Pilze Pilze Forum
Erweitert

Braune Ritterlinge in Kiefernwäldern *PIC*

Ingo, (vor 6947 Tagen)

Hallo Pilzfreunde!

Da meine kleine Umfrage am vergangenen Freitag doch auf ein gewisses Interesse stieß, möchte ich
heute dazu einladen, eine mittlerweile ziemlich betagte Thematik gemeinsam zu diskutieren.

Wie an der Überschrift erkennbar, sollen dabei die braunen Ritterlinge unserer Kiefernwälder
im Mittelpunkt stehen.

Sicher kann es dabei nicht schaden, einmal einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, und damit auf
die Historie der Taxonomie dieser Tricholoma - Sektion.
Daher an dieser Stelle, für alle die den Thread übersehen haben, der Link dahin.

Wie schon erwähnt, konnte ich in den vergangenen Wochen insgesamt über 30 Fruchtkörper ausfindig
machen. Im Vergleich zum Vorjahr handelte es sich dabei um drei mehr oder weniger verschiedene
Kollektionen. Zu Beginn möchte ich nochmal kurz einige Bilder von den vorjährigen Exemplaren zeigen,
da der entsprechende Beitrag mittlerweile archiviert wurde.

Kollektion 1 – 12.10.2006 bis 26.10.2006

[image]

[image]

[image]

[image]

[image]

[image]

Hut: max. 14 cm, abgeflacht wellig, mehr oder weniger fleischig
Stiel: ca. 10 cm x 2,5 cm, zur Basis hin verdickt
Hutoberfläche kahl, am Rand leicht gerieft, nahezu einheitlich blass
kastanienbraun; Huthaut komplett abziehbar mit anhaftenden Fleischstücken
Stiel weiß, von der Basis her mit rotbraunen Fasern / Schüppchen überzogen, ohne deutlich abgesetzte
Stielspitze
Lamellen: weiß, wenig gedrängt mit im Alter rostfarbenen Schneiden, am Stiel ausgebuchtet und mit Zahn
zum Teil deutlich herablaufend
Fleisch: weiß und an Fraßstellen kupferfarben rötend
Geruch: deutlich aber nicht sehr stark mehlartig
Geschmack: deutlich mehlig mit wenig bitterem Nachgeschmack

Zur Gegenwart:

Kollektion 2 – 22.09.2007 bis 13.10.2007

[image]

[image]

[image]

[image]

[image]

[image]

Hut: ca. 8-12 cm, abgeflacht, wenig fleischig
Stiel: ca. 10 –14cm x 2 cm, nahezu zylindrisch
Hutoberfläche kahl, am Rand leicht gerieft, blass rosa – kastanienbraun, zum Rand hin entfärbt; Huthaut komplett abziehbar
Stiel weiß, von der Basis her mit wenigen, rotbraunen Fasern überzogen, ohne abgesetzte Stielspitze.
Lamellen: weiß, wenig gedrängt, kaum verfärbend; am Stiel ausgebuchtet und wenig mit Zahn herablaufend
Fleisch: weiß und an Bruchstellen kaum verfärbend
Geruch: deutlich aber nicht aufdringlich mehlartig
Geschmack: deutlich mehlig mit einem wenig bitteren Nachgeschmack

Ökologie / Standort:
Beide bisher gezeigten Kollektionen besiedelten das gleiche, ca. 2 ha umfassende Areal, welches
ich bereits in dem Bericht im Vorjahr beschrieben hatte. Aufgrund der verschiedenen Witterungsumstände
der vergangenen beiden Jahre halte ich es für wahrscheinlich, dass die leichten Unterschiede beider
Kollektionen witterungsbedingte Ursachen hatten. Die Fruchtkörper wuchsen immer einzeln bis zerstreut.
Weitere Ritterlingsvertreter in diesem Areal, wie schon im Vorjahr:
T.focale, T. equestre und T. saponaceum. Ferner Bankera fulinigeoalba und Sarcodon squamosus.

Kollektion 3 – 22.09.2007 bis 13.10.2007

[image]

[image]

[image]

Hut: max. 3 bis 4,5 cm, abgeflacht, wenig fleischig
Stiel: ca. 9 –11cm x 1,5 cm, nahezu zylindrisch
Hutoberfläche feinfaserig gestreift, am Rand nicht gerieft, braun, zum Scheitel hin dunkler; Huthaut nur zu
Etwa 2/3 komplett abziehbar
Stiel weiß, von der Basis her deutlich und fast bis zur Spitze mit kupferbraunen Fasern überzogen, ohne
abgesetzte Stielspitze
Lamellen: weiß, wenig breit, an Verletzungsstellen kupferbraun verfärbend; am Stiel ausgebuchtet und
wenig mit Zahn herablaufend
Fleisch: weiß und an Bruchstellen kaum verfärbend
Geruch: aufdringlich mehlartig (Mairitterling); Geschmack: deutlich mehlig mit leicht bitterem Nachgeschmack

Ökologie / Standort:
Vom Erscheinungsbild her ähneln diese Exemplare nahezu denen der vorstehenden Kollektion.
Nur waren diese weitaus schmächtiger, bei vergleichbarer Stielgröße.
Diese Ritterlinge konnte ich nur in Einzelexemplaren, am Rand von Waldwegen oder auf moosbewachsenen
Schneisen beobachten.

