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Steinpilze züchten?

TomBerger, (vor 5515 Tagen)

Entschuldigt bitte die reisserische Überschrift - dass man Steinpilze im engeren Wortsinn nicht züchten kann, ist mir bekannt. Aber ich habe da so eine Vermutung ...

Ich habe da so einen etwa 2 ha großen Buchenhain innerhalb eines Fichten- und Kiefernwaldes, in dem ich seit nun etwa 25 Jahren regelmäßig jedes Jahr immer größere Steinpilzernten einfahre. Seitdem ich mal beobachtet habe, dass Steinpilze aus einer Bauschutthalde am Waldrand wuchsen, in die wir nach dem Sammeln oft unsere Abfälle vom Steinpilzputzen geworfen haben, kam ich auf die Idee, direkt beim Sammeln die Schwämme älterer Steinpilze weiträumig verteilt im Waldboden einzugraben. Das mache ich nun schon seit bestimmt 20 Jahren auch in diesem Buchenwäldchen.

Wissenschaftliche Beweise habe ich natürlich keine, aber in dem Wald wachsen mittlerweile fast nur noch Steinpilze. Die kommen interessanterweise allesamt ziemlich gleichzeitig und im Vergleich mit anderen Standorten sehr spät. Bis vor einer Woche war noch nix da, und heute waren's schon 10 Kilo schöne junge. Das war in den letzten Jahren ebenfalls immer so, beispielsweise hatten wir zu fünft vor zwei Jahren innerhalb von etwa einer Stunde jeder seinen Korb mit je 8 bis 10 kg voll. Die "Saison" in diesem Wäldchen ist immer auch sehr kurz - nach ca 2 Wochen ist der Spuk vorbei.

Deshalb jetzt meine Frage an Euch: wisst Ihr, ob das möglich ist, oder ob das vielleicht sogar bekannt ist, dass man durch das Verteilen und Eingraben der Schwämme und damit der Sporen quasi so eine Art Steinpilzzucht anlegen kann? Macht das außer mir sonst noch jemand?

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Re: Steinpilze züchten?

eisie, (vor 5514 Tagen) @ TomBerger

Hallo TomBerger,

ich bin auch ein Unterstützer Deiner Theorie.
Da ich die Schwämme im Essen nicht mag, ist mir zu schleimig und zuviel Kleingetier drinnen, putze ich meine Pilzfunde auch gleich im Wald und verteile sie so.
Da der Fruchtkörper meiner Meinung nach auch eher die pflanzliche Seite der Pilze darstellt, und sich Pflanzen auch über Transport der Samen fortpflanzen, denke ich dass sich Pilze über tierische Ausscheidungen auch so weiterverbreiten können.

Ich habe auch mal an einem Hang, wo ich vorher nie gelbstielige Pfifferling fand, alte Exemplare verteilt und die letzen Jahre tauchen da immer welche auf.
Dies ist natürlich kein wissenschaftlicher Beweis, es könnte ja auch sein, dass ich sonst nie zur richtigen Zeit dort war.

Auf jeden Fall wird es dem Wald nicht schaden, die Pilze gleich dort zu putzen,

Grüße eisie

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Re: Steinpilze züchten?

Der Juergen, (vor 5514 Tagen) @ TomBerger

Hallo TomBerger,

Interessantes Thema! Ich vermute beim Steinpilz eine Sukzessions-Art, die nur in Wäldern bestimmten Alters vorkommt. Das ist jedenfalls meine (nicht wissenschaftliche) Beobachtung. Wenn Du im Zeitraum von 25 Jahren im gleichen Wald (Du schreibt von "Hain" - das müsste ja schon ein etwas älterer Baumbestand sein) an den gleichen Stellen?! Steinpilze findest, dann ist das schon ungewöhnlich! Wie der Pifferling (bekanntlich eine Sukzessions-Art), war auch der Steinpilz früher häufiger anzutreffen. Ein Grund könnte sein, dass es früher (Nachkriegszeit) viel mehr jüngere Fichtenwälder gab, als heute. In älteren Beständen werden die Sukzessions-Arten von anderen abgelöst. Der Maronenröhrling mag z.B. etwas ältere Fichtenwälder, wo man den Fichtensteinpilz dann weniger häufig (oder gar nicht) antrifft.

