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Bestandssituation Saftlinge

Ingo Jürgens, (vor 5491 Tagen)

Hallo an alle Pilzfreunde,

die Artenverarmung des Grünlandes schreitet in weiten Teilen Deutschlands ungebremst voran, davon betroffen sind auch viele Pilze, allen voran die Saftlinge.

Wie beurteilen die Forumsteilnehmer die Situation bei sich vor Ort?

Wer hat noch artenreiches Grünland mit nennenswerten Saftlingsvorkommen in seinem Pilzrevier, wer nicht?

Gruß

Ingo

PS: Meine erste Umfrage vom 16. Oktober war viel zu komplex aufgebaut und einiges nicht ausreichend erläutert, was zu Missverständnissen führte (mein Fehler), deshalb hier ein zweiter Versuch.

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Ulysses, (vor 5491 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo Ingo,

was meinst Du denn mit "nennenswert"? Wenn auch (eher) triviale Arten wie Hygrocybe conica, H. persistens, H. psittacina etc. dazu zählen, dann hab ich bei mir (vorderster Vorderer Bayerischer Wald) einiges an guten Fundgebieten anzupreisen - inkl. meinem (nicht gerade englischen) Rasen vorm Haus. Der bietet neben den drei oben genannten Saftlingen seit diesem Jahr sogar Clavulinopsis subtilis. Und dabei liegt mein Wohnort mit der Nähe zur A3 u. ä. nicht mal besonders stark abseits größerer Luftverpester ;-)

Zumindest kleinräumig findet man an Waldrändern, sandigen und grasigen Wegrändern oder auf mageren (Pferde-)Weiden immer wieder Saftlingsvorkommen von insgesamt wohl ca. 6 Arten. Und Cuphophyllus virgineus ist wie in vielen anderen Gegenden auch im Straßenbegleitgrün, in Parks etc. eine wahre Massenart des Spätherbstes.

Schöne Grüße,

Josef

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Ingo Jürgens, (vor 5490 Tagen) @ Ulysses

Hallo Ingo,
was meinst Du denn mit "nennenswert"? Wenn auch (eher) triviale
Arten wie Hygrocybe conica, H. persistens, H. psittacina etc. dazu zählen,
dann hab ich bei mir (vorderster Vorderer Bayerischer Wald) einiges an
guten Fundgebieten anzupreisen - inkl. meinem (nicht gerade englischen)
Rasen vorm Haus. Der bietet neben den drei oben genannten Saftlingen seit
diesem Jahr sogar Clavulinopsis subtilis. Und dabei liegt mein Wohnort mit
der Nähe zur A3 u. ä. nicht mal besonders stark abseits größerer
Luftverpester ;-)
Zumindest kleinräumig findet man an Waldrändern, sandigen und grasigen
Wegrändern oder auf mageren (Pferde-)Weiden immer wieder
Saftlingsvorkommen von insgesamt wohl ca. 6 Arten. Und Cuphophyllus
virgineus ist wie in vielen anderen Gegenden auch im Straßenbegleitgrün,
in Parks etc. eine wahre Massenart des Spätherbstes.
Schöne Grüße,
Josef

Hallo Josef,

vielen Dank für Deine Anwort, ich fasse mal zusammen: Bei Dir (im Gebiet des Vorderen Bayerischen Waldes) sind zumindest einige Saftlinge recht weit verbreitet und Du zählst auch H. persistens und H. psittacina zu den eher trivialen Arten.

Bei uns (Bielefeld, nördlicher Teutoburger Wald und Umland) sind dagegen auch diese beiden Arten bereits extrem selten und kaum noch irgendwo zu finden.
Dabei beruht diese Einschätzung nicht nur auf meinen eigenen Beobachtungen. Bei einer entsprechenden Anfrage an die Pilz-AG des Naturwissenschaftlichen Vereins in Bielefeld konnte man mir von H. psittacina keinen einzigen aktuellen Fundort nennen! Und die Fundangaben anderer Saftlinge (mit Ausnahme von H. conica und H. virginea) konnte man an den Fingern einer Hand abzählen.

