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Andere Laender, andere Sitten

Saftling, (vor 7323 Tagen)

Hallo,

Fernab meiner heimatlichen Pilzgruende, ohne Berge weit und breit, hat mich nach wochenlangem Schuften im Labor, heute die Sehnsucht nach Sonne und herbstlicher Stimmung in der Natur gepackt und ich habe spontan einen Coleopterologen begleitet, der in einem Naturschutzgebiet in Daenemark nach einem besonderen Kaefer, der in Baumpilzen lebt, suchen wollte. Um welchen Pilz es sich dabei handelt, war mir aber rasch egal, denn die Baeume standen in einer traumhaften Hutung auf einer 300 J. alten Viehweide - Saftlingsrevier! Prompt habe ich welche gefunden und dann immer mehr, zuletzt waren es mind. 12 Arten, vielleicht ein paar mehr (ohne Literatur und Mikroskop verweigere ich dazu die Aussage). Wie ich da so im Gras kniee, kommt eine Dame mit Korb vorbei, etwa zu 1/3 gefuellt mit Saftlingen. Nur grosse knallrote, also punicea und coccinea, evtl. splendidissima (kenne ich noch zu wenig fuer eine sichere auswaendige Bestimmung). Da es ein geraeumiger Korb war, waren das wohl weit ueber 100 Pilze. Ich habe mich dann freundlich mit ihr unterhalten und merkte rasch, dass sie richtig stolz war auf ihre Beute. Letzte Woche haette sie bereits den ganzen Korb voll gehabt. Die schmecken prima und auch die gelben - die im Korb fehlten (obwohl es reichlich chlorophana gab) - sammle sie gerne. Meine paar Belegpilze musternd meinte sie, die grauen (= irrigata), weissen und braunen (Camarophyllus spp.) und die schleimigen (psitacina, laeta) seien nicht gut. Die Stelle hier sei was ganz besonderes, denn diese Pilze gaebe es nur hier und sie sammle sie schon seit vielen Jahren. (Ich habe die roten - bis auf wenige Belegexemplare - stehen lassen und ein paar Hand voll Wiesenellerlinge zum Essen mitgenommen.)
Wenn ich anderen Leuten Saftlinge zeige, kommt jedes mal die Frage "kann man die essen?" Persoenlich finde ich das so daneben wie die Frage "danach": "war ich gut?" Die eigenen Massstaebe gelten halt nicht fuer andere Leute... Wir Deutschen erheben ja so gerne den Zeigefinger und nicht wenige Kollegen drohen gar mit dem Gesetz, wenn ein anderer "zu viele" Pilze sammelt oder gar Saftlinge. In Daenemark darf man sogar in Schutzgebieten Pilze, Insekten usw, sammeln, ausser den Arten, die auf der offiziellen Roten Liste stehen, die sind auch ausserhalb der Schutzgebiete geschuetzt. Ist das Sammeln von Saftlingen in Daenemark fuer den Bestand dieser Pilze weniger schaedlich als in Deutschland? Wohl kaum. Die Daenen sind nur nicht ganz so bescheuert im Erfinden unsinniger Gesetze. Natuerlich war ich innerlich entsetzt, als ich das Massaker an den praechtigen Saftlingen gesehen habe. Aber was macht's? Den Pilzen schadet das nicht. Die Dame ging ihres Weges und ich habe in den naechsten zwei Stunden noch Tausende Saftlinge gefunden. Entscheidend ist, dass der Lebensraum intakt bleibt. Dann wird es hier auch weiterhin massenhaft Saftlinge geben, auch wenn die Dame jedes Jahr koerbeweise erntet. Das gilt auch fuer Deutschland und fuer andere Pilze.

LG
Saftling

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Re: Andere Laender, andere Sitten

AK_CCM, (vor 7323 Tagen) @ Saftling

Hallo Dieter,

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen: Pilzschutz ist Biotopschutz - der Rückgang bestimmter Biotope lässt sich auch durch das schärfste Sammelverbot nicht verhindern.

Darüber hinaus halte ich von solch scheinheiligen Vorschriften, wie es sie in Deutschland gibt, rein gar nichts: Oder kann man auch für Biber bei der Unteren Naturschutzbehörde eine gewerbliche Abschussgenehmigung kaufen? Für etliche geschützte Pilze ist das jedenfalls möglich.

Abgesehen von dem Sinn der aktuellen Gesetzeslage will ich Mal nicht klagen, denn es könnte schlimmer sein, siehe die Sammelvorschriften in Österreich, der Schweiz und vor allem in Südtirol - in letzterem Land würde es mich nicht wundern, wenn neben den Pilzmotiven eines Tages auch noch ein Münzautomat aufgestellt wird und falls man nicht bezahlt, seine Kameraausrüstung abgeben muss und in U-Haft gesteckt wird - ein Glück, dass wenigstens die Todesstrafe abgeschafft wurde. Echt unglaublich.