Grüßle
Jürgen

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Re: Steinpilze züchten? *PIC*

TomBerger, (vor 5514 Tagen) @ Der Juergen

Hallo TomBerger,
Interessantes Thema! Ich vermute beim Steinpilz eine Sukzessions-Art, die nur
in Wäldern bestimmten Alters vorkommt. Das ist jedenfalls meine (nicht
wissenschaftliche) Beobachtung. Wenn Du im Zeitraum von 25 Jahren im
gleichen Wald (Du schreibt von "Hain" - das müsste ja schon ein
etwas älterer Baumbestand sein) an den gleichen Stellen?!

Ja, sogar an denselben Stellen :-)

Wenn man regelmäßig dasselbe Waldstück besucht, dann fällt einem dessen langsame Entwicklung natürlich nicht so sehr auf. Aber als ich das erste Mal da war, da war das schon ein ordentlich ausgewachsener Baumbestand. Jetzt sind die ältesten Bäume darin bestimmt deutlich älter als 50. Allerdings gibt es darin auch viele nachwachsende Buchen, die oft dichtes Buschwerk bilden.

Ich habe aber auch eine andere Stelle mit extrem altem Baumbestand im Reinhardswald, die ich seit Jahrzehnten regelmäßig aufsuche. Da kommen leider auch viele andere Pilzsammler hin, weswegen ich als Langschläfer da meist das Nachsehen habe, aber die Steinpilze wachsen inmitten der mehrere hundert Jahre alten Eichen und ziemlich alten Buchen (viele davon im nicht bewirtschafteten "Urwald" umgestürzt), ohne dass die Ertragskraft spürbar nachgelassen hätte.

Kann es eventuell sein, dass der Eindruck einer Sukzessions-Art dadurch entsteht, dass Steinpilz-Myzel eine begrenzte Lebensdauer hat, und dass absterbendes Steinpilzmyzel dann von anderen Pilzen besiedelt wird, die die Steinpilzpopulation ablösen? Dann wäre meine Methode des "Aussäens" der Sporen vielleicht eine Erklärung dafür, warum der Steinpilzbesatz trotz des fortschreitenden Alters des Baumbestands sogar immer besser wird.

[image]

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@Juergen,

Joachim, (vor 5514 Tagen) @ Der Juergen

Deine Beobachtung kann ich voll und ganz unterschreiben.
Ich habe dies auch über Jahre festgestellt.
Ich begehe einige Forste seit über 40 Jahre und habe festgestellt
das gerade in jungen Fichtenforste sehr viele Steinpilze, Pfifferlinge
und Kuhmaul wächst, aber z. B. Maronenröhrlinge rar sind, wird der
Fichtenforst älter wandelt sich das Bild, es gibt immer weniger Steinpilze,
aber dafür werden die Maronenröhrlinge zahlreicher.
Das lässt sich nach meiner Erfahrung nicht unbedingt so in Laubwälder
feststellen.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim

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Re: @Juergen,

Der Juergen, (vor 5513 Tagen) @ Joachim

Hallo Joachim,

Das lässt sich nach meiner Erfahrung nicht unbedingt so in Laubwälder
feststellen.

Da könntest Du Recht haben, jedoch täuscht man sich da oft selbst, weil man den Standort nicht genau betrachtet. Altert ein Bestand, drängt es die Sukzessionsart an den Rand; das kann der Waldrand sein, oder Störungszonen wie Lichtungen oder breite Waldwege und Rückegassen. Ist der Wald sehr licht und parkartig, kann man das schon als Mosaik sehen, d.h. zwischen den größeren "Baum-" oder "Waldinseln" findet Sukzession statt!

Grüßle
Jürgen

p.s.: Wir werden dem Steinpilz schon noch auf die Schliche kommen ... irgendwann:-)

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Re: Steinpilze züchten?

Dunkelmann, (vor 5514 Tagen) @ TomBerger

Immer wenn ich einen alten Steinpilz sehe, verteile ich den Schwamm in der näheren Umgebung, oft steig ich auch drauf und verteil ihn so mit den Schuhen. Mir kommts auf jeden Fall so vor, als wenn dadurch wesentlich mehr Pilze wachsen würden. An der Stelle wo ich das mache, gibts meist jedes Jahr eine kräftige Steinpilzernte, in nahe Angrenzenden Waldstücken mit sehr ähnlichem Wald und Boden wächst dagegen kaum was!

Aber ein wissenschaftlicher Beweis ist meine subjektive Einschätzung natürlich nicht!!!

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Re: Steinpilze züchten?

TomBerger, (vor 5514 Tagen) @ Dunkelmann

Aber ein wissenschaftlicher Beweis ist meine subjektive Einschätzung
natürlich nicht!!!

Das eben würde mich interessieren. Ist keiner da, der sowas weiss?

