Pilze Pilze Forum
Erweitert

Inocybe cf aghardii *PIC*

Svampskogen, (vor 5467 Tagen)

Schönen Abend zusammen!

Habe noch einen Risspilz aus Schweden unters Mikro gelegt. Auch dieser wuchs in einem Granitsteinbruch bei Weide. Beim Bestimmen mit FN lande ich aufgrund des +/- persistenten Faserringes bei I. aghardii. Leider ist dieser auf dem Foto nicht besonders gut zu sehen. Vielleicht ist es ja auch nur eine dulcamara (nicht das ich Erfahrung mit dieser Art hätte) mit üppigem Velum. Leider gelang mir kein gutes Bild der Cheilozystiden, diese waren jedoch auffallend lang und schmal, dünnwandig und apikal ohne Kristalle. Die Sporen waren meist phaseoliform (falls ich das richtig sehe), die Masse 8.3 - 11 x 4.8 - 5.5 mü. Hoffe man kann mit den Angaben wenigstens ein bisschen was anfangen....

Liebe Grüsse Svampskogen

[image]

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Inocybe cf aghardii *PIC*

Svampskogen, (vor 5467 Tagen) @ Svampskogen

[image]

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Inocybe cf aghardii

Andreas 2, (vor 5467 Tagen) @ Svampskogen

Hallo Svampskogen,

die häufigsten in der Literatur zu findenden Abgrenzungen zum Typus dulcamara basieren auf das variable und unterschiedlich stark ausgebildete Velum, welches bei deutlicher Ausprägung den Hutrand oft behangen und (oder) den Stiel ± kräftig wollig beringt bzw. im unteren Teil grob faserschuppig erscheinen lässt. Kollektionen mit so einer ringförmigen Zone werden gern Inocybe agardhii (LUND.) ORTON zugeschrieben. Neben diesem schwachen, wohl mehr durch äußere Einwirkungen beeinflussten makroskopischen Merkmal, sind bei diesem Taxon in einigen Publikationen auch die Sporen etwas schmaler, teils apikal konischer als bei I. dulcamara wiedergegeben. So z.B. bei WEHOLT (1983), BON (1988) und BIZIO & FERRARI (1999), deren Angaben sich aber durchaus noch im vertretbaren Rahmen von I. dulcamara bewegen.

Interessanter Weise findet man bei STANGL (1989) über diese Sippe keinerlei Angaben, obwohl es kaum vorstellbar, dass dieser hervorragende Inocyben-Kenner nicht auch solchen Formen in Bayern begegnet sein sollte. Da ist es schon eher wahrscheinlich, wenn auch jetzt spekulativ, dass er diese Art als solche nicht akzeptierte. KRIEGLSTEINER (1991b) stufte sie der allgemeinen Variabilität wegen, leider ohne auf spezifische Merkmale weiter einzugehen, zur Varietät zurück. Überzeugende Abbildungen findet man selten. Die in MOSER & JÜLICH (1985 ff.) und FERRARI (2006) sind untypisch und zeigen sicher nicht diese Art (Varietät), da hier genau die spezifischen Merkmale fehlen. Bei dem bei FERRARI (2006) auf Seite 314 unten abgebildeten Pilz, liegt vermutlich eine Verwechslung mit I. leucoblema vor (?).

Letztendlich liegt es an Dir, ob Du diesen Fund bei agardhii oder dulcamara einordnest. Ich plädiere zu Letzterem.

Gruß Andreas

Schönen Abend zusammen!
Habe noch einen Risspilz aus Schweden unters Mikro gelegt. Auch dieser wuchs
in einem Granitsteinbruch bei Weide. Beim Bestimmen mit FN lande ich
aufgrund des +/- persistenten Faserringes bei I. aghardii. Leider ist
dieser auf dem Foto nicht besonders gut zu sehen. Vielleicht ist es ja
auch nur eine dulcamara (nicht das ich Erfahrung mit dieser Art hätte) mit
üppigem Velum. Leider gelang mir kein gutes Bild der Cheilozystiden, diese
waren jedoch auffallend lang und schmal, dünnwandig und apikal ohne
Kristalle. Die Sporen waren meist phaseoliform (falls ich das richtig
sehe), die Masse 8.3 - 11 x 4.8 - 5.5 mü. Hoffe man kann mit den Angaben
wenigstens ein bisschen was anfangen....
Liebe Grüsse Svampskogen