Was man als "nennenswertes" Saftlingsvorkommen betrachtet, muss jeder für sich selbst entscheiden, es wird stark von der örtlichen Bestandssituation bzw. der Häufigkeit der einzelnen Arten abhängen. In meinem Beobachtungsgebiet ist bereits jedes (!) Vorkommen von Hygrocybe-Arten "nennenswert" und für den Naturschutz bedeutsam, sofern es sich dabei nicht um H. conica oder H. virginea handelt (die noch eine gewisse Verbreitung aufweisen, aber auch schon alles andere als häufig sind).

Anzunehmen ist, dass Wiesenpilze nährstoffarmer Standorte vor einigen Jahrzehnten auch im Bielefelder Raum noch deutlich häufiger waren. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft wurden sie dann aber auf vereinzelte Restrefugien zurückgedrängt. Aber auch dort konnte der Rückgang trotz Unterschutzstellung und extensiver Bewirtschaftung nur selten gebremst werden.

Ich beobachte seit über 20 Jahren eine 4 ha große Magerwiese auf dem Muschelkalkkamm des Teutoburger Waldes bei Bielefeld. Mit wechselnd dicken Lösslehmschichten über dem Muschelkalk und einer Spanne der Bodenreaktion von alkalisch bis schwach sauer bietet sie eigentlich ideale Voraussetzungen für ein reiches Saftlingsvorkommen. Sie steht schon seit langem unter Naturschutz, wurde immer extensiv bewirtschaftet und seit über 50 Jahren nachweislich nicht gedüngt. Die aktuelle (vertraglich geregelte) Bewirtschaftung besteht aus einer jährlichen Mahd (Heuernte).

So weit, so gut, nur die Saftlinge (es gab mal 8 Arten) gehen unaufhaltsam zurück und möglicherweise werden auch hier nur H. conica und H. virginea übrig bleiben. H. psittacina und H. persistens sind (wenn überhaupt) nur noch in geringsten Stückzahlen zu finden, andere schon länger nicht mehr bestätigt.

Woran liegt es? Das Artenspektrum der Höheren Pflanzen (mit zahlreichen Rote-Liste-Arten) lässt keine dramatischen Veränderungen erkennen. Eine denkbare Erklärung wären die in unserem Raum recht hohen atmosphärischen Stickstoffeinträge. Möglich, dass diese bereits eine Höhe erreicht haben, die von vielen Saftlingen, aber auch Rötlingen (Untergattung Leptonia), Wiesenkeulen (Clavariaceae) und anderen Wiesenpilzen nicht mehr toleriert wird.

Soviel zur Situation in meinem Pilzrevier. Schade, dass ich (bisher) nur wenige Pilzfreunde zu einer Antwort oder einem Kommentar bewegen konnte.

Gruß

Ingo

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Svampskogen, (vor 5490 Tagen) @ Ingo Jürgens

Je nach bevorzugten Pilzsammelstätten unterscheidet sich natürlich auch die Einschätzung trivialer Saftlinge. Z.B. nach meiner Erfahrung in der südwestschwedischen Küstenheidenlandschaft sind dies Arten wie:
-Hygrocybe cantharellus (typischer Heidepilz, der häufigste Saftling)
-Hygrocybe miniata/helobia (nie mikroskopiert, auch oft in der Heide, oder feuchten Ufern)
-Hygrocybe conica
-Hygrocybe persistens (typische Art unverbauter, artenreicher Wegränder, oft in Massen)
-Hygrocybe reidii (die seltenste Art der "trivialen", oft an grasigen Stellen in der Heide)
Ingo, weisst du ob Stickstoff den Saftlingen irgendwie direkt schadet (Ungleichgewicht in der Nährstoffversorgung...) oder ob sie die vermehrte Konkurrenz nicht ertragen (wie viele Pflanzen) oder was der Grund sein könnte?

