gestern hatte ich en passant einen Häubling von einem morschen Laubholzstamm
mitgenommen. Schön honigbraun, geriefter Hutrand, klein (Hut < 2 cm).
Unter dem Mikro wurde ich dann immer mehr verunsichert. Könnte der Pilz auch
eine Conocybe sein? Da ich bisher beide Gattungen noch nicht mikroskopiert
habe, brauche ich Hilfe vom Forum.
Zu welcher Gattung passen diese Merkmale:
Lamellentrama aus blasigen kurzen Elementen. Pleurozystiden keine gesehen.
Kaulozystiden keine gesehen (oder übersehen).
Cheilozystiden wie "Mensch-ärgere-dich-nicht"-Kegel oder lageniform (Foto 1).
Die Sporen waren glatt, oval bis leicht amygdaloid und für eine Galerina klein, < 8 µm.
Hallo Christian,
schau Dir mal die Hutdeckschicht im Mikroskop an:
Bei Galerina besteht sie aus parallel angeordneten, +/- gestreckten Hyphen,
bei Conocybe aus einem sog. Hymeniderm aus rundlichen, birnen- oder keulenförmigen Endzellen.
Die Cheilocystiden der Conocybe-Arten haben kurze Hälse wie die Spielfiguren, in der Untergattung Pholiotina kommen jedoch keine lecithiformen Cystiden vor (höchstens angedeutet kopfig). Die Cheilocystiden der Galerina-Arten haben, wenn kopfig, länger ausgezogene Hälse, so wie bei Deinem Foto.
Alle Conocybe-Arten haben Kaulocystiden, mit Ausnahme einiger Vertreter der Untergattung Pholiotina. Vielleicht die Hälfte der Galerina-Arten hat keine Kaulocystiden.
Die Sporen der meisten Galerina-Arten sind dextrinoid, d. h. sie werden mit Jod (Lugol od. Melzer) braun gefärbt.
Die Größe der gezeigten Sporen spricht nicht gegen eine Galerina. Da kämen z. B. G. camerina, G. sideroides oder G. sideroides var. stylifera in Frage.
Es dürfte nun ein Leichtes sein, zumindest die Gattung zu ermitteln. Zur Bestimmung der Art musst Du in den Schlüsseln schauen, was mikroskopisch noch zu untersuchen ist. Doch das wird nach meinen Erfahrungen nur selten zu einem eindeutigen Ergebnis führen. Bei der geringeren Auswahl wegen der kleinen Sporen hast Du aber vielleicht Glück und kommst bis zur Art.
Gruß - Schnuffel