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Myzel zerteilen?

Pilzfee, (vor 9153 Tagen)

Hallo,

wir haben in Einweckgläsern auf Weizen eine Austernpilzzucht angesetzt (mit Impfdübeln). Weil die da aber so schlecht rauswachsen können, haben wir die Myzele jetzt zerschnitten und aus den Gläsern geholt und wollen mal gucken, ob noch was wächst.

Hier laufen dich Profis rum: Kann ein Pilz das eigentlich verkraften, wenn man sein Myzel in zwei bis vier Teile teilt? Hat das Myzel irgendwie einen biologischen Mittelpunkt, etwas, was es unbedingt braucht? Ich hatte immer die vage Vorstellung, daß das ganze ein homogenes Geflecht ist. Aber dann müßte man es ja quasi beliebig teilen können.

Würde mich über Antworten freuen.

Pilzfee

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Re: Myzel zerteilen?

adi rehm, (vor 9153 Tagen) @ Pilzfee

Hallo,
wir haben in Einweckgläsern auf Weizen eine Austernpilzzucht angesetzt (mit
Impfdübeln). Weil die da aber so schlecht rauswachsen können, haben wir
die Myzele jetzt zerschnitten und aus den Gläsern geholt und wollen mal
gucken, ob noch was wächst.
Hier laufen dich Profis rum: Kann ein Pilz das eigentlich verkraften, wenn
man sein Myzel in zwei bis vier Teile teilt? Hat das Myzel irgendwie einen
biologischen Mittelpunkt, etwas, was es unbedingt braucht? Ich hatte immer
die vage Vorstellung, daß das ganze ein homogenes Geflecht ist. Aber dann
müßte man es ja quasi beliebig teilen können.
Würde mich über Antworten freuen.
Pilzfee

hallo, liebe pilzfee,
wie das nun beim austernseitling genau ist, kann ich nicht sagen, aber das eine: pilzmyzelien wachsen, solange sie gute nährstoff- und "atmungs"-bedingungen vorfinden.
in meiner (hobby-)champignonzüchterzeit habe ich die erfahrung gemacht, dass man die teuer gekaufte brut mit etwas geduld gut vermehren kann. ich verwendete weizenkornbrut von sinden. damit spickte ich jeweils ca. 20 l substrat sehr dicht; etwa drei-bis viermal so viel wie normal. nach 2 wochen bei 22 grad war dann ein ungemein vitales und dichtes myzel vorhanden, mit welchem ich dann meine beete und plastiksäcke impfte.-so bin ich mit einer dose brut bis zu dreimal "so weit gefahren" als vorgesehen.-im überigen ist diese methode nicht etwa auf meinem mist gewachsen, sondern stammt aus dänemark.
ich könnte mir vorstellen, dass ihr mit eurer zerteilten brut gute ergebnisse einfahrt.
war wahrscheinlich nicht die erwartete info, aber immerhin eine! viel erfolg!
adi

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Re: Myzel zerteilen?

sem-per-viva, (vor 9153 Tagen) @ Pilzfee

hallo

pilzmycel kann bis zu einem gewissen grad zerteilt werden.es reicht wenn die hyphen (pilzfäden)wenige zehntel millimeter lang bleiben.die profizüchter arbeiten mit flüssiginokulation.dabei wird eine bewachsene agarplatte in einem autoklavierbaren shredder (ganz ähnlich denen in der küche,halt hitzebeständig)zerkleinert (zusammen mit sterilem wasser).mit dieser flüssigkeit kann das substrat beimpft werden (hocheffektiv,millionen feinster mycelfädchen werden im gesamten substrat verteilt).zu viel shredderei ist aber wieder schädlich.

bei euch könnte es gut gehen.das zerteilen schadet keinesfalls.probleme sehe ich zum einen in der kontamination (sollte euer subtrat nicht völlig durchwachsen sein,werdet ihr mit sicherheit teilweise schimmel haben.sollten trotz des schimmels einige pilze aus gesunden subtratstellen wachsen,so würde ich di nicht essen,da auch sie schadstoffe aus dem schimmel beherbergen könnten.)
weitere probleme sehe ich im austrocknen eurer mycelstücke.die sind jetzt ohne schutz (glas) der luft ausgesetzt .besser ihr stülpt was lichtdurchlässiges drüber und besprüht leicht (vorzugsweise mit etwas h2o2 lösung,das würde jetzt den rahmen sprengen zu erklären)

ich empfehle euch für zukünftige austernseitlingzucht stääme zu beimpfen,oder aber mit pasteurisiertem stroh in säcken zu arbeiten.

ich empfehle die bücher von paul stamets :the mushroom cultivator und

growing gourmet and medicinal mushrooms

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Re: Myzel zerteilen?

Pilzfee, (vor 9152 Tagen) @ sem-per-viva

Hallo, sem-per-viva,

vielen Dank für Deine hilfreiche Antwort.

bei euch könnte es gut gehen.das zerteilen schadet keinesfalls.probleme sehe
ich zum einen in der kontamination (sollte euer subtrat nicht völlig
durchwachsen sein,werdet ihr mit sicherheit teilweise schimmel
haben.sollten trotz des schimmels einige pilze aus gesunden subtratstellen
wachsen,so würde ich di nicht essen,da auch sie schadstoffe aus dem
schimmel beherbergen könnten.)

=> Das Substrat ist sehr schön weiß durchwachsen, ich bin deswegen erstmal optimistisch.

weitere probleme sehe ich im austrocknen eurer mycelstücke.die sind jetzt
ohne schutz (glas) der luft ausgesetzt .besser ihr stülpt was
lichtdurchlässiges drüber und besprüht leicht (vorzugsweise mit etwas h2o2
lösung,das würde jetzt den rahmen sprengen zu erklären)

=> Den Hinweis nehme ich gerne auf. Ich habe die Substratstücke jetzt in undurchsichtigen Mikrowellenschüsseln aus arcopal bzw. Steingut getan und besprüht un dann die passenden durchsichtigen Deckel aus Glas draufgelegt. Die schließen nicht dicht, sondern liegen halt nur lose auf. Dann schaun wir jetzt mal.

ich empfehle euch für zukünftige austernseitlingzucht stääme zu beimpfen,oder
aber mit pasteurisiertem stroh in säcken zu arbeiten.

=> Stämme haben wir auch beimpft. Wir haben gleich mal alles auf einmal probiert ;-)

Viele Grüße und nochmal danke

Pilzfee