resultat war ein ausgesprochen pikanter Eintopf, den ich mit Genuß
verzehrte. Um eins war ich mit der Mahlzeit fertig. Unangenehme
Nebenerscheinungen gabs bis jetzt keine außer daß ich alles auf einmal aß
und danach so vollgestopft war daß ich zu platzen drohte.
Meine Forschungen haben somit Dähnckes Worte bestätigt: Gut durchgeschmort
ist der Pilz nicht giftig! Wer natürlich zu einem empfindlichen Magen neigt
und bereits mit Hexenröhrlingen Probleme hat, sollte natürlich von
Kostversuchen besser absehen. Ich selbst habe Boletus luridus bereits
mehrere Male verzehrt, zweimal sogar mit Alkohol, und hatte bis jetzt keine
Probleme. Ich bin immer noch der Meinung daß hier ein und dasselbe Gift am
Werk ist, Hennig schreibt in seinem Buch über Boletus luridus: "Vor dem
Genuß des rohen Pilzes ist eindringlich zu warnen!"
Da der Satanspilz allerdings wesentlich seltener ist als die Hexenröhrlinge
und zudem ein herrliches Fotoobjekt darstellt, sollte man ihn schon aus
Fairneß gegenüber anderen Pilzfreunden nicht sammeln. Alte Exemplare sind
ohnehin wegen des Gestankes zu meiden. Ich bin aber zufrieden daß ich
zumindest diesen Versuch über den kulinarischen Wert des Pilzes endlich
durchführen konnte und werde wohl bis auf weiteres von weiterem Sammeln
dieser Art absehen.
Schöne Grüße, Boris
Bei Rückfragen: Mail an bguenter@rhein-neckar.de
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Georg