Kollektion 4 – 05.10.2007

[image]

[image]

[image]

[image]

[image]

Hut: ca. 6 bis 11 cm, abgeflacht, wellig, fleischig
Stiel: ca. 4 –5cm x 2,5 cm, zur Basis hin verdickt
Hutoberfläche feinfaserig gestreift, am Rand leicht gerieft, kastanienbraun, zum Rand hin blasser; Huthaut
nur zur Hälfte abziehbar
Stiel weiß, von der Basis her mit braunen Schüppchen besetzt, ohne deutlich abgesetzte Stielspitze
Lamellen: weiß, wenig schmal, mit wenigen, braunen Punktierungen an den
Schneiden; am Stiel ausgebuchtet und ein wenig mit Zahn herablaufend
Fleisch: weiß und an Bruchstellen kaum verfärbend
Geruch: aufdringlich mehlartig (Mairitterling)
Geschmack: deutlich mehlig mit leicht bitterem Nachgeschmack

Ökologie / Standort:
Ich hätte es am liebsten ignoriert, als ich das Ritterlingsbüschel sah. Passte es doch so gar nicht
zu den anderen Funden. Eigentlich erinnerten sie mich vom Erscheinungsbild an Pappelritterlinge.
Aufgefunden am Ufersaum eines Waldsees. Im Trockenrasen / Nadelstreu mit lockerem Kiefernbewuchs.

Nebenbei: Ein Exemplar habe ich vor zwei Wochen mit zur PABB zwecks Bestimmung mitgenommen.
Der Pilz hatte da schon eine Zwei-Tagereise hinter sich und war etwas abgegriffen. So schien es, als hätte
er eine deutlich abgesetzte Stielspitze gehabt. Nach Gröger wurde dort auf T. albobrunneum geschlüsselt.

Hier noch ein Vergleich zweier Exemplare aus den beiden letzten Kollektionen:

[image]

So denn, das war’s erst mal mit dem Bildteil. Ich hoffe, man kann etwas erkennen. Meine
Makrobeschreibungen nach den Bildern stelle ich gerne zur Diskussion. Größenangaben, sowie Angaben
zu Geruch und Geschmack müsst Ihr mir allerdings erst mal unbenommen abkaufen.

Nachfolgend möchte ich mal versuchen, die vorgestellten Kollektionen mit dem Schlüssel
aus “Die Großpilzflora von Europa“, Teil 2 von M. Bon (1995) zu erreichen.

Dies erfolgt dann aber in einem gesonderten Beitrag. Ich würde mir wünschen, dass Ihr mal alle in den
Bücherschrank hinter Euch schaut, ob Ihr da nicht ein wenig Lektüre findet, welche dieser Sache hier
etwas voran bringen kann.

Herzlichen Dank im Voraus – Ingo

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Tricholoma Schlüssel nach M. Bon

Ingo, (vor 6947 Tagen) @ Ingo

Tricholoma stans (Fr.) Sacc.

Geruch fehlend oder schwach, leicht aromatisch, aber weder mehl- noch gurkenartig
Unter Nadelbäumen, Huthaut schwach schmierig, fast filzig oder +/-streifig, schließlich radialrissig.
Hut 5-8 (12) cm, rasch abgeflacht oder wenig fleischig, rosalich braun oder blaß kastanienbraun
einheitlich. Lamellen wenig breit, zunächst rein weiß, dann etwas falb cremefarben oder mit angedeutetem
rosalichem Schimmer. Stiel 6-10 (15) x 0,5-1,2 (2) cm, fast gleichmäßig dick,
weißlich oder blaß und von der Basis her mit bräunlichen Fasern überzogen.
Fleisch oberflächlich fast gleichfarbig, im Inneren weiß. Geruch
flüchtig schwach, Geschmack fast mild. (Mikromerkmale lassen wir mal außen vor!)
Vorkommen: verschiedene Nadelhölzer, vor allem Pinus, kalkhold.

Tricholoma pessundatum (Fr.) Quel.

Geruch stark mehlartig, nach Gurke, Cordsamt usw...
Hut 5-8 cm., flach gewölbt oder niedrig zentral gebuckelt, Hutrand anfangs leicht gerippt und Hutoberfläche
schmierig oder leicht streifig, mitunter auch nach außen hin dunkel getropft oder gesprenkelt. Farben
+/- rosalich-braun oder goldbraun und manchmal mit etwas grünlich bronzefarbenem Schimmer. Lamellen
wenig gedrängt, weiß oder mit rosalichem, von der Schneide her fuchsigen Schimmer. Stiel 5-9 x 0,8-1,5 cm,
fast gleichdick, weißlich mit bemehlter Spitze, zur Basis hin +/- feinschuppig und von der Basis aufwärts
bräunlich. Fleisch weiß oder im Stiel schwach fuchsig. Geruch und Geschmack stark mehlig-gurkenartig.
Vorkommen: vor allem unter Kiefern

Tricholoma tridentum Sing. (T. pessundatum ss. Bres.)

