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Risspilze (subcarpta, soluta) *PIC*

interhias ⌂, (vor 5759 Tagen)

Hallo zusammen,

heute zeige ich mal zwei Risspilz-Kollektionen, die zum Kompex I. soluta/subcarpta gehören dürften:

Kollektion 1 vom Inocybetreffen Ende August 2010 in der Garmischer Gegend bei Buche und Fichte:

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Die Hymenialzystiden sind ziemlich dünnwandig und spärlich beschopft:

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Die Sporen mit gut ausgeprägten Höckern und den Maßen 9,4 x 6,5 (8,5-10 x 5,5-7), Q=1,44:

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Diese Kollektion habe ich als I. cf. subcarpta bestimmt; wegen den ziemlich glatten, nur am Rand gröber befaserten Hüten schlüsselt man in Funga Nordica und Stangl an dieser Art vorbei; eine vernünftige Alternative konnte ich jedoch nicht finden; die fast schwarzbraunen Hüte, die Sporen und die dünnwandigen Hymenialzystiden passen gut zu I. subcarpta;

Kollektion 2 aus dem Oberland (Kirchsee) bei großen Tannen und jungen Buchen, übrigens vergesellschaftet mit der mutmaßlichen I. abietis, die ich zuletzt vorgestellt hatte:

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Die Hymenialzystiden auch hier dünnwandig:

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Die Sporen zwar klein, jedoch mit recht gut ausgeprägten Höckern, Maße Maße: 7,5 x 6,1 (6,5-9 x 5-7), Q=1,24:

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Die kleinen Pilze (Hutdruchmesser nur bis 1,6 cm!) sehen aus wie eine Miniaturausgabe der Inocybe soluta vom 5. September 2009 vom Tegernsee , besonders Farbe und beschaffenheit der Hutdeckschicht sind genau gleich; auch die Mikroskopie stimmt recht gut überein; Abweichungen ergeben sich erneut zur Beschreibung bei Stangl: So weisen die Sporen zwar wenige, jedoch meist gut ausgeprägte Höcker auf und sind nicht selten sogar sternförmig, so gut wie nie dagegen viereckig; auch die mehr utriformen Hymenialzystiden zeichnet Stangl etwas anders (fusoid); I. subcarpta ist wohl makroskopisch nicht abgrenzbar, sollte jedoch größere Sporen besitzen (die Sporenform wiederum spricht eher für subcarpta); I. pseudoasterospora var. microspora kommt wohl wegen völlig anders geformter, viel größerer Hymenialzystiden nicht in Betracht;

Komplette Beschreibungen und weitere Fotos zu den hier vorgestellten Kollektionen findet ihr auf meinen Inocybe-Seiten unter den Nummern 13 und 15.

Grüße aus München
Hias

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Re: Risspilze (subcarpta, soluta)

Helmut, (vor 5759 Tagen) @ interhias

Servus Hias,

dass ist die Baustelle von Vesper & Rödl, die diese Gruppe schon mal bearbeitet und dazu publiziert haben.

Die erste Koll. hätte ich auch als subcarpta abgelegt, wenn auch ich den Hut noch nicht so glatt gesehen habe. Vielleicht witterungsmäßig (viel Regen) bedingt. Blieb der auch beim Trocknen so?

Die zweite Koll. schaut aber schon makr. anders aus als soluta / brevispora. Da gibt es aber schon noch ein paar verwandte Arten. Versuchs doch mal mit proximella. Auch wenn da Stangl vielleicht zwei verschiedene Sippen abgebildet hat (I bis III und etwas anders IV) kommen Beschreibung und Mikroskopie doch ganz gut hin.

Gruß

Helmut

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Helmut, (vor 5759 Tagen) @ Helmut

Servus Hias,

da war ich zu voreilig und habe nicht genau gelesen. Die Sporen Deiner Kollektion 2 sind auch für proximella zu klein!

Da bin ich gespannt auf die Meinung von Andreas Vesper.

