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Interessante Herbstpilze

Stephan Weißer, (vor 6583 Tagen)

Von meinen Pilztouren der letzten Wochen habe ich noch einiges übrig, das m. E. zeigenswert ist - leider nur in der von mir gewohnten Knips-Qualität. Ich hoffe, man kann trotzdem erkennen, was auf den Bildern zu sehen ist. Zur Sicherheit ist jeweils eine makroskopische Beschreibung beigefügt.

Während die "normalen" Laub- und Nadelwälder artenmäßig zu ermüden beginnen, im Laubwald sich dicke Laubschichten ansammeln, im Nadelwald die Streubewohner, Fälblinge und Flämmlinge das Bild beherrschen, die Cortinarien aus dem Herbstschub alle schon irgendwie rostbräunlich und unidentifizierbar sind, bieten die sauer-sandigen Kiefernheiden sowie die bei uns verbreiteten Mesobrometchen und Gentiano-Koeleretchen wesentlich Interessanteres - oder wie dies Kollege Hampe ausdrücken würde: da rockt's fett!

Die Bilder habe ich in die auf diesen Beitrag folgenden Repostings aufgenommen.

Freundliche Grüße
Stephan

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Interessante Koralle in einem Mesobrometum *PIC*

Stephan Weißer, (vor 6583 Tagen) @ Stephan Weißer

Makroskopie:
Fruchtkörper ca. 4 cm hoch, goldorangegelb (in etwa der Farbton eines reifen Schwefelporlings), trocken, matt, aus einem schlanken Strunk entspringend, sich nach oben hin keulenartig verbreiternd, dabei sehr kurze, stumpfe koralloide Ästchen bildend. Hymenium feinrillig-runzelig. Trama bei Verletzung/Druck weinrot verfärbend. Sporenpulver hell olivgelb.

Fundort:
östlich Heidenheim/Schwäbische Alb, an der Autobahnabfahrt Heidenheim, Mesobrometum ("Saftlingswiese") über Kalk, mitten auf offenem Grasland, nicht in der Nähe von Sträuchern oder Bäumen

Kommentar:
Etwa so müsste Ramariopsis crocea aussehen. Da ich den Fund nicht mikroskopisch untersucht, sondern auf der Wiese stehen gelassen habe, bleibt dies eine Benennung, keine Bestimmung. Ramariopsis crocea wäre Rote Liste BW "G0" (ausgestorben).

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Tricholoma focale? *PIC*

Stephan Weißer, (vor 6583 Tagen) @ Stephan Weißer

Aus einem Flechten-Kiefernwald im Nürnberger Osten stammt dieser Fund, den ich einmal frech Tricholoma focale nenne.

Makroskopie:
stattlicher Ritterlings-Habitus, Hutbreite bis 12 cm, Hutfarbe (kommt auf dem Foto zu stumpf raus) ein relativ freudiges orangegelbliches Ockerbraun. Stielspitze weiß, feinschuppig. In der oberen Stielhälfte ein deutlich sichtbarer, bei älteren Exemplaren flüchtiger wattiger Ring. Oberseite des Rings weiß, Unterseite braunorange. Stiel abwärts des Ringes braunorangeschuppig bis -flockig, fast wie bestrumpft wirkend. Trotz Dauerregens deutlich wahrnehmbarer Mehl-Gurke-Geruch.

Fundort:
auf einer großen, spärlich mit jungen bis mittelalten Kiefern bewachsenenen Sanddüne, Fruchtkörper truppweise (mindestens 10 Kollektionen zu je 6 - 10 Exemplaren) direkt im lockeren Sand wurzelnd, in Gesellschaft von weiteren Ritterlings- sowie Rhizopogon-Arten.

Kommentar:
Tricholoma focale wäre für mich ein persönlicher Erstfund und wertet dieses Pilzbiotop, das ich letztes Jahr erstmalig aufgesucht habe, weiter auf. Da kann man im Spätherbst offenbar exzessiv Ritterlings-Studien betreiben.

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Re: Tricholoma focale - Glückwunsch!!! *oT*

Ingo, (vor 6581 Tagen) @ Stephan Weißer

- kein Text -

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Grünlinge zum Essen? *PIC*

Stephan Weißer, (vor 6583 Tagen) @ Stephan Weißer

Ich muss es euch gestehen: es hat mich schon lange gejuckt, ob die Aufregung um die angebliche Giftigkeit des Grünlings sich lohnt, sprich: ob der Grünling überhaupt so gut schmeckt, dass man auf die Idee kommen könnte, ihn verzehren zu wollen. Und diese Woche konnte ich nicht länger widerstehen. Als in dem von mir angesprochenen Ritterlingsparadies alles voll von jungen, knackigen Grünlingen stand, habe ich mit kurzerhand welche mitgenommen, aufwändig geputzt, in Butter gebraten, leicht gesalzen, dann einen Esslöffel voll gekostet und den Rest zügig in die Mülltonne entsorgt.

Leider muss ich sagen: ein himmlischer Traum, diese Grünlinge - ein Genuss, der das (virtuelle oder reale?) Risiko absolut wert war. Sie gehören mit Sicherheit zum Leckersten, was ich mir bisher in die Pfanne getan habe. Da ich aber eine Familie habe, lasse ich in Zukunft die Finger von dieser teuflischen Versuchung.