Hut fleischiger, bis 12 (15) cm., Hutrand eingerollt und nicht rinnig, Huthaut
schmierig oder nicht getropft, trockner, dunkel kastanienbraun, manchmal +/- rötlich
bei blasserem oder rosalich scheinendem Hutrand.
Lamellen eher gedrängt, blaß cremefarben und +/- fuchsrötlich gefleckt. Stiel 5-10 (15) x 1-2 (3) cm,
+/- keulenförmig, weiß, von der Basis her mit bräunlichen Fasern oder Schuppen. Fleisch weiß mit starkem
Geruch, vor allem nach Gurke oder Wassermelone. Geschmack leicht bitter oder wie der Geruch.
Vorkommen: Calcicole, +/- grasige Kiefernwälder, in Berglagen (unter Zedern kommt die var. cedretorum
M. Bon vor, stämmiger und büschelig wachsend oder mit wärmeren Farben)

Tricholoma striatum (Sch.) Sacc, (T. albobrunneum auct. nom. ambig.)

Oberfläche stark faserig, gestreift oder feinstreifig. Hut 6-10 (12) cm, wenig fleischig, Hutrand schließlich
fast feinstreifig- rilllig. Huthaut schwach schmierig, lebhaft fuchsigbraun oder nach außen hin blasser mit
weißlichem und anfangs samtigem Randsaum. Lamellen weiß, bei Berührung schwach ockerlich oder
beim Reiben fuchsrötlich gefleckt. Stiel 5-10 x 1-2 cm, fast gleichdick +/- schlank mit weißem, zartem oder
flüchtigem Schleier; Stielspitze weiß, leicht punktiert und Stielsbasis zunehmend faserig oder leicht
fuchsrötlich genattert. Fleisch weiß bis oberflächlich fuchsig mit flüchtigem oder beim Reiben deutlicher
wahrnehmbaren mehlartigen Geruch. Geschmack schwach oder langsam bitter.
Vorkommen: Bergnadelwälder, selten in der Ebene

Fazit: Mit diesem Schlüssel lande ich, nahezu ausnahmslos, bei T. pessundatum. Die 4. Kollektion
könnte auch bei T. tridentum untergebracht werden, welcher aber anscheinend nur bei Bon Artrang genießt.
Kalk war definitiv nicht mit im Spiel, da hätten zum Beispiel die Begleitarten der ersten beiden Kollektionen
etwas dagegen.
Daher: Zusätzliche Informationen dringend erwünscht!

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Ergänzung *PIC*

Ingo, (vor 6946 Tagen) @ Ingo

hier noch eine weitere Info zu T. pessundatum aus dem Bon:

Anmerkung: Fragwürdige Essbarkeit, Aufsammlungen mit noch kleineren Sporen,
wie sie aus Zentraleuropa bekannt sind, sollen in der Berliner Umgebung
Vergiftungsfälle von gastro-enteritischen Typ verursacht haben, vgl. Cetto 569?
Hornicek, 1977: Myk. Sborn. 54:49, beschreibt darüber hinaus die tschechische
Kollektion T. crenulatum mit ebenfalls +/- gekerbtem Hutrand, aber breiteren
Sporen, die ihrerseits ebenfalls giftig sein soll.
Fazit Bon: Die pessundatum Gruppe scheint also Sammelarten zu umfassen und bedarf
der näheren Untersuchung.

Noch eine kurze Berichtigung: Tricholoma tridentum sollte eigentlich
T. tridentinum heißen - ein Flüchtigkeitsfehler im Eifer des Gefechts.

An dieser Stelle mal ein Bild, wie "typische" Getropfte Ritterlinge
eigentlich von oben aussehen könnten:

[image]

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Ergänzung

Andreas ⌂, (vor 6946 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

An dieser Stelle mal ein Bild, wie "typische" Getropfte Ritterlinge
eigentlich von oben aussehen könnten:

hmmm, so typisch find ich die gar nicht, die sollten doch eigentlich eine eher glatte Hutoberfläche haben, oder? Für mich sehen die eher nach Tricholoma imbricatum aus?

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Ergänzung mit 10 Bildern von heute *PIC*

Rudi, (vor 6945 Tagen) @ Andreas

Hallo Ingo und Andreas

hmmm, so typisch find ich die gar nicht, die sollten doch eigentlich eine
eher glatte Hutoberfläche haben, oder? Für mich sehen die eher nach
Tricholoma imbricatum aus?

denke auch an imbricatum, auch wenn meine heutigen Schuppigen Ritterlinge alle gebuckelt waren:

[image]

[image]

Zum Vergleich hab ich noch ein paar braune Bilder von heute, auch wenn ich für meine Diagnosen nicht die Hand ins Feuer legen mag ( bin noch ein bischen von den vielen Stachelingen abgelenkt- vielleicht später noch ein paar Bilder davon)

zuerst stans, Rotfleckender Kiefernritterling:

[image]

[image]

dann striatum, Weißbrauner R.:
[image]

[image]

jetzt fracticum, Fastberingter R.:
[image]

[image]

und zuletzt nochmal imbricatum, der Feinschuppige:
[image]

[image]

Grüße Rudi

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Bitte um weitere Angaben

Thüringer-Holz, (vor 6945 Tagen) @ Rudi

Hallo Rudi,

wie ich sehe, bei dir gibt es noch was!
Verrätst du uns wie du zu T.stans und T.striatum kommst?
Welchen Schlüssel hast du benutzt?
Ökologie?
Ist der wellige Rand typisch für striatum und grenzt du ihn von T. albobrunneum ab?
Fragen über Fragen!!

Beste Grüße Felix

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: toll, sehr interessant!

Ingo, (vor 6945 Tagen) @ Rudi

Hallo Rudi, das schaut ja mal spannend aus.