Gruß

Helmut

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Re: Risspilze (subcarpta, soluta)

Andreas 2, (vor 5759 Tagen) @ interhias

Hallo Hias und Helmut,

die nächste problematische Gruppe. Hier kann ich mich voll und ganz Helmuts Meinung anschließen. So variabel wie ich I. subcarpta kenne, genügt es bei Koll. 1 wenigstens noch zum Arbeitsnamen I. subcarpta. Ich kann auf die schnelle auch nicht sagen, ob ich so glatte Hüte schonmal gesehen habe. Meiner Meinung sind die +/- Faserung und Schuppung wohl eher auf Witterungseinflüsse zurückzuführen, und taxonomisch kaum von Bedeutung. (?). Ein gewisser Anteil von Sporen mit stark vorgezogenen und teils fast glatten Sporen ist auch immer wiedermal zu beobachten, ohne dass dadurch eine Abgrenzung erkenntlich wäre.

Der Hinweis auf I. proximella bei Koll. ist mikroskopisch gar nicht so abwegig, obwohl die Sporen, wie von Helmut ergänzt, zumindest in der Lg. an unterster Grenze liegen. Makroskopisch sieht er eher I. giacomi ähnlich. Fruchtkörper zu klein und Hutfarbe viel zu dunkel. Das Gleiche gilt m. E. für Stangls spitzwarzige Abb.

Der Fund muss wohl erstmal unbestimmt bleiben!

Nachfolgend die wesentlichen Merkmale, aus Lit. und Eigenfunden zusammengestellt

Bestimmende Artmerkmale:
Hut Ø 20 bis 45 mm, meist warzig gebuckelt, kegelig bis konvex, Rand abgebogen, am Scheitel dunkelbraun fein filzig bis glatt, zum Rand hin fein bis wenig bündelig gefasert, deutlich heller als die Hutmitte.
Lamellen jung weißlich, später bis braun; Schneide weißlich bewimpert.
Stiel 35-90 x 2-6 mm, zyl. oder leicht zur Spitze verjüngt, Basis kaum deutlich erweitert, je nach Habitat können die Stiele sehr lang ausgeprägt sein; Spitze flockig bereift, sonst ± faserig, weißlich bis bräunlich.
Auf Hut und Stiel nie deutlich schuppig.
Cortina an jungen Fruchtkörpern vorhanden, aber sehr flüchtig.
Fleisch im Hut meist weißlich, im Stiel weißlich bis bräunlich; Geruch schwach spermatisch, 100827a pelargonienartig (?!)
Sporen vielgestaltig, Höcker nicht einheitlich ausgeprägt, wenig bis stark vorgezogen höckerig, (6) 7,5-10 (11) x (4,5) 5-7 (7,5) µm, im Mittel 8,2-9,3 x 5,5-6,3 Vm 140-190 µm3, Q (1,1) 1,2-1,5 (1,65), Qm 1,3-15. Bei konsequenter Vermessung der Sporen in Seitenlage Qm vermutlich 1,35-1,5!.
Pleurozystiden häufig; überwiegend schmal bis breit fusiform, einige subutriform, seltner sublageniform, zylindrisch oder keulig), der Hals kann ähnlich I. obscurobadia gewellt sein, apikal ist oft eine kopfige Erweiterung zu beobachten (apikale Gabelungen oder schnabelartige Verlängerungen wie bei den Funden von Beyer waren bei meinen Funden kaum nachzuweisen); (40) 45-75 (85) x (6) 11-22 (27), Wandstärke 0,5-1,5 (2), farblos bis minimal gelblich (080606a teils auch mit braunem Inhalt!); in der Regel nur wenig beschopft (bei BK sogar als Hauptmerkmal bewertet).
Cheilozystiden meist sehr häufig, in Häufigkeit allerdings nicht immer gleichmäßig verteilt; ähnlich den Pleurozystiden, meist aber variabler; Parazystiden generell häufig, manchmal aber unscheinbar und schwer zu beobachten, dünnwandig, farblos, keulig bis birnenförmig.
Kaulozystiden – von der äußersten Stielspitze abgesehen – fehlen, oft sind aber im oberen Stielbereich ein paar kaulozystide Haare, ohne Kauloparazystiden vorhanden.
Die Enden der Stielhyphen sind unauffällig zylindrisch und apikal abgerundet.
HDS meist aus liegenden, mäßig langen, zylindrischen bis wenig inflaten Hyphen bestehend. Pigmentierung membranär und aufgelagert inkrustiert ± braun.
Habitat: Feuchte Nadelwaldareale, teils auch direkt in anmorigen Stellen im Sphagnum, vorwiegend montan bis submontan.