Gruss Svampskogen

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Ingo Jürgens, (vor 5490 Tagen) @ Svampskogen

Je nach bevorzugten Pilzsammelstätten unterscheidet sich natürlich auch die
Einschätzung trivialer Saftlinge. Z.B. nach meiner Erfahrung in der
südwestschwedischen Küstenheidenlandschaft sind dies Arten wie: -Hygrocybe
cantharellus (typischer Heidepilz, der häufigste Saftling)
-Hygrocybe miniata/helobia (nie mikroskopiert, auch oft in der Heide, oder
feuchten Ufern)
-Hygrocybe conica
-Hygrocybe persistens (typische Art unverbauter, artenreicher Wegränder, oft
in Massen)
-Hygrocybe reidii (die seltenste Art der "trivialen", oft an
grasigen Stellen in der Heide)
Ingo, weisst du ob Stickstoff den Saftlingen irgendwie direkt schadet
(Ungleichgewicht in der Nährstoffversorgung...) oder ob sie die vermehrte
Konkurrenz nicht ertragen (wie viele Pflanzen) oder was der Grund sein
könnte?
Gruss Svampskogen

Hallo Svampskogen,

ich glaube nicht, dass Stickstoff den Saftlingen direkt schadet. Die Physiologie der Pilze ist aber noch zu wenig erforscht und ausschließen kann man es sicher nicht. Annehmen kann man aber (so wie Du es auch anführst), dass unterirdisch zwischen den verschiedenen Pilzmycelien ein ständiger Verdrängungswettbewerb herrscht und dass Pilze, die an nährstoffarme Verhältnisse angepasst sind, bei Nährstoffzufuhr Nachteile im Konkurrenzkampf erleiden. Zu berücksichtigen wären bei Saftlingen auch Auswirkungen auf eine eventuell bestehende Symbiose mit Gräsern.

Alles weitgehend ungeklärt und da wüsste ich selber auch gern mehr.

Gruß

Ingo

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Re: Bestandssituation Saftlinge

AK_CCM, (vor 5490 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo Ingo,

keine Ahnung, ob ich mich als Südbayer angesprochen fühlen darf. Auf der südöstlich von Augsburg gelegenen Königsbrunner Heide sind vor allem die Saftlingsarten H. conica agg., H. persistens und mit einigem Abstand H. calciphila weit verbreitet. An einer einzigen Stelle fruktifiziert regelmäßig H. psitacina. Im Spätherbst sind zudem die beiden Ellerlinge C. colemannianus und C. virgineus mit etlichen Frk. vertreten. In den vergangenen 5 Jahren - seitdem beobachte ich das Gebiet mehr oder weniger regelmäßig - konnte ich keine Tendenz ausmachen, dass die Populationen abnehmen oder zunehmen.

Ansonsten möchte ich noch anmerken, dass Ellerlinge keine Saftlinge sind (siehe Matheny et al. 2006).

Gruß, Andreas

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Re: Bestandssituation Saftlinge

jesko, (vor 5490 Tagen) @ AK_CCM

Ansonsten möchte ich noch anmerken, dass Ellerlinge keine Saftlinge sind (
siehe Matheny et al. 2006 ).

Das war wieder mal so 'ne Lumper-Idee ...

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Svampskogen, (vor 5490 Tagen) @ AK_CCM

Was bedeutet das? Sind Ellerlinge und Saftlinge polyphyletisch oder dennoch näher miteinander verwandt, aber zu weit weg um in derselben Gattung zu stehen?!

Gruss Svampskogen

Ansonsten möchte ich noch anmerken, dass Ellerlinge keine Saftlinge sind (
siehe Matheny et al. 2006 ).
Gruß, Andreas

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Re: Bestandssituation Saftlinge

AK_CCM, (vor 5490 Tagen) @ Svampskogen

Guten Morgen Svampskogen,

in dem von mir verlinkten Paper heißt es:

"Monophyletic groups of hygrophoroid taxa appear to correspond best to narrow generic concepts employed by Singer (1986) rather than the various broad concepts used by Hesler and Smith (1963), Kühner (1980), Arnolds (1990) and Boertmann (1996). For instance Hygrocybe s. str., Hygrophorus s. str. and Camarophyllus all are supported as autonomous monophyletic groups."

Das dürfte Deine Frage beantworten.

