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DNA-Analyse-Theoriefrage

Violet, (vor 6462 Tagen)

Liebe Leute, ich habe mich angesichts der ständigen Um-Ordnungen von Pilzen zu anderen Gattungen und Arten etc. und der diversen Uneinigkeiten diesbezüglich schon mehrfach gefragt, was denn sein wird, wenn denn einmal DNA-Analysen gang und gäbe und nicht mehr aufwendig sein werden (ist ja schließlich denkbar, oder nicht?). Sind eure (im weitesten Sinne) jetzigen Bestrebungen dann Schnee von gestern, weil man auf Knopfdruck gewissermaßen festellen kann, wer zu wem gehört? Und denkt ihr, dass dadurch sehr viel wieder über den Haufen geworfen werden wird, was ihr und andere nun mühselig erarbeitet habt? Also ne Menge neuer Schlüssel nötig sein werden? Und drittens: Wird dann auf Dauer noch so ein mühseliges "Erarbeiten" einer Pilzbestimmung mit Frisch- und Trockenmaterial nötig sein?
Bitte verzeiht mir, wenn es eine dumme Frage ist von einer Nicht-Naturkundlerin ....
Herzlich
Ditte

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Jochen Girwert, (vor 6462 Tagen) @ Violet

Hallo Ditte,

Deine Frage habe ich mir auch schon oft gestellt. Aber auch an andere. Wird man eines Tages den Messfühler in den Pilz stecken und das Display zeigt den Pilznamen? Ich vermute, dass im Moment niemand sagen kann, ob so eine Technik mal allgemein verfügbar wird wie GPS und Handys. Allerdings vermute ich, dass die alten Feldmethoden nicht ganz verschwinden werden. Denn alle Lebewesen weichen voneinander genetisch irgendwie ab und ob eine genetische Abweichung zu erheblichen Abweichungen in den Lebewesen führt, wird man erst an dem Lebewesen selbst in Feld und Wald und unterm Mikroskop sehen. So vermute ich und verstehe es vorerst nicht besser: Man wird durch Vergleich mit den bekannten Analysebilder unterscheiden können, ob ein Sommer- oder Fichtensteinpilz vorliegt, aber nicht ob ein unbekanntes Analysebild zu einer neuen Art gehört. Das wäre ja allzu einfach: Messfühler rein und schon ist eine neue Art beschrieben.
Natürlich wäre es nett, wenn sich hier jemand äußern würde, der die modernen Analysemethoden schon mal Aug in Aug kennengelernt hat.

Alles Gute, Jochen.

Liebe Leute, ich habe mich angesichts der ständigen Um-Ordnungen von Pilzen
zu anderen Gattungen und Arten etc. und der diversen Uneinigkeiten
diesbezüglich schon mehrfach gefragt, was denn sein wird, wenn denn einmal
DNA-Analysen gang und gäbe und nicht mehr aufwendig sein werden (ist ja
schließlich denkbar, oder nicht?). Sind eure (im weitesten Sinne) jetzigen
Bestrebungen dann Schnee von gestern, weil man auf Knopfdruck
gewissermaßen festellen kann, wer zu wem gehört? Und denkt ihr, dass
dadurch sehr viel wieder über den Haufen geworfen werden wird, was ihr und
andere nun mühselig erarbeitet habt? Also ne Menge neuer Schlüssel nötig
sein werden? Und drittens: Wird dann auf Dauer noch so ein mühseliges
"Erarbeiten" einer Pilzbestimmung mit Frisch- und
Trockenmaterial nötig sein?
Bitte verzeiht mir, wenn es eine dumme Frage ist von einer
Nicht-Naturkundlerin ....
Herzlich
Ditte

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

zuehli ⌂, (vor 6462 Tagen) @ Violet

Hallo Ditte,

gerade letzte Woche habe ich mich mit Prof. Kost von der Uni Marburg bzgl. Varietätenabspaltung und "Guten Arten" unterhalten und hatte dabei den Eindruck, vermittelt zu bekommen, daß die unversitäre Mykologie die ganze Artenaufsplittung oder -zusammenführung mittlerweile nur noch an den DNA-Analysen festmacht. Alles andere (also die konservativen Methoden) wäre - um es mal so zu sagen - von der persönlichen Betrachtungsweise des Beschreibers abhängig.
Ich denke in der Beziehung stehen uns noch einige Überraschungen bevor.