Kopfschüttelnd,

Andreas

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Saftling, (vor 7323 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Dieter,
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen: Pilzschutz ist Biotopschutz - der
Rückgang bestimmter Biotope lässt sich auch durch das schärfste
Sammelverbot nicht verhindern.
Darüber hinaus halte ich von solch scheinheiligen Vorschriften, wie es sie in
Deutschland gibt, rein gar nichts: Oder kann man auch für Biber bei der
Unteren Naturschutzbehörde eine gewerbliche Abschussgenehmigung kaufen?
Für etliche geschützte Pilze ist das jedenfalls möglich.
Abgesehen von dem Sinn der aktuellen Gesetzeslage will ich Mal nicht klagen,
denn es könnte schlimmer sein, siehe die Sammelvorschriften in Österreich,
der Schweiz und vor allem in Südtirol - in letzterem Land würde es mich
nicht wundern, wenn neben den Pilzmotiven eines Tages auch noch ein
Münzautomat aufgestellt wird und falls man nicht bezahlt, seine
Kameraausrüstung abgeben muss und in U-Haft gesteckt wird - ein Glück,
dass wenigstens die Todesstrafe abgeschafft wurde. Echt unglaublich.
Kopfschüttelnd,
Andreas

Hallo Andreas,

die fuer Viele aergerlichen Sammelbeschraenkungen in Suedtirol haben ja wohl einen anderen Zweck, als den Schutz der Pilze. In einer durch und durch materialistischen Gesellschaft darf man sich nicht wundern, wenn man auch fuer die letzten Dinge, die es bisher umsonst gab, bezahlen muss. Gefaellt mir nicht; was mich aber wirklich zornig macht ist, dass diese Raffgier als notwendige Massnahme zum Schutz der Pilze dargestellt wird. Dagegen sollte jeder - mit guten Argumenten bewaffnet - verbal scharf zurueck schiessen! M.E. ist Naturschutz eine wichtige Aufgabe. Leider werden viele Massnahmen, die eigentlich anderen Zielen dienen, unter dem Deckmantel "Naturschutz" verkauft, der dadurch bei vielen Menschen inzwischen einen zweifelhaften Ruf hat. Sammelbeschraekungen dienen m.E. nur dann dem Schutz von Pilzen, wenn es sachliche Gruende gibt anzunehmen, dass Populationen von Arten durch das Sammeln von Fruchtkoerpern bedroht werden. Diese Gruende hat aber noch niemand vorlegen koennen, jedenfalls nicht fuer die gaengigen Speisepilze (bei mehrjaehrigen Baumpilzen ist das jedoch durchaus diskussionswuerdig und die werden ja z.T. gewerblich gesammelt (Laerchenporling)). Das ueble an den Sammelbeschraenkungen ist, dass dadurch der Sammler als Verursacher des (vermeintlichen) Rueckgangs vieler Pilzarten abgestempelt wird, waehrend die Zerstoerung von Lebensraeumen munter und meist legal weiter betrieben wird. Und deshalb sollten die Sammelbeschraenkungen abgeschafft werden, weg mit den Feigenblaettern, damit der Blick frei wird auf die echten Probleme.

LG
Dieter

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Re: Andere Laender, andere Sitten

AK_CCM, (vor 7323 Tagen) @ Saftling

Hallo Dieter,

ich vertrete die Ansicht: stets mit Maß und Ziel. Soll heißen, dass ich z.B. Sammelbeschränkungen bis einem gewissen Maß sogar für sinnvoll erachte, um den Menschen bewusst zu machen, dass auch Pilze Lebewesen sind und sie wie alles in der freien Natur nicht unerschöpflich zur Verfügung stehen. Außerdem braucht man eine Rechtsgrundlage, um den Pilztourismus, der hierzulande an einigen Stellen wirklich überhand zu nehmen scheint, einzudämmen.

Ferner halte ich eine Rote Liste als Bemessungsgrundlage der zu schützenden Arten für wichtig, weil nur sie den aktuellen Stand des Pilzvorkommens widerspiegelt. Wer jetzt argumentiert, dass die Pilze ja unsichtbar im Boden leben und man anhand den Fruchtkörpern gar nicht abschätzen kann, wie weit eine Art verbreitet ist, dem gebe ich prinzipiell Recht.
Da sich aber auf der Basis von - wohlgemerkt verbindlichen - Roten Listen m.E. leichter neue Schutzgebiete erkämpfen lassen, haben die Vorschriften doch einen Sinn.

Aber die derzeitige Praxis ist blanker Hohn, insbesondere was die kostenpflichtigen Ausnahmegenehmigungen für's Pilzesammeln angeht - das kenne ich noch aus dem Mittelalter, da nannte man das Ablasshandel!

Gruß, Andreas

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Saftling, (vor 7322 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

ich vertrete die Ansicht: stets mit Maß und Ziel. Soll heißen, dass ich z.B.
Sammelbeschränkungen bis einem gewissen Maß sogar für sinnvoll erachte, um
den Menschen bewusst zu machen, dass auch Pilze Lebewesen sind und sie wie
alles in der freien Natur nicht unerschöpflich zur Verfügung stehen.
Außerdem braucht man eine Rechtsgrundlage, um den Pilztourismus, der
hierzulande an einigen Stellen wirklich überhand zu nehmen scheint,
einzudämmen.

