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Allgemeiner Pessimismus? Abwarten!

Christoph ⌂, (vor 9232 Tagen)

Hallo zusammen, hallo bleem,

Ich bin Optimist!

Immer wieder schreibt Ihr vom schlechten Pilzjahr, dass kommen wird.
Letztes Jahr war's auch lange sehr mau, aber das Ende 2000 war bei uns einfach gigantisch! Bis zum Wintereinbruch eine Pilzfülle, traumhaft. Fing halt erst im Oktober an, dann aber! Wir hatten auch zu unserer Pilzasustellung in München über 300 Arten, ohne große Mühe...
Und, wenn man sich den Bauch nicht unbedingt volschlagen will, sondern sich (auch) für Besonderheiten interessiert, so sind manchmal gerade die "seltsamen" Jahre wundersam. Den Scheidenstreifling, zu dem ich mal ne Frage stellte (Amanita ochraceomaculata/pachyvolvata), hatte ich noch nie gefunden. Jetzt hat ein Freund von mir den auch gefunden. Scheint wirklich Amanita ochraceomaculata zu sein (erst 2000 beschrieben, Erstfund für Deutschland). Am Wochenende fand ich im Stubaital nen Becherling, von dem vermutlich erst zwei europäische Kolektionen bekant wurden (Hymenoscyphus subcarneus, ist nicht Phaeohelotium subcarneum - Pilze der Schweiz, andere Art aber selber Autor und selbes Epitheton...).
Auch habe ich heuer eine verrückte Keule gefunden, die ich noch nie vorher gesehen habe: Macrotyphula contorta.
Dann vor zwei Wochen in Braunschweig nen Filzröhrling (Rotfußverwandtschaft), der entweder eine neue Art ist, oder aus Nordamerika stammt (mit amyloiden Sporen, da gibt's zwei Arten aus USA), absolut verrückt!
Schweinsohren sind auch schon draußen. Schöne Saftlinge ohnehin.

1996 war bei uns ein trockener Juni, fast ohne Regen. Es gab nix, aber dafür war der Satanspilz schon da, im Juni! Und in großem Schub! Hat mich auch sehr gefreut. 1997 wuchs fast nix, dafür war aber Boletus splendidus (Falscher Satanspilz) verbreitet, auch an Stellen, die ich seit 20 Jahren kenne, wo er noch nie war. Bol. rhodoxanthus (Rosahütiger Röhrling) und vor allem Satanspilz waren auch erstaunlich häufig, der Wurzelnde Bitterröhrling fast überall. dafür wenig Setinpilze (nur Unmengen Sommersteinpilze, aber nicht Bol. edulis).
1998 dafür Massen an Steinpilzen, habe so was noch nicht erlebt (muss so ähnlich gewesen sein, wie das legendäre Jahr 1976 in Südbayern und Österreich). Unmengen an Schweinsohren sowieso und viele viele Morcheln im Frühjahr, dafür aber kaum "seltene" Röhrlinge.
1999 dann wieder Tote Hose, dafür wieder mehr "seltene" Arten, wie z. B. Bol. splendidus im Gebirge. Speisepilze aber wenig (bis auf die immer massenhaften Trompetenpfifferlinge). Dafür gigantisch viele seltene Schleierlinge, besonders Schleimköpfe.
2000 wie gesagt ein super Fress-Schwammerljahr.

Also, ich warte notfalls für die Küche bis zum Oktober und freue mich auf einige Überraschungen und seltene Arten, die mal wieder aussporen dürfen/können. Insofern finde ich das Jahr heuer gar nicht schlecht. Eher im Gegenteil.

Was denkt Ihr dazu?

Mit den besten Hoffnungen für ein allgemein gutes Jahr 2001, Euer Christoph

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Re: Allgemeiner Pessimismus? Abwarten!

Thomas Pruß, (vor 9232 Tagen) @ Christoph

Moin Christoph,
ich teile deinen Optimismus! Letztes Jahr war’s in NF auch unerträglich: Toteste Hose seit der Erfindung von Brot in Scheiben und aus den anderen Regionen Erfolgsmeldungen bis zum Abwinken. Mein Chefredakteur, der nur 200 km weiter südlich von mir wohnt, mähte im Wald Krause Glucken usw., ich trockenes Gras. Das änderte sich dann im Oktober, als man gar nicht so schnell pflücken konnte wie die Pilze wuchsen. Dafür habe ich dann das Vergnügen gehabt, bis in den Februar dieses Jahres Austernpilze und Samtfußrüblinge zu ernten.
Also, Ruhe bewahren und abwarten (auch, wenn man sich bei den sonstigen Meldungen im Forum die Fingernägel abknabbert ;-))
Grüsslis
Thomas

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Re: Allgemeiner Pessimismus? Abwarten!

Galadriel, (vor 9232 Tagen) @ Christoph

Hallo Christoph

Ich seh das ähnlich wie du. Da ich die Natur und besonders den Wald sehr liebe, verbringe ich sowieso den grössten Teil meiner Freizeit (das ganze Jahr über) im Wald und in den Feldern.
Es stimmt mich auch nicht depressiv wenn ich fast keine Pilze finde. Dann beschäftige ich mich mit den anderen Arten. In solchen Zeiten lerne ich mehr dazu als in der Hauptsaison wo man Körbe voll bekannter Speisepilze mit nach Hause schleppt. Ich hab letztes Jahr auch erst im Herbst grosse Ernte gemacht, dafür bis ende November! Gut möglich, dass es dieses Jahr wieder so ist.
In meiner Gegend (Schweiz/Mittelland) sind gegenwärtig die guten Speisepilze auch eher rar. Im Durchschnitt zwei bis drei Flockis und/oder Steinpilze pro Ausflug. Wenn man in dieser Zeit nur wegen den Pilzen in den Wald geht, wird's frustrierend.
Da liegen noch ganz andere bemerkenswerte Sachen am Waldboden - verendete Tierkadaver!
Die Schädel werden abgetrennt und anschliessend mazeriert (entfleischt), entfettet, gebleicht und wenn nötig, lose Knochenteile und Zähne wieder festgeleimt. Mit den Jahren sammelt sich eine ordentliche Kollektion von einheimischen Tierschädeln an.

Gruss Galadriel