Pilze Pilze Forum
Erweitert

Eifel - Geologie "schuld" ?

Robin, (vor 7343 Tagen)

Hallo Zusammen,

ich bin neu hier und auch in Sachen Pilze noch jung dabei.
Da ich nun aus dem Ruhrpott Richtung Osteifel umgezogen bin, hätte ich ein paar Fragen zum Thema „Steinpilze“ an die Erfahrenen unter Euch:

Woran liegt es wohl, das in manchen Gegenden, wie z.B. im Osteifel-Bereich Mayen Richtung Adenau/Hohe Acht, die Steinpilze kaum wachsen ?
Da soll es ja Richtung Rurstausee, oder im Süden Richtung Wittlich/Trier, viel besser aussehen.
Auch Richtung Daun soll ja viel sein, allerdings wohl weniger Steinpilze. Kann man das überhaupt so sagen ?

Liegt es am Boden (Gestein, pH-Wert...) ?

Kann jemand erklären, welche Bedingungen für Steinpilzen ideal sind ?
Ist es eher Laub-, Misch- oder Nadelwald ?
Müssen oder dürfen die Wälder dicht sein, oder müssen diese eher „hell“ sein ?

Klar, eine Gewisse Feuchtigkeit ist sehr wichtig, aber wie sieht es mit den anderen „Parametern“ aus ?
Ich hoffe, dass waren nicht zu viele Fragen auf einmal :-)
Wäre toll, wenn mir da jemand helfen könnte !

Besten Dank & viele Grüße,
Robin

Eintrag gesperrt
23 Aufrufe

Re: Eifel - Geologie "schuld" ? *PIC*

Robert_B, (vor 7343 Tagen) @ Robin

Hallo Robin,

zur Eifel kann ich zwar nichts beitragen, wohl aber zu den Steinpilzen.
Der häufigste dürfte wohl Boletus edulis sein. Dieser heißt auch Fichtensteinpilz, da er (nicht ausschließlich) gerne im Fichtenforst vorkommt. Bei uns findet man ihn v.a. auf bodensauren, sandigen Böden. Das können junge Fichtenschonungen wie auch Altbestände sein. Ausserdem sollte man nicht zu spät im Jahr mit suchen beginnen. August und September, ca. 3 Wochen nach ergiebigen Regenfällen, ist besonders günstig. Im Laubwald gibt's wohl eher den Sommersteinpilz (B.reticulatus). Aber mangels nennenswerter Eigenfunde sag ich da mal nichts dazu. Die anderen Steinpilze sind wohl eher aus Naturschutzgesichtspunkten von Interesse.
Übrigens: In jedem Wald von den Alpen bis zur Ostsee gibt's Pfifferlinge. Und ausgerechnet bei uns gibt's meinen persönlichen Favoriten praktisch überhaupt nicht, es ist manchmal schlicht zum Verzweifeln!

Anbei noch ein klassisches Steinpilzbiotop aus unserer Gegend!

Grüßle
Robby

[image]

Hallo Zusammen,
ich bin neu hier und auch in Sachen Pilze noch jung dabei.
Da ich nun aus dem Ruhrpott Richtung Osteifel umgezogen bin, hätte ich ein
paar Fragen zum Thema „Steinpilze“ an die Erfahrenen unter Euch: Woran
liegt es wohl, das in manchen Gegenden, wie z.B. im Osteifel-Bereich Mayen
Richtung Adenau/Hohe Acht, die Steinpilze kaum wachsen ?
Da soll es ja Richtung Rurstausee, oder im Süden Richtung Wittlich/Trier,
viel besser aussehen.
Auch Richtung Daun soll ja viel sein, allerdings wohl weniger Steinpilze.
Kann man das überhaupt so sagen ?
Liegt es am Boden (Gestein, pH-Wert...) ?
Kann jemand erklären, welche Bedingungen für Steinpilzen ideal sind ?
Ist es eher Laub-, Misch- oder Nadelwald ?
Müssen oder dürfen die Wälder dicht sein, oder müssen diese eher „hell“ sein
?
Klar, eine Gewisse Feuchtigkeit ist sehr wichtig, aber wie sieht es mit den
anderen „Parametern“ aus ?
Ich hoffe, dass waren nicht zu viele Fragen auf einmal :-)
Wäre toll, wenn mir da jemand helfen könnte !
Besten Dank & viele Grüße,
Robin

Eintrag gesperrt
23 Aufrufe

Re: Eifel - Geologie "schuld" ?

