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Frage zu Autoren-Angaben

Maren ⌂, (vor 6868 Tagen)

Hallo zusammen,
beim Blättern im Abbildungsverzeichnis sind mir verschiedene Arten der Autoren-Angaben aufgefallen.
Mal steht der Name in Klammern, mal nicht, mal ist ein Doppelpunkt zwischen zwei Autoren, mal steht eine Jahreszahl dabei, mal nicht.
Ich gehe mal davon aus, dass das kein Zufall ist.

Neugierige Grüße
Maren

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Re: Frage zu Autoren-Angaben

zuehli ⌂, (vor 6868 Tagen) @ Maren

Hallo zusammen,
beim Blättern im Abbildungsverzeichnis sind mir verschiedene Arten der
Autoren-Angaben aufgefallen.
Mal steht der Name in Klammern, mal nicht, mal ist ein Doppelpunkt zwischen
zwei Autoren, mal steht eine Jahreszahl dabei, mal nicht.
Ich gehe mal davon aus, dass das kein Zufall ist.

Hallo Maren,

natürlich ist das kein Zufall. Wills mal versuchen einfach zu erklären:
Der Erstbeschreiber einer Art wird mit dem Namen und der Jahreszahl hinter dem Artnamen geführt. Bei alten Arten ist es oft so, daß die Art durch in den meisten Fällen FRIES "sanktioniert" wird, d.h. sie wird quasi für gültig erklärt. In diesem Fall wird der sanktionierende Autor (also meist FRIES, oft auch PERSOON) durch Doppelpunkt abgetrennt und es kommt eine zweite Jahreszahl hinzu.
Arten, die nach FRIES beschrieben wurden haben bei gültiger Beschreibung nur einen Erstautor + Jahreszahl.
Wenn später die Art in eine andere Gattung umkombiniert wird, kommt um den Erstbeschreiber (+ evtl. Sanktionierer) eine Klammer und dahinter wird der Name des Umkombinierers + Jahreszahl gesetzt.

Dazu gibt es noch einige Feinheiten, die jetzt aber wahrscheinlich zu weit führen würden. Aus Platzspar- und Bequemlichkeitsgründen werden oft die Jahrezahlen weggelassen und die Namen der Autoren abgekürzt.

Gruß Harald

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Re: Frage zu Autoren-Angaben

Maren ⌂, (vor 6868 Tagen) @ zuehli

Hallo Harald,
vielen Dank fü die erschöpfende Auskunft.
Mal sehen ...

Beispiel der bisher unter Collybia geführte Gefleckter Rübling:

Rhodocollybia maculata (Albertini et Schweiniz 1805 : Fries 1821) Singer 1939

Ich nehme mal an, dass Albertini und Schweiniz die Art in Collybia oder ganz woanders hin gesteckt haben, Fries sie 1821 dort sanktioniert hat. Singer sie aber bereits 1939 in Rhodocollybia gesehen hat und deshalb jetzt ohne Klammerzusatz dort steht. Richtig?

Gruß Maren

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Re: Frage zu Autoren-Angaben

zuehli ⌂, (vor 6868 Tagen) @ Maren

Hallo Harald,
vielen Dank fü die erschöpfende Auskunft.
Mal sehen ...
Beispiel der bisher unter Collybia geführte Gefleckter Rübling: Rhodocollybia
maculata (Albertini et Schweiniz 1805 : Fries 1821) Singer 1939
Ich nehme mal an, dass Albertini und Schweiniz die Art in Collybia oder ganz
woanders hin gesteckt haben, Fries sie 1821 dort sanktioniert hat. Singer
sie aber bereits 1939 in Rhodocollybia gesehen hat und deshalb jetzt ohne
Klammerzusatz dort steht. Richtig?

Hi Maren,
richtig!