Danke fuer dieses Argument! Das laesst mich erkennen, dass in meinen Ausfuehrungen nicht ganz klar geworden ist, worauf es mir im Kern ankommt. Sammelbeschraenkungen koennen akzeptabel sein, solange sie nicht mit dem falschen Argument begruendet werden, sie dienten dem Schutz der Pilze. Das halte ich definitiv fuer unbewiesen und eher fuer schaedlich. Mengenbeschraenkungen mit dem Zweck, dass auch Andere etwas finden koennen, sind voellig o.k. Nur sollte dann kein anderer Grund vorgeschoben werden!
Das ethische Argument - das mir im Prinzip sehr sympathisch ist - kann leider auch merkwuerdige Folgen haben. Als Entomologe bin ich mit den Folgen der ebenfalls unbewiesenen, aber von manchen gegen jegliche sachlichen Argumente resistenten Ignoranten gebetsmuehlenartig wiederholten Behauptung konfrontiert, Sammler wuerden die Schmetterlinge ausrotten. Ich sammle keine Schmetterlinge, aber benutze zum Fliegen fangen einen Kaescher. Das macht fuer viele Leute keinen Unterschied und ich bin schon Hunderte Male beschimpft worden mit so hirnrissigen Bemerkungen wie "jetzt fangen sie auch noch die letzten Schmetterlinge". Die in der Bevoelkerung offenbar weit verbreitete Ansicht, die Schmetterlinge wuerden seltener, weil die Sammler sie ausrotten, findet auch Niederschlag im NatSchG, wo z.B. das Fangen fast aller Tagfalter generell untersagt ist. Die Roten Listen werden trotzdem immer laenger. Auch hier ist tatsaechlich die - meist legale - Zerstoerung der Lebensraeume die Ursache des Rueckgangs vieler Arten. Nur wird das bald niemand mehr nachweisen koennen, denn als Folge der Sammelbeschraenkung gibt es kaum noch junge Leute, die sich mit Schmetterlingen beschaeftigen. Die Foerderung von Respekt vor allen Lebewesen ist ein wichtiges Ziel. Ob Sammelbeschraenkungen ein dafuer geeignetes Mittel sind, bezweifle ich. Stelle Dir mal vor, Du gehst mit einem Korb mit einigen schoenen Steinpilzen im Wald und auf einmal beschimpft Dich jemand "jetzt rotten sie auch noch die letzten Pilze aus". Ist das o.k.? Also ich finde, wir Pilzler waeren gut beraten, alles zu tun, damit so was nie vorkommt! Wie soll das gehen, wenn wir einerseits behaupten, die Vielfalt an Pilzen ist durch die Zerstoerung von Lebensraeumen bedroht und nicht durch das Sammeln, aber andererseits dennoch Sammelbeschraenkungen fordern? Diesen Widerspruch wird man einem Aussenstehenden nicht so leicht begreiflich machen koennen.

Ferner halte ich eine Rote Liste als Bemessungsgrundlage der zu schützenden
Arten für wichtig, weil nur sie den aktuellen Stand des Pilzvorkommens
widerspiegelt. Wer jetzt argumentiert, dass die Pilze ja unsichtbar im
Boden leben und man anhand den Fruchtkörpern gar nicht abschätzen kann,
wie weit eine Art verbreitet ist, dem gebe ich prinzipiell Recht.
Da sich aber auf der Basis von - wohlgemerkt verbindlichen - Roten Listen
m.E. leichter neue Schutzgebiete erkämpfen lassen, haben die Vorschriften
doch einen Sinn.

Da stimme ich Dir zu, wenn auch mit einigen Bauchschmerzen. Ich habe an mehreren Roten Listen zu verschiedenen Insektengruppen mitgearbeitet und auch einen umfassenden Beitrag ueber Geschichte und Konzept der Roten Listen publiziert (in "Rote Listen auf CD-ROM", Verlag fuer interaktive Medien) und glaube daher, mich mit der Materie auszukennen. Tatsache ist, dass Organismengruppen, fuer die es keine Rote Liste gibt, im Naturschutz (Schutzgebietsplanungen, Eingriffsregelung, etc.) keine Rolle spielen. Wenn wir wollen, dass Pilze im Naturschutz staerker beruecksichtigt werden als bisher, dann muessen wir Rote Listen erstellen. Mit diesen Listen wird aber auch Unfug getrieben. Z.B. werden mit Hinweis auf die Roten Listen Sammelbeschraenkungen gerechtfertigt. Das ganze Artenschutzrecht ist doch von der - von Wirbeltieren und manchen Pflanzen (v.a. Orchideen) abgesehen - irrigen Annahme geleitet, durch das Verbieten des Sammelns koenne man Arten schuetzen. Viele Entomologen weigern sich inzwischen, an Roten LIsten mitzuarbeiten, weil sie nach deren Erscheinen von den Behoerden Knueppel zwischen die Beine bekommen. Theoretisch ist das ja auch bei den Pilzen so (Saftlinge!), nur scheint das bisher niemanden zu kuemmern. Rote Listen ja, aber sie als Grundlage fuer Sammelbeschraenkungen zu verwenden ist ganz klar ein Missbrauch, der sachlich durch nichts gerechtfertigt ist. Nur hat dieser von den Autoren Roter Listen unzaehlige Male vorgebrachte Hinweis noch keinen Juristen in den Behoerden davon abgehalten, diesen Missbrauch zu begehen. Und es kommt noch schlimmer. Meine Mitarbeit an Roten Listen war frueher auch von der idealistischen Annahme geleitet, ich koenne damit einen kleinen Betrag zur Erhaltung bedrohter Arten, d.h. ihrer Lebensraeume, leisten. Ich verdiene einen Grossteil meines Einkommens mit sog. "oekologischen" Gutachten und weiss daher aus leidvoller Erfahrung, dass Eingriffe in wertvolle Gebiete durch den Nachweis, dass dort viele Arten der Roten Listen vorkommen, meist nicht verhindert werden. Zumindest bei groesseren Eingriffen in die Landschaft handelt es sich immer um politische Entscheidungen, die von oekologischen Argumenten nicht tangiert werden. Notfalls wird mit dem Totschlagargument, Arbeitsplaetze zu schaffen, alles andere vom Tisch gefegt. Das gilt selbst fuer absolute Hochranggebiete. Eines der Gebiete, an deren Untersuchung ich beteiligt war, beherbergt(e) fast 300 Rote LIste-Arten aus verschiedenen Organismengruppen. Das ist deutschlandweit ein sensationell hoher Wert. Die Flaeche wird z.Z. munter zugebaut...