Robin, (vor 7343 Tagen) @ Robert_B

Besten Dank, sehr interessant !!!

Eintrag gesperrt
20 Aufrufe

Pfifferlinge...

Hermann, (vor 7342 Tagen) @ Robert_B

Übrigens: In jedem Wald von den Alpen bis zur Ostsee gibt's Pfifferlinge. Und
ausgerechnet bei uns gibt's meinen persönlichen Favoriten praktisch
überhaupt nicht, es ist manchmal schlicht zum Verzweifeln!

Joa.. selbst dieses Jahr nicht einen einzigen gesichtet. Mein letzte Fund ist auch schon 3-4 Jahre her: 3 kleine tapfere Gesellen an einem Wegrand. *seufz* Hab sie denn doch mal stehen lassen..
Dafür diese Jahr Massen an Steinpilzen und Hexen und ...

Auch noch auffällig dieses Jahr: Irre Mengen an Kartoffelbovisten - auch viele mit parasitischem Röhrling drauf. Wenn die farbig wären, hätte man glatt an den Osterhasen denken können.. ^^

Eintrag gesperrt
23 Aufrufe

Re: Eifel - Geologie "schuld" ?

Stephan Weißer, (vor 7342 Tagen) @ Robin

Hallo Robin,
die Geologie der Osteifel ist eigentlich nicht steinpilzfeindlich. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass in einem so waldreichen Gebiet wie der Osteifel keine Steinpilze wachsen sollen. Folgendes solltest du auch in Betracht ziehen:
- du gehst nur an Stellen, die viele andere Pilzliebhaber kennen, die dir zuvor alles "abräumen"
- du gehst nicht tief genug ins Gelände, sondern bleibst stets am Wegrand, von wo aus tausende Spaziergänger die Steinpilzhüte schon sehen
- deine Pilzwälder sind ausgetrocknet, z. B. von Orkanen zerzauste, stark aufgelichtete Waldreste (bzw. Ex-Wälder, Neo-Steppen oder wie man die nun nennen soll)
- deine Pilzwälder sind zu nährstoffbelastet, d. h. zu verkrautet
- du fängst generell erst im Herbst an, Pilze zu sammeln - in diesem Herbst sind deine Steinpilze leider schon längst "durch"
- du gehst nach drei- bis vierwöchiger Trockenheit in die Pilze

Falls davon irgendwas auf dich zutreffen sollte, so würde ich die "Schuld" eher da vermuten.

Eintrag gesperrt
23 Aufrufe

Re: Eifel - Geologie "schuld" ?

Stephan Weißer, (vor 7342 Tagen) @ Robin

Kann jemand erklären, welche Bedingungen für Steinpilzen ideal sind ?
Ist es eher Laub-, Misch- oder Nadelwald ?
Müssen oder dürfen die Wälder dicht sein, oder müssen diese eher „hell“ sein
?