Als Agaricus maculatus ist die Art von Albertini und Schweiniz 1805 beschrieben worden. Dann gehts so weiter wie Du es geschrieben hast.
Zwischendurch hieß er mal Collybia maculata (Albertini et Schweiniz 1805 : Fries 1821) Kummer 1871

Gruß Harald

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Re: Frage zu Autoren-Angaben

Andreas ⌂, (vor 6868 Tagen) @ zuehli

Hallo Maren,

oft sieht man auch das Wörtchen "ex" zwischen zwei Autorennamen. Das ist immer dann der Fall, wenn der Originalbeschreiber seine Art wegen eines Formfehlers nicht gültig veröffentlich hat. Z.B. weil er vergessen hat, einen Typus anzugeben oder so. Irgendwann merkt das mal jemand und korrigiert dann meist diesen Fehler. Er macht die zuvor ungültige Art gültig, indem er das Fehlende Teil der Beschreibung nachreicht, z.B. eine Typusangabe. Dann kommt er als Autor hinter das "ex", denn er ist der validierende Autor, also der der die Art erst gültig machte.
Ganz oft sieht man bei Schleierlingen "Henry 1959 ex Henry 1989". Das kam daher, weil Henry partout die damalige Regeländerung im Botanischen Code nicht mitmachen wollte, die eine Typusangabe zwingend vorschreibt. Daher sind alle seine damals neu beschriebenen Arten ungültig. 1989 hat er einen großen Teil davon durch Bekanntgabe der Typusbelege im Doc. Myc. validiert.

Diese Validierungen sind dann wichtig, denn erst ab dem Zeitpunkt dieser Valieiderung ist ein Artname gültig. Cortinarius privignoides Henry 1948 ex Henry 1985 ist zwar schon 1948 beschrieben worden, aber erst seit 1985 gültig. Man hätte also noch 1984 problemlos den namen privignoides benutzen können für eine x-beliebige andere Cortniarien-Neubeschreibung. Oder man hätte diese Art provignoides selbst neu beschreiben können und ihr einen völlig anderen namen geben dürfen. Solange ein name nicht gültig veröffentlich ist, ist er für die Botanischen Gesetze nicht existent.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Frage zu Autoren-Angaben

Maren ⌂, (vor 6868 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

Daher sind alle seine damals neu beschriebenen Arten
ungültig. 1989 hat er einen großen Teil davon durch Bekanntgabe der
Typusbelege im Doc. Myc. validiert.

Noch zwei Fragen die Google nicht wusste.
Welchen Charakter hat oder was ist das Doc. Myc.?
Und gibt es eine Zentralstelle bei der die mykologischen Typusbelege einer neuen oder validierten Art aufbewahrt werden?

*löcherindenbauchfrag*

Gruß Maren

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Ich schließe mich mit einer Zusatzfrage an

Peter S., (vor 6868 Tagen) @ Andreas

Hallo,

Zühli hat zwar geschrieben, dass man manchmal aus Bequemlichkeit die Jahreszahl weg lässt. Es scheint aber auch Fälle zu geben, wo es wirklich keine gibt, z. B.: Lepista subconnexa (Murrill) Harmaja 1970

Wenn ich´s richtig verstanden hab hat Saccardo das Basionom Clitocybe subconnexa aufgegriffen/zitiert, wo kommt aber der Autor Murrill her und irgendwann muss der doch diesen Namen irgendwo hin geschrieben haben?

Und Zusatzfrage dazu: Harmaja hatte im Rahmen seines Gattungskonzeptes von Clitocybe/Lepista zu Lepista umkombiniert, das Harmaja´sche Gattungskonzept ist so später weder akzeptiert worden, noch steht er jetzt selber dazu und sieht diese, wie auch viele andere Umkombinationen Clitocybe --> Lepista als "unsinnig" an, für ihn selbst ist es eine Clitocybe (http://www.fmnh.helsinki.fi/users/harmaja/novelties.htm) und in mehreren Aufsätzen betont er dies auch und spricht/schreibt immer wieder selbst von Clitocybe subconnexa Murrill.
Geht´s nimmer zurück?

Peter

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Re: Frage zu Autoren-Angaben

zuehli ⌂, (vor 6868 Tagen) @ Maren

Welchen Charakter hat oder was ist das Doc. Myc.?

Hmm...??

Und gibt es eine Zentralstelle bei der die mykologischen Typusbelege einer
neuen oder validierten Art aufbewahrt werden?

Die Belege müssen nur in einem öffentlich zugänglichen Herbar aufbewahrt werden. Eine Zentralstelle gibts nicht.
Man möge mich korrigieren wenn ich falsch liege.

Gruß Harlad

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Re: Ich schließe mich mit einer Zusatzfrage an

Andreas ⌂, (vor 6868 Tagen) @ Peter S.

