Pilze Pilze Forum
Erweitert

Risspilze (Bayern), Teil2 *PIC*

interhias ⌂, (vor 5748 Tagen)

Hallo zusammen,

die folgende Risspilzkollektion (glattsporige Cortinata) wuchs in der Fröttmaniger Schotterheide bei Salix und Pinus. Mit den Schlüsseln von Kuyper und Stangl landet man in der Nähe von Inocybe cf. albovelutipes Stangl, es handelt sich jedoch um sehr kleine Pilze (Hüte nur bis 2 cm breit) und ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich um Stangls Art handelt. Eine vernünftige Alternative habe ich jedoch nicht finden können. Weiß jemand Rat?

[image]

[image]

Pleurozystiden: überwiegend breit fusoid, ausnahmsweise keulig, kaum gestielt, Kristallbesatz spärlich oder fehlend, in KOH hyalin, dickwandig, ca. 58-77 x 15-19, Wandstärke 1,5-3:

[image]

[image]

Cheilozystiden:

[image]

Sporen recht variabel, meist subamygdaloid, im Profil unten oft etwas eingedellt, mal gedrungen, mal sehr schlank, Apex meist deutlich konisch, aber kaum je zuspitzend, oft etwas abgerundet; mäßig dickwandig, mit Kallus, Maße: 8,7 x 5,1 (7-10,5 x 4,5-5,5), Q=1,72 (1,40-2,11):

[image]

Hier noch eine zweite Kollektion, die nur wenige Meter entfernt stand und sich nur durch etwas dünnwandigere Hymenialzystiden unterscheidet:

[image]

Pleurozystiden: breit fusoid, spärlich beschopft, überwiegend dünnwandig, ca. 62-75 x 16-20, Wandstärke am Bauch kaum über 1, am Hals selten bis 2:

[image]

Eine gewisse Ähnlichkeit hat auch I. posterula (siehe Fotos bei Ferrari); beide Pilze werden jedoch viel größer als die Winzlinge aus Fröttmaning; außerdem weichen die zumindest teilweise dickwandigen Hymenialzystiden von I. albovelutipes ab; interessant wäre ein Abgleich mit der alpinen I. monochroa, die offenbar eng mit I. albovelutipes verwandt ist; kritisch ist hier auch die Einordung in die Sektion Fibrillosae: nahe der Stielpitze sind vereinzelt caulocystidoide Haare vorhanden, eine deutlich Bereifung ist aber weder makroskopisch noch mikroskopisch ersichtlich, I. albovelutipes sollte indes überhaupt keine Kaulozystiden aufweisen.

Eine komplette Beschreibung und weitere Fotos zu dieser Kollektion findet ihr auf meinen Inocybe-Seiten unter Koll. Nr. 10.

Grüße aus München
Hias

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Risspilze (Bayern), Teil2

Krötenhocker, (vor 5748 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

ich empfinde die Spannweite bei Q der Sporen als ziemlich groß.
Kannst du mir vielleicht mal die original Messwerte, egal in welcher Form kurz rübermailen.
Nicht, dass ich danach mit echten Ergebnissen rüberkommen könnte. Dafür bin ich literaturmäßig auch nicht gut genug bestückt.
Die Daten interessieren mich aber.

VG, Jens

P.s.: Deine Dokus sind echt klasse ( einschleim ;-) ) und ich schaue jedesmal gerne ganz genau hin und wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich auch versuchen, Bestimmungsvorschläge zu machen....., so vom Laien zum Semiprofi.

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Re: Risspilze (Bayern), Teil2

Helmut, (vor 5747 Tagen) @ interhias

Servus Hias,

die Art meine ich auch schon gesehen zu haben - makroskopisch und von der Ökologie her. Müsste ich mal heraussuchen. Einen Namen glaube ich auch nicht zu haben.

Als albovelutipes bestimmt habe ich bisher nur einen Fund, das Dia schaut aber anders aus, kräftiger, mit dunklerer Hutfarbe unter einem dicken weisslichen Belag.

