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Rätselhafter Pilz *PIC*

Roswitha, (vor 5646 Tagen)

In der momentan pilzarmen Zeit möchte ich eure Hilfe in Anspruch nehmen, um ein einen bisher nicht identifizierbaren Pilz zu bestimmen.
Es ist einer der Umos meiner letztjährigen Tour durch Amerika, was die Sache etwas schwieriger macht.
Gefunden habe ich den Pilz im südlichen Georgia in einem Kiefernwäldchen, in dem sich unser Campground befand. Nach einer langen Tagesetappe hatten wir diesen schönen Platz gefunden und uns erst mal ein Bierchen gegönnt. Dann habe ich noch eine kleine Runde gedreht und dabei den fraglichen Pilz entdeckt.
Ich hätte ihn auf den ersten Blick als Xerocomus spec. eingeordnet (wobei es diese Gattung in USA gar nicht gibt). Da ich kein Messer dabei hatte, habe ich ein Stück vom Hut abgebrochen und war völlig erstaunt, als sich das Fleisch sofort intensiv rosa verfärbte, oder, da wir ja in den USA waren, pink verfärbte.
Ein Pilz, der pinkt, sowas hatte ich noch nie gesehen. Hat mich sehr belustigt, das mag wohl auch mit am Bier gelegen haben.
Daraufhin habe ich auch noch den Stiel gewalttätig aufgebrochen, was ein intensives Blauen zur Folge hatte, so wie sich das für einen ordentlichen Boleten gehört. Auch die Poren liefen bei Druck dunkelblau an.
Ich habe erst mal die Kamera geholt und einige schlechte Blitzaufnahmen gemacht.
Am nächsten Morgen habe ich dann in Eile noch weitere schlechte Aufnahmen gemacht. Das Fleisch in Hut und Stiel war inzwischen gelb. Als ich das abgebrochene Hutteil noch mal auseinander brach, war es sofort wieder pink (und ein wenig hellblau oberhalb der Röhren).
Dummerweise habe ich kein Exsikkat gemacht, weil ich dachte, mit so einem markanten "Pinken" ist der Pilz doch leicht zu identifizieren. Fehlanzeige!
Ich habe mich schon an Michael Kluo (www.mushroomexpert.com) gewandt, aber er kannte diesen Pilz auch nicht.

Hier erst einmal die Fotos:

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Hier noch ein Pilz, der im gleichen Biotop wuchs. Vielleicht hilft das weiter.

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Das müsste Leucocoprinus birnbaumii/Gelber Faltenschirmling sein, mal ausnahmsweise nicht im Blumentopf.

Ich hoffe, ihr könnt mir, wie schon so oft, helfen.

Liebe Grüße
Roswitha

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Re: Rätselhafter Pilz *PIC*

Andreas ⌂, (vor 5646 Tagen) @ Roswitha

Hallo Roswitha,

ich denke, dass das Pinken Deiner Pilze kein Merkmal ist, sondern alters-/witterungsbedingt sein könnte. Sowas gibt es ja auch beim Netzstieligen Hexen-Röhrling hierzulande nicht so selten, an was mich der Pilz sehr erinnert.

Vielleicht hilft es Dir weiter, das Pinken nicht zu beachten und von einem normalen Blauen auszugehen.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Rätselhafter Pilz

Roswitha, (vor 5646 Tagen) @ Andreas

Hallo Roswitha,
ich denke, dass das Pinken Deiner Pilze kein Merkmal ist, sondern
alters-/witterungsbedingt sein könnte. Sowas gibt es ja auch beim
Netzstieligen Hexen-Röhrling hierzulande nicht so selten, an was mich der
Pilz sehr erinnert.
Vielleicht hilft es Dir weiter, das Pinken nicht zu beachten und von einem
normalen Blauen auszugehen.
beste Grüße,
Andreas

Gut, dann werde ich mal weiter suchen und das "Pinken" vernachlässigen.

LG
Roswitha

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Re: Rätselhafter Pilz *PIC*

Melli, (vor 5645 Tagen) @ Roswitha

Hallo Roswitha,

ich hatte vor zwei Jahren auch mal ein solches Exemplar, das statt zu blauen kräftig fleischrot angelaufen ist. Ich war völlig verblüfft und überzeugt, einen absoluten Exoten vor mir zu haben - dass Hexenröhlinge das im Alter mal tun dürfen, war mir unbekannt. Aber hier im Forum wurde mir schnell der Zahn gezogen, eine mykologische Sensation entdeckt zu haben, und ich habe den ollen Schlappen dann etwas enttäuscht, aber um eine Erfahrung reicher unter "Netzstieliger Hexenröhrling" abgelegt. Ich hänge dir mal ein Bild des Kandidaten an.