Ich frage mich auch, wie der Steinpilz seine Sporen überhaupt verteilt. Der Schwamm eines Steinpilz, insbesondere wenn er alt ist, ist doch ziemlich feucht - da dürften die Sporen doch kaum in die weitere Umgebung gestreut werden. Warum ist der Steinpilz so lecker? Hat ihn die Evolution dazu veranlasst, weil seine Sporen besser verteilt werden, wenn sie im Verdauungstrakt eines Allesfressers auf Wanderschaft gehen? Oder brauchen die Sporen eventuell die Proteine und sonstigen Stoffe des alten Pilzes als Nährgrundlage?

Und selbst wenn unsere subjektiven Einschätzungen belastbar sind, so stellt sich natürlich die Frage, wie man dieses Verteilen der Sporen verbessern kann. Ist es besser, den Schwamm im Wurzelgeflecht eines jungen Baums einzugraben, sollte man ein Stück Pilsfleisch dazu geben?

Fragen über Fragen ...

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Re: Steinpilze züchten?

Dunkelmann, (vor 5514 Tagen) @ TomBerger

Dass die gut schmecken, ist auch den Wildschweinen aufgefallen. Ich bemerke immer wieder, dass an den Stellen, an denen ich Steinpilze finde, oft auch deutliche Wühlspuren und abgebissene Fruchtkörper zu finden sind.
Gut möglich, dass der Pilz durch Wohlgeschmack da einen Sporenverteilungs-Vorteil bekommt.
Interessant auch, dass der gute Geschmack von Pilzen nicht erst durch Züchtung entstanden ist, wie bei vielen Obstsorten und ähnlichem!

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Re: Steinpilze züchten?

Thomas Pruss, (vor 5513 Tagen) @ TomBerger

Moin Tom,
die "Feuchtigkeit des Schwamms spielt für die Sporenverteilung eine Rolle: 1. Die Sporen selbst sind hygrophob, d. h. wasserabweisend und 2. dürfte ein überständiger Steini schon den Großteil seiner Sporen los geworden sein.
Ob der Steini nur deshalb so lecker ist, damit Wildschwein, Mensch & Co. ihm durch Auffressen und Sammeln dabei helfen, die Sporen zu verteilen, ist auch eine ziemlich gewagte Hypothese. Dann müsste das auch bei allen Pilzen klasse funktionieren. Das tut es aber nicht. Das Verteilen der Putzreste im Wald ist zwar eine gute Tat, und es mag der Verbreitung des Pilzes förderlich sein, doch kann man die Sache auch ganz anders sehen:
Pilzmyzelien, insbesondere die der Mykorrhizapilze können viele hunderte, gar tausende von Jahren alt werden (bis zu 8.000 Jahre!!!!!!), wenn nix dazwischen kommt. Wenn der Mykorrhizapartner Baum abstirbt, sucht sich das Mycel neue Partner, bzw. ist von vorneherein mit mehreren Symbiosepartner verbunden. Wenn du nun die Putzreste in dem Waldgebiet verstreust, in dem sowieso schon Steinpilze vorkommen, ist also das Erscheinen der Fruchtkörper nicht zwingend an deiner Säarbeit fest zumachen. Ob Fruchtkörper kommen oder nicht, kann auch einzig durch klimatische Bedingungen bewirkt werden oder durch die Bodenchemie oder, oder …
Signifikante Aussagen könntest du nur erhalten, wenn du regelmäßig Jungbäume mit Putzresten "impfst", woraufhin dann genau diese Art massenhaft erscheinen würde. Dass da was dran ist, zeigt ja die Tatsache, dass man z. B. Eichen mit Trüffelsporen impfen kann, die dann in südafrikanischer Erde (wo natürlicherweise keine Trüffeln vorkommen) Trüffeln produzieren. In unseren Gefilden sind solche Experimente nur im Labor mit steriler Erde möglich, weil unsere Böden selbstredend schon mit allen möglichen Myzelien durchsetzt sein können, die nur auf ihre Chance warten, fruktifizieren zu können.

Jürgens Argument, dass der Steini wie der Pfifferling eine "Pionierart" sei, ist ganz interessant: Dass der Pilz sehr oft unter jungen Fichten erscheint, scheint darauf hinzudeuten, dass der Steini sehr gut und schnell noch nicht "infizierte" Bäume erobern kann (oder ist es umgekehrt – die Fischte "lockt" den Steinpilz an?). Er hat also einen Startvorteil. Mit fortschreitender Zeit aber erobern viele weitera Mykorrhizapilze die Baumwurzeln, und der Steinpilz muss sich gegen diese Konkurrenz durchsetzen. Folge: Er wird wegen dieses zwischenartlichen Stresses weniger Fruchtkörper ausbilden können und erscheint nicht mehr so häufug. Man muss ja bedenken, dass sich mehrere hundert Mykorrhizaarten mit den Wurzeln eines Baumes verbinden können. Jede Art ist dann darauf spezialisiert, den Baum mit unterschiedlichen Nährstoffen zu versorgen.

