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Das Ende der Herrlichkeit *PIC*

Ingo, (vor 7356 Tagen)

Hallo und einen schönen Abend nochmal,

was ist denn nun los? Anfragen aus unserer Region hier im Forum!
Ein herzliches Hallo an dieser Stelle nochmal an alle neuen Forumteilnehmer
auch von mir.

In den vergangenen Wochen habe ich ja bereits regelmäßig über das regionale
Pilzvorkommen hier bei uns informiert. Allerdings gab es da auch so einige Funde,
die nicht dem üblichen Kiefernwaldschema entsprechen.
Die älteren Berichte lassen sich über die Suchen – Funktion im Forum relativ gut
finden (wer dies möchte).

Momentan sieht es so aus, dass die zunehmende Trockenheit und die erneute
Wärmeperiode das Pilzwachstum zunehmend “ausbremsen“. Trotz heftiger
Gewittergüsse am vergangenen Donnerstag ist die Steinpilzschwemme
komplett zum Erliegen gekommen. Man konnte nur noch vereinzelte
Wracks im Wald besichtigen. Junge Fruchtkörper waren Fehlanzeige.
Dafür ist der Artenreichtum enorm angewachsen. Vor allem Täublingsfreunde
kommen voll auf ihre Kosten.
Die Maronenröhrlinge sind in Massen erschienen und auch sehr schöne und
vor allem madenfreie Perlpilze waren häufig aufzufinden.

[image]

Wenn man genauer hinsieht, kann man schön die gelblichgrüne Verfärbung an der
Manschette und oberhalb dieser erkennen – daher Amanita rubescens var. annulosulphurea

[image]

An Wulstlingen gab es weiterhin die bereits in der Vorwoche vorgestellten Scheidenstreiflinge,
einige vereinzelte Narzissengelbe Wulstlinge sowie die ersten von diesen roten hier zu sehen:

[image]

Wer noch nicht genügend Maronenröhrlinge gesehen hat, hier zwei Prachtexemplare:

[image]

Die Röhrlingsverwandtschaft hatte sich ansonsten etwas rar gemacht. Wenige Butterpilze,
Sandröhrlinge und Kuhpilze und dann doch noch ein für dieses Jahr besonderer Fund:

[image]

Vielen unbedarften Steinpilzjägern wird von dem Bösewicht regelmäßig das Pilzgericht
vermasselt. In diesem Jahr war es für mich allerdings der erste Vertreter dieser Art.
Vielleicht kann sich ja wenigstens der Hans aus dem Alpenländle an dem Anblick erfreuen.

Weiterhin gab es noch einige wenige Kupferrote Gelbfüße (Croogompus rutilus)...

[image]

... sowie der Kiefernwälder liebste Schleierlinge, diese allerdings in Massen.
Heide- Schleimfüße (Cortinarius mucosus) aus der Untergattung Myxacium.

[image]

Bestimmungsteil:
Auch in dieser Woche liefen mir wieder ein paar Großpilze über den Weg, die ich bis dato
noch nie gefunden hatte. Beide Arten sind Holzzersetzer, wie man auf den folgenden
Bildern unschwer erkennen kann.
Allerdings erscheinen mir die beiden Arten doch recht eindeutig zu sein, da sie schon
mit Bilderbüchern gut bestimmbar zu sein scheinen.

Hier die erste Art, was eigentlich nur Muschelkremplinge (Tapinella panuoides) sein können.

[image]

Da zu diesem Pilz in diversen Pilzbüchern verschiedene Angaben über den Speisewert gemacht
werden, habe ich mich mal für einen Selbstversuch “geopfert“. Ich habe die Tapinellen zusammen
mit den Schleierlingen und einen stattlichen Edelreizker scharf in Butter gebraten.
Das Ergebnis: Die angeblich wohlschmeckenden Schleierlinge schmeckten ziemlich fade.
Der Reizker wie gewohnt herzhaft, aber mit einem leicht bitteren Nachgeschmack.
Die Muschelkremplinge allerdings hatten einen ziemlich deutlichen bitteren Nachgeschmack.
Ein Fall für den Müll also. Erstaunlicherweise fand ich in der Literatur keinen Vermerk darüber.
Nach Dähncke sollten die sogar mild schmecken – na ja!
Allerdings, wer sich jetzt Sorgen macht, dass ich riskante Spielchen betreibe. Die Art ist nirgendwo
als bedenklich eingestuft. Es ist halt kein Speisepilz und so ist es dann auch!