Herzliche Grüße
Melanie

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Re: Rätselhafter Pilz *PIC*

leofelsle, (vor 5645 Tagen) @ Melli

Hallo Roswitha,
ich hatte vor zwei Jahren auch mal ein solches Exemplar, das statt zu blauen
kräftig fleischrot angelaufen ist. Ich war völlig verblüfft und überzeugt,
einen absoluten Exoten vor mir zu haben - dass Hexenröhlinge das im Alter
mal tun dürfen, war mir unbekannt. Aber hier im Forum wurde mir schnell
der Zahn gezogen, eine mykologische Sensation entdeckt zu haben, und ich
habe den ollen Schlappen dann etwas enttäuscht, aber um eine Erfahrung
reicher unter "Netzstieliger Hexenröhrling" abgelegt. Ich hänge
dir mal ein Bild des Kandidaten an.
Herzliche Grüße
Melanie

hallo Roswitha,
ich hätte da auch noch eine Farbvariante anzubieten, auch das waren überständige Hexenröhrlinge...
Gruß
Michael

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Re: Rätselhafter Pilz

jesko, (vor 5644 Tagen) @ Roswitha

Hallo Roswitha,

ich habe mir die Diskussion zu Deinem Fund angeschaut – es ist natürlich völlig richtig, dass das Fleisch von Hexenröhrlingen rot oder rosa verfärbt sein kann. Dennoch sollte die Richtung Hexenröhrling nicht die einzige sein, in die man überlegen müsste – den Fotos nach will ich nicht recht daran glauben. Und da stellt sich schon die Frage, ob die Pilze pink waren oder eben „pinkten“! Sprich, ob sie im Anschnitt rosa verfärbten oder schon rosa waren. Rötliche Verfärbungen im Anschnitt sind nämlich auch bei europäischen Xerocomus-Arten (ss.l., eigentlich Xerocomellus, d.h. Rotfüßchen i.w.S.) bekannt, und zwar bei X. bubalinus (Achtung: Fotos unter diesem Namen im Netz zeigen vermutlich oft „nur“ Formen von X. rubellus) und X. erubescens. Dein erster Eindruck war ja schließlich auch der eines Filzröhrlings (Xerocomus ss.l.). Diese Gattung gibt es freilich auch in Nordamerika, bzw. vorsichtig und exakter ausgedrückt (Gattungen wie alle anderen Taxa auch existieren schließlich nicht in der Natur, sondern nur in unseren Köpfen!), in Nordamerika kommen ein Teil „unserer“ Xerocomus-Arten sowie weitere Formen vor, die wir zu Xerocomus stellen würden, nur die Anwendung dieses Gattungsnamen ist in Amerika nicht üblich, und die entsprechenden Arten findet man unter Boletus und Boletellus. Das hängt auch damit zusammen, dass die Artenvielfalt bei Röhrlingen in Nordamerika viel größer ist als in Europa, und damit die Inkohärenz des Gattungskonzepts Xerocomus ss.l. augenfälliger wird. Also wurde Boletus als heterogene Großgattung beibehalten. Die große Artenvielfalt macht natürlich das Bestimmen nicht leichter, und es braucht gute Kollektionen. Einen Namen für Deinen Pilz habe ich also auch nicht, würde ihn aber vielleicht eher bei den Filzröhrlingen (Xerocomus ss.l. bzw. Xerocomellus – Rotfüßchenverwandtschaft) suchen.

Viele Grüße

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Xerocomus bubalinus

Roswitha, (vor 5644 Tagen) @ jesko

Hallo Roswitha,
ich habe mir die Diskussion zu Deinem Fund angeschaut – es ist natürlich
völlig richtig, dass das Fleisch von Hexenröhrlingen rot oder rosa
verfärbt sein kann. Dennoch sollte die Richtung Hexenröhrling nicht die
einzige sein, in die man überlegen müsste – den Fotos nach will ich nicht
recht daran glauben. Und da stellt sich schon die Frage, ob die Pilze pink
waren oder eben „pinkten“! Sprich, ob sie im Anschnitt rosa verfärbten
oder schon rosa waren. Rötliche Verfärbungen im Anschnitt sind nämlich
auch bei europäischen Xerocomus-Arten (ss.l., eigentlich Xerocomellus,
d.h. Rotfüßchen i.w.S.) bekannt, und zwar bei X. bubalinus (Achtung: Fotos
unter diesem Namen im Netz zeigen vermutlich oft „nur“ Formen von X.
rubellus) und X. erubescens. Dein erster Eindruck war ja schließlich auch
der eines Filzröhrlings (Xerocomus ss.l.). Diese Gattung gibt es freilich
auch in Nordamerika, bzw. vorsichtig und exakter ausgedrückt (Gattungen
wie alle anderen Taxa auch existieren schließlich nicht in der Natur,
sondern nur in unseren Köpfen!), in Nordamerika kommen ein Teil „unserer“
Xerocomus-Arten sowie weitere Formen vor, die wir zu Xerocomus stellen
würden, nur die Anwendung dieses Gattungsnamen ist in Amerika nicht
üblich, und die entsprechenden Arten findet man unter Boletus und
Boletellus. Das hängt auch damit zusammen, dass die Artenvielfalt bei
Röhrlingen in Nordamerika viel größer ist als in Europa, und damit die
Inkohärenz des Gattungskonzepts Xerocomus ss.l. augenfälliger wird. Also
wurde Boletus als heterogene Großgattung beibehalten. Die große
Artenvielfalt macht natürlich das Bestimmen nicht leichter, und es braucht
gute Kollektionen. Einen Namen für Deinen Pilz habe ich also auch nicht,
würde ihn aber vielleicht eher bei den Filzröhrlingen (Xerocomus ss.l.
bzw. Xerocomellus – Rotfüßchenverwandtschaft) suchen.
Viele Grüße