Die feinschuppigen lassen wir mal außen vor. Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

Was mich etwas bedenklich stimmt:

Deine rotfleckenden Kiefernrittelinge (T. stans) haben einheitlich dunkelbraune,
faserige Hutoberfläche.
Deine Weißbraunen R. (T striatum/albobrunneum) sind auf dem Hut kahl und haben
ansatzweise Wasserflecken und was ich noch schlimmer finde:

Felix seine Fastberingten Ritterlinge (T. fracticum) hatten stark faserige
Oberfläche mit z.T. fuchsigroten Komponenten.
Deine fastberingten scheinen aber kahle Huthaut zu haben. Auch hier sind Ansätze
von Wasserflecken zu erkennen. Hast du vielleicht noch weiteres Bildmaterial dazu?

Vielleicht findest du ja auch noch irgendeinen vergessenen Tricholoma-Schlüssel
im Schrank.

Ich fände das Original von E. Fries zur pessundatum-Gruppe nicht verkehrt.
Etwas aus dem Mittelmeerraum wäre aber auch ganz interessant.

@Andreas:
Na klar zeige ich T. imbricatum. Sonst wäre das Bild mit Sicherheit im Hauptbeitrag gelandet.

Viele Grüße Ingo

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Zugaben *PIC*

Rudi, (vor 6945 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo+ Felix,

Hast du vielleicht noch weiteres Bildmaterial

dazu?

Na klar:
stans:
[image]
striatum:
[image]
fracticum:
[image]

Vielleicht findest du ja auch noch irgendeinen vergessenen
Tricholoma-Schlüssel
im Schrank.

hab nur noch die Bemerkungen von Lothar Krieglsteiner im Mainfranken-Buch

Ich fände das Original von E. Fries zur pessundatum-Gruppe nicht verkehrt.
Etwas aus dem Mittelmeerraum wäre aber auch ganz interessant.

Da kann ich jetzt leider nicht dienen. Interessant wärs zweifelsohne.

Jetzt "muß ich leider" zu Hans-Jürgen, wir wollen über dem scharfen und dem unscharfen Glas schwitzen- vielleicht morgen mehr!

Grüße Rudi

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

. *oT*

Andreas ⌂, (vor 6939 Tagen) @ Ingo

- kein Text -

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: makro- und mikroskopisch bestätigt! *oT*

Ingo, (vor 6938 Tagen) @ Andreas

- kein Text -

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Tricholoma-Schlüssel nach BW-Pilze 3

Ingo, (vor 6945 Tagen) @ Ingo

Tricholoma Schlüssel nach Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 3

Tricholoma stans (Fries 1874) Quelet 1872

Morphologie:
Hut 4-11 cm breit, unregelmäßig buckelig-gewellt. Oberfläche schwach glänzend, jung klebrig, Rand lange
eingerollt, teils schwach gekerbt, rosa-bräunlich bis kastanien, Mitte dunkler, Rand entfärbt, Huthaut abziehbar.
Lamellen breit, dick, creme, alt rostfleckig, zuletzt ziegelbraun, ausgebuchtet angewachsen und mit Zahn herablaufend.
Stiel 4-5 x 1-1,5 cm, gedrungen, matt kahl, Basis verjüngt, wurzelnd, Oberfläche zart rötlichbraun, Spitze creme,
schwach abgesetzt. Trama weißlich, an Fraßgänge rostfarben, Geruch stark nach Gurke bzw. Mehl, Geschmack bitter.

Hinweis: keine näheren Angaben zur Ökologie nach diesem Schlüssel

Anmerkung: Die Farbtafel in MHK (1987, Band III, Nr. 210) gehört zu T. stans, während sich der Text als ein Mixtum
erweist, welches Merkmale von T. albobrunneum und T. stans vermengt. Auch von anderen Autoren
(Bon, Hansen&Knudsen, Moser, Riva u.a.) werden die beiden Arten unterschiedlich gefasst, gegenläufig
interpretiert und nicht wenige Merkmale gegeneinander verschoben. Die Auffassung des Verfassers entspricht
weitgehend der Darstellung in Marchard (1986).

Tricholoma pessundatum (Fries 1821) Quelet 1872

Morphologie:
Hut bis 15 cm. breit, fuchsig bis rotbraun, oft verbogen, klebrig, kahl, glatt, oft mit tropfenförmigen dunkleren
oder helleren Vertiefungen, am Rand teils zonenartig angeordnet; Rand anfangs eingebogen, selten gerieft.
Lamellen weiß bis blass, oft stark rostrot gefleckt, gedrängt, ausgebuchtet oder abgerundet.
Stiel 3-10 x 2-4 cm, weiß, von der Basis herauf schwach rot- bis fuchsbraun, kahl oder schwach flockig-schuppig.
Trama weiß, fest, Geruch mehlartig, Geschmack bitter bis mild.
Ökologie: Kiefernwälder auf armen Sandböden. Bon: atlantische Sand-Kiefernwälder

Tricholoma albobrunneum (Persoon 1801: Fries 1821) Kummer 1884
Tricholoma striatum (Schäffer 1762) Saccaro 1915

Morphologie:
Hut 5-8 cm breit, dunkel kastanien- bis rötlichbraun, durchgehend mit eingewachsenen, radialen Faserstreifen
(Epithet: striatum), angefeuchtet schwach klebrig-schmierig, Hutrand etwas eingerollt.
Lamellen weiß, später schwach ockerlich, an den Schneiden braunfleckend, gedrängt, ausgebuchtet.
Stiel 3-6 x 1-1,5 cm, glatt oder faserig, matt, punktiert schuppig, ocker- bis rotbräunlich, Spitze weiß, durch eine
haselnussbraune Pseudoringzone deutlich abgesetzt.
Trama weiß, fest, beim Durchschneiden mit starkem Mehlgeruch, Geschmack mild, mehlartig, nach längerem Kauen bitterlich.