Gruß Harald

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Lothar, (vor 6462 Tagen) @ zuehli

die unversitäre Mykologie

die ganze Artenaufsplittung oder -zusammenführung mittlerweile nur noch an
den DNA-Analysen festmacht. Alles andere (also die konservativen Methoden)
wäre - um es mal so zu sagen - von der persönlichen Betrachtungsweise des
Beschreibers abhängig.

Klingt ziemlich konstruktivistisch - also grundsätzlich nicht so falsch.
Aber man sollte nicht vergessen, dass auch die DNA-Analysen eine Beschreibung (der "Realität", was immer das ist) sind - genauso wie makroskopische oder mikroskopische Merkmale. Die Deutung der DNA-Analysen (und übrigens auch die Auswahl der gewählten DNA-Abschnitte) hängen somit ebenso von der persönlichen Betrachtungsweise des Auswerters ab. DNA-Analysen haben m.E. per se nicht mehr Wahrheitsgehalt als andere Messungen.
LG von Lothar

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Peter W., (vor 6462 Tagen) @ Violet

Liebe Ditte,

ich glaube hier hast du ein Thema losgetreten, was mit zwei Worten nicht zu beantworten ist.

Nur so viel von mir (Zum Rest fehlt mir die Zeit). Auf Knopfdruck wird es keine Pilzbestimmung geben und das ist auch gut so. Wir werden nicht Arbeitslos.

Gegenwärtig glauben einige Wissenschaftler mit DNA Untersuchungen, den Stein der Weißen gefunden zu haben. Leider gibt es da einige Schwachpunkte und Antworten auf alle Fragen kennt auch die DNA nicht (s. z.B. Outline of Ascomycota). Sicher ist diese Methode gut um Verwandtschaftsverhältnisse zu klären, aber für die Artbestimmung gehört einfach mehr dazu.

Neben der DNA auch die Makroskopie, Mikroskopie, Ökologie und wohl auch die Chemie eines Lebewesens. Nur in der Gesamtheit aller dieser Merkmale ist eine Art, eine Gattung oder eine Familie (usw.) zu definieren.

Der größte Knackpunkt allerdings ist, dass die, die die Untersuchungen durchführen, in vielen Fällen keine Ahnung haben, was sie da untersuchen. Kurz ihnen fehlt die Artkenntnis. Die Schult an dieser Misere, tragen aber nicht die Untersucher, sondern die Politik der Verantwortlichen. Taxonomie, so glauben einige dieser Damen und (wohl zu meist) Herren, sei von gestern, eine Auffassung die sich in einigen Jahren (so glaube ich und viele andere) rächen wird. Ich habe es schon an verschieden Stellen gesagt, Artkenntnis ist das Fundament aller biologischer Arbeit, aber heute werden Häuser ab dem 3. Stock gebaut und zum Teil noch auf die Fundamente geschossen.

Wie gesagt, man könnte dazu noch viel schreiben, aber die Zeit.

Gruß Peter Welt

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Der Juergen, (vor 6462 Tagen) @ Violet

Hallo Ditte,

Science-Fiction-mäßig könnte es ja mal - in ferner Zukunft - so aussehen, dass man mit einem Mycorder* durch den Wald geht, einen Rindenpilz scannt, und auf dem Display erscheint dann der Name. Wär ja eigentlich klasse oder?

Grüßle
Juergen

*= copyright: Juergen Marqua 2009 *gg*

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

MartinB, (vor 6462 Tagen) @ Der Juergen

Nö, dann bliebe ich immer noch ein Zweifler: dann erst recht!

Grüße, Martin

PS: Gut, daß Du Dir die Rechte gesichert hast *ggg*!