Aber die derzeitige Praxis ist blanker Hohn, insbesondere was die
kostenpflichtigen Ausnahmegenehmigungen für's Pilzesammeln angeht - das
kenne ich noch aus dem Mittelalter, da nannte man das Ablasshandel!

Sehr gut! 100%ige Zustimmung!

Gruß, Andreas

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Der Juergen, (vor 7322 Tagen) @ Saftling

Hallo Dieter,

Dein interessanter Erfahrungsbericht bestätigt auch meine Einschätzung dieses Themas. Ich plädierte damals in einer Diskussion im DGfM-Forum dafür, dass man den Menschen die Natur wieder nahebringen sollte, indem man sie zu Kundigen und "Kunden" der Natur macht. Jeder in Deutschland darf sich aus staatlichen oder kommunalen Wirtschaftswäldern ernähren, das ist per Waldgesetzen geregelt. Für den Eigenbedarf und nonkommerziell ist dies möglich (abgesehen von touristischen "Ballungsgebieten", die mit Sammelbeschränkungen operieren). Wenn niemand mehr in den Wald geht, weiß niemand mehr, was dort passiert.

So können Kommunen "stillheimlich" Großerntemaschinen auch in "Plenter-Wäldern" einsetzen - das machen die auch, wenn keiner hinguckt! Bei uns kam es oft vor, dass kleine Reisschlag-Pächter plötzlich mit ihren Autos gar nicht mehr zu ihren Parzellen fahren konnten, weil einhalb-meter tiefe Spurrillen der Holzernter die Rücke-Schneise unpassierbar machten. Wenns in der Stadtkasse dürr aussieht, wird schon mal über den Stadtwald Geld reingeholt; da werden "ungefragt" alte Edellaubbäume aus den Naturnahen Wäldern geholt, und nicht wie früher mit Pferden, sondern mit den Harvestern und Stahlseilen. Überall regiert Gewinnmaximierung und Rationalisierung. Wenn man nicht in den Wald geht, sieht man sowas nicht, und kann auch nicht handeln (Verstöße dem lokalen Naturschutzverein oder der Forstbehörde melden!). Es sollte auch, und da hast Du völlig Recht, endlich mal aufhören, dass man dem "kleinen Natur-Begeher" immer ein schlechtes Gewissen einpflanzt! Wozu diese Beschilderung der Natur (LSG, NSG, ND usw); die völlig überflüssigen "Mahnmale" dienen doch nur dazu, dem Naturfreund vor Augen zu führen, hier müsse er sich jetzt aber ganz vorsichtig bewegen, um die Natur nicht zu zerstören - und zweihundert Meter weiter gibts eine Sandgrube, die die nächsten 100 Jahre eine Abbaulizenz besitzt. Warum regen sich Förster über Waldgrillplatz-Müll, Wildcamper und Scheißhaus-Vandalismus mehr auf, als über den "Kahlschlag-Befehl" der Kommune, oder den unsinnigen Wegebau der Flurbereinigung, oder den schweren Gerätepark im Waldeinsatz, oder der blöden "Verfichtung" von Kahlschlagflächen und und und!

Geht in die Wälder, plückt, sammelt und wenn ihr was seht, was euer Auge und die Seele beleidigt, macht eine Meldung beim Naturschutzverein oder dem Forstamt, oder der Forstbehörde oder sonstwie. German Krieglsteiner schrieb schon 1993 in "Einführung in die ökologische Erfassung der Großpilze Baden Württembergs" davon, dass der Naturfreund und Pilzkartierer jederzeit begründete Eingaben an die Naturschutzbehörde machen kann, wenn er ein schutzwürdiges Areal entdeckt. Davon sollte man mehr Gebraucht machen, zwar mahlen die behördlichen Mühlen langsam, aber man muss sie am Laufen halten.

Grüßle
Juergen

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Saftling, (vor 7322 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Juergen,

Dein interessanter Erfahrungsbericht bestätigt auch meine Einschätzung dieses
Themas. Ich plädierte damals in einer Diskussion im DGfM-Forum dafür, dass
man den Menschen die Natur wieder nahebringen sollte, indem man sie zu
Kundigen und "Kunden" der Natur macht. Jeder in Deutschland darf
sich aus staatlichen oder kommunalen Wirtschaftswäldern ernähren, das ist
per Waldgesetzen geregelt. Für den Eigenbedarf und nonkommerziell ist dies
möglich (abgesehen von touristischen "Ballungsgebieten", die mit
Sammelbeschränkungen operieren). Wenn niemand mehr in den Wald geht, weiß
niemand mehr, was dort passiert.