Gruß

Helmut

Eintrag gesperrt
17 Aufrufe

Re: Risspilze (Bayern), Teil2 *PIC*

Andreas 2, (vor 5747 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

mit den kleinen Fruchtkörpern hätte ich weniger ein Problem. Was mich stört, das sind die dicken Zystidenwände. Dann noch die flaschenförmigen Cheilozystiden, da geht es ganz schnell Richtung I. sindonia. Natürlich wäre sie auch nicht gerade typisch (Hutfarbe, Geruch). Solche Abgrenzungsschwierigkeiten begegne ich in dieser Gruppe leider immer wieder.

Deine 2. Koll. passt da schon besser zu I. albovelutipes. Wo zieht man Grenzen, wo beseitigt man sie besser??? Ich weiß es auch nicht!

I. monochroa glaube ich 1x im Hochschwarzwald in 1200m Höhenlage am Waldrand zum baumfreien Herzogenhorn gefunden zu haben. Die wesentlichen Unterschiede zu I. albovelutipes liegen im mikroskopischen Bereich. Größere Sporen und längere, dickwandigere Zyst. Bei diesem Fund waren Maße und Form genau wie bei Kuyper angegeben. Ich hänge mal das Bild mit an. Wenn auch nicht so schön, da ein altes Diarepro, so zeigt es doch die große Ähnlichkeit zu I. albovelutipes.

Gruß Andreas

[image]

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Risspilze (Bayern), Teil2

interhias ⌂, (vor 5745 Tagen) @ Andreas 2

Hallo Hias,
mit den kleinen Fruchtkörpern hätte ich weniger ein Problem. Was mich stört,
das sind die dicken Zystidenwände. Dann noch die flaschenförmigen
Cheilozystiden, da geht es ganz schnell Richtung I. sindonia. Natürlich
wäre sie auch nicht gerade typisch (Hutfarbe, Geruch). Solche
Abgrenzungsschwierigkeiten begegne ich in dieser Gruppe leider immer
wieder.
Deine 2. Koll. passt da schon besser zu I. albovelutipes. Wo zieht man
Grenzen, wo beseitigt man sie besser??? Ich weiß es auch nicht!
I. monochroa glaube ich 1x im Hochschwarzwald in 1200m Höhenlage am Waldrand
zum baumfreien Herzogenhorn gefunden zu haben. Die wesentlichen
Unterschiede zu I. albovelutipes liegen im mikroskopischen Bereich.
Größere Sporen und längere, dickwandigere Zyst. Bei diesem Fund waren Maße
und Form genau wie bei Kuyper angegeben. Ich hänge mal das Bild mit an.
Wenn auch nicht so schön, da ein altes Diarepro, so zeigt es doch die
große Ähnlichkeit zu I. albovelutipes.
Gruß Andreas

Hallo Helmut und Andreas,

danke für eure Enschätzungen! Ich lasse auf jeden Fall ein cf. stehen bei dieser Kollektion. I. albovelutipes scheint auch keine allzu "gängige" Art zu sein, da ist wohl Vorsicht geboten. I. sindonia würde ich dennoch ausschließen wollen; die fehlende Stielbereifung und auch die vergleichsweise kräftige Färbung junger Fruchkörper passen meines Erachtens nicht zu dieser Art, mikroskopisch auch die nahezu hyalinen Hymenialzystiden nicht.

Anhand der in KOH stark gelb reagierenden Zystiden müsste man I. sindonia auch von makroskopisch ähnlichen fuscidula-Kollektionen abtrennen können - das ist mir erst aufgefallen, seit ich den Kuyper besitze, der diese Reaktion ja sogar als Schlüsselmerkmal verwendet. Stangl und soweit ich weiß auch Helmut scheinen diesem Merkmal allerdings weniger große Bedeutung beizumessen.

Beste Grüße
Hias