Pilze Pilze Forum
Erweitert

Lactarius trivialis leider gar nicht so trivial *PIC*

Krötenhocker, (vor 6135 Tagen)

Hallo zusammen,

jetzt mal zur Abwechslung wieder ein Basidiomycet, der sich mir nicht ganz sicher erschließt.

Am Orginalschauplatz sah er so aus:

[image]

Seine Milch wurde nach etwa 2 Stunden olivgrünlich

[image]

Ach ja, hier erst noch ein paar Daten:

Fundort: Schweden Smaland / bei Basebo
Datum: 03.09.09

Begleitflora: Picea (Jungforst)

Bodentyp: sauer

Geologie: auf Granitböden, also ohne Kalk

Geschmack: Milch scharf

Geruch: unbedeutend

Hut-Durchmesser: bis 200 mm

Stiellänge: 120 mm

Stiel-Durchmesser: 50 mm

Hut sehr glitschig klebrig schleimig (feucht)

Jetzt kommen ein paar Merkwürdigkeiten, wenn es trivialis sein sollte:

- KOH20% auf Stiel und Fleisch keine Reaktion. (sollte orange-gelb werden (habe ich allerdings nicht mit der Milch selber probiert.)

- Stiel unten sehr großgrubig (In meiner Literatur kein Hinweis darauf)

- Huthaut mit KOH20% schnelle Reaktion zu blutrot, dann langsam zu weinrot (bordeaux) werdend. (In meiner Literatur kein Hinweis darauf)

Hier das Beweisfoto:
[image]

Dann hier die Sporen in H2O
[image]

und in Melzer
[image]

Gemessen in Wasser von Abwurfpräparat habe ich

Sporen(1250-fach, 95%, n=35): (6,9)7-8,1-9,2(9,1) x (5,5)5,8-6,7-7,6(7,3)µm
MW-Grenzen: Lm x Dm=7,9-8,3 x 6,5-6,8µm
Q = 1,07-1,22-1,37
Qm=1,19-1,25
Vm=178-189-201µm³

Sporen in Melzer von Abwurfpräparat:

Sporen(1250-fach, 95%, n=24): (7,3)7-8,2-9,4(9,6) x (5,8)5,6-6,6-7,6(7,5)µm
MW-Grenzen: Lm x Dm=7,9-8,5 x 6,4-6,8µm
Q =1,11-1,24-1,38
Qm=1,21-1,27
Vm=173-189-204µm³

Ich sag mal, tut sich nicht viel.

Sporengröße nach Heilmann -Clausen:

Sporen: 7,3-10,0 x 5,9-7,8 av. 8,4-8,8 x 6,8-7,0
Q = 1,15-1,40 av. 1,23-1,27

Nach Funga Nordica:

Sporen: 7,5-10 x 6-8

Also sind meine Sporen ein wenig zu klein. Leider habe ich nicht die Erfahrung, die Abweichungen korrekt beurteilen zu können.
Jedoch hatte ich bei den Mikrobildern sicherheitshalber Eichaufnahmen vom Okularmikrometer mitgemacht, so dass von der Seite keine relevante Abweichung zu erwarten ist (es sei denn, das Okularmikrometer stimmt nicht)

Eure Meinungen würden mich sehr interessieren.

LG, Jens

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

kleine Korrektur

Krötenhocker, (vor 6135 Tagen) @ Krötenhocker

Da ist mir ein Fehler unterlaufen: das erwähnte Okularmikrometer ist natürlich ein Objektmikrometer.

LG, Jens

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Andreas ⌂, (vor 6134 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Jens,

zweifelsfrei Lactarius trivialis - Nordischer Milchling.

KOH20% auf Stiel und Fleisch keine Reaktion. (sollte orange-gelb werden
(habe ich allerdings nicht mit der Milch selber probiert.)

das wäre unabdingbar nötig, die Reaktion soll bei separierter Milch stattfinden (auf Objektträger tropfen lassen).
Ich glaube im DGfM-Forum gab's mal nen Thread bzgl. dem Doppelgänger, Lactarius utilis, da ging Peter Reil auf diese KOH-Reaktion ein. Demnach soll sie wohl nicht konstant sein.