Ökologie: Vorwiegend auf sauren Böden unter Kiefer, aber auch unter Fichte

Anmerkung: Die Art ist mit den Schlüsseln von Moser (1978, 1983) nicht erreichbar, da man in der Schlüsselgabelung 7/7*
fehlgeleitet wird und zu T. fracticum (batschii, subannulatum) gelangt. Dies ist
jedoch ein Kiefern-(seltener auch Fichten-) begleiter auf Kalk, nicht auf sauren Sandböden.
Dasselbe Problem stellt sich im Schlüssel der nordischen Arten (Hansen&Knudsen 1992).
Siehe auch Anmerkungen zu Tricholoma stans.

Fazit: Wenn man diesem Schlüssel folgt, kann man den oben aufgeführten von M. Bon getrost vernachlässigen.

Demnach wäre Kollektion 1 nahezu eindeutig Tricholoma stans (wie schon im Vorjahr festgestellt)
Kollektion 2 aus diesem Jahr ist zwar äußerlich ähnlich, aber schon etwas verschieden.
Dazu möchte ich feststellen, dass ich am 16.09.2007 im gleichen Waldstück zwei
Ritterlinge auffand, die vom Habitus her denen der Kollektion aus 2006 zu 100% entsprachen.
Die fragileren, ca. 20 Fruchtkörper aus Kollektion zwei, eine Woche später fruchtend, könnten zwar
zur selben Art gehören, müssen aber nicht. Vor allem bei Täublingen kann man häufig feststellen,
dass verschiedene Arten nahezu gleichen Aussehens unmittelbar nebeneinander fruktizieren können.

Allerdings sollte man, gerade Ritterlingen, eine gewisse Bandbreite an Wachstumsmerkmalen
zugestehen. So konnte ich bei Grünlingen häufig ähnliche Streuungen beobachten.
Was letztendlich aber auch bedeuten kann, dass es doch verschiedene Grünlingsarten gibt.

Mit Kollektion Nummer 3 lande ich nach diesem Schlüssel im Niemandsland. Vor allem der stark
faserigen Huthaut wegen. Einige Schlüssel gestehen ja auch Varianten von T. pessundatum
derartige Oberflächenbeschaffenheit zu. Möglicherweise handelt es sich hierbei ja tatsächlich um
eine weniger beachtete, neue Pessundatum- Art.

Kollektion Nummer 4 würde ich nach diesem Schlüssel, allerdings auch mit Einschränkungen,
als Tricholoma pessundatum ansprechen wollen.

Vielleicht hilft dieser Schlüssel doch ein wenig weiter.
Auf die von Rudi gezeigten Arten möchte ich hier einstweilen erst mal nicht eingehen.
Vielleicht hat hier ja noch jemand einen anderen Schlüssel zum abgleichen da.

Beste Grüße Ingo

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Bestimmungsschlüssel nach B&K Band 3

Ingo, (vor 6944 Tagen) @ Ingo

Tricholoma Beschreibung nach Pilze der Schweiz, Band 3

Tricholoma stans (Fr.) Sacc.

Makroskopische Beschreibung:

Hut 40-70 (90) mm, jung halbkugelig, später konvex bis abgeflacht mit stumpfem
Buckel und darum herum meistens etwas eingedellt, Oberfläche fein eingewachsen
radialfaserig, feucht schwach schmierig, trocken matt, braunrot, gegen den Rand
heller und bisweilen mit bräunlichen Punkten oder Flecken, Rand scharf.
Fleisch weiß, in den Randzonen bisweilen schwach rötend, gegen den Rand
dünnfleischig. Geruch im Schnitt mehlartig, Geschmack mehlartig +/- bitter.

Lamellen weiß bis weißlich, breit, mit Tendenz zum Röten, am Stiel ausgebuchtet
angewachsen,
Schneiden glatt, rotbraun fleckend. Stiel 50-80 x 8-12 mm, zylindrisch, gegen Basis
etwas zugespitzt, Oberfläche auf weisslichem Grunde mit braunrötlichen Längstfasern
oder feinen Querschuppen, ohne klar abgegrenzte Ringzone, voll, starr. einzeln
bis gesellig wachsend.

Bemerkungen (der Autoren!): neben der beschriebenen Art sind noch weitere braune
Ritterlinge mit Pinus und teilweise auch mit Piceus vergesellschaftet, nämlich s
solche mit einer Pseudoringzone wie z.B. T. colossus oder T. fracticus; ohne
deutliche Ringzone z.B. T. striatum oder T. imbricatum. Da bei Bestimmungen vielfach
das Vorkommen bei bestimmten Nadel- und Laubbäumen als Merkmal herangezogen
wird, sind Funde aus Laub- und Nadelwäldern oft schwierig zu beurteilen.

Standort: Mykorrhyzapilz von Pinus, besonders Pinus silvestrys und Pinus nigra,
seltener bei anderen Nadelbäumen, kalkliebend.

