Pilze Pilze Forum
Erweitert

Sanddorn-Feuerschwamm? *PIC*

DieterB, (vor 9323 Tagen)

Hallo zusammen,

vor zwei Wochen hab ich auf einem fast schon toten Apfelbaum diesen Schwamm gesehen. Erst später fiel mir so richtig das Weiße unter den prominenten Teilen auf. Ich hatte es zunächst für Mycel gehalten, aber auf dem Dia fand ich den Glanz merkwürdig und dann fiel mir das Bild und der Kommentar im Gerhardt/BLV-Pilzführer ein, daß er mal ein Insektengespinst auf dem Sanddorn-Feuerschwamm gesehen hat, was auch angedeutet auf dem Buchfoto zu sehen ist. Was haltet Ihr von der Artdiagnose, der Insektentheorie und weiß evtl. jemand was zu dem Tier?

Viele Grüße
Dieter

[image]

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Sanddorn-Feuerschwamm?

Doris Kreißl, (vor 9323 Tagen) @ DieterB

Hallo zusammen,
vor zwei Wochen hab ich auf einem fast schon toten Apfelbaum diesen Schwamm
gesehen. Erst später fiel mir so richtig das Weiße unter den prominenten
Teilen auf. Ich hatte es zunächst für Mycel gehalten, aber auf dem Dia
fand ich den Glanz merkwürdig und dann fiel mir das Bild und der Kommentar
im Gerhardt/BLV-Pilzführer ein, daß er mal ein Insektengespinst auf dem
Sanddorn-Feuerschwamm gesehen hat, was auch angedeutet auf dem Buchfoto zu
sehen ist. Was haltet Ihr von der Artdiagnose, der Insektentheorie und
weiß evtl. jemand was zu dem Tier?
Viele Grüße
Dieter

Hallo Dieter,

ich glaub kaum, daß es der Sanddornfeuerschwamm auf Apfel ist, sondern eher der Pflaumenfeuerschwamm. Wo hast du denn gesammelt?
Was das mit dem Gespinnst auf sich hat, kann ich leider auch nicht sagen :-(

Viele Grüße aus Hessen, auch von Aleuria

Huperzia/Tanja

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Sanddorn-Feuerschwamm?

Jens ⌂, (vor 9323 Tagen) @ DieterB

Hallo zusammen,
vor zwei Wochen hab ich auf einem fast schon toten Apfelbaum diesen Schwamm
gesehen. Erst später fiel mir so richtig das Weiße unter den prominenten
Teilen auf. Ich hatte es zunächst für Mycel gehalten, aber auf dem Dia
fand ich den Glanz merkwürdig und dann fiel mir das Bild und der Kommentar
im Gerhardt/BLV-Pilzführer ein, daß er mal ein Insektengespinst auf dem
Sanddorn-Feuerschwamm gesehen hat, was auch angedeutet auf dem Buchfoto zu
sehen ist. Was haltet Ihr von der Artdiagnose, der Insektentheorie und
weiß evtl. jemand was zu dem Tier?
Viele Grüße
Dieter

Hallo Dieter,

meines Wissens ist der Sanddorn-Feuerschwamm noch nie an Apfelbaum gefunden worden. Jahn schreibt, daß die Art außer an Sanddorn nur von der nahe verwandten Ölweide (Eleagnus angustifolia) bekannt ist. Ich glaube, den können wir ausschließen.
Er sieht aber auch nicht wie der Pflaumenfeuerschwamm aus, jedenfalls nicht wie ich ihn kenne. Vielleicht ist er es ja trotzdem. Bei den weißen Stellen hatte ich erst an irgendwelchen Schimmel gedacht, aber das letzte Foto läßt doch erkennen, daß hier Insekten am Werk waren. (keine Ahnung welche, du kannst ja die Bilder auch mal in bleems Naturforum zeigen, vielleicht hat dort jemand eine Idee zu diesem Gespinst).

Gruß Jens

Eintrag gesperrt
20 Aufrufe

Apfelbaum ist noch nicht verifiziert *oT*

DieterB, (vor 9323 Tagen) @ Jens

- kein Text -

Eintrag gesperrt
17 Aufrufe

Re: Sanddorn-Feuerschwamm? *PIC*

Karl Keck ⌂, (vor 9323 Tagen) @ DieterB

Hallo Dieter,

warum meinst Du denn, dass der Feuerschwamm an dem Apfelbaum der Sanddorn-Feuerschwamm sein müsse? Mir scheint viel näher liegend, dass es der Gemeine Feuerschwamm, Phellinus igniarius (L. : Fr.) Quélet, ist.
Schau Dir im Vergleich dazu doch mal meine beiden Fotos von Ph. ign. an einem Apfelbaum an:

[image]

[image]

Zu den "Gespinsten" kann ich leider nichts sagen.