- Stiel unten sehr großgrubig (In meiner Literatur kein Hinweis darauf)

Das darf schon sein. BASSO schreibt z.B. "o ancora con scrobicoli concolori".

- Huthaut mit KOH20% schnelle Reaktion zu blutrot, dann langsam zu weinrot
(bordeaux) werdend. (In meiner Literatur kein Hinweis darauf)

Das hab ich auch noch nie irgendwo gelesen, scheint bisher keiner ausprobiert zu haben. Wäre für mich interessant, ob das nur auf den blau gefärbten Hüten so ist, oder auch bei den ausgeblassten.

Dann hier die Sporen in H2O
6,9)7-8,1-9,2(9,1) x (5,5)5,8-6,7-7,6(7,3)µm
(7,3)7-8,2-9,4(9,6) x (5,8)5,6-6,6-7,6(7,5)µm

Hmmm, mit der Schreibweise komme ich nicht so recht klar. In Klammern sollen doch eigentlch die "Ausreißer" stehen, wieso sind die Werte bei Dir da teilweise im unteren Bereich größer als die erste "normale" Messung, dasselbe beim oberen Bereich.

Sporengröße nach Heilmann -Clausen: Sporen: 7,3-10,0 x 5,9-7,8 av. 8,4-8,8 x
6,8-7,0
Nach Funga Nordica: Sporen: 7,5-10 x 6-8
Also sind meine Sporen ein wenig zu klein.

Naja, finde ich eigentlich nicht. Die großen Sporen im Bereich 9-10 µm scheinen bei Deinem Pilz wenig vorhanden zu sein, deshalb bekommst Du auch einen recht niedrigen Mittelwert. Die Gesamtspanne passt aber doch recht gut zu den Angaben der Skandinavier.
BASSO gibt an: 7,2-8,7(-9,5) x 6-7 µm. Das passt noch besser zu Deinen.

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Krötenhocker, (vor 6134 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

Das darf schon sein. BASSO schreibt z.B. "o ancora con scrobicoli
concolori".

Immerhin eine, die auch mal scrobicoli beschreibt (das war jetzt gar nicht so einfach zu recherchieren).

Das hab ich auch noch nie irgendwo gelesen, scheint bisher keiner ausprobiert
zu haben. Wäre für mich interessant, ob das nur auf den blau gefärbten
Hüten so ist, oder auch bei den ausgeblassten.

Habe ich leider nur an den jüngeren Exemplaren ausprobiert. Es war auch nur der eine große FrK so ausgebleicht und der erschien mir jedenfalls zu alt, um ihn mit nach Hause zu nehemen.

Hmmm, mit der Schreibweise komme ich nicht so recht klar. In Klammern sollen
doch eigentlch die "Ausreißer" stehen, wieso sind die Werte bei
Dir da teilweise im unteren Bereich größer als die erste
"normale" Messung, dasselbe beim oberen Bereich.

Das ergibt sich durch die Benutzung von "Gerds" Excel-Tabelle zur statistischen Auswertung der Sporenmessungen.
Das Werte in den Klammern sind die jeweiligen tatsächlichen Min-Max-Werte. Sie können deshalb kleiner, bzw. größer als der ermittelte von-bis-Wert sein, weil diese sich durch den statistischen Mittelwert unter Berücksichtigung der Normalverteilung ergeben. Die Werte in den Klammern könnte man natürlich auch weglassen, wenn sie jeweils kleiner bzw. größer als die der statistischen Auswertung wären. Ich werde mir das in PDS und im anderen Forum nochmal durchlesen, bzw. schauen, wie andere das heutzutage machen.