Exakt! Wenn man sich die vielen Verbote im Zusammenhang mit Aktivitaeten in der freien Landschaft anschaut koennte man Natur definieren als "Natur ist, wo man nicht hin darf". Diese "Anfassen verboten!"-Diktion unseres Artenschutzrechts wird langfristig dazu fuehren, dass kaum noch jemand Kenntnisse ueber Flora, Funga und Fauna hat.
Was das Sammeln von Pilzen oder Fruechten und Kraeutern angeht finde ich, dass enge Mengenbegrenzungen auch unsozial sind. Jedenfalls wirkten die wenigen Menschen, die mir begegnet sind als sie ungewoehnlich grosse Mengen Beeren oder Pilze sammelten (Handkarren) alle wie arme Schlucker, fuer die das Sammeln und der Verkauf von Erzeugnissen des Waldes eine Moeglichkeit ist, ein paar Euro zu verdienen. Reich wird damit niemand. Dank der derzeitigen gesellschaftlichen Veraenderungen wird es aber immer mehr solche Menschen geben. Uebrigens zeigen ja gerade die gewaltigen Mengen Pilze, die in Osteuropa ebenfalls aus existenziellen Gruenden geerntet werden, dass das Sammeln die Pilze nicht ausrottet. Wenn jemand gegenteiliger Meinung ist, bitte Beweise vorlegen!

So können Kommunen "stillheimlich" Großerntemaschinen auch in
"Plenter-Wäldern" einsetzen - das machen die auch, wenn keiner
hinguckt! Bei uns kam es oft vor, dass kleine Reisschlag-Pächter plötzlich
mit ihren Autos gar nicht mehr zu ihren Parzellen fahren konnten, weil
einhalb-meter tiefe Spurrillen der Holzernter die Rücke-Schneise
unpassierbar machten. Wenns in der Stadtkasse dürr aussieht, wird schon
mal über den Stadtwald Geld reingeholt; da werden "ungefragt"
alte Edellaubbäume aus den Naturnahen Wäldern geholt, und nicht wie früher
mit Pferden, sondern mit den Harvestern und Stahlseilen. Überall regiert
Gewinnmaximierung und Rationalisierung. Wenn man nicht in den Wald geht,
sieht man sowas nicht, und kann auch nicht handeln (Verstöße dem lokalen
Naturschutzverein oder der Forstbehörde melden!). Es sollte auch, und da
hast Du völlig Recht, endlich mal aufhören, dass man dem "kleinen
Natur-Begeher" immer ein schlechtes Gewissen einpflanzt! Wozu diese
Beschilderung der Natur (LSG, NSG, ND usw); die völlig überflüssigen
"Mahnmale" dienen doch nur dazu, dem Naturfreund vor Augen zu
führen, hier müsse er sich jetzt aber ganz vorsichtig bewegen, um die
Natur nicht zu zerstören - und zweihundert Meter weiter gibts eine
Sandgrube, die die nächsten 100 Jahre eine Abbaulizenz besitzt. Warum
regen sich Förster über Waldgrillplatz-Müll, Wildcamper und
Scheißhaus-Vandalismus mehr auf, als über den
"Kahlschlag-Befehl" der Kommune, oder den unsinnigen Wegebau der
Flurbereinigung, oder den schweren Gerätepark im Waldeinsatz, oder der
blöden "Verfichtung" von Kahlschlagflächen und und und!

Ich fuerchte, da hast Du leider recht. Was die sog. "ordnungsgemaesse Forstwirtschaft" heute treibt, kann man z.T. nur noch als Vandalismus bezeichnen. Frueher hatte ich die Schaeden durch die ueberschweren Maschinen nur als unerfreulichen Anblick empfunden, der zwar eine aesthetische Beleidigung, sonst aber nicht weiter schlimm ist. Doch neulich ist ein Artikel in "Spektrum der Wissenschaft" erschienen, wo die Auswirkungen des Befahrens von Boeden mit schweren Maschinen beleuchtet wurden, v.a. unter den Aspekten der Bodenerosion und der Wasserspeicherkapazitaet. Kennt "zufaellig" jemand eine Studie ueber die Auswirkungen dieser Belastungen der Boeden auf die Pilze? Man muss wohl annehmen, dass eine gruendliche wissenschaftliche Untersuchung dieses Themas von hoechster Relevanz fuer das Thema Rueckgang von Pilzarten waere.

Geht in die Wälder, plückt, sammelt und wenn ihr was seht, was euer Auge und
die Seele beleidigt, macht eine Meldung beim Naturschutzverein oder dem
Forstamt, oder der Forstbehörde oder sonstwie. German Krieglsteiner
schrieb schon 1993 in "Einführung in die ökologische Erfassung der
Großpilze Baden Württembergs" davon, dass der Naturfreund und
Pilzkartierer jederzeit begründete Eingaben an die Naturschutzbehörde
machen kann, wenn er ein schutzwürdiges Areal entdeckt. Davon sollte man
mehr Gebraucht machen, zwar mahlen die behördlichen Mühlen langsam, aber
man muss sie am Laufen halten.

