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Pilze vom Wochenende - aber ja nicht ohne.... *PIC*

Ingo, (vor 5851 Tagen)

...Grünlinge

Hallo Forum,

nicht mehr viel los im Sendegebiet, wie mir scheint. Kein Wunder, bei den ganzen Nachtfrösten
in den angesagten Pilzregionen. Bei uns sah es nicht viel anders aus. Das übliche Restprogramm halt.
Bevor ich euch mit diesen Exponaten langweile, hier nochmal die bereits angedrohte Altlast aus der
Vorwoche. So kompliziert sah das Exponat eigentlich nicht aus, dass es nach Josef Ch. verlangt hätte.

Daher an dieser Stelle mal eine Ausschnittsvergrößerung:

[image]

Da ich das Bestimmungswerk des hoch geschätzten Ramarienexperten leider nicht besitze, muß ich
auf trivialere Literatur zurück greifen. BW Pilze Band 2 steht eben dafür im Regal bereit.

Aufgrund des Standortes wahrscheinlich eine Art aus dem Umkreis von Clavulina cineria, der Grauen Koralle.
Möglicherweise aber auch eine seltenere Ramaria aus dem Umkreis von R. fennica. Die getrockneten
Fruchtkörper schauen momentan übrigens blass-violett aus. Wie bereits geschrieben – Hinweise dankend erwünscht...

Nun zum Restprogramm:
Für mache Pilzfreunde würde die eine oder andere Art sicher einen besonderen Fund darstellen.
In meinen Gefilden tauchen die aber immer wieder regelmäßig im Spätherbst auf. Bis auf die letzte,
die aufgrund ihrer Erscheinung allerdings auch gut zu übersehen ist.

Wollte hier nicht eben jemand frische Steinpilze sehen?!

[image]

Es war zwar nur der eine und der auch etwas angefressen, aber dennoch jung und fest.

Im Pappelhain standen von diesen erstmals mehrere herum:

[image]

Pappelgrünling – Tricholoma equestre var. poulinum

Nachfolgend wird es etwas anrüchig:

[image]

mit dem strengen Geruch nach Marzipan – Bittermandel sollte es sich um nichts anderes als
um Wohlriechende Schnecklinge handeln. Was mich da immer wieder verwirrt, ist der Hinweis, dass
diese Art unbedingt nach Kalk verlangen soll. Tricholoma focale und Croogompus rutilus teilen dieses
Revier regelmäßig.

Mit dem Duft nach dem berühmten Buchenteer Hustensaft (Fagusan) warten diese Stachelinge aus der
genetischen Verwandtschaft der Cantharellen auf.

[image]

Systotrema confluens gibt es an drei verschiedenen Stellen, mitten an meinen Hauptwegen gelegen.
Würde man weiter suchen, könnte man sicher noch mehr davon aufstöbern.

Alle Jahre wieder, die Bischofskonferenz im Kiefernwald:

[image]

Gyromitra infula, in diesem Jahr mit ca. 20 Exemplaren wieder etwas besser vertreten als zuletzt.

Zum guten Ende – wurde ich mal wieder von irgendwelchen Öhrlingen heimgesucht:

[image]

Dieses mal mitten im Kiefern – Nadelstreu. Gab es da nicht einen typischen Biotopbewohner namens
Otidea abietina? Einfach mal so makroskopisch? ;-))

Grüßlis Ingo

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zum Hygrophorus

Jesko, (vor 5850 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

würdest Du den Schneckling - mal abgesehen vom Geruch - auch aufgrund seiner sonstigen Merkmale als +/- typischen agathosmus, wie er eben auch bei Fichte auf Kalk vorkommt, ansehen? Mit diesem Geruch gibt es ja anscheinend noch (mindestens) einen anderen.
Was den Boden angeht: Tricholoma focale muss ja nicht unbedingt kalkfliehend sein. Die Art scheint vor allem auf nährstoffarme sandige Böden angewiesen zu sein, der pH spielt dabei vielleicht keine Rolle. Chroogomphus rutilus wäre doch - wenn schon denn schon - eher kalkliebend. Der braucht wohl eher jemanden aus der ober- und halbunterirdischen Suillus-Verwandtschaft - die wird ja dort nicht fehlen!

Grüße

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Re: zum Hygrophorus *PIC*

Ingo, (vor 5850 Tagen) @ Jesko

Chroogomphus rutilus wäre doch - wenn schon denn schon - eher kalkliebend.
Der braucht wohl
eher jemanden aus der ober- und halbunterirdischen Suillus-Verwandtschaft
- die wird ja dort nicht fehlen!
Grüße

Hallo Jesko,

wie schön, dass du dich zu Wort meldest. Ich dachte schon, ich bin der einzige,
der meinen Beitrag sehen kann...

Den Kalkverdacht an diesem Standort hege ich schon seit Längerem.
Bei dem Biotop handelt es sich um eine Aufschüttung in Nähe eines ehemaligen
Braunkohletagebaues. Der wurde so ab Ende der 50-er zugebuddelt.
Meine Morchelreviere befinden sich unweit davon, und es ist der einzige Standort
in meiner Region, wo ich regelmäßig diesen Schneckling und C. rutilus finde.