Naja, finde ich eigentlich nicht. Die großen Sporen im Bereich 9-10 µm
scheinen bei Deinem Pilz wenig vorhanden zu sein, deshalb bekommst Du auch
einen recht niedrigen Mittelwert. Die Gesamtspanne passt aber doch recht
gut zu den Angaben der Skandinavier.
BASSO gibt an: 7,2-8,7(-9,5) x 6-7 µm. Das passt noch besser zu Deinen.

Ja, das finde ich auch, nur leider steht die gute nicht in meinem Bücheregal.
Allerdings weiß ich auch nicht, wie sie ihre Sporengrößen ermittelt hat und ob die Daten dadurch gut vergleichbar wären.

Also, vielen Dank für deine Bestätigung.

LG, Jens

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Andreas ⌂, (vor 6134 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Jens,

Allerdings weiß ich auch nicht, wie sie ihre Sporengrößen ermittelt hat und
ob die Daten dadurch gut vergleichbar wären.

Es stehen nur diese Maße in der Beschreibung, keine weitere Erläuterung dazu.
Was mir persönlich reicht, ich bin kein Anhänger dieses Statistikgedönses.

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Ingo Wagner, (vor 6134 Tagen) @ Andreas

Hallo!

....ich bin kein Anhänger dieses Statistikgedönses.
beste Grüße,
Andreas

Gibt´s ein Zeichen für Applaus, wenn nicht, stellt euch "standing ovations" von meiner Seite vor!

VG Ingo W

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Krötenhocker, (vor 6134 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

so als kleiner Hobbymykologe im Anfängerstadium finde ich es erstaunlich einfach, mit Hilfe des Zeissprogramms, Gerds Excel-Tabelle und natürlich einer Kamera auf dem Okular nachvollziehbare Daten zu ermitteln.
Was wären denn die anderen Möglichkeiten?

Ich habe mal irgendwo gelesen, das man die zu großen und zu kleinen Sporen rausschmeißt und dann einen mathematischen Mittelwert bildet. Aber wieviele und welche genau?

Dann doch lieber einfach alle messbaren messen und Statistik anwenden. Das sollte konsequent angewandt doch eigentlich auch am ehesten vergleichbare Werte produzieren.
Also ich werde bis auf Weiteres wohl ein Fan dieser ja auch sehr schnellen Methode bleiben, aber wohl die Extremwerte weglassen, wenn sie die errechneten Grenzwerte nicht überschreiten. Es sind ja wirklich ansonsten auch ganz schön viele Zahlen, die schon verwirren könnten, finde ich. Aber ich war eben auch der Hoffnung, dass, sollte es nicht L. trivialis sein, die Werte vielleicht weiterhelfen.

LG, Jens

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Krötenhocker, (vor 6134 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

dann verrate mir doch mal deine sinnvolle Methode der Auswertung.

LG, Jens

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Ingo Wagner, (vor 6134 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Ingo,
dann verrate mir doch mal deine sinnvolle Methode der Auswertung.
LG, Jens

Hallo Jens!

So, wie du im anderen Beitrag schreibst, ist es für dich bequem mit so einer Auswertung. Ok, das ist ein Argument!

Worauf ich eigentlich anspiele, sind die Resultate solcher "sehr genauen Messungen". Es wird im Ergebnis oft um 1,5 µm bei Sporenlängen gestritten, ohne das Gesamtpaket des Pilzes im Blick zu behalten.

Ich sehe ganz oft in der Literatur neubeschriebene Arten, die bloß aufgrund solcher geringer, "übergenauer" Messungen entstanden sind (meiner Meinung nach auf jeden Fall).
Gerade bei den Ascos (entschuldige, wenn ich damit schon wieder anfange) gibt´s etliche Phantom-Arten, die nur dadurch entstanden, dass die Art unreif oder überreif, vital oder tot, trocken oder nass beschrieben wurde.

Meiner Meinung nach, ist es viel wichtiger, die gleiche Art in verschiedenem Alter zu dokumentieren, sei es die Farbe oder Eigenheiten, die mit dem Alter oder der jeweiligen Feuchtigkeit zusammenhängen.