Steinpilze gibt es in sehr vielen Waldtypen - vor allem in Fichtenforsten und Naturwaldtypen, bei denen Fichten dabei sind (die es allerdings eher in Süddeutschland gibt). Aber auch in Buchenwäldern aller Höhenstufen sind sie häufig, dieses Jahr z. B. so häufig, dass man den deutschen Namen des Boletus edulis von "Fichtensteinpilz" m. E. in "Gemeiner Steinpilz" oder gar "Erntesteinpilz" umbenennen sollte ;o)

Der Steinpilz ist nach meiner Meinung kein Pilz, bei dem man lange nach Fundstellen suchen müsste. Er läuft einem eben meist kiloweise über den Weg, wenn man nach etwa zweiwöchigem spätsommerlichen Schlechtwetter mit anschließender einwöchiger Erwärmung und Wetterbesserung durch einen nährstoffarmen, nur wenig schadstoffbelasteten Wald fernab der großen Verkehrsadern streift. Egal, ob dies jetzt in der Eifel, im Taunus oder im Schwarzwald ist.

Eintrag gesperrt
25 Aufrufe

Re: Eifel - Geologie "schuld" ?

Robin, (vor 7333 Tagen) @ Stephan Weißer

Vielen Dank, Stephan !
Du hats möglicherweise Recht. Ich müsste wesentlich tiefer rein.
Das schwierige sind hier die teils heftigen Steigungen. Aber das darf natürlich kein Argument sein.
Du schriebst, dass der Herbst im Prinzip zu spät wäre.
Die letzten Jahre hatte der Bekannte, der immer im Grenzbereich Westerwald/Oberbergischer Kreis auf Jagd geht, stets im Oktober die besten Erfolge.
Kommt der Steinpilz nicht ggf. zweimal ? Jetzt wo es ordentlich regnet (allerdings auch kühl wird), könnte sich doch nochmal was entwickeln, oder ?

Warum eigentlich eher nährstoffARMER Wald ? Wenn Nährstoffe primär Mineralstoffe sind - da sind im Eifel Boden natürlich reichlich :-)

Eins noch: Kann der Steinpilz eigentlich auch im dichten und dunklen Wald wachsen, oder sind es eher die Lichtungen, die Erfolg versprechen ?

Besten Dank und viele Grüße !

Eintrag gesperrt
21 Aufrufe

Re: Eifel - Geologie "schuld" ?

chn01, (vor 7333 Tagen) @ Robin

Vielen Dank, Stephan !
Du hats möglicherweise Recht. Ich müsste wesentlich tiefer rein.
Das schwierige sind hier die teils heftigen Steigungen. Aber das darf
natürlich kein Argument sein.
Du schriebst, dass der Herbst im Prinzip zu spät wäre.
Die letzten Jahre hatte der Bekannte, der immer im Grenzbereich
Westerwald/Oberbergischer Kreis auf Jagd geht, stets im Oktober die besten
Erfolge.
Kommt der Steinpilz nicht ggf. zweimal ? Jetzt wo es ordentlich regnet
(allerdings auch kühl wird), könnte sich doch nochmal was entwickeln, oder
?
Warum eigentlich eher nährstoffARMER Wald ? Wenn Nährstoffe primär
Mineralstoffe sind - da sind im Eifel Boden natürlich reichlich :-)
Eins noch: Kann der Steinpilz eigentlich auch im dichten und dunklen Wald
wachsen, oder sind es eher die Lichtungen, die Erfolg versprechen ?
Besten Dank und viele Grüße !

Die heftigen Steigungen solltest du auf jeden Fall meiden, kostet Kraft und ist anstrengend. Ich suche mir ausschliesslich Stellen die Steil sind, weil diese von Pilzsammlern kaum frequentiert sind und die Funde größer werden. Wenn du dann aber zuviel findest, kommt noch eine Nachteil dazu. Dein Korb volle Steinpilze ist damit noch schwerer als ein leerer, ggggg.
Nicht so ernst nehmen, aber für den großen Erfolg muss man sich von der Masse unterscheiden.

Gruß,

Eintrag gesperrt
24 Aufrufe

Re: Eifel - Geologie "schuld" ?