Hallo Ditte,
Science-Fiction-mäßig könnte es ja mal - in ferner Zukunft - so aussehen,
dass man mit einem Mycorder* durch den Wald geht, einen Rindenpilz scannt,
und auf dem Display erscheint dann der Name. Wär ja eigentlich klasse
oder?
Grüßle
Juergen
*= copyright: Juergen Marqua 2009 *gg*

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Gábor, (vor 6460 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Der Jürgen,

das wäre dann aber mit ziemlich großer Sicherheit auch das Ende des heiteren Pilzeratens anhand lustiger bunter Bilder hier im Forum :-)

Wäre doch wirklich schade, falls Deine Utopie eines Tages Realität werden sollte :-(

Und dennoch würden mich die Ergebnisse dieses einen Feldversuches brennend interessieren, an dem ich in Hornberg bei Walter Pätzold vor zweieinhalb Jahren teilnahm.

Es ging dabei um die Spektralanalyse vom Sporenmaterial diverser Schleierlinge, die wir noch im Spätherbst fanden...

Schöne Grüße,
Gábor

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Violet, (vor 6462 Tagen) @ Violet

Herzlichen Dank euch allen, die ihr geantwortet habt!
Ich hab beim Mitlesen im Forum und durch Bücher längst begriffen, wie verblüffend wenig insgesamt schon bekannt ist, was die Mehrheit der Pilze angeht. Daher wird oder kann es wohl auch so sein, dass es in absehbarer Zukunft einfach zu wenig gewinnträchtig ist, sich da DNA-mäßig völlig reinzuhängen - und das im großen und ganzen dann doch weiterhin ein Tummelplatz für Privatforscher sein wird.

Liebe Grüße an euch alle
Ditte

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Pascal, (vor 6459 Tagen) @ Violet

Hallo allerseits,

dies eine ziemlich heikle Frage, und nicht nur bei den Pilzen.

Kurz vorab, ich arbeite mit genetischen Methoden and Evolutionsbiologischen Themen und Fragestellungen. Allerdings nicht mit Pilzen.

Wie oben schon gesagt wurde, kann man Arten zum teil nicht anhand der gentischen Informationen unterscheiden.

Die Gründe dazu liegen in der Komplexität der Artentstehung (Artbildung).

Leute sprechen gerne von guten Arten, und wenn etwas nicht in die Klasse von guten Arten passt dann spricht man gerne von Unterarten, Varietäten, Rassen, usw.

Das Problem liegt eigentlich bei uns selbst, im bestreben immer alles klassifizieren zu können. Man muss sich aber im Klaren sein dass sich die Natur und all ihre Bewohner weiterentwickeln, dabei entsehen neue Arten, andere verschwinden. Das Problem ist nun dass es sehr unterschiedliche Mechanismen gibt die zu neuen Arten führen können, und in abhängigkeit dieser Mechanismen sind dann auch die Unterschiede in der genetischen diffenzierbarkeit gross.

Kurz zusammengefasst, einige Arten kann men genetisch sehr gut erkennen, andere nur sehr schwer oder eben mit sehr viel Aufwand.

Um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen, die genetische Methoden sind in den letzten Jahren viel zugänglicher und günstiger geworden, deshalb werden sie auch immer öfter verwendet. Allerdings wird es in naher zukunft keine Geräte geben die euch die Art aufgrund der DNA ausspucken. Die makro- und Mikroskopischen Methoden werden demzufolge nachwievor die gängigen Methoden der Pilzbestimmung bleiben. Allerdings sollten man den Nutzen genetischer Methoden nicht runter reden. Deren Nutzen im Verständnis der Biodiversität ist heute unumstritten und diese Methoden werden auch im Reich der Pilze weiterhin von Nutzen sein.

Gruss

Pascal

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Peter W., (vor 6458 Tagen) @ Pascal

Lieber Pascal,

es will keiner diese Untersuchungen verteufeln, nur sind die Methoden oft zweifelhaft (s. meinen Kommentar in erster Antwort). Für Pilze ist die Methode sogar eine große Errungenschaft, da ja bekanntlich Kreuzungsversuche schwierig oder fast unmöglich sind.

Ich kann dir auch nur Recht geben, dass die Natur immer in Bewegung ist (Panta rhei) und somit auch heute noch neue Arten entstehen. Ich denke sogar, dass mit dem jetzigen Klimawandel (was mit dem Menschen, nach meiner Meinung, nur wenig zu tun hat, wäre aber ein eigenes Thema) dies beschleunigt wird. Mutationen (Rassen, Varietäten, Unterarten) , sprich die Vorstufen einer neuen Art, können sich ja nur durchsetzen, wenn diese mit den vorhandenen Lebensbedingungen besser zu recht kommen wie die Stammart oder sie findet eine unbesetzten Lebensraum oder ist in der Lage eine andere Art zu verdrängen.