Bzgl. der Taxonomie teile ich Eric Strittmatters Standpunkt, den Gattungsnamen Cuphophyllus statt Camarophyllus zu verwenden:

"Camarophyllus ist zwar älter und auch gebräuchlich, doch existiert da ein Streit um den Typus der Gattung. Einige sagen, es wäre Agaricus camarophyllus, also ein Schneckling, was die Gattung zu einem Synonym von Hygrophorus macht. Um dem aus dem Weg zu gehen, habe ich mich für das unkritischere Taxon Cuphophyllus entschieden (Anmerkung des Posters: Eric bezieht sich auf die Pilztaxadatenbank auf fungiworld.com)."

Nachzulesen hier: http://forum.fungiworld.com/index.php?topic=4914.msg29609#msg29609

Gruß, Andreas

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Svampskogen, (vor 5489 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas

Ja, dies beantwortet meine Frage vollkommen :-)

Gruss Svampskogen

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Wolfgang P., (vor 5490 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo Ingo,

in meinem Revier (Rheinhessen) sind Saftlings-Standorte gemessen an der Gesamtfläche verschwindend selten. Aber es gibt sie, und an diesen Standorten, die fast ausnahmslos unter Naturschutz stehen, treten verschiedene Arten in recht guter Konstanz immer wieder auf. Ebenso andere Wiesenpilze (Leptonien, Keulchen).

Eine negative Entwicklungstendenz kann ich nicht bestätigen, wobei ich nur einen Standort seit 15 Jahren beobachte und dieser eine Änderung der Nutzungsform von Militärfläche zu Naherholungsgebiet erfahren hat, was natürlich die Vegetation beeinflusst.

Bei mir ist es eher so, dass ich immer neue Flächen kennenlerne und mir daher zu einem immer weiteren Artenspektrum Funde gelingen. Dadurch tritt gefühlt sogar eine Verbesserung der Lage ein, wobei das natürlich nur meine subjektive Lage und nicht die der Wiesenpilze ist.

Grüße,

Wolfgang

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Re: Bestandssituation Saftlinge *PIC*

Peter P., (vor 5487 Tagen) @ Wolfgang P.

Hallo in die Runde,
im Prinzip kann ich mich Wolfgangs Meinung anschließen, beobachte allerdings schon etwas länger Saftlingsstandorte. In der Fläche sind viele Arten verschwunden, weil die Lebensräume durch Nutzungsänderung jeglicher Art einfach nicht mehr existieren. In Schutzgebieten und auf Flächen, die noch "naturverträglich" bewirtschaftet werden, sammelte ich die gleiche Erfahrung wie Wolfgang. In den Wiesen auf dem Foto konnte ich bisher 23 Arten (inkl. Cam. u. Cuph.) nachweisen, natürlich auch andere bemerkenswerte "Wiesenpilze". Im Lkr. Sonneberg (Südthüringen) konnten bisher 34 Arten nachgewiesen werden, in ganz Thüringen werden es um die 45 sein.
Gruß
Peter P.

[image]

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Re: Bestandssituation Saftlinge

jesko, (vor 5490 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo Ingo,

mit Sicherheit bin ich nicht der kompetenteste Berichterstatter zu diesem Thema, da ich kein richtiger Wiesenpilzjäger bin. Aber immerhin bin ich bei uns (Raum Leipzig) viel unterwegs und kriege auch ein wenig mit, was Andere so finden.

Was Saft- und Ellerlinge angeht, gehören wir hier in NW-Sachsen wohl schon klar zum beklagenswerten Norddeutschland. Dabei muss man nicht einmal so weit fahren, um etwas mehr finden zu können. Nur 60 km Luftlinie ist das Saale-Unstrut-Land mit seinen Kalktrockenrasen entfernt. Auch die Chemnitzer etwas weiter im Süden haben – soweit ich weiß – ganz ordentliche Saftlingsbiotope.
Häufig ist bei uns nur Hygrocybe conica ss.l. Camarophyllus pratensis und virgineus und Hygrocybe persistens sind zerstreut bis sehr zerstreut, H. psittacina ist schon eine echte Seltenheit (persönlich nur 2 Fundorte aus dem Leipziger Stadtgebiet).
Biotope mit mehr als 5 Arten (was etwa nach Boertmann 2000 S. 18 gerade mal die Schutzkategorie „Of local importance“ verdienen würde) gibt es bei uns m.W. nicht. Dabei haben wir einige Habitate, in denen eine Reihe durchaus bemerkenswerter Wiesenpilze vorkommt. Dazu gehören interessanterweise sogar nährstoffreiche Standorte mitten im Auwald, wo man z.B. Camarophyllopsis- und Dermoloma-Arten im Gestrüpp zwischen Rubus caesius und Aegopodium podagraria finden kann. Kleinräumig gibt es Sandtrockenrasen auf Moränen, die ebenfalls interessante Wiesenpilze beherbergen. Dann gibt es die Rekultivierungsgebiete des Braunkohlentagebaus mit ihren teils riesigen offenen Flächen auf sehr nährstoffarmen Böden. Aber gerade mit den Saftlingen funktioniert bei uns irgendetwas nicht so richtig.