Hallo Peter,

Zühli hat zwar geschrieben, dass man manchmal aus Bequemlichkeit die
Jahreszahl weg lässt. Es scheint aber auch Fälle zu geben, wo es wirklich
keine gibt, z. B.: Lepista subconnexa (Murrill) Harmaja 1970

Solche Fälle KANN es gar nicht geben, denn irgendwo muss es ja publiziert worden sein. Sonst wäre dere Artname ungültig. Was tatsächlich theoretisch vorkommen könnte, aber ich kenne keinen einzigen Fall in der Praxis. Jedenfalls nicht von halbwegs bekannteren Namen.

Wenn ich´s richtig verstanden hab hat Saccardo das Basionom Clitocybe
subconnexa aufgegriffen/zitiert, wo kommt aber der Autor Murrill her und
irgendwann muss der doch diesen Namen irgendwo hin geschrieben haben?

Dazu kann ich erst später antworten, da muss ich mich erst schlau machen. Auswendig weiß ich das nicht.

Und Zusatzfrage dazu: Harmaja hatte im Rahmen seines Gattungskonzeptes von
Clitocybe/Lepista zu Lepista umkombiniert, das Harmaja´sche
Gattungskonzept ist so später weder akzeptiert worden, noch steht er jetzt
selber dazu und sieht diese, wie auch viele andere Umkombinationen
Clitocybe --> Lepista als "unsinnig" an, für ihn selbst ist
es eine Clitocybe
(http://www.fmnh.helsinki.fi/users/harmaja/novelties.htm) und in mehreren
Aufsätzen betont er dies auch und spricht/schreibt immer wieder selbst von
Clitocybe subconnexa Murrill.
Geht´s nimmer zurück?

Nein, die Kombination als solche ist gültig und damit bleibt sie es auch für immer. Es muss sie ja keiner verwenden. Es zwingt Dich auch niemand Agaricus decastes oder Tricholoma decastes zu verwenden ....
Krassester mir bekannter Fall war von Marcel BON, der seine ganzen taxonomischen Kombinationen stets in der Zeitschrift Documents Mycologiques (Doc. Myc. oder DM abgekürzt) publiziert hat. Da hat er einmal eine ganze Reihe Neukombinationen gültig publiziert und bei einer Art hatte er durch irgendwelche Freud'schen Fehlleistungen statt "Pluteus xy comb. nov." dann "Peziza xy comb. nov." geschrieben. Auch die Redakteuren haben es nicht bemerkt und so gibt es nun einen Dachpilz, der gültig in Peziza kombiniert ist. Natürlich wird dieses Epithet nie jemand verwenden, weil es unsinnig ist. Aber theoretisch könntest Du jede x-beliebige Umkombination durchführen, sofern du regelgerecht das Basionym zitierst. Und sofern Du ein Publikationsorgan findest, dass das auch abdruckt. Falls nicht, mach's wie Raithelhuber: Bring deine eigene Zeitschrift raus, dann kann Dir keiner ins "Handwerk" pfuschen :-((

beste Grüße,
Andreas

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Re: Frage zu Autoren-Angaben

Andreas ⌂, (vor 6868 Tagen) @ Maren

Hallo Andreas,
Noch zwei Fragen die Google nicht wusste.
Welchen Charakter hat oder was ist das Doc. Myc.?
Und gibt es eine Zentralstelle bei der die mykologischen Typusbelege einer
neuen oder validierten Art aufbewahrt werden?
*löcherindenbauchfrag*
Gruß Maren

Hallo Maren,

sorry für die unerklärte Abkürzung. Das "Doc. Myc." ist die französische Zeitschrift Documents Mycologiques, die von der Universität Lille herausgegeben wird, namentlich von Régis Courtecuisse und Pierre-Arthur Moreau. Sie war die "Hauszeitschrift" von Marcel BON, wo er z.B. auch alle taxonomischen Sachen und fast alle Neubeschreibungen publiziert hat, zumindest alles was dann in seinen Büchern "Flore mycologique d'Europe" bereits entsprechend kombiniert/beschrieben abgedruckt werden sollte.