Ergänzung: Beschreibungen von Tricholoma pessundatum und T. albobrunneum/striatum
sind in dem vielgerühmten Werk von Breitenbach/ Kränzlin nicht enthalten. Das
liegt sicher im Fehlen dieser Arten im Bearbeitungsgebiet begründet.

Fazit: Diese Artbeschreibung trifft meine Kollektion Nummer 3 am besten, unter
Abstrichen auch noch Kollektion Nummer 2 und am allerbesten die Kollektion, die
Felix hier im Ergebnis seiner Kiefernwaldtournee am 6.10.2007 zeigte.
Nach Abgleich aller hier vorgestellten Beschreibungen sollte es sich dabei aber
um Tricholoma pessundatum handeln. Möglicherweise aber auch um T. striatum, wenn
die Ringzone kein Artmerkmal sein sollte.

Auch interessant: in den Bemerkungen wird seitens der Autoren T. albobrunneum/striatum
als eine Art ohne deutliche Ringzone dargestellt.
Die Art entwickelt sich langsam zum Chamäleon unter den Ritterlingen. Solange
nicht klargestellt ist, welche Artmerkmale für Tricholoma albobrunneum / striatum / batschii gelten,
sind jegliche Bestimmungsversuche zum Scheitern verurteilt.

Eine Bitte auch noch an Lateinkenner:
Wie lautet eigentlich die wörtliche Übersetzung für stans und vor allem für pessundatum?
Vielleicht kommen wie dem alten Fries ja mit den wörtlichen Übersetzungen auf die Spur.
Bei pessundatum steckt ja irgendwie “pes“, der Fuß im Namen. Das Kürzel “Stans“ hat
bestimmt nichts mit rötlichen Farben zu tun – oder?

Vielen Dank im voraus für jede Art von Hilfe – Ingo

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Bestimmungsschlüssel nach B&K Band 3

coco, (vor 6943 Tagen) @ Ingo

hallo ingo,

deine ritterlingsaktivitäten finde ich super, danke dafür.

Eine Bitte auch noch an Lateinkenner: Wie lautet eigentlich die wörtliche
Übersetzung für stans und vor allem für pessundatum?
Vielleicht kommen wie dem alten Fries ja mit den wörtlichen Übersetzungen auf
die Spur.
Bei pessundatum steckt ja irgendwie “pes“, der Fuß im Namen.

genau, wortwörtlich etwa "unter die füsse getreten".
in feinerem deutsch "niedergetreten", "niedergestampft".

Das Kürzel
“Stans“ hat
bestimmt nichts mit rötlichen Farben zu tun – oder?

bei "stans" glaube ich, dass es ein partizip des verbs "stare" ist, bin aber nicht ganz sicher. dann hiesse es "stehend", "feststehend", auch "stehenbleibend".

beste grüsse

coco

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Bestimmungsschlüssel nach B&K Band 3

oefff, (vor 6943 Tagen) @ coco

bei "stans" glaube ich, dass es ein partizip des verbs
"stare" ist, bin aber nicht ganz sicher. dann hiesse es
"stehend", "feststehend", auch
"stehenbleibend".

würde ich so unterschreiben, obwohl latein in der schule schon etwas länger zurückliegt.
grüße! patrick

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Nomen est Omen

Ingo, (vor 6943 Tagen) @ coco

genau, wortwörtlich etwa "unter die füsse getreten".
in feinerem deutsch "niedergetreten", "niedergestampft".
bei "stans" glaube ich, dass es ein partizip des verbs
"stare" ist, bin aber nicht ganz sicher. dann hiesse es
"stehend", "feststehend", auch
"stehenbleibend".

Hi Coco, vielen Dank!

das ist hochinteressant. Das Schlimme - die deutsche Pseudonamen
scheinen hochgradig irreführend zu sein.
Wie es ausschaut, hatte sich der alte Schwede bei der Nominierung
diesmal an der äußeren Gestalt, als wesentliches Artmerkmal, orientiert.

Was bedeuten könnte, dass sich die beiden Arten durch andere Merkmale nicht
zweifelsfrei trennen lassen.

pessundatum: niedergetreten - niedergedrückt - Fußabtreter (???)
scheint hier auf einen relativ flachen, aber ausgebreiteten Pilz hinzudeuten.

Während in diesem Fall, zur Unterscheidung,
"stans" einen gegenteiligen Aspekt ausdrücken könnte, wie: aufrecht-stehend -
standhaft - rank und schlank (???)
Standhaft im Sinne von stämmig sollte eher nicht gemeint sein, da hierfür
üblicherweise der Zusatz "robustum" verwendet wird.

Noch ein Gedanken zu T. albobrunneum. Die landläufige Meinung ist ja, dass der
so heißt, weil der Hut braun, und der Stiel weiss sind. Ist aber nicht so.
Hier wird vielmehr die Heraushebung des Farbkontrastes am Stiel im
Vordergrund gestanden haben. Nämlich der Übergang an der Pseudoringzone.
Oberhalb rein weiß; darunter dunkelbraun.
Was auch bedeuten würde, dass alle Beschreibungen, die T. albobrunneum
als Art ohne Pseuduringzone darstellen, falsch sind!

Mal sehen, was mir dazu noch so einfällt. Vielleicht hat ja jemand noch eine
andere Idee zum Thema. Die Namensbedeutungen haben mir aber gut weitergeholfen.

