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Bläuen, Röten, Gilben...

Kattugla, (vor 7354 Tagen)

Hallo Ihr Lieben,

mich treibt im Moment eine eher theoretische Frage um, die mir bisher noch nicht erschöpfend beantwortet wurde.

Die Farbveränderungen vieler Pilze bei Druck oder bei Kontakt mit Luftsauerstoff ist ja nicht selten entscheidendes Bestimmungsmerkmal.
Aber wieso ist das so?

Gibt es ganz bestimmte chemische Verbindungen, die einem Riesenchampi im Anschnitt das Gelb verpassen? Oder dem Strubbelkopp das Rot? Dem Schwarzblauenden Röhrling das Tintenblau? Wenn ja, gibt es da eine Systematik drin? Ist das mitunter (ähnlich wie bei den Hortensien *g*) auch vom pH-Wert des Bodens abhängig? Gibt es einen Zusammenhang der Farbstoffe in der Milch und im Grün/ Blau z.B. bei meinen Lieblingen, den Reizkern?

Meine erste (und einzige *lol*) Idee bezieht sich auf die Pigmentfarbe bestimmter anorganischer Verbindungen, Eisen z.B. rot, Chrom gelb... aber wer macht das Blau?
Oder ist da was ganz anderes schuld dran? Warum verfärben manche Pilze schon bei Druck, andere erst im Anschnitt?

neugierig
Kattugla

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Re: Bläuen, Röten, Gilben...

manu2, (vor 7354 Tagen) @ Kattugla

hallo,

eine sehr interessante Frage stellst du da. nun, das mit dem bläuen kann ich dir in kürze erklären:
Die fruchtkörper der pilze sind wie das mycel aus hyphen aufgebaut, d.h. einzelne zellen in reihe geschaltet. da diese zellen des "fleiches" oder Trama beim aufschneiden verletzt werden kommen somit stoffe die sonst in der zelle, d.h. abgetrennt vom luftsauerstoff durch plasmamembran und zellwand (chitin), wären nun direkt in kontakt mit einem sehr reaktiven Oxidationsmittel, dem O2. bei der bläuung nun ist es ein derivat der pulvinsäure (z.b. bei Boletales), dass eben an der luft oxidiert (d.h. elektronen aufnimmt) und dann diese farbe annimmt.

bei Lactarius ist der milchsaft sehr konzentriert in den Lactiferen (milchsafthyphen) schon enthalten, bei verletzung tritt er ebenfalls nach aussen, und kann dort nachdunkeln, der milchsaft enthält überwiegend terpenoide.

ich hoffe ich konnte dir ein bisschen weiter helfen.

gruss manu

ps. nachzulesen/gefunden in: Günter Throm - Biologie der Kryptogamen I, Haag +Herchen Verlag, 1997; S.195ff

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noch 'ne Antwort per Mail:

Kattugla, (vor 7353 Tagen) @ Kattugla

Die Antwort von manu2 war schon gar nicht schlecht.
In vielen Fällen handelt es sich um Verbindungen (Hydrochinone), die sich sehr leicht
oxidieren lassen (ELEKTRONEN ABGEBEN).
Diese Hydrochinon-Derivate bilden oft sogenannte Komplex mit Metallionen (Eisen,
Chrom usw.), so dass die Farbe auch noch von der Art des Metalls beeinflusst wird.
Beim Zusammentreffen mit Luft wird wie gesagt oxidiert und aus den Hydrochinon-
derivaten werden sogenannte Chinone die dann oft eine andere Farbe aufweisen.

Beste Grüße...

Da bin ich doch schonmal weiter. Und beruhigt, daß ich mit meiner Pigment-Idee gar nicht sooo weit danebenlag. *g*
Chemisch hab ich nun nicht die Ahnung, um auf Zusammenhänge mit dem Boden-pH-Wert zu kommen. Gibts die denn, was die Farbreaktion angeht?
Und das Verfärben bei Druck funktioniert nach dem gleichen Prinzip - der Beschädigung der Zellwände?
Und welcher Hydrochinon-Derivat-Metall-Komplex macht nun das (ich war fast erschrocken über die Intensität, als ich den Schwarzblauenden Röhling zum ersten Mal entdeckt hatte) Tintenblau? Stimmt Kupfer für das Grünblau der Reizker?

noch immer neugierig
Kattugla

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Re: noch 'ne Antwort per Mail:

Wolfgang P., (vor 7352 Tagen) @ Kattugla

Stimmt Kupfer für das Grünblau der
Reizker?
noch immer neugierig
Kattugla

keine einzige der mir bekannten Verfärbungsreaktionen geht auf Metallkomplexe (Kupfer etc. ) oder gar anorganische Pigmente (Grünspan) zurück. Es sind, soweit ich weiß, immer rein organische Farbstoffe.

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geht mir genau so! *oT*

manu2, (vor 7352 Tagen) @ Wolfgang P.

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