Die zweite aufgefundene Art ist makroskopisch ebenso leicht bestimmbar. Nur hatte ich damit
ein Problem. Sie sollte an Pappeln fruktizieren! So schaut sie aus:

[image]

Nach den Bildern eindeutig Pappelschüpplinge (Pholiota populnea)
Sie rochen zwar nach nichts, waren aber penetrant bitter.

Allerdings gab es im betreffenden Wald nur Kiefern, Birken und ein paar Akazien.
Des Rätsels Lösung könnte sein, dass die mächtigen Baumstämme zu Bauzwecken
an die Fundstelle geschafft wurden, und tatsächlich einmal Pappeln waren.
Ich habe hier einmal ein Bild, welches den Baumstamm zeigt – Durchmesser ca. 70 cm!
Vielleicht kann ja jemand hier anhand des Aussehens die Pappeln bestätigen.

[image]

Ich hoffe, ich habe da mit meiner Bestimmerei keinen allzu großen Mist gebaut.
Vor allem, wenn man bedenkt, was sich da in diesem Sommer für Arten in unseren
Wäldern herumtreiben.

p.s.
Für kritische Meinungen und Anregungen zu meinem Bericht würde ich mich wie immer freuen.
Ich weiß, man kann es nicht Jedem recht machen. Dem Einen mögen sie sicher zu ausschweifend
vorkommen – ist halt meine Art. Die Alternative dazu wären mehrere kürzere Berichte. Ob das bei
momentan ca. 1.000 Postings pro Woche von Vorteil ist? Da ginge bestimmt viel unter. Der Wollige
Scheidling aus der Vorwoche fand ja kaum Beachtung. Obwohl er angeblich sehr selten sein soll.
Hauptsächlich sind die Beiträge für ja auch für die Pilzfreunde bestimmt, die Interesse
speziell am Pilzvorkommen in unserer Monokultur haben. Für die können wir leider nichts.
Ich würde ja auch gerne mal in irgendwelchen Laubmischwäldern auf Kalk umherwandeln.
Da freut man sich mit, dass anderswo seltene Schleierlinge, Boleten und auch
Kaiserlinge gefunden und auch hier gezeigt werden. Wie ich finde, übertrifft die Qualität der hier
gezeigten Bilder regelmäßig die der weit verbreiteten Bild-Bestimmungsliteratur.

Eine schöne Woche noch und viele Grüße! Ingo

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Re: Das Ende der Herrlichkeit

Thüringer-Holz, (vor 7356 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

ich habe wie immer mit Genuss deinen Beitrag "gefressen" und muss sagen das auch du Funde bringst die auf Kalk in Laubwäldern mir noch nicht über den Weg gelaufen sind. Von Amanita rubescens var. annulosulphurea (Gelbberingter Perlpilz) höre ich zum ersten mal. Auch Pappelschüpplinge und Muschelkremplinge blieben bisher von mir unentdeckt. Ich sag's immer wieder - jede Region hat seine Highlights. Wart's mal ab, der Oktober bringt auch noch was.
Ach übrigens, habe ich was verpasst oder ist der Grünling bei dir noch nicht aufgetaucht?

Beste Grüße
FELIX

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Re: Das Ende der Herrlichkeit

Ingo, (vor 7356 Tagen) @ Thüringer-Holz

Ach übrigens, habe ich was verpasst oder ist der Grünling bei dir noch nicht
aufgetaucht?
Beste Grüße
FELIX

Nö, noch nicht. Die kommen nur in Ausnahmefällen eher als im Oktober.
Letztes Jahr gab es eine Kollektion von vier Stück am 27.August.
Ansonsten erst ab Mitte Oktober. Die mögen es etwas kälter!