Grüsslis Ingo

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Logisch und interessant, beifälliges Nicken. *oT*

Waldschrat, (vor 6943 Tagen) @ Ingo

- kein Text -

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomen est Omen

Rudi, (vor 6943 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

Hab grad mal in meinem Fries: Systema mycologicum von 1821 nachgeschaut.
Mein Latein ist ja schon viele jahrzehnte außer gebrauch, aber vielleicht kurz das:

Albobrunneus(m) versteht er, wie du schon aus der Beschreibung entnommen hast, als Ritterling mit oben weisser Zone am braunen Stiel .
Diesem Stiel misst er 2-3 Unzen Länge und gut 1/2 Unze Dicke zu.
Interessant:
die Lamellen sind angewachsen und mit Zahn herablaufend beschrieben.
Einen Geruch gibt er nicht an.

Pessundatus ist bei ihm kurzstielig- ca 1 Unze lang und kräftig.
Die Lamellen röten bei Berührung und der Pilz riecht nach Mehl.
Außerdem sind die Lamellen, die sehr dicht stehen sollen, frei!

beide Pilze findet er (natürlich) unter Pinus

Grüße Rudi

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomen est Omen

Rudi, (vor 6943 Tagen) @ Rudi

Hallo Ingo,

mit Unze (unc) im Buch ist vermutlich Zoll gemeint, als so etwa 3 cm...

Grüße Rudi

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomen est Omen

Ingo, (vor 6943 Tagen) @ Rudi

Hallo Rudi,

so ein schönes, antikes Buch hast du da? Ist es etwa original?
Wenn es von 1921 ist, dann stammt es jedenfalls aus den Anfängen der Fries'schen
Forschungen. Die Splittung der Pessundaten erfolgte wohl erst später.

Mal schauen, was sonst noch ans Tageslicht kommt.

Grüsslis Ingo

p.s. "unc" steht eigentlich für 1/12 im Latein. Wovon aber?
Zwölftel Fuß? Sind etwa 2,5 cm - ungefähr wie ein Zoll (knapp 2,52 cm)
Hängt vielleicht miteinander zusammen.

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Fries 1821 *PIC*

Rudi, (vor 6943 Tagen) @ Ingo

Hallo Rudi,
so ein schönes, antikes Buch hast du da? Ist es etwa original?

Ja, es ist so original, daß ich mich traue, meinen Namen reinzuschreiben!

Grüße Rudi

[image]

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Fries 1821

coco, (vor 6943 Tagen) @ Rudi

Ja, es ist so original, daß ich mich traue, meinen Namen reinzuschreiben!

rudi kallenbach oder rudi romell?

*gg* coco

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Fries 1821

Rudi, (vor 6943 Tagen) @ coco

rudi kallenbach oder rudi romell?
*gg* coco

nein: Curios !

GR

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Kurzschlüssel nach RIVA

Ingo, (vor 6943 Tagen) @ Ingo

Kurzschlüssel nach RIVA

Tricholoma stans (Fr.) Sacc.
Fruchtkörper eher klein. Hut rosarot-braun mit dunkleren Radialfäserchen. Stiel schlank, dünn, bräunlich getönt, Spitze rein weiß, ohne deutliche Pseudoringzone. Lamellen weiß, zerbrechlich, dann bräunlich punktiert. Kiefernwald. (Riva Nr.61):

Tricholoma pessundatum (Fr.) Que'l.
Fruchtkörper ziemlich groß. Hut fleischig, verflacht, typisch unregelmäßig. Oberfläche sehr schmierig, rötlichbraun, olivlichbraun, deutlich schwarz gefleckt. Lamellen ziemlich dichtstehend, sofort gefleckt. Schneide schwärzend. Stiel kurz, gedrungen, weißlich, dann gefleckt, mit deutlichen braunen Fasern; ohne abgegrenzte chromatische Zonen. Geruch ausgesprochen mehlartig. Im späteren Herbst, tief eingegraben. Bei Fichten und Kiefern. (Riva Nr.58):

Tricholoma radotinense Pila't et Charvat
Fruchtkörper kräftiger. Hut gedrungen, gewölbt, wellig, ockerlich-braun, später geflammt mit rosarot-braunen Beitönen. Rand ziemlich eingerollt, nie gestreift oder gerippt. Lamellen weiß, nicht gelblich, später braun gefleckt. Huthaut trocken. Fleisch darunter schwach rosarot. Selten. Weißtannen oder gemischter Fichtenwald. (Riva Nr.59):

Tricholoma batschii Gro Gulden
Fruchtkörper mit fuchsig-kastanienbraunem Hut, sehr schmierig. Jung Rand stark eingerollt. Stiel weißlich; deutliche Pseudoringzone, aus bräunlichen und oft mit dem Rand verbundenen Schuppen gebildet. Fleisch sehr bitter. (Riva Nr.63):

Tricholoma striatum (Schff) Sacc.
Fruchtkörper mit trockener, seidiger, deutlich faserig-gestreifter, sepia- oder tabakbrauner Huthaut. Stiel ziemlich kurz, mit gut abgegrenzter Pseudoringzone: unterer Teil dem Hut gleichfarbig. Lamellen weiß mit cremefarbigem Schein. Geruch schwach mehlartig. Ziemlich seltene Art. Bei Fichten oder bei Fichten und Kiefern gemischt. (Riva Nr.64):

Fazit:
Eben wurde mir noch dieser Kurzschlüssel ins Ohr geflüstert. Meinen Dank dem edlen Spender.
T. stans ist bei Riva scheinbar ein hochaufgeschossenes, graziles Teil mit fragilem Stiel.
Immerhin darf der Hut radialfaserig sein. T. pessundatum ist eher kompakt, dickfleischig und
wohl auch kurzfüßig. Die nur hier aufgeführte Art T. radotinense habe ich nur der Vollständigkeit
halber aufgeführt.

