Hallo Renate,
woher hast Du das, dass Phellinus igniarius "ausschließlich Weide"
befallen soll?
Der an Weiden vorkommende Feuerschwamm hieß einige Zeit Ph. trivialis
(Bresadola) Kreisel, so auch bei Breitenbach & Kränzlin.
Beide Arten/Varietäten (trivialis und igniaris) kommen an Weide vor! Trivialis allerdings auschließlich an diesem Substrat.
Bei Hanns Kreisel, Pilzflora der DDR (1987) lese ich: "an lebenden
Stämmen von Salix an Ufern und in Auenwäldern, an Obstbäumen (bes. Malus,
ferner Juglans, Prunus, Pyrus) in Ortschaften; seltener in Laub- und
Mischwäldern an Acer, Alnus, Betula, Cerasus, Fagus, Fraxinus, Populus,
Sorbus und Tilia."
G. J. Krieglsteiner, Großpilze Baden-Württembergs, Band 1 (2000) versteht nun
unter Phellinus igniarius (L. : Fr.) Quélet ss. str. den
Weiden-Feuerschwamm und trennt nun den an Erlen und Apfelbaum vorkommenden
Feuerschwamm als Phellinus alni (Bondarzew) Parmasto ab.
Er nennt die Ph. igniarius-Gruppe "makromorphologisch kaum trennbare
Taxa".
Ein Vorkommen von Ph. tuberculosus an Apfel schließt er nicht aus (allerdings
nur 3 von 484 Funden).
Mir scheint, dass da im Moment einiges im Fluss ist.
Ja, schon seit einiger Zeit. Es wird viel auf Molekularebene geforscht (Fischer 1995, Fischer & Binder 1995).
Im letzten BSMF wird ein Schlüssel für die Westeuropäischen Phellinus-Arten publiziert, der wohl auf dem neuesten Stand sein dürfte. Er enthält ca. 35 Arten, bis auf 3-4 alle bereits in Frankreich nachgewiesen.
Phellinus igniarius und var. trivialis werden von Ph. alni und Ph. cinereus durch die Schlüsselfrage "auf Salix" bzw. "auf anderen Laubbäumen" abgetrennt!
An Substratangaben für die diese Diskussion betreffenden Arten wird folgendes angegeben:
Ph. tuberculosus: An Rosaceae, im allgemeinen Prunus, manchmal Pyrus (Birne) oder Malus (Apfel), wesentlich seltener an anderen Angiospermen.
Ph. igniarius var. igniarius: Im offenen Gelände, an lebenden oder toten großen Salix (Weiden), oft an Stellen mit Krebsgeschwulsten ("dans les nécroses").
Ph. igniarius var. trivialis: Im geschlossenen Baumverband an feuchten Stellen ("en millieu fermé et humide"), auf Stümpfen oder Ästen lebender Salix (Weiden), selten an toter Salix.
Ph. alni: Auf diversen Angiospermen
Ph. cinereus: Auf Betula (Birke), Tilia (Linde) und Alnus incana (Erle)
Grüße,
Andreas