Nicht weiterempfehlen kann ich dagegen die im Ritterlingsparadies ebenfalls überreichlich vorgekommenen Frostschnecklinge, welche sich in der Pfanne trotz Anbratens als überaus aromaschwach und obendrein noch schlonzig-schmierig präsentierten. Was manche Pilzkochbuchautoren an diesem Speisepilz toll finden, erschließt sich mir nicht.

zum Foto:
das sind wohl schon noch Grünlinge, obwohl am Stiel schon arg dunkelschuppig und (auf dem Foto nicht zu sehen) olivgrünen und nicht zitronengelben Lamellen; die von mir probierten Exemplare sahen dagegen ganz korrekt aus

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Re: Grünlinge zum Essen?

Gábor, (vor 6583 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

so sind halt die kleinen Sünden des Mykologen - von wegen teuflische Versuchung...

Aber wenigstens kannst Du jetzt beim Geschmack des Grünlings mitreden :-)

Und nein, ich werde der Versuchung nicht erliegen, einmal die 25-fach abgekochten Frühjahrslorcheln zu probieren...

LG, Gábor

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Lorcheln zum Essen???

Kattugla, (vor 6583 Tagen) @ Gábor

: Und nein, ich werde der Versuchung nicht erliegen, einmal die 25-fach
[quote]abgekochten Frühjahrslorcheln zu probieren...
LG, Gábor
[/quote]

...nicht abgekocht, aber getrocknet habe ich sie 9 Jahre meiner Kindheit überlebt. Wir haben die Lorcheln körbeweise aus dem Lausitzer Kiefern-Sand-Meer geschleppt.

Mittlerweile würde da der erhöhte Adrenalinspiegel beim Essen den Genuss (und es war einer!) zunichte machen.
Solange ich nicht drauf angewiesen bin, mir mein Essen selber zu sammeln, muß ich mich auf solche Experimente nicht einlassen.
Da lob ich mir doch die Lepista-Balsamico-Thymian-Experimente. ;-)

Obwohl: zum Steak muß nix dazu. Das langt so. *lach*

herzliche Grüße ins Wochenende
Kattugla

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Re: Lorcheln zum Essen???

Gábor, (vor 6583 Tagen) @ Kattugla

Hallo Kattugla,

mit dem Überleben von Frühjahrslorcheln hast Du mir eine weitere Erfahrung voraus.
Ich finde Gyromitra esculenta nicht nur überaus fotogen, sondern auch würzig wohlriechend.

Aber probieren werde ich sie dennoch nicht, falls ich wieder welche finden sollte - weder getrocknet, noch mehrfach abgekocht.

Da bin ich doch zu sehr Schisshase.
Ich will ja schließlich nicht so enden, wie Buddha - er soll ja angeblich auch an einer Gyromitrinvergiftung gestorben sein.

Und frag mich jetzt bitte nicht nach dem Quellennachweis :-)

LG, Gábor

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Gegendarstellung zum Grünling

Gábor, (vor 6581 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

dank der inflationären Funde des Grünlings hier in Köln kann ich jetzt auch mitreden.

Nach einem halben Löffelchen Soße, einem halb angeknabberten Stiel und einem mikroskopisch kleinen Stückchen Hut haut mich der Grünling ob seines Wohlgeschmacks wegen keinesfall vom Hockern.

Es mag aber natürlich sein, dass Du einfach den feineren Gaumen hast.

Für mich schmeckt der Grünling jedenfalls wie der Mairitterling in grün - und sorry bei allen Ritterlingsfans :-(

Jedenfalls ist es aus meiner Sicht kein allzu großer Verlust, der Empfehlung des Giftinformationszentrums Mainz zu folgen und diesen Pilz einstweilen zu meiden...

LG, Gábor

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Grrr!!! "keinesfalls vom Hocker" natürlich :-( *oT*

Gábor, (vor 6581 Tagen) @ Gábor

- kein Text -

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Re: Gegendarstellung zum Grünling

Boris71, (vor 6581 Tagen) @ Gábor

Hi Gábor,

Für mich schmeckt der Grünling jedenfalls wie der Mairitterling in grün

Das wiederum wäre für mich ein vortrefflicher Grund, ihn einmal zu kosten!

Grüße Boris

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wirklich leckere Ritterlinge *PIC*

Stephan Weißer, (vor 6583 Tagen) @ Stephan Weißer

Bedenkenlos verzehren können soll man angeblich den Schwarzfaserigen Ritterling, von dem sich im Ritterlingsparadies auch einige wenige Fruchtkörper ein (voreilendes?) Stelldichein gaben. Von all den dort vorgefundenen Ritterlingsarten waren sie auf jeden Fall die seltensten.

Es reichte für ein kleines Pfännchen, das mir die Enttäuschung des Grünlings-Wegschüttenmüssens ein wenig leichter machte.

Neben Grünling und Schwarzfaserigem Ritterling kamen dort noch sehr viele Ritterlinge aus der Gruppe um T. albobrunneum (da habe ich später noch Rätselfotos für Ingo und Felix) und um T. terreum vor, darüberhinaus noch die eher banalen Arten T. fulvum und T. suffocatum (populinum). Einige Hypogäen, augenscheinlich Rhizopogon- und Scleroderma-Arten, der Heide-Schleimfuß, eine hellgelbe, unterseits goldgelbe Keule mit abgerundeter Spitze (wohl aus der Gattung Clavaria), und schier unglaubliche Mengen im lockeren Sand wachsende Fliegenpilze rundeten das Bild eines Pilzparadieses, d. h. einer Herberge für interessante und seltene Arten ab.

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Danke Stephan

Rudi, (vor 6583 Tagen) @ Stephan Weißer

da freu ich mich jetzt richtig auf morgen...

LG Rudi

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Re: Danke Stephan

Stephan Weißer, (vor 6583 Tagen) @ Rudi

Fährst auch da hin wo ich mein? Hab dir noch was übrich gelass!
Oder hast e bessere Stell?