Welche Schmierröhlinge du genau meinst, verstehe ich im Moment nicht ganz.
Es ist aber richtig, dass dort regelmäßig S. granulatus erscheint, der es ja
gerne basisch bevorzugen soll. Der gezeigte Öhrling stand auch nebenan.

Und dann noch die im Anhang befindlichen Cortinarien, die ich mangels
Wissen nicht einordnen kann. Ich nehme an, es sollte sich um Phlegmacien handeln.

Eigentlich wollte ich die in einem eigenem Beitrag unterbringen, zusammen mit
einem Schleierling mit hübschen Spinnengewege um den dicken Fuß herum.
Aber vielleicht passt dieser hier im Zusammenhang besser her.

Ansonsten stimmt es, dass der kleine Wall aus blankem Sand besteht.
Oberflächlich versauert also. In einigen Dezimetern Tiefe allerdings - keine Ahnung.

Was den Schneckling betrifft - ich kenne keinen anderen mit ähnlichem Geruch
und dieser Erscheinungsform. Bei den drei Fichten in unserem Gebiet fand ich
jedenfalls keine. Nicht ausgeschlossen also, dass es auch ein anderer sein könnte.

Schleierling folgt....

Grüßlis Ingo

[image]

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Re: Edit ein

Ingo, (vor 5849 Tagen) @ Ingo

Wissen nicht einordnen kann. Ich nehme an, es sollte sich um Phlegmacien
handeln.

Quatsch! die erwähnten Dickfüßigen sind die Phlegmacien. Dies hier sind
eher irgendwelche Telamonien....

EDIT aus

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Aha!

Jesko, (vor 5849 Tagen) @ Ingo

Hatte ich doch schon so einen Verdacht! Also doch kein Werk der (Eis-) Zeit, sondern des (Berg-) Mannes. Damit scheint sich für Tricholoma focale in D eine schwerpunktmäßige Verbreitung auf Kippenböden herauszukristallisieren.

Zum Schneckling:
Ich meine, schau doch z.B. mal in den Gröger 22e Pkt. 7b. Wir hätten da auf den Kippen bei Kiefer etwas, was uns eher zum dritten kleinen Unterpunkt führt ... Daher meine Frage rein der Neugierde halber, ob Du Deine Funde abgesehen vom Geruch auch ansonsten für typische agathosmus hältst.

Zu Chroogomphus rutilus:
M.W. "parasitiert" (welch unschönes Wort) diese Art auf Suillus oder Rhizopogon (die verwandtschaftlich nahe beieinander stehen).

Zu Deinen Gürtelfüßen:
Telamonien sind ja oft schwierige Fälle, aber im Nadelwald sind die Aussichten auf ein befriedigendes Bestimmungsergebnis i.d.R. erheblich besser als etwa im Querco-Carpinetum auf Kalk. Die auf Deinem Foto haben auch einen schön flockigen Hut. Da braucht es dann noch eine Nase und ein Mikroskop. Mir fielen auf Anhieb drei Arten ein, die in Frage kämen: C. flexipes var. flabellus mit starkem Pelargoniengeruch und die fast geruchlosen C. comptulus mit rundlichen Sporen und C. pilatii mit elliptischen Sporen. Alle drei kommen auf Kippenböden vor.

Grüße

Hallo Jesko,
wie schön, dass du dich zu Wort meldest. Ich dachte schon, ich bin der
einzige,
der meinen Beitrag sehen kann...
Den Kalkverdacht an diesem Standort hege ich schon seit Längerem.
Bei dem Biotop handelt es sich um eine Aufschüttung in Nähe eines ehemaligen
Braunkohletagebaues. Der wurde so ab Ende der 50-er zugebuddelt.
Meine Morchelreviere befinden sich unweit davon, und es ist der einzige
Standort
in meiner Region, wo ich regelmäßig diesen Schneckling und C. rutilus finde.
Welche Schmierröhlinge du genau meinst, verstehe ich im Moment nicht ganz.
Es ist aber richtig, dass dort regelmäßig S. granulatus erscheint, der es ja
gerne basisch bevorzugen soll. Der gezeigte Öhrling stand auch nebenan.
Und dann noch die im Anhang befindlichen Cortinarien, die ich mangels
Wissen nicht einordnen kann. Ich nehme an, es sollte sich um Phlegmacien
handeln.
Eigentlich wollte ich die in einem eigenem Beitrag unterbringen, zusammen mit
einem Schleierling mit hübschen Spinnengewege um den dicken Fuß herum.
Aber vielleicht passt dieser hier im Zusammenhang besser her.
Ansonsten stimmt es, dass der kleine Wall aus blankem Sand besteht.
Oberflächlich versauert also. In einigen Dezimetern Tiefe allerdings - keine
Ahnung.
Was den Schneckling betrifft - ich kenne keinen anderen mit ähnlichem Geruch
und dieser Erscheinungsform. Bei den drei Fichten in unserem Gebiet fand ich
jedenfalls keine. Nicht ausgeschlossen also, dass es auch ein anderer sein
könnte.
Schleierling folgt....
Grüßlis Ingo

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Re: Aha! aber dann....