Das ist es eigentlich, wofür ich plädiere. Ich lehne deine Art und Weise der Auswertung nicht ab, bloß du solltest sie nicht überbewerten.

VG Ingo W

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Andreas ⌂, (vor 6133 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Ingo,
dann verrate mir doch mal deine sinnvolle Methode der Auswertung.
LG, Jens

Hallo Jens,

da haben wir uns vielleicht etwas misverstanden. Nicht dass ich Deine Methode als solche ungeeignet empfände. Ich meinte viel eher, dass ich nicht viel davon halte, diese statistisch abgegelichenen Messwerte, die dann ein sehr genaues Resultat zeigen (vorspielen?), als so wichtig zu nehmen wie es oft getan wird. Dadurch kommen dann eben so Zweifel auf (die ja nicht per se falsch sind, zweifeln darf man immer!).
Ich für meinen Teil habe bisher keine Probleme damit gesehen, entsprechend viele Sporen zu messen (mal 20, mal mehr), mir die Extremwerte per Augenschein rauszuklammern und mit dem Taschenrechner einen Mittelwert zu bilden. Ob ich da nun im 95%-Bereich liege oder nicht, ist mir eigentlich ziemlich wurscht. Ich glaube man macht größere Schwankungen durch Messungenauigkeit als durch nicht-statistisches Handling der gewonnenen Werte. Wobei ich zugebe, dass im Zeitalter der Videoübertragung es durchaus möglich scheint, viel genauer zu messen als ich das am Mikroskop selbst kann. Für meine Hinter-dem-Mond-Messmethode reicht mir aber weiterhin meine unstatistische Methode und ich habe noch nie das Gefühl gehabt, sie sei unzureichend.
Bei Ascomyceten, zumal den inoperculaten oder den Pyrenos, hat man eh eine viel größere Streuung der Sporenmaße als die Blätterpilzlinge das gewohnt sind. Wenn ich mir z.B. Ascocoryne ansehe, dann haben wir bei A. sarcoides Sporen von ca. (11)14-21(26) x (3.8-)4.4-5.2(-5.5) µm (entnommen Zottos CD), was ja eine immense Bandbreite in der Länge aufweist. Auch Lachnum-Arten sind da recht vielgestaltig, z.B. L. brevipilosum (weil ich die letzthin grad hatte) mit 6-12,5 x 2-3 µm. So hat man das bei den Basidios nicht, und ich bezweifle (rein gefühlsmäßig) etwas, ob man diese Werte wirklich gut statistisch verarbeiten kann.

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Andreas ⌂, (vor 6133 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Jens,

so als kleiner Hobbymykologe im Anfängerstadium finde ich es erstaunlich
einfach, mit Hilfe des Zeissprogramms, Gerds Excel-Tabelle und natürlich
einer Kamera auf dem Okular nachvollziehbare Daten zu ermitteln.

Mit diesem Equipement mag es durchaus sein, dass man sinnvoll statistisch berehcnen kann, weil die ermittelten Sporengrößen eben auch genau sind und nicht auf 0,2 µm geschätzt wie beim Messen im Mikroskop.

Ich habe mal irgendwo gelesen, das man die zu großen und zu kleinen Sporen
rausschmeißt und dann einen mathematischen Mittelwert bildet. Aber
wieviele und welche genau?

Ich mach das etwas gefühlsmäßig. 20 messe ich immer (vorausgesetzt ich finde so viele messbar, in alten Exsikkaten ist das manchmal nicht möglich), je nach Variationsbreite dieser 20 und auch etwas Beeinflusst von der persönlichen Wichtigkeit des Fundes auch ein paar mehr (30, 40 oder gar 50). Also Mollisien werden fast immer mit mehr als 20 gemessen ....

Dann doch lieber einfach alle messbaren messen und Statistik anwenden. Das
sollte konsequent angewandt doch eigentlich auch am ehesten vergleichbare
Werte produzieren.