Viele Grüße.

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Der Juergen, (vor 5490 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo Ingo,

an Biotopen fehlt es bei uns z.B. nicht. Das Biosphärenreservat Schwäbische Alb hat sehr viel von diesen extensiv bewirtschafteten Flächen, aber ... die Artendiversität der Saftlinge könnte größer sein, viel größer, ja es müsste sogar viel größer sein, als von uns registriert. Ich vermute, dass der Stickstoffeintrag (aus der Luft und von angrenzenden Agrarflächen) dafür verantwortlich ist, und die Mageren Flächen (Kalkmagerrasen, Wacholderheiden) zu Nährstoffreich sind.

Grüßle
Jürgen

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Stephan Weißer, (vor 5489 Tagen) @ Der Juergen

an Biotopen fehlt es bei uns z.B. nicht. Das Biosphärenreservat Schwäbische
Alb hat sehr viel von diesen extensiv bewirtschafteten Flächen, aber ...
die Artendiversität der Saftlinge könnte größer sein, viel größer, ja es
müsste sogar viel größer sein, als von uns registriert.

Aber es gibt doch gerade auf der Alb veritable Saftlingswiesen, z. B. der Stöckelberg bei Söhnstetten, die Hitzinger Heide bei Steinheim, die Irndorfer Hardt auf der Südwestalb, die Wiesen südlich der Lichtensteiner Burg bei Pfullingen... brauchst du noch mehr?

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Der Juergen, (vor 5489 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

Aber es gibt doch gerade auf der Alb veritable Saftlingswiesen, z. B. der
Stöckelberg bei Söhnstetten, die Hitzinger Heide bei Steinheim, die
Irndorfer Hardt auf der Südwestalb, die Wiesen südlich der Lichtensteiner
Burg bei Pfullingen... brauchst du noch mehr?

Nein, aber über das "veritabel" lässt sich streiten. Der Stöckelberg dürfte der einzige Standort sein, wo so ziemlich alles vorkommt (auch H. punicea!), aber der ist eine Ausnahme, weil das Areal auf Feuerstein-Lehm liegt, also sauer und mager. Meines Wissens (ich war nur einmal dort), hat es in der Gegend keine größeren Agrarflächen. Ansonsten war ich von allen anderen Wacholderheiden eher etwas enttäuscht (was die Saftlinge angehnt).

Grüßle
Jürgen

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Re: Bestandssituation Saftlinge

Stephan Weißer, (vor 5488 Tagen) @ Der Juergen

Das entspricht auch meinem Eindruck. Noch vor ein paar Jahren hatte ich gemeint, Wachholderheiden seien die besten Saftlingsbiotope. Das stimmt in dieser Form nicht. Auch die Irndorfer Hardt ist ja nicht wirklich eine Wachholderheide. Und am Stöckelberg stehen einige der schönsten Sachen auch dort, wo keine Wachholderbüsche sind. Die Zentren der Wachholderheiden habe ich dagegen oft als "saftlingsschwach" erlebt, da tummeln sich eher Riesenschirmlinge, Rötelritterlinge, Fälblinge usw.

Artenreiche Saftlingswiesen sind ganz normales Grasland, das eben regelmäßig gemäht und nie gedüngt wird (z. B. auch Viehweiden mit extensiver Bewirtschaftung, Parkrasen, Deichwiesen, Waldwiesen und sogar bestimmte Fußballplätze).