Ingo, (vor 5848 Tagen) @ Jesko

Hatte ich doch schon so einen Verdacht! Also doch kein Werk der (Eis-) Zeit,
sondern des (Berg-) Mannes. Damit scheint sich für Tricholoma focale in D
eine schwerpunktmäßige Verbreitung auf Kippenböden
herauszukristallisieren.

Hallo Jesko,

ich möchte da mal eben einem Fehlurteil deinerseits vorbeugen.
Mag ja sein, dass die Halsbänder bei euch in den alten Kippen wachsen.
Ich hatte schon vor einigen Wochen vermutet, dass es sich da um alte Mycelien
handeln könnte, die aus den Kiefernwäldern vor der Verklappung stammen.
Wenn denn vor 100 Jahren welche dort waren.

Das von mir beschriebene Biotop befindet sich auf einer Aushebung eines Kanals,
welcher sich zwischen zwei gefluteten Baggerseen befindet.
Dort wurden vor ca. 60 Jahren Kiefern angepflanzt, welche diese recht typische
Funga fördern.

Erstmals registrierte ich die focales dort vor ca. 10 Jahren. In 2002 wurde
der Kiefernbestand weitestgehend abgeerntet, was in dieser Gegend ein heftiges
Morchelwachstum hervorruf. Die Ritterlinge waren, bis zum vergangenen Jahr,
weitestgehend verschwunden. Zum Glück scheint sich diese Population wieder
zu erhohlen.

Die meisten Ritterlingsfunde, die raren Stachelinge und C. quarcitictus,
welche ich hier seit 2006 zeige, stammen aus einem "normalen" Flechten-
Kiefernwald in Nähe Schlaubetal. Das liegt irgendwo in der Ecke Eisenhüttenstadt -
Müllrose - Beeskow, und hat nicht das Geringste mit Kippen zu tun.

Wer es sich mal anschauen möchte - bis zum nächsten Herbst ist noch etwas Zeit.

GR Ingo

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Re: Aha! aber dann....

Jesko, (vor 5848 Tagen) @ Ingo

Schön - ich beginne, mich virtuell zu orientieren. Gibt es focale nun eigentlich auch noch woanders als an dieser Stelle? Dass die Stachelinge und Cortinarius quarciticus eher auf eiszeitlich vorbehandelten Böden wachsen, dachte ich mir auch schon fast - auf unseren Kippen kenne ich so etwas nicht bzw. habe vor 1 1/2 Wochen das erste Mal Reste eines Hydnellum oder Phellodon gefunden, allerdings Laubwald. Auch einige der bei Dir vorkommenden Ritterlinge fehlen unseren Kippenkiefern. Hier gibt es bei Kiefer terreum ss.l. (Massenpilz), scalpturatum ss.l. (Massenpilz), batschii, albobrunneum (bzw. striatum, wenn Du willst), imbricatum, psammopus und focale, letzteren auch im Laubwald. Portentosum und equestre ss.l. kenne ich hier nur aus dem Laubwald, das ist doch schon recht bezeichnend. Auch und gerade bei den Cortinarien dürften sich signifikante Unterschiede in der Artenausstattung zeigen. Unsere Kippenkiefern scheinen ja nicht mal einen mucosus zustande bringen zu können...
Wenn gute Aussichten auf die Klärung des letztgenannten Aspekts bestehen, komme ich auch gern, um mich vor Ort zu orientieren.
Viele Grüße

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Re: Aha! aber dann....

Ingo, (vor 5847 Tagen) @ Jesko

albobrunneum (bzw. striatum, wenn Du willst)

Hallo nochmal,

wenn du darunter diesen hier verstehst, hätte ich kein Problem mit der Benamsung.

Allerdings würde mich das wundern. Mit den meisten Schlüsseln landest du
nämlich im Tricholoma Nirwana. Persönlich empfehle ich da gerne die Mono
von RIVA.

Die Halsbänder, das hattest du übrigens richtig verstanden, stehen vor allem
auf Eiszeitböden, gerne zusammen mit T. pessundatum, S. squamosus und B. f-a.

Grüßlis und ein erfolgreiches WE

Ingo

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Kein Tipp

Gelbfieber, (vor 5847 Tagen) @ Ingo

Hallo und guten Abend Ingo,

das Ohr bzw. diesen Beitrag habe ich „übersehen“. Ich lese nur einen kleinen Teil der Beiträge und so rutscht auch schon mal ein Ohr durch. Schön das du mich per Mail darauf hingewiesen hast.
Eine Einordnung ist nach Bild nicht möglich. Die Kleiigkeit der Fruchtkörper weist auf ein paar Arten hin aber es nutzt dir nichts sie jetzt zu nennen. Mit einem Blick ins Innere würde man schon ein gewaltiges Stück bei der Bestimmung weiterkommen.

Sehr interessanter Fund!

Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co