Stephan Weißer, (vor 7332 Tagen) @ Robin

Warum eigentlich eher nährstoffARMER Wald ? Wenn Nährstoffe primär
Mineralstoffe sind - da sind im Eifel Boden natürlich reichlich :-)

Mit "nährstoffarm" meine ich einen Waldboden, der nicht zu sehr durch den Eintrag von Stickstoff- und Phosphorverbindungen (etwa aus Autoauspuffen, Schornsteinen oder landwirtschaftlichen Düngeaktionen) vorgeschädigt ist, was zu einem regelrechten Verkrauten des Bodens führen würde (Brombeeren, hochwüchsige Grasarten, Brennnesseln und ähnliches). Steinpilze haben auf einem solchen Boden keine Chance mehr, man findet da höchstens noch Riesenschirmlinge, Champignons und andere Saprobionten.

Eintrag gesperrt
25 Aufrufe

Re: Eifel - Geologie "schuld" ?

Dunkelmann, (vor 7333 Tagen) @ Stephan Weißer

Zum Thema ob dichter oder eher lichter Wald:

Bei mit wachsen sie in beiden Waldtypen, sowohl am lichten Waldrand als auch im dunklen, feuchten Dickicht. Dort allerdings kleiner und härter, was aber IMHO die bessere Qualität darstellt.

Sommersteinpilze finde ich jedoch nur in lichten Buchenwäldern.

Eintrag gesperrt
21 Aufrufe

Re: Eifel - Geologie "schuld" ?

Hirschling, (vor 7333 Tagen) @ Dunkelmann

Mein Senf zum Thema(weil ich mich in diesem Jahr mal intensiver damit beschäftigt habe):

Also,meiner Meinung gibt es,zumindest wenn die klimatischen Voraussetzungen stimmen, für den Boletus edulis kein absolut typisches Biotop. Ich habe ihn sowohl auf den allbekannten sauren Böden wie auch auf ausgeprägtem Muschelkalk ohne Vermoosung gefunden, auf Lehmboden, auf Silikat oder Keupersand, an allen Standorten auch im Fichtenjungwald, aber auch unter Esskastanien (Pfalz), im reinen Eichen - oder Buchenbestand, (z.B. Erfurter Tal nördlich Bad Berka, reiner Muschelkalk), bei Blaufichtenkulturen (Randgebiete des Saaletals) oder auch in reinen Birkenbeständen auf Urgestein (Mittelnorwegen bei Kristiansund, mit massig Rotkappen als "Kumpels").
Auffällig ist eben nur das massenhafte Auftreten in bestimmten Gebieten, und das ist meistens leicht saurer oder neutraler Boden mit Fichten,(der aber durchaus nicht nährstoffarm sein muß.)
Die gemischten Vorkommen mit Boletus aestivalis (Sommersteinpilz) sind aber fast immer auf Kalkboden unter Eichen oder Buchen zu finden, wobei meiner Meinung nach die Eiche vom Sommersteinpilz bevorzugt wird.
Aber das sind wie gesagt persönliche Beobachtungen und erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit! :-))

LG Jörg

Eintrag gesperrt
21 Aufrufe

Re: Eifel - Geologie "schuld" ?

Robin, (vor 7328 Tagen) @ Hirschling

@all:

Besten Dank, für die zum Teil hochwissenschaftlichen und spannenden Anmerkungen.
Wenn man das mal ganz grob zusammenfassen würde, käme man zu dem Schluß, da man eigentlich keine Waldart im Voraus ausschließen kann.
Ob Tanne, Fichte, Kiefer oder eher Laub- oder Mischwald...plötzlich treten sie vielleicht massenhaft auf, und man kann nicht genau bestimmen oder "messen", warum dies gerade an dieser Stelle so ist.

Letztens war ich im Bereich Hohe Acht in einem sehr dichten Fichtenwald - da konnte man nicht stehen. Nach einem ordentlichen Regen wuchs da auch allerhand...aber warum kein Steinpilz, kann natürlich niemand sagen...aber das macht das Ganze auch so spannend !

Schöne Grüße,
Robin