Eindeutig auch: sowohl T. batschii und T. striatum sind hier eindeutig mit Pseudoringzone beschrieben.
Wobei hier T. Batschii wohl für unseren T. fracticum (Fastberingter R.) steht,
welcher in diesem Riva Schlüssel nicht aufgeführt ist.

Nach diesem Schlüssel ist Kollektion Nummer 3 eindeutig T. stans. Kollektion 2 wohl auch,
ebenso wie die von Felix aufgefundenen Teile.
Kollektion Nummer 4 ist auch nach diesem Schlüssel ein pessundatum, wie auch nach allen anderen zuvor aufgeführten Schlüsseln. Wobei noch zu klären wäre, ob dieses nahezu büschelige
Wachstum nicht auf eine eigene Varietät (z. B. var. Tridentinum) hinweisen könnte.
Wenn die Kompaktheit der einzelnen Kollektionen das wirkliche Bestimmungsmerkmal ist, dann
landet nun Kollektion 1 erstmals bei T. pessundatum.

Es bleibt spannend, obwohl ich eine kleine Tendenz zu erkennen meine.
Ansonsten fehlt nur noch der Schlüssel von F. Gröger. Möchte vielleicht jemand?
Kurzform wie bei RIVA würde vielleicht schon reichen.

Schönes Wochenende allen hier

Ingo

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Tricholoma-Schlüssel nach F. Gröger

Ingo, (vor 6941 Tagen) @ Ingo

Tricholoma Schlüssel nach F. Gröger

Tricholoma stans (Fr.) Sacc.
Hut blasser braun, bald trocken, eingewachsen gefasert, nicht wasserfleckig, Stiel schlanker,
Geruch und Geschmack nicht nach Mehl oder nur manchmal so, Fleisch unter der Haut rötend oder
Fruchtkörper alt bräunend. Geschmack fast mild, Vorkommen im Nadelwald (Pinus) auf Kalk, (?)
Anmerkung:
Nach dem Autor ist der Status dieser Art ungeklärt, Zehfuss hält sie für ein Synonym von T. ustale

Tricholoma pessundatum (Fr.) Quel.
Geruch und Geschmack stark nach Mehl, Fleisch weder rötend noch alt schwärzend. Stiel oft kürzer als der
Hut (dm), Hutrand oft getropft-fleckig, feucht schmierig mit dickerer Ixecutis als bei T. populinum, Sporen
meist sehr klein, Vorkommen bei Pinus, auch bei Abies, Picea und Cedrus
Anmerkung:
Nach Beobachtungen des Autors sind T. pessundatum und T. populinum (Pappelritterlinge) makroskopisch
kaum zu trennen.
T. pessundatum war eine weitgehend ungeklärte Art und wurde1943 von Singer als nomen confusum
verworfen. Auf die Tafel 65 bei Bresadolae gründete er dann die Art T. tridentinum Singer.
Sie wächst bei Pinus und Picea und ist (nach Riva) als Synonym von T. pessundatum aufzufassen, nach
Bon jedoch eine eigene Art mit breiteren Sporen.
Eine eigene Sippe hingegen ist wohl T. cedretorum (Bon) A. Riva. Sie soll Sporen mit einem Q-Wert
Von 1.1-1.4 gegenüber 1.2-1.8 bei T. pessundatum haben. Nach Riva ist sie etwas kleiner und weniger
intensiv gefärbt (rosa-fleckig) als T. pessundatum, weniger schleimig und soll gern büschelig wachsen.

Tricholoma albobrunneum (Pers.: Fr) P. Kumm.
Fruchtkörper mittelgroß, H 40-100; St. X 10-20, Hut im reifen Zustand mit feinen eingewachsenen Fasern.
Geschmack der Huthaut weniger bitter (fast mild?). Farbgrenze am Stiel nur ganz jung sichtbar, bald
undeutlich, Vorkommen bei Pinus (auch Juniperus, Picea) auf armen, sandigen Böden.

Fazit: Mit diesem Schlüssel lande ich entweder bei T. pessundatum oder bei T. albobrunneum.
Demnach könnte es sich bei der Kollektion 3 um T. albobrunneum handeln. Zur Erinnerung, das sind
die Miniritterlinge. Die Kollektionen 1 und 4 kamen ja sehr gedrungen daher (Hut-Durchm. > Stiellänge)
Kollektion Nummer 2 hatte nahezu weiße Stiele, mit von unten beginnender, faseriger Verfärbung.
Tricholoma stans scheint nach Gröger ein großer, weißer Fleck zu sein. Kein Wunder, wenn die PABB
jeden Fund in Richtung T. albobrunneum schlüsselt. Mich würde nicht wundern, wenn diese
Art hier in der Region nicht vorkommt, und alle Funde entweder T. stans oder pessundatum heißen.

An dieser Stelle eine kleine Bitte. Wäre vielleicht Jemand von euch in der Lage, hier einen typischen
T. albobrunneum im Fries’schen Sinne vorzustellen. Vielleicht hilft es ja weiter.

Beste Grüße Ingo