Was das Vergraben von Putzresten angeht, so trägt das wenig zur Sporenverbreitung bei, die geschieht am effektivsten immer noch durch den Wind, allenfalls zur Bodenverbesserung durch den Nährstoffeintrag.

Du siehst, bei den Möglichkeiten der Verbreitung kann man sich eine Menge vorstellen und irgendwo ist das alles auch nicht falsch, beleuchtet aber nur immer einen kleinen Teil des Ganzen. Wenn du die ganzen Zusammenhänge aufdröseln willst, kommst du wirklich von Kuchenbacken auf Arschbacken. Das kann einerseits sehr frustrierend sein, weil man die Vorstellungen von den Mechanismen der Verbreitung immer wieder über Bord werfen muss, andererseits aber auch sehr inspirierend und motivierend.
In der Mykologie hast du also wie in allen gesamten Wissenschaften mit Hypothesen und Theorien zu tun, die immer nur so lange Bestand haben, bis sie be- oder widerlegt werden …

Grüßlis
Thomas

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Re: Steinpilze züchten?

TomBerger, (vor 5513 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Tom,
die "Feuchtigkeit des Schwamms spielt für die Sporenverteilung eine
Rolle: 1. Die Sporen selbst sind hygrophob, d. h. wasserabweisend und 2.
dürfte ein überständiger Steini schon den Großteil seiner Sporen los
geworden sein.

Danke für diese Information. Das erklärt manches.

Ob der Steini nur deshalb so lecker ist, damit Wildschwein, Mensch & Co.
ihm durch Auffressen und Sammeln dabei helfen, die Sporen zu verteilen,
ist auch eine ziemlich gewagte Hypothese. Dann müsste das auch bei allen
Pilzen klasse funktionieren.

Nein, die Evolution geht viele verschiedene Wege. Die eine Art nutzt das Gefressenwerden zur besseren passiven Verbreitung, und entwickelt sich dabei so, dass die "Fressfreunde" extra angelockt werden, die andere Art wehrt sich durch Entwicklung von Abwehrstoffen gegen das Gefressenwerden und nutzt andere Verbreitungswege.

Das tut es aber nicht. Das Verteilen der
Putzreste im Wald ist zwar eine gute Tat, und es mag der Verbreitung des
Pilzes förderlich sein, doch kann man die Sache auch ganz anders sehen:
Pilzmyzelien, insbesondere die der Mykorrhizapilze können viele hunderte,
gar tausende von Jahren alt werden (bis zu 8.000 Jahre!!!!!!), wenn nix
dazwischen kommt.

Das ist mir bekannt, aber gilt das für ALLE Mykorrhizapilze gleichermaßen?

massenhaft erscheinen würde. Dass da was dran ist, zeigt ja die Tatsache,
dass man z. B. Eichen mit Trüffelsporen impfen kann, die dann in
südafrikanischer Erde (wo natürlicherweise keine Trüffeln vorkommen)
Trüffeln produzieren. In unseren Gefilden sind solche Experimente nur im
Labor mit steriler Erde möglich, weil unsere Böden selbstredend schon mit
allen möglichen Myzelien durchsetzt sein können, die nur auf ihre Chance
warten, fruktifizieren zu können.

In Italien bieten Baumschulen schon seit Jahrzehnten mit Trüffelsporen geimpfte Bäume und Sträucher an, meines Wissens meistens Haselnusssträucher. In den Marken glaubt man, dass das funktioniert.

Jürgens Argument, dass der Steini wie der Pfifferling eine
"Pionierart" sei, ist ganz interessant: Dass der Pilz sehr oft
unter jungen Fichten erscheint, scheint darauf hinzudeuten, dass der
Steini sehr gut und schnell noch nicht "infizierte" Bäume
erobern kann (oder ist es umgekehrt – die Fischte "lockt" den
Steinpilz an?). Er hat also einen Startvorteil. Mit fortschreitender Zeit
aber erobern viele weitera Mykorrhizapilze die Baumwurzeln, und der
Steinpilz muss sich gegen diese Konkurrenz durchsetzen. Folge: Er wird
wegen dieses zwischenartlichen Stresses weniger Fruchtkörper ausbilden
können und erscheint nicht mehr so häufug. Man muss ja bedenken, dass sich
mehrere hundert Mykorrhizaarten mit den Wurzeln eines Baumes verbinden
können. Jede Art ist dann darauf spezialisiert, den Baum mit
unterschiedlichen Nährstoffen zu versorgen.