Jaaaaa, aaaber - das setzt voraus, dass man auch wirklich brav nur Sporen misst, die flach seitlich liegen . Ich habe bisher noch nicht einen einzigen Bildschirmmesser angetroffen, der sich an diesen Grundsatz gehalten hätte. Im Regelfall wird alles gemessen, was nur nen annähernd scharfen Umriss zeigt. Damit führt man dann schnell seine eigene ach so genau statistische Auswertung ad absurdum.

Also ich werde bis auf Weiteres wohl ein Fan dieser ja auch sehr schnellen
Methode bleiben

Wenn ich mal ein fest installiertes Kamerasystem auf meinem Mikroskop habe, dann werde ich das vermutlich ebenso machen. Nicht weil ich der Meinung bin, bessere Messergebnisse zu erhalten, sondern weil ich denke, dass es schneller geht.

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Krötenhocker, (vor 6133 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

Mit diesem Equipement mag es durchaus sein, dass man sinnvoll statistisch
berehcnen kann, weil die ermittelten Sporengrößen eben auch genau sind und
nicht auf 0,2 µm geschätzt wie beim Messen im Mikroskop.

dazu kommt aber auch noch, dass in meinen moderneren Büchern immer wieder statistisch ermittelte Sporenwerte aufgeführt sind. Ich also wohl am besten die gleiche Methode anwende.

Ich mach das etwas gefühlsmäßig. 20 messe ich immer (vorausgesetzt ich finde
so viele messbar, in alten Exsikkaten ist das manchmal nicht möglich), je
nach Variationsbreite dieser 20 und auch etwas Beeinflusst von der
persönlichen Wichtigkeit des Fundes auch ein paar mehr (30, 40 oder gar
50). Also Mollisien werden fast immer mit mehr als 20 gemessen ....

Genau das ist es, was ich ja nicht können kann. Für "gefühlsmäßig" bräuchte ich ja schon mal eine respektable Grundkenntnis, wo ich denn die Grenzen ziehe.
Allerdings wird natürlich die statistische Auswertung erst mit größerer Zahl von Messungen genauer und deine Methode führt bei geringer Sporenzahl wahrscheinlich wirklich zu einem brauchbareren Ergebnis, eine gewisse Streuung der Sporengrößen vorrausgesetzt.

Jaaaaa, aaaber - das setzt voraus, dass man auch wirklich brav nur Sporen
misst, die flach seitlich liegen . Ich habe bisher noch nicht einen
einzigen Bildschirmmesser angetroffen, der sich an diesen Grundsatz
gehalten hätte. Im Regelfall wird alles gemessen, was nur nen annähernd
scharfen Umriss zeigt. Damit führt man dann schnell seine eigene ach so
genau statistische Auswertung ad absurdum.

Okay, wir haben uns ja auch noch nicht getroffen! Aber ich habe einfach mehrere Aufnahmen unterschiedlicher Sporenanhäufungen unter dem Deckglas gemacht und somit liegen mir genug seitlich liegende Apikuli bei mehr oder weniger scharfer Umrisskante der Spore vor. Und die Fragen nach der richtigen Art und Weise der Sporenmessung hatte ich hier ja schon netter Weise komplett beantwortet bekommen und versuche mich natürlich auch an diese Vorgaben zu halten.

Wenn ich mal ein fest installiertes Kamerasystem auf meinem Mikroskop habe,
dann werde ich das vermutlich ebenso machen. Nicht weil ich der Meinung
bin, bessere Messergebnisse zu erhalten, sondern weil ich denke, dass es
schneller geht.

Zum einen geht es womoglich wirklich schneller und zum anderen kann man ja auch einfach ein paar Aufnahmen abspeichern und in einer ruhigen Stunde auswerten. So habe ich es jetzt hier mit dem trivialis auch gemacht, der aus dem Spätsommer war und ich habe erst jetzt gemessen.

Aber der größte Vorteil ist doch wirklich, das ich für die Auswertung erst mal kein großes Grundwissen über Sporengrößenverteilung (welche wird gemessen und welche ist womöglich zu klein, usw.) benötige. Ich spreche hier nicht von der Interpretation der Ergebnisse, sondern nur von der Datenermittlung.
Zur Interpretation hatte ich dann ja hier eingeladen und dankenswerter Weise deine Auslegung der Messungen erhalten.