Dem gibt es nichts hinzuzufuegen! Ausser, dass Engagement im Bereich Natur- und Umweltschutz manchmal erfolgreich ist. War nicht gerade im letzten "Tintling" ein Artikel (von Frank Roeger?), wo ein Waldstueck in der Eifel wegen des Vorkommens seltener Roehrlinge aus der Bewirtschaftung genommen wurde, nachdem Frank sich mit dem zustaendigen Foerster in Verbindung gesetzt hatte? Man darf sich nur nicht von den vielen erfolglosen Bemuehungen entmutigen lassen.

Liebe Gruesse
Dieter

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Der Juergen, (vor 7323 Tagen) @ Saftling

Hallo Dieter,

vielen Denk für den lesenswerten Bericht. Ich schließe mich Andreas' Meinung dazu gerne an. Wer die Biotope zerstört, ist für das Artensterben verantwortlich, nicht der Naturfreund, der sich aus der Natur bedient. Man kann es nicht oft genug festhalten. Wer die Zerstörung von Biotopen zulässt, und sich mit Ausgleichsmaßnahmen zufrieden gibt, betreibt irgendwann Naturschutz ohne Natur (ist sinngemäß von German Krieglsteiner).

Grüßle
Juergen

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Saftling, (vor 7323 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Dieter,
vielen Denk für den lesenswerten Bericht. Ich schließe mich Andreas' Meinung
dazu gerne an. Wer die Biotope zerstört, ist für das Artensterben
verantwortlich, nicht der Naturfreund, der sich aus der Natur bedient. Man
kann es nicht oft genug festhalten. Wer die Zerstörung von Biotopen
zulässt, und sich mit Ausgleichsmaßnahmen zufrieden gibt, betreibt
irgendwann Naturschutz ohne Natur (ist sinngemäß von German
Krieglsteiner).
Grüßle
Juergen

Hallo Juergen,

meine wesentlichen Ansichten dazu habe ich ja gerade auf Andreas' Beitrag geantwortet. Ergaenzen moechte ich dazu noch, dass gerade bei den Pilzen ja keineswegs eine allgemeine Tendenz zum Verschwinden von Arten besteht. Ich meine damit jetzt nicht, dass immer mehr waermeliebende Arten in Mitteleuropa auftauchen oder haeufiger gefunden werden als frueher. Auch viele Arten, fuer die gerade German Krieglsteiner unermuedlich auf einen z.T. dramatischen Rueckgang der Fundberichte v.a. in den 70er und 80er Jahren hingewiesen hat, sind inzwischen wieder haeufig. Den Tannenreizker waehnte er schon kurz vorm Aussterben; in den letzten Jahren konnte man im N-Schwarzwald stellenweise kaum laufen, ohne welche zu zertreten. Von Rueckgang keine Spur. Vermutlich (! das ist keine Gewissheit !) ist das eine positive Folge der Verminderung der Schwefelemissionen. Jedenfalls gibt es eine auffaellige negative Korrelation der Hoehe der Schwefelemissionen mit dem Auftreten bestimmter Pilze. Falls diese Vermutung stimmt, war also der Einbau von Filtern in Schornsteine und die Reduktion des Schwefelanteils in Treibstoffen die wesentliche Massnahme zum Schutz der betroffenen Pilze. Als naechstes sollte "man" das mit den Stickstoffemissionen machen, um die allgemeine Duengung der Landschaft durch die Luftverschmutzung zu unterbinden. Botaniker halten dies fuer die Hauptursache der Veraenderung der Bodenvegetation in Waeldern, die inzwischen weitraeumig von Brombeeren, Springkraut und Brennesseln dominiert wird. Ausserdem duerften die modernen Methoden der Waldbewirtschaftung den Pilzen schaden, weil die grossen Maschinen, schwer wie Panzer, das natuerliche Bodengefuege zerstoeren. Die Auswirkungen sind m.W. noch nicht erforscht (die Foerster wollen das vielleicht auch gar nicht wissen??). Wer sich politisch engagiert, um auf diese Fehlentwicklungen Einfluss zu nehmen, wird eher etwas zur Bewahrung der Vielfalt an Pilzen beitragen, als derjenige, der mit erhobenem Zeigefinger die Sammler beschimpft.

LG
Dieter

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Werner, (vor 7323 Tagen) @ Saftling

Hallo,

alles wesentliche wurde bereits von Euch ja schon gesagt und ich schließe mich dem ohne Vorbehalte an. Dazu kommt noch eins: in einem hier in der Nähe von München ausgewiesenen NSG stehen mehrere Schilder, daß die Entnahme jeglicher Pflanzen (gut, Pilze sind nicht erwähnt, aber wohl auch mit drin) streng verboten ist. Daneben findet man Jahr für Jahr frisch abgesägte Baumstümpfe und zwar von richtig alten Bäumen. Zusätzlich findet man dann immer wieder riesige Brandstellen, wo das Geäst der gefällten Bäume offensichtlich verbrannt wurde. Da frage ich mich schon immer wieder, welchen Lehreffekt das auf einen potenziellen Pflanzensammler haben könnte.