Viele Grüße
Karl

Eintrag gesperrt
17 Aufrufe

Re: Sanddorn-Feuerschwamm?

DieterB, (vor 9323 Tagen) @ Karl Keck

Hallo Karl,

mmm..., ist schon irgendwie ähnlich. Habe mich etwas von dem Gespinst verleiten lassen mit dem Gedanken, daß vielleicht das Insekt (pilz-)artspezifisch ist.
Habe leider den Breitenbach-Kränzlin-Band für die Baumpilze noch nicht, werde mir aber doch mal ein Stück Pilz abschneiden und unters Mikroskop legen. Kann dann später ja mal vergleichen. (Falls das im Band 2 ist, müßte er kommende Woche bei mir eintreffen)

Grüße
Dieter

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Sanddorn-Feuerschwamm?

Renate, (vor 9323 Tagen) @ DieterB

Hallo zusammen,
vor zwei Wochen hab ich auf einem fast schon toten Apfelbaum diesen Schwamm
gesehen. Erst später fiel mir so richtig das Weiße unter den prominenten
Teilen auf. Ich hatte es zunächst für Mycel gehalten, aber auf dem Dia
fand ich den Glanz merkwürdig und dann fiel mir das Bild und der Kommentar
im Gerhardt/BLV-Pilzführer ein, daß er mal ein Insektengespinst auf dem
Sanddorn-Feuerschwamm gesehen hat, was auch angedeutet auf dem Buchfoto zu
sehen ist. Was haltet Ihr von der Artdiagnose, der Insektentheorie und
weiß evtl. jemand was zu dem Tier?
Viele Grüße
Dieter

Hallo Dieter,

Es ist ein typischer Pflaumenfeuerschwamm, Phellinus tuberculosus, wie ich ihn kenne. Selten kommt er auch auf Apfelbaum vor. Die Infektion wird durch benachbart stehende, befallene Pflaumenbäume begünstigt. Phellinus igniarius befällt ausschliesslich Weide und scheidet somit aus.

Gruss, Renate

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Ph. igniarius? Ph. tuberculosus? Ph. alni?

Karl Keck ⌂, (vor 9322 Tagen) @ Renate

Hallo Dieter,
Es ist ein typischer Pflaumenfeuerschwamm, Phellinus tuberculosus, wie ich
ihn kenne. Selten kommt er auch auf Apfelbaum vor. Die Infektion wird
durch benachbart stehende, befallene Pflaumenbäume begünstigt. Phellinus
igniarius befällt ausschliesslich Weide und scheidet somit aus.
Gruss, Renate

Hallo Renate,

woher hast Du das, dass Phellinus igniarius "ausschließlich Weide" befallen soll?
Der an Weiden vorkommende Feuerschwamm hieß einige Zeit Ph. trivialis (Bresadola) Kreisel, so auch bei Breitenbach & Kränzlin.

Bei Hanns Kreisel, Pilzflora der DDR (1987) lese ich: "an lebenden Stämmen von Salix an Ufern und in Auenwäldern, an Obstbäumen (bes. Malus, ferner Juglans, Prunus, Pyrus) in Ortschaften; seltener in Laub- und Mischwäldern an Acer, Alnus, Betula, Cerasus, Fagus, Fraxinus, Populus, Sorbus und Tilia."

G. J. Krieglsteiner, Großpilze Baden-Württembergs, Band 1 (2000) versteht nun unter Phellinus igniarius (L. : Fr.) Quélet ss. str. den Weiden-Feuerschwamm und trennt nun den an Erlen und Apfelbaum vorkommenden Feuerschwamm als Phellinus alni (Bondarzew) Parmasto ab.
Er nennt die Ph. igniarius-Gruppe "makromorphologisch kaum trennbare Taxa".
Ein Vorkommen von Ph. tuberculosus an Apfel schließt er nicht aus (allerdings nur 3 von 484 Funden).
Mir scheint, dass da im Moment einiges im Fluss ist.
Viele Grüße
Karl

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Ph. igniarius? Ph. tuberculosus? Ph. alni?

Andreas ⌂, (vor 9321 Tagen) @ Karl Keck

Hallo Renate,
woher hast Du das, dass Phellinus igniarius "ausschließlich Weide"
befallen soll?
Der an Weiden vorkommende Feuerschwamm hieß einige Zeit Ph. trivialis
(Bresadola) Kreisel, so auch bei Breitenbach & Kränzlin.

Beide Arten/Varietäten (trivialis und igniaris) kommen an Weide vor! Trivialis allerdings auschließlich an diesem Substrat.