LG, Jens

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Krötenhocker, (vor 6133 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

da haben wir uns vielleicht etwas misverstanden. Nicht dass ich Deine Methode
als solche ungeeignet empfände. Ich meinte viel eher, dass ich nicht viel
davon halte, diese statistisch abgegelichenen Messwerte, die dann ein sehr
genaues Resultat zeigen (vorspielen?).

Ich denke, es geht hier mehr um Vergleichbarkeit als um erhöhte Genauigkeit.
Die Genauigkeit wird allerdings mit erhöhter Anzahl an Messungen größer, was bei deiner Methode nicht sein muß.

Ich für meinen Teil habe bisher keine Probleme damit gesehen, entsprechend
viele Sporen zu messen (mal 20, mal mehr), mir die Extremwerte per
Augenschein rauszuklammern und mit dem Taschenrechner einen Mittelwert zu
bilden. Ob ich da nun im 95%-Bereich liege oder nicht, ist mir eigentlich
ziemlich wurscht.

Hier kommt dann noch die Fehlerträchtigkeit des Taschenrechnereintippens
hinzu ;-)
Ich fange ja gerade mal mit diesen Messungen an, aber ich finde es schon interessant, hinterher sagen zu können, dass weitere Sporen dieses Pilzes mit 95%iger Wahrscheinlichkeit in den angegeben Größenbereich fallen.

Funga Nordica arbeitet nur mit 90%igem Vertrauensniveau. Da dürften dann die Sporengrößenangaben noch weiter zusammenlaufen, wenn ich das richtig verstanden habe.

LG, Jens

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Krötenhocker, (vor 6133 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

So, wie du im anderen Beitrag schreibst, ist es für dich bequem mit so einer
Auswertung. Ok, das ist ein Argument!

Nicht nur bequem, sondern auch jederzeit für jeden, der sich dieser Methodik bedient, nachvollziehbar. Und, wie ich eben schon Andreas geschrieben habe, benötige ich erstmal nicht diese Erfahrung zum Aussortieren der Ausreisser.

Worauf ich eigentlich anspiele, sind die Resultate solcher "sehr genauen
Messungen". Es wird im Ergebnis oft um 1,5 µm bei Sporenlängen
gestritten, ohne das Gesamtpaket des Pilzes im Blick zu behalten.

Da habe ich keinen Durchblick, aber ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass Pilze abhängig von verschiedensten Faktoren auch unterschiedlich große Sporen erzeugen. Wie weit das allerdings zutrifft, wird doch bestimmt schon mal jemand untersucht haben.

Ich sehe ganz oft in der Literatur neubeschriebene Arten, die bloß aufgrund
solcher geringer, "übergenauer" Messungen entstanden sind
(meiner Meinung nach auf jeden Fall).
Gerade bei den Ascos (entschuldige, wenn ich damit schon wieder anfange)
gibt´s etliche Phantom-Arten, die nur dadurch entstanden, dass die Art
unreif oder überreif, vital oder tot, trocken oder nass beschrieben wurde.

Ich habe nichts gegen Ascos und ich werde mich mit ihnen über kurz oder lang auch mehr befassen. Ich hoffe, das du dann schon viele Phantom-Arten raussortiert hast.

Meiner Meinung nach, ist es viel wichtiger, die gleiche Art in verschiedenem
Alter zu dokumentieren, sei es die Farbe oder Eigenheiten, die mit dem
Alter oder der jeweiligen Feuchtigkeit zusammenhängen.

da magst du recht habe, aber bisher habe ich immer gelesen, dass auch die Sporengröße eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Aber mir ist schon klar, dass man die Natur nicht nur meßtechnisch erfassen kann. Ist halt nur ein weiteres Puzzelteilchen auf dem Weg der Erkenntnis.