Gruß,

Werner

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Saftling, (vor 7323 Tagen) @ Werner

Hallo,
alles wesentliche wurde bereits von Euch ja schon gesagt und ich schließe
mich dem ohne Vorbehalte an. Dazu kommt noch eins: in einem hier in der
Nähe von München ausgewiesenen NSG stehen mehrere Schilder, daß die
Entnahme jeglicher Pflanzen (gut, Pilze sind nicht erwähnt, aber wohl auch
mit drin) streng verboten ist. Daneben findet man Jahr für Jahr frisch
abgesägte Baumstümpfe und zwar von richtig alten Bäumen. Zusätzlich findet
man dann immer wieder riesige Brandstellen, wo das Geäst der gefällten
Bäume offensichtlich verbrannt wurde. Da frage ich mich schon immer
wieder, welchen Lehreffekt das auf einen potenziellen Pflanzensammler
haben könnte.
Gruß,
Werner

Hallo Werner,

im Sinne des NatSchG sind Pilze Pflanzen. Der Gesetzgeber hinkt den wissenschaftlichen Erkenntnissen da hinterher. Ich glaube nicht, dass man sich mit dem Argument, Pilze seien keine Pflanzen, herausreden koennte, falls man einmal beim freveln erwischt wird.
Was das mit den Baeumen soll ist aus Deiner Schilderung wirklich raetselhaft. Allerdings werden in vielen Schutzgebieten Pflegemassnahmen durchgefuehrt, die der Erhaltung des besonderen Charakters des jeweiligen Gebiets dienen sollen. Oft beinhaltet das das Entfernen von Baeumen und Straeuchern. Naturschutzgebiete sind meistens keine Wildnis, wo alles ungestoert wuchern darf. Und das hat gute Gruende. Denn viele der besonderen Pflanzen und Tiere, deretwegen die Gebiete unter Schutz gestellt wurden, benoetigen bestimmte Lebensbedingungen, die verschwinden, wenn alles zuwaechst. Alles einfach wachsen lassen wuerde zu einer Reduktion der Artenvielfalt fuehren und das gilt als unerwuenscht.

LG
Dieter

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Werner, (vor 7321 Tagen) @ Saftling

Hallo Dieter,

im Sinne des NatSchG sind Pilze Pflanzen. Der Gesetzgeber hinkt den
wissenschaftlichen Erkenntnissen da hinterher. Ich glaube nicht, dass man
sich mit dem Argument, Pilze seien keine Pflanzen, herausreden koennte,
falls man einmal beim freveln erwischt wird.

Klar, das ist mir bekannt. Nur formuliere ich halt manchmal auch provokativ :-)

Was das mit den Baeumen soll ist aus Deiner Schilderung wirklich raetselhaft.
Allerdings werden in vielen Schutzgebieten Pflegemassnahmen durchgefuehrt,
die der Erhaltung des besonderen Charakters des jeweiligen Gebiets dienen
sollen. Oft beinhaltet das das Entfernen von Baeumen und Straeuchern.
Naturschutzgebiete sind meistens keine Wildnis, wo alles ungestoert
wuchern darf. Und das hat gute Gruende. Denn viele der besonderen Pflanzen
und Tiere, deretwegen die Gebiete unter Schutz gestellt wurden, benoetigen
bestimmte Lebensbedingungen, die verschwinden, wenn alles zuwaechst. Alles
einfach wachsen lassen wuerde zu einer Reduktion der Artenvielfalt fuehren
und das gilt als unerwuenscht.

Ich gebe Dir mit allem recht. So gibt es hier z.B. auch Trockenrasen und ehemalige Hutewiesen, die aus Naturschutzgründen immer wieder gemäht werden. Das ist mir durchaus begreiflich. Was ich weniger verstehe, ist, warum man direkt neben einem Verbotsschild (Pflücken von Pflanzen etc.) Bäume mit einem Durchmesser von 60 cm und auch wesentlich mehr fällt. Und warum man dann auch noch riesige Brandstellen (3-5m Durchmesser) in diesen NSG-Gebieten selbst anlegt. Das hat nichts mit dem Freihalten von Flächen für besondere Lebensbedingungen zu tun. Ich vermute dahinter einfach Kommerz - denn es handelt sich bei den alten Bäumen doch um offensichtlich hochwertiges Holz. Hatte extra noch mal die Schnittflächen angesehen - keine Spur von irgendeiner Fäule.

Gruß,

Werner

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Der Juergen, (vor 7321 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

...Das hat nichts mit dem Freihalten von Flächen
für besondere Lebensbedingungen zu tun. Ich vermute dahinter einfach
Kommerz - denn es handelt sich bei den alten Bäumen doch um offensichtlich
hochwertiges Holz. Hatte extra noch mal die Schnittflächen angesehen -
keine Spur von irgendeiner Fäule.