Gruß Peter

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Der Juergen, (vor 6458 Tagen) @ Pascal

Hallo Pascal,

Wie oben schon gesagt wurde, kann man Arten zum teil nicht anhand der
gentischen Informationen unterscheiden.

Ich glaube, dass diese Technik der genetischen Sequenz-Analyse oft missverstanden wird. Es geht nicht um "Bestimmung" sondern um "Vergleich".

Es werden lediglich verwandschaftliche Beziehungen her- und dargestellt. Dazu braucht es nur wenige Genabschnitte, die "stabil" genug sein müssen (hochkonservativ, nicht-codierend). Wollte man einen Organismus "bestimmen", würden solche "kurzen" Genabschnitte (ITS1/2 der rRNA z.B.) wahrscheinlich gar nicht ausreichen.

Die Arten, die genetisch überprüft werden, sind ja schon bekannt und bestimmt; es geht um die Einordnung in den phylogenetischen Stammbaum. Ich bezweifle auch schwer, ob das Kriterium der "guten Art" zukünftig nur "gen-statistischer" Natur sein wird; schließlich ist unsere Vorstellung einer Art auch mit sicht- und erfahrbaren Trennmerkmalen verbunden.

Grüßle
Juergen

p.s.: Ich finde es jedenfalls sauspannend was sich da bei den Pilzen gerade tut!

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Lothar, (vor 6458 Tagen) @ Der Juergen

Ich bezweifle auch schwer, ob das Kriterium der "guten Art" zukünftig nur "gen-statistischer" Natur sein wird; schließlich ist unsere Vorstellung einer Art auch mit sicht- und erfahrbaren Trennmerkmalen verbunden.

Genau. Deshalb habe ich mich ein wenig süffisant zur Auffassung von Prof. Kost (den ich sonst und menschlich sehr schätze) geäußert, dass DNA-Untersuchungen quasi den "konventionellen" Methoden überlegen seien (bzw. die Ergebnisse letzterer gar nicht mehr ernst genommen werden könnten - wobei ich auch nicht weiß, ob Herr Kost das tatsächlich so gesagt hat).
Damit war (auch von mir) nicht gesagt, dass DNA-Untersuchungen schlecht seien. Ich bin durchaus überzeugt davon, dass sie viel zu unsrer Kenntnis der Systematik beitragen (können). Allerdings ohne meine Beteiligung ;-( *g*

LG von Lothar

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

zuehli ⌂, (vor 6458 Tagen) @ Lothar

Genau. Deshalb habe ich mich ein wenig süffisant zur Auffassung von Prof.
Kost (den ich sonst und menschlich sehr schätze) geäußert, dass
DNA-Untersuchungen quasi den "konventionellen" Methoden
überlegen seien (bzw. die Ergebnisse letzterer gar nicht mehr ernst
genommen werden könnten - wobei ich auch nicht weiß, ob Herr Kost das
tatsächlich so gesagt hat).

Hallo Lothar,

so wollte ich das auch nicht verstanden wissen, dass Prof. Kost das so wortwörtlich gesagt hat. Deshalb habe ich mich ja auch ein wenig vorsichtiger ausgedrückt (Zitat:"...und hatte dabei den Eindruck, vermittelt zu bekommen...")

Beste Grüße Harald

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Re: DNA-Analyse-Theoriefrage

Ingo Wagner, (vor 6457 Tagen) @ Violet

Hallo!

Wie wäre das eigentlich mit der Zuordnung von Nebenfruchtformen zu den Hauptfruchtformen. Sehen ja makroskopisch meist nicht so sehr verwandt aus, oft weiß man ja gar nicht um deren verwandtschaftliche Beziehungen.
Denen müsste man doch mit genetischen Untersuchungen auch besser auf die Spur kommen?

Ist mir immer noch irgendwie suspekt, wie sich aus teilweise so verschieden aussehenden Organismen das gleiche Vermehrungsergebnis entwickeln kann.

VG Ingo W