Das ist es eigentlich, wofür ich plädiere. Ich lehne deine Art und Weise der
Auswertung nicht ab, bloß du solltest sie nicht überbewerten.

Nana, ich habe dich immer noch vor meinem inneren Auge, stehend klatschend ;-)

LG, Jens

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Andreas ⌂, (vor 6133 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Jens,

also Du hast mich ja schon nahezu überzeugt. Obwohl ich das ja vorher eh schon war, im Hinblick auf Vorteile wie bequemer, schneller, kann man im Winter auswerten und all das. Das einzige was ich nicht als Vorteil sehe (auch nicht als Nachteil) ist, dass du mithilfe statistischer Auswertung bessere/richtigere Ergebnisse bekommst als herkömmlich gemessen und Einen Durchschnitt gebildet. Ich glaube, dass hast Du auch nicht behauptet. Ich meine aber auch, dass die Vergleichbarkeit so und so gegeben ist. Ich finde ein statistisch auf 95% Vertrauensbereich ausgerechnetes Messergebnis absolut kompatibel mit einem von hand gemessenen und gerechneten. Und ich hab in ein statistisch gerehcnetes auch nicht mehr Vertrauen als in ein anderes. Wenn Du ein Lamellenpräparat nimmst und mehrheitlich unreife Sporen misst, dann bekommst Du ein statistisch abgesegnetes zu kleines Ergebnis.

Also als Fazit: Ich wollte nie behaupten, dass diese Bildschirmmessung und statistische Auswertung Nachteile hätte gegenüber traditioneller Messung und Rechnung. Sie hat Vorteile für denjenigen, der damit umgehen kann und für sich Zeit- oder Bequemlichkeitsvorteile sieht. Sieht hat aber meiner Meinung nach keine Vorteile was die Genauigkeit betrifft und auch nicht was Vergleichbarkeit angeht.
Mag gut sein, dass andere das anders sehen, ich bin eh kein so rechter Mathe-Freund ;-))

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Lactarius trivialis leider gar nicht so trivia

Ingo Wagner, (vor 6133 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Ingo,
Nicht nur bequem, sondern auch jederzeit für jeden, der sich dieser Methodik
bedient, nachvollziehbar. Und, wie ich eben schon Andreas geschrieben
habe, benötige ich erstmal nicht diese Erfahrung zum Aussortieren der
Ausreisser.
Da habe ich keinen Durchblick, aber ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass
Pilze abhängig von verschiedensten Faktoren auch unterschiedlich große
Sporen erzeugen. Wie weit das allerdings zutrifft, wird doch bestimmt
schon mal jemand untersucht haben.
Ich habe nichts gegen Ascos und ich werde mich mit ihnen über kurz oder lang
auch mehr befassen. Ich hoffe, das du dann schon viele Phantom-Arten
raussortiert hast.
da magst du recht habe, aber bisher habe ich immer gelesen, dass auch die
Sporengröße eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Aber mir ist schon
klar, dass man die Natur nicht nur meßtechnisch erfassen kann. Ist halt
nur ein weiteres Puzzelteilchen auf dem Weg der Erkenntnis.
Nana, ich habe dich immer noch vor meinem inneren Auge, stehend klatschend
;-)
LG, Jens

Hallo Jens!

Der Applaus galt ja hierfür: "...kein Anhänger dieses Statistikgedönses". Ist ja nicht die völlige Ablehnung, sondern verleiht eher meine, wahrscheinlich für heutige Zeiten, eher konservative Haltung Ausdruck.

Ich halte nicht allzuviel von übertriebenen Sporenmessstatistiken, halte nichts von der Theorie, man müsste 50 Sporen (am besten noch mehr) messen und schon gar nicht von Sporenvolumenberechnungen (ist m.E. eine Potenzierung der Messabweichung und suggeriert Unvereinbarkeit).

Vielleicht lasse ich mich ja überzeugen, wenn die nächsten von dir untersuchten L. trivialis ganz genau die gleichen Werte ausspucken. Halte ich aber jetzt schon für eine Illusion.

VG Ingo W