Solche "Pflegemaßnahmen" sind mir auf meinen Touren schon öfters begegnet. Wenn man das die Stadt oder das Forstamt machen lässt, rollen die mit schwerem Gerät an und sägen wahllos in der Gegend rum; neulich .... auf einer Wacholderheide (NSG!) sind sie mit einem "kleineren" Holzernter (immer noch ein riesen Bagger-Gerät!) über die Wiesen gewalzt - plan/wahllos! Einer im Holzernter mit Kranklaue, der andere zu Fuß mit Motorsäge - ich hätte das Anzeigen sollen! Ein Hohn auf alle ehrenamtliche "Ausputzer", die für Naturschutzverbände solche Arbeiten fürn Butterbrot undn Dankeschön "naturgerecht" bewerkstelligen. Mir wäre übrigens völlig neu, dass man aus einem NSG große Bäume rausholen darf, die werden höchstens wegen Umsturz-gefahr gefällt, aber dan liegen gelassen (Totholz!).

Grüßle
Juergen

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Re: Andere Laender, andere Sitten

Alpenhans, (vor 7323 Tagen) @ Saftling

Hallo Dieter!

Bin auch deiner Meinung, dass die Zerstörung der Habitate durch Abholzung, Monokulturen, Überdüngung.....und nicht das Sammeln die Hauptursache für das Ausbleiben vieler Arten ist.
Außerdem höre ich genauso wie Du "Kann man diese Pilze essen" als einzigen Komentar bei der Betrachtung von wunderschönen Saftlingen oder anderen kleineren Arten. Bei uns werden sie als "wilde Pilze" bezeichnet - "es gibt nicht einmal wilde Schwammerl" ist leider ein häufiges Schlagwort.

Aber ich habe noch eine Frage zur Genießbarkeit von Saftlingen - ich will sie aber nicht essen. Bis jetzt habe ich immer gehört dass sie ungenießbar sind und auch die Größe und Schleimigkeit sprechen ja nicht gerade für eine "Küchenernte" - vieleicht kannst Du mir dazu etwas sagen.

Liebe Grüße

Hans

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Essbarkeit von Saftlingen

Saftling, (vor 7323 Tagen) @ Alpenhans

Hallo Dieter!
Bin auch deiner Meinung, dass die Zerstörung der Habitate durch Abholzung,
Monokulturen, Überdüngung.....und nicht das Sammeln die Hauptursache für
das Ausbleiben vieler Arten ist.
Außerdem höre ich genauso wie Du "Kann man diese Pilze essen" als
einzigen Komentar bei der Betrachtung von wunderschönen Saftlingen oder
anderen kleineren Arten. Bei uns werden sie als "wilde Pilze"
bezeichnet - "es gibt nicht einmal wilde Schwammerl" ist leider
ein häufiges Schlagwort.
Aber ich habe noch eine Frage zur Genießbarkeit von Saftlingen - ich will sie
aber nicht essen. Bis jetzt habe ich immer gehört dass sie ungenießbar
sind und auch die Größe und Schleimigkeit sprechen ja nicht gerade für
eine "Küchenernte" - vieleicht kannst Du mir dazu etwas sagen.
Liebe Grüße
Hans

Hallo Hans,

ich esse gerne Pilze und scheue mich auch nicht, ab und zu nicht ganz so haeufige Arten zu bruzeln (Wiesenellerlinge, Eichhase, etc.). Aber bei den Saftlingen (den W.-Ellerling ausgenommen) kommt mir noch nicht einmal der GEdanke daran. Daher sind meine Kenntnisse zur Essbarkeit nicht sehr fundiert. Meine gesamte Literatur dazu liegt zuhause und kann nur aus dem Gedaechtnis berichten. Manche Arten werden in der Literatur als essbar bezeichnet, darunter auch punicea. Andere werden als leicht giftig oder giftverdeachtig (v.a. conica) bezeichnet. Die meisten Arten sind wohl nie wirklich getestet worden, weil zu klein, zu selten, zu schleimig, mit unangenehmen Geruch (nitroes) etc. Gerade punicea ist aber dort wo er vorkommt oft recht zahlreich und dann ergiebig. Die Lebensraeume von Saftlingen waren ja bis vor ein paar Jahrzehnten sehr verbreitet und vermutlich gab es in manchen Gegenden bestimmte Saftlinge so haeufig wie heute die Champignons. Damit erklaert sich auch, wie sie ueberhaupt zu der Einstufung als essbar gelangt sind. In vielen modernen Pilzbuechern werden ja Pilze, die keineswegs giftig sind und vielleicht sogar gut schmecken, als nicht essbar bezeichnet, weil sie selten sind. Doch zum Kern Deiner Frage: Ausser dem Wiesenellerling, den ich gerade heute gegessen habe (in Butter angebraten, Sahne dazu gegeben, etwas Salz und schwarzen Pfeffer) und der ein feines, unaufdringliches Aroma hat und nicht nur essbar sondern geniessbar ist, habe ich keine persoenliche Erfahrung mit dem kulinarischen Wert von Saftlingen. Die Dame gestern schien aber sehr begeistert und hat die Champignons und Nelkenschwindlinge, die in anderen Teilen des Schutzgebiets ebenfalls in Mengen wuchsen, ignoriert (kann aber auch an mangelnden Kenntnissen liegen, denn meine Ellerlinge hat sie ja als "not good" bezeichnet, was wirklich quatsch ist). Daher nehme ich an, dass manche Arten kulinarisch durchaus etwas hergeben. Hoffentlich animiere ich dadurch niemand zum Sammeln. Es gibt wirklich genug andere wohlschmeckende Pilze...

Liebe Gruesse aus Daenemark
Dieter