LG Ingo

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Re: Das Ende der Herrlichkeit

proletus, (vor 7356 Tagen) @ Thüringer-Holz

Hallo Ingo,
ich habe wie immer mit Genuss deinen Beitrag "gefressen" und muss
sagen das auch du Funde bringst die auf Kalk in Laubwäldern mir noch nicht
über den Weg gelaufen sind. Von Amanita rubescens var. annulosulphurea
(Gelbberingter Perlpilz) höre ich zum ersten mal. Auch Pappelschüpplinge
und Muschelkremplinge blieben bisher von mir unentdeckt. Ich sag's immer
wieder - jede Region hat seine Highlights. Wart's mal ab, der Oktober
bringt auch noch was.
Ach übrigens, habe ich was verpasst oder ist der Grünling bei dir noch nicht
aufgetaucht?
Beste Grüße
FELIX

Hallo
Grünlinge kommen hier vor (kaufunger Wald). Fand eine kleiner Gruppe am Wochenende.Wie sieht es mit der Verträglichkeit des Pilzes aus? Hörte gegensätzliche Meinungen
Gruss

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Zum Grünling

Thüringer-Holz, (vor 7356 Tagen) @ proletus

Hallo,

der Grünling
galt bis vor wenigen Jahren als gesuchter und geschätzter Speisepilz, nach neueren Erkenntnissen – vor allem aus Frankreich – ist der Pilz jedoch potentiell tödlich giftig!

Also ich als PSV würde ihn nicht freigeben! Gründe sind hier nachzulesen:

http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/bericht-5686.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCnling_%28Pilz%29
http://www.praxinfo.de/index.php?topid=7&groupid=543&subgroupid=768&contentid=264

Aber das ist wie mit dem Kahlen Krempling, wer den bis jetzt "vertragen" hat und als einen der besten Speisepilze lobt, wird sich wohl nicht belehren lassen.

MfG
Felix

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Re: Zum Grünling

proletus, (vor 7356 Tagen) @ Thüringer-Holz

Eine Umfangreiche Diskussion gibt es auch hier:
Beitrag 77107
It is for you to decide.....

Hallo felix und Dieter
I made my decisions
Nö, die lassen wir mal stehen. Hab mir auch nur 2 exempl. zur Bestimmung mitgenommen. Hab ich hier in der Gegend auch noch nie gesehen.Wuchsen auch unter Kiefern.Interessantes Pilzjahr.
danke für Aufklärung
Gruss

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Re: Das Ende der Herrlichkeit

Steininger, (vor 7356 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,
was die Pappelschüpplinge betrifft, so kann ich dir bestätigen, dass der abgebildete Stamm eindeutig von einer Pappel stammt. Auf dem Gelände unseres Kanu-Clubs mussten wir einige kranke Bäume fällen und haben einen Teil der Stämme an der Uferböschung liegen lassen. Seitdem erschienen die Pilze jedes Jahr. In diesem Jahr warte ich allerdings noch drauf.
Gruß!
Wolfgang

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Vielen Dank für die Bestätigung..

Ingo, (vor 7355 Tagen) @ Steininger

was die Pappelschüpplinge betrifft, so kann ich dir bestätigen, dass der
abgebildete Stamm eindeutig von einer Pappel stammt.

...so könnte man ja auch mal fragliche Bäume anhand von
eindeutig kenntlichen Pilzen bestimmen. Obwohl das in der
Regel meist andersrum läuft.

Beste Grüße! Ingo

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Re: Das Ende der Herrlichkeit *PIC*

znurk, (vor 7356 Tagen) @ Ingo

Die Trockenheit setzt den Pilzen in der Tat ziemlich zu, die meisten wirken ausgedörrt, viele sonst farbenprächtige Gesellen wie Panther- und Fliegenpilze oder Täublinge, werden ziemlich blass.

Insgesamt gehen sowohl Anzahl als auch die Vielfalt der Pilze auch hier im Nürnberger Land enorm zurück, selbst Maronen sind nur noch vereinzelt oder in kleinen Zahlen zu finden.

Trotzdem findet man immer noch hier und da etwas Schönes:

[image]

Krause Glucken habe ich seit fast 20 Jahren nicht mehr gesehen...

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die bilder sind klasse

manu2, (vor 7356 Tagen) @ Ingo

hallo ingo,

deine und auch die meisten anderen bilder sind einfach spitze und sehr lehrreich. ich denke man kann nie genug sehen von ihnen und man wird auch beim bestimmen dadurch zunehmend sicherer.
allen fotographen - danke!

gruss manu