Ja, das hört sich vernünftig an. In dem Zusammenhang ist sicherlich interessant, dass es in dem von mir genannten Wäldchen so gut wie keine anderen Pilze gibt. Wenn ich in einer Stunde problemlos 10 kg Steinpilze einsammeln kann, sehe ich da im gleichen Zeitraum höchstens 2 bis 3 Perlpilze und Grüne Knollis, und vielleicht 10 bis 20 diverse Täublinge. Und neuerdings seit ein paar Jahren auch jeweils einzelne Exemplare des Flockenstieligen Hexenröhrlings.

Du siehst, bei den Möglichkeiten der Verbreitung kann man sich eine Menge
vorstellen und irgendwo ist das alles auch nicht falsch, beleuchtet aber
nur immer einen kleinen Teil des Ganzen. Wenn du die ganzen Zusammenhänge
aufdröseln willst, kommst du wirklich von Kuchenbacken auf Arschbacken.
Das kann einerseits sehr frustrierend sein, weil man die Vorstellungen von
den Mechanismen der Verbreitung immer wieder über Bord werfen muss,
andererseits aber auch sehr inspirierend und motivierend.
In der Mykologie hast du also wie in allen gesamten Wissenschaften mit
Hypothesen und Theorien zu tun, die immer nur so lange Bestand haben, bis
sie be- oder widerlegt werden …

Eben! Aus eben diesem Grunde frage ich ja hier nach, um meine subjektiven, mangels Zeit und mangels eigener wissenschaftlicher Grundlagenkenntnisse nur "geglaubten" Zusammenhänge verifiziert oder falsifiziert zu bekommen.

Übrigens noch ein weiterer Eindruck aus einem anderen Wald, in dem es extrem viele Wildschweine gibt. Die wühlen den Boden an Steinpilzstellen teilweise so stark auf, dass man kaum noch sicher laufen kann. Den Steinpilzen scheint dies aber recht wenig auszumachen, die kommen auch da seit Jahrzehnten. Vielleicht profitiert der Steinpilz sogar durch diese Bodenlockerung und von den Wildschweinextrementen. Ich frage mich immer noch, welchen evolutionären Vorteil die Ausbildung eines so großen und schmackhaften Pilzkörpers mit sich bringt - damit ist ja immerhin einiger Aufwand verbunden.

Herzliche Grüße
Tom

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Re: Steinpilze züchten? *PIC*

elfi ⌂, (vor 5514 Tagen) @ TomBerger

Ein sehr gutes Thema!
Ich bin überzeugt, dass es so funktioniert!
Durch Ablage der sporenträchtigen Röhren, Lamellen oder Leisten,
habe ich nach 45 Jahren hinschauen einiges an Verbreitung der Pilze erlebt.
Super, dass du das Thema angeschnitten hast!
elfi [image]

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Re: Steinpilze züchten?

Schniko, (vor 5512 Tagen) @ elfi

Hallo zusammen,

also ich finde das Thema an sich auch ziemlich interessant.

Dazu fallen mir viele Dinge ein:

Zum einen kam der Gedanke des Steinpilzezüchtens schon früher auf (ich glaub mitte der 80 er). Und zwar analog zu Trüffeln in Christbaumanlagen, quasi als Nebenverdienst.
Offenbar ist da bis heute nichts (komerzielles) draus geworden, sonst hätte man ja davon gehört...

Auf der anderen Seite muss es ja nicht so sein, das der Steinpilz absichtlich gut schmeckt. (Das tuen Rinder und Schweine bestimmt auch nicht!!)
Meiner Pilzsammelerfahrung nach sind sowieso andere Lebewesen viel erfolgreichere Fraßfeinde und die Frage scheint mir angebracht, ob der Mensch überhaupt einen nennenswerten Beitrag zur Selektion liefert.

P.S: Das Alte Fruchtkörper kaum Sporenpotential haben stimmt so (zumindest pauschal) nicht. Laut eines mir bekannten Pilzzüchters sind es vor allem überreife, alte Fruchtkörper die besonders potentes Sporenmaterial liefern.

Gruß aus Südbaden