Zu den Typushinterlegungen hat Harald nicht ganz recht. Es gibt zwar, wie er sagt, keine zentrale Stelle, sondern in jedem Herbar kann man Typusbelege hinterlegen. man muss bei der Neubeschreibung aber nicht nur den Typusbeleg als solchen definieren (Herbarnummer, Funddatum oder sonstwas eindeutiges aus dem der Beleg eindeutig identifiziert werden kann), sondern seit 1990 auch stets angeben, in welchem Herbar der Beleg hinterlegt ist. Und - nun kommt der uterschied zu zuehlis Auskunft - das muss kein öffentliches herbar sein, es kann auch ein Privatherbar sein. Es ist im Code nur "strongly recommended" als "höchst empfohlen", aber nicht vorgeschrieben. Noch nicht. Raithelhubers ganze Belege liegen in seinem eigenen Herbar und ob er einem was ausleiht oder nicht ist Glücksache. Ich hatte Glück, aber nachdem ich die Untersuchungsergebnsse seiner Lepiota-Typen publiziert habe spricht er nimmer mit mir und kriegen tu ich natürlich auch nix mehr ... Wer weiß auch, was mal nach seinem Tod mit dem jeweiligen Privatherbar passiert, es wäre nicht das erste Mal dass so eine Sammlung schneller auf dem Müll liegt als man schalten kann.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Frage zu Autoren-Angaben

phragmobasidie, (vor 6868 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

Zu den Typushinterlegungen hat Harald nicht ganz recht. Es gibt zwar, wie er
sagt, keine zentrale Stelle, sondern in jedem Herbar kann man Typusbelege
hinterlegen. man muss bei der Neubeschreibung aber nicht nur den
Typusbeleg als solchen definieren (Herbarnummer, Funddatum oder sonstwas
eindeutiges aus dem der Beleg eindeutig identifiziert werden kann),
sondern seit 1990 auch stets angeben, in welchem Herbar der Beleg
hinterlegt ist. Und - nun kommt der uterschied zu zuehlis Auskunft - das
muss kein öffentliches herbar sein, es kann auch ein Privatherbar sein. Es
ist im Code nur "strongly recommended" als "höchst
empfohlen", aber nicht vorgeschrieben. Noch nicht. Raithelhubers
ganze Belege liegen in seinem eigenen Herbar und ob er einem was ausleiht
oder nicht ist Glücksache. Ich hatte Glück, aber nachdem ich die
Untersuchungsergebnsse seiner Lepiota-Typen publiziert habe spricht er
nimmer mit mir und kriegen tu ich natürlich auch nix mehr ...

das gleiche blüht Dir übrigens auch mit meinen hinterlegten Elchen !! (-:

Interessant, Eure Ausführungen, da schadet etwas Nachhilfe bzw. Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten nie.
Hab grad zufällig gelesen, dass (weltweit?) ein Mangel an nachkommenden Taxonomen bestünde und dass das
auch an Universitäten nicht gelehrt würde. Ob das nun genau stimmt oder nicht, klingt jedenfalls so, als wäre
man, zumindest ein Stück weit, auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen, um sich in den Regeln bzw. der Kryptologie
der Taxonomie zurecht zu finden.

schöne Grüße
Robin

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Re: Frage zu Autoren-Angaben

saibling, (vor 6868 Tagen) @ phragmobasidie

Hallo Robin,

klingt jedenfalls so, als wäre
man, zumindest ein Stück weit, auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen, um
sich in den Regeln bzw. der Kryptologie
der Taxonomie zurecht zu finden.

da hast du sicher Recht. Ist halt wie bei Gesetzen allgemein.
Die große Kunst ist es, sie richtig zu interpretieren.

Zum Einstieg in die Materie ist das hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Code_der_Botanischen_Nomenklatur
recht hilfreich.

Die Wikipedia verlinkt hier auf den ST LOUIS CODE.
Dann wird er mal wieder Tokio Code genannt. Eine deutsche
Übersetzung (Berliner Code) der aktuellen Regeln scheints
noch nicht zu geben. Wurde hier:
http://www.bgbm.org/iapt/nomenclature/code/Tokyo-d/Vorwortd.htm
zwar angekündigt, aber die Absichtserklärung ist von 1994 ;)

Liebe Grüße
christian

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Danke für die Links! *oT*

phragmobasidie, (vor 6866 Tagen) @ saibling

- kein Text -