Anmerkung: Bei den von mir untersuchten Sippen waren sowohl schmale wie breite, bauchige Pleurozystiden vorhanden, so dass eine taxonomische Relevanz zwischen denen ss. Favre und ss. Karsten eher unwahrscheinlich ist. Da auch beim Fund vom Wank (1750m ü. NN) die schlanken Zystiden nicht dominierten, kann wohl auch nicht von einer Gebirgsform gesprochen werden. (Zusammenstellung: Andreas Vesper)

Zum Thema siehe auch http://www.tham-thueringen.de/ unter Pilzkunde. Per Mail werde ich Hias auch noch eine neuere Arbeit zusenden. Vielleicht hilft sie Dir bei anderen Funden weiter.

Übrigens geht es Dir nicht alleine so. Ich habe alleine bei den höckerig-sporigen Cortinatae vielleicht 50% unsicher oder unbestimmte Exsikkate in meinem Herbarium.

Herzliche Grüße
Andreas

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Re: Risspilze (subcarpta, soluta) *PIC*

interhias ⌂, (vor 5758 Tagen) @ Andreas 2

Servus Andreas und Helmut,

erstmal vielen Dank für eure Einschätzung!

Sieht so aus, als hätte ich mich da auf vermintes Gebiet gewagt.

Die Fk von I. cf. subcarpta waren durch die Bank glatt bis faserig und nicht schuppig, aber überwiegend auch sehr jung und gut durchfeuchtet. Das traumhafte Wetter in Eschenlohe habt ihr ja sicher noch in Erinnerung: [image]

Bei Koll. 2 war ich ausschließlich aufgrund der kleinen Sporen bei I. soluta hängengeblieben. Wenn ihr diese Art anders kennt, werde ich auch hinter die Aufsammlung vom Tegernsee ein dickes cf. pflanzen - denn ich kann mir trotz der recht unterschiedlichen Größe kaum vorstellen, dass es sich um zwei verschiedene Arten handelt.

Ich stelle hier mal zwei Fotos gegenüber:

Koll. 1 vom Tegernsee 2009 (bei Tanne, Buche, Fichte), vor allem am Fk rechts oben gut zu sehen:
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Koll. 2 vom Kirchsee 2010 (bei Tanne):
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Die etwas glänzende, grieselige Oberfläche und schwarzbraune Färbung am Scheitel mit deutlicher Aufhellung zum Hutrand hin ist genau gleich. Die Aufsammlungen sind auch mikroskopisch sehr sehr ähnlich und beide haben stärker höckerige Sporen als für I. soluta in der Literatur meist angegeben.

Die anderen von euch erwähnten Arten (proximella, giacomi, boltonii) habe ich leider noch nie gefunden, vielleicht nächstes Jahr!

Wisst ihr zufällig, ob der Inocybe-Clé von Bon aus DOC Mycol 1997/8 irgendwo digital oder in Papierform erhältlich ist? Vor allem Ferrari beruft sich sehr oft auf ihn.

Heute Abend poste ich zur Entspannung mal ein paar unkompliziertere Inocyben (hoffentlich ...)

Grüße
Hias

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Re: Risspilze (subcarpta, soluta)

Andreas 2, (vor 5758 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

Wisst ihr zufällig, ob der Inocybe-Clé von Bon aus DOC Mycol 1997/8 irgendwo
digital oder in Papierform erhältlich ist?

Habe sie in Papierform. Werde sie mal bei Gelegenheit einscannen. Kurzfristig komme ich aber nicht dazu. Falls Sie jemand digigital hat, dann wäre ich auch daran interessiert. So könnte ich mir das scannen sparen.

Gruß Andreas

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Inocybe proximella *PIC*

Andreas 2, (vor 5759 Tagen) @ interhias

Zur Ergänzung noch ein Bild von unsrer gemeinsamen Regenexkursion Ende August auf dem Wank bei Garmisch.
Gruß Andreas

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