Hallo Jesko,

mein Gefühl war auch, dass es etwas in der Rotfüßchenverwandschaft sein könnte.
Die Poren sind gelb, die Statur passt, der Stiel ist gelb und rot überfasert. Der Hut ist feinfilzig und offensichtlich rot unter der Huthaut, was man an den Fraßstellen erkennen kann.
Was mich gewundert hat, mal abgesehen vom "Pinken" war das intensive dunkle Blau
am verletzten Stiel und an den Poren des Hutstückes, das ich abgebrochen hatte.
Das "Rosawerden" trat erst nach den Abbrechen (ich hatte ja kein Messer dabei) auf, aber sehr schnell. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die Farbe zur Huthaut hin intensiver ist und oberhalb der Röhren ist es schon hellblau. (Da passt die Beschreibung von X. bubalinus sehr gut)
Über Nacht gingen die ganzen Verfärbungen weg und Hut und Stielfleisch waren gelb. Wenn die Verfärbung von vorne herein dagewesen wäre, hätte sie dann nicht bleiben müssen? Ich habe das entfärbte, abgebrochene Stück Hut noch einmal entzwei gebrochen und das pinke Wunder wieder erlebt.

In meinen beiden besseren amerikanischen Pilzbüchern, National Audubon Society Field Guide to North American Mushrooms und Mushrooms and Other Fungi of North America von Roger Phillips bin ich leider nicht fündig geworden (ich weiß schon, dass ich ich hier bei Boletus suchen muss, das war eher als Scherz gemeint). Nachdem ich jetzt noch ein wenig gegoogelt habe und gesehen habe, dass X. bubalitus auch an den Poren bei Berührung ziemlich dunkelblau wird,
denke ich, das könnte sehr gut hinkommen.

Vielen Dank für deinen Tip.

Roswitha

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Re: Xerocomus bubalinus

jesko, (vor 5644 Tagen) @ Roswitha

Nach dem, was Du schreibst, scheint sich ja die Xerocomellus-These zu erhärten. Dass es nun wirklich bubalinus ist, würde ich eher bezweifeln – in Europa kommt die seltene Art an Standorten mit Pappeln und Linden vor. X. erubescens wurde aus einem thermophilen Habitat mit Quercus und Erica auf Kalk (Spanien) beschrieben. Für diverse Abbildungen im Netz gilt hier ebenfalls, dass sie vermutlich Formen von X. rubellus/„X. communis“ darstellen. Wir bewegen uns hier in einem taxonomisch schwierigen Feld. Dein nordamerikanischer Fund könnte leicht eine noch unbeschriebene Art aus der Verwandtschaft von X. bubalinus sein. Auch die beiden genannten europäischen Arten wurden ja erst in den 1990-er Jahren beschrieben.

Viele Grüße

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Re: Xerocomus bubalinus

Roswitha, (vor 5643 Tagen) @ jesko

Nach dem, was Du schreibst, scheint sich ja die Xerocomellus-These zu
erhärten. Dass es nun wirklich bubalinus ist, würde ich eher bezweifeln –
in Europa kommt die seltene Art an Standorten mit Pappeln und Linden vor.
X. erubescens wurde aus einem thermophilen Habitat mit Quercus und Erica
auf Kalk (Spanien) beschrieben. Für diverse Abbildungen im Netz gilt hier
ebenfalls, dass sie vermutlich Formen von X. rubellus/„X. communis“
darstellen. Wir bewegen uns hier in einem taxonomisch schwierigen Feld.
Dein nordamerikanischer Fund könnte leicht eine noch unbeschriebene Art
aus der Verwandtschaft von X. bubalinus sein. Auch die beiden genannten
europäischen Arten wurden ja erst in den 1990-er Jahren beschrieben.
Viele Grüße

Hallo Jesko,

auf Jekyll Island (Georgia) habe ich X. rubellus (möglicherweise war es auch Boletus campestris, aber dafür eigentlich zu groß) häufig gefunden. Der ist es bestimmt nicht. Nachdem ich meine Fotos vom Campground nochmal angeschaut habe, habe ich gesehen dass zwischen den Kiefern auch Laubbäume waren. Keine Eichen, aber mehr kann ich nicht dazu sagen.
Ich hätte natürlich eine genau Pilz- und Standortbeschreibung machen müssen und auch ein Belegexemplar.
So kann ich nur sagen, dass es sich vermutlich um eine verwandte Art von X. babulinus handelt, wie du das ja selbst schon ausgedrückt hast.
Für mich ist das schon ein großer Fortschritt. Vielleicht gibt es ja irgendwann mal eine wissenschaftliche Beschreibung dieses Pilzes.

Liebe Grüße
Roswitha