Bei Hanns Kreisel, Pilzflora der DDR (1987) lese ich: "an lebenden
Stämmen von Salix an Ufern und in Auenwäldern, an Obstbäumen (bes. Malus,
ferner Juglans, Prunus, Pyrus) in Ortschaften; seltener in Laub- und
Mischwäldern an Acer, Alnus, Betula, Cerasus, Fagus, Fraxinus, Populus,
Sorbus und Tilia."
G. J. Krieglsteiner, Großpilze Baden-Württembergs, Band 1 (2000) versteht nun
unter Phellinus igniarius (L. : Fr.) Quélet ss. str. den
Weiden-Feuerschwamm und trennt nun den an Erlen und Apfelbaum vorkommenden
Feuerschwamm als Phellinus alni (Bondarzew) Parmasto ab.
Er nennt die Ph. igniarius-Gruppe "makromorphologisch kaum trennbare
Taxa".
Ein Vorkommen von Ph. tuberculosus an Apfel schließt er nicht aus (allerdings
nur 3 von 484 Funden).
Mir scheint, dass da im Moment einiges im Fluss ist.

Ja, schon seit einiger Zeit. Es wird viel auf Molekularebene geforscht (Fischer 1995, Fischer & Binder 1995).

Im letzten BSMF wird ein Schlüssel für die Westeuropäischen Phellinus-Arten publiziert, der wohl auf dem neuesten Stand sein dürfte. Er enthält ca. 35 Arten, bis auf 3-4 alle bereits in Frankreich nachgewiesen.

Phellinus igniarius und var. trivialis werden von Ph. alni und Ph. cinereus durch die Schlüsselfrage "auf Salix" bzw. "auf anderen Laubbäumen" abgetrennt!

An Substratangaben für die diese Diskussion betreffenden Arten wird folgendes angegeben:
Ph. tuberculosus: An Rosaceae, im allgemeinen Prunus, manchmal Pyrus (Birne) oder Malus (Apfel), wesentlich seltener an anderen Angiospermen.
Ph. igniarius var. igniarius: Im offenen Gelände, an lebenden oder toten großen Salix (Weiden), oft an Stellen mit Krebsgeschwulsten ("dans les nécroses").
Ph. igniarius var. trivialis: Im geschlossenen Baumverband an feuchten Stellen ("en millieu fermé et humide"), auf Stümpfen oder Ästen lebender Salix (Weiden), selten an toter Salix.
Ph. alni: Auf diversen Angiospermen
Ph. cinereus: Auf Betula (Birke), Tilia (Linde) und Alnus incana (Erle)

Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Ph. igniarius? Ph. tuberculosus? Ph. alni?

Renate, (vor 9320 Tagen) @ Andreas

Lieber Karl und Andreas,

Andreas' umfangreichen Ausführungen bleibt nichts hinzuzufügen. Fischer hat sehr viele Kreuzungsversuche von Einspormyzelien gemacht. Dabei fand er auch, dass die meisten Isolate von P. igniarius und var. trivialis sexuell verträglich sind. D. h. es ist ein und dieselbe Art.

Viele Grüsse, Renate

Beide Arten/Varietäten (trivialis und igniaris) kommen an Weide vor!
Trivialis allerdings auschließlich an diesem Substrat.
Ja, schon seit einiger Zeit. Es wird viel auf Molekularebene geforscht
(Fischer 1995, Fischer & Binder 1995).
Im letzten BSMF wird ein Schlüssel für die Westeuropäischen Phellinus-Arten
publiziert, der wohl auf dem neuesten Stand sein dürfte. Er enthält ca. 35
Arten, bis auf 3-4 alle bereits in Frankreich nachgewiesen.
Phellinus igniarius und var. trivialis werden von Ph. alni und Ph. cinereus
durch die Schlüsselfrage "auf Salix" bzw. "auf anderen
Laubbäumen" abgetrennt!
An Substratangaben für die diese Diskussion betreffenden Arten wird folgendes
angegeben: Ph. tuberculosus: An Rosaceae, im allgemeinen Prunus, manchmal
Pyrus (Birne) oder Malus (Apfel), wesentlich seltener an anderen
Angiospermen.
Ph. igniarius var. igniarius: Im offenen Gelände, an lebenden oder toten
großen Salix (Weiden), oft an Stellen mit Krebsgeschwulsten ("dans
les nécroses").
Ph. igniarius var. trivialis: Im geschlossenen Baumverband an feuchten
Stellen ("en millieu fermé et humide"), auf Stümpfen oder Ästen
lebender Salix (Weiden), selten an toter Salix.
Ph. alni: Auf diversen Angiospermen
Ph. cinereus: Auf Betula (Birke), Tilia (Linde) und Alnus incana (Erle)
Grüße,
Andreas