Eintrag gesperrt
22 Aufrufe

Re: Inocybe cf aghardii *PIC*

Svampskogen, (vor 5467 Tagen) @ Andreas 2

Guten Abend Andreas

Das nenne ich eine ausführliche Antwort :-) Habe mir schon gedacht, dass agardhii eine schwierige Art sein könnte. Diesen Komplex dulcamara/agardhii konnte ich in Schweden ziemlich häufig finden. Meistens waren die Funde komplett ohne ringähnliches Velum (für mich dann dulcamara), ab und zu besassen sie jedoch eines. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal (falls meine denn echte agardhii sind) konnte ich auch nicht wirklich ausmachen. Ich sende hier nochmals 2 Bilder von Pilzen mit etwas üppigerem Velum. Leider kommt das Velum auf den Fotos wirklich schlecht zur Geltung, liegt ev. auch an meinem beschränkten fotogafischen Talent :-( Wäre irgendwie noch interessant zu wissen, ob dieser Komplex bereits genetisch untersucht wurde.

Beste Grüsse Svampskogen

Hallo Svampskogen,
die häufigsten in der Literatur zu findenden Abgrenzungen zum Typus dulcamara
basieren auf das variable und unterschiedlich stark ausgebildete Velum,
welches bei deutlicher Ausprägung den Hutrand oft behangen und (oder) den
Stiel ± kräftig wollig beringt bzw. im unteren Teil grob faserschuppig
erscheinen lässt. Kollektionen mit so einer ringförmigen Zone werden gern
Inocybe agardhii (LUND.) ORTON zugeschrieben. Neben diesem schwachen, wohl
mehr durch äußere Einwirkungen beeinflussten makroskopischen Merkmal, sind
bei diesem Taxon in einigen Publikationen auch die Sporen etwas schmaler,
teils apikal konischer als bei I. dulcamara wiedergegeben. So z.B. bei
WEHOLT (1983), BON (1988) und BIZIO & FERRARI (1999), deren Angaben
sich aber durchaus noch im vertretbaren Rahmen von I. dulcamara bewegen.
Interessanter Weise findet man bei STANGL (1989) über diese Sippe keinerlei
Angaben, obwohl es kaum vorstellbar, dass dieser hervorragende
Inocyben-Kenner nicht auch solchen Formen in Bayern begegnet sein sollte.
Da ist es schon eher wahrscheinlich, wenn auch jetzt spekulativ, dass er
diese Art als solche nicht akzeptierte. KRIEGLSTEINER (1991b) stufte sie
der allgemeinen Variabilität wegen, leider ohne auf spezifische Merkmale
weiter einzugehen, zur Varietät zurück. Überzeugende Abbildungen findet
man selten. Die in MOSER & JÜLICH (1985 ff.) und FERRARI (2006) sind
untypisch und zeigen sicher nicht diese Art (Varietät), da hier genau die
spezifischen Merkmale fehlen. Bei dem bei FERRARI (2006) auf Seite 314
unten abgebildeten Pilz, liegt vermutlich eine Verwechslung mit I.
leucoblema vor (?).
Letztendlich liegt es an Dir, ob Du diesen Fund bei agardhii oder dulcamara
einordnest. Ich plädiere zu Letzterem.
Gruß Andreas

[image]

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Inocybe cf aghardii *PIC*

Svampskogen, (vor 5467 Tagen) @ Andreas 2

Guten Abend Andreas

Das nenne ich eine ausführliche Antwort :-) Habe mir schon gedacht, dass agardhii eine schwierige Art sein könnte. Diesen Komplex dulcamara/agardhii konnte ich in Schweden ziemlich häufig finden. Meistens waren die Funde komplett ohne ringähnliches Velum (für mich dann dulcamara), ab und zu besassen sie jedoch eines. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal (falls meine denn echte agardhii sind) konnte ich auch nicht wirklich ausmachen. Ich sende hier nochmals 2 Bilder von Pilzen mit etwas üppigerem Velum. Leider kommt das Velum auf den Fotos wirklich schlecht zur Geltung, liegt ev. auch an meinem beschränkten fotogafischen Talent :-( Wäre irgendwie noch interessant zu wissen, ob dieser Komplex bereits genetisch untersucht wurde.

Beste Grüsse Svampskogen

Hallo Svampskogen,
die häufigsten in der Literatur zu findenden Abgrenzungen zum Typus dulcamara
basieren auf das variable und unterschiedlich stark ausgebildete Velum,
welches bei deutlicher Ausprägung den Hutrand oft behangen und (oder) den
Stiel ± kräftig wollig beringt bzw. im unteren Teil grob faserschuppig
erscheinen lässt. Kollektionen mit so einer ringförmigen Zone werden gern
Inocybe agardhii (LUND.) ORTON zugeschrieben. Neben diesem schwachen, wohl
mehr durch äußere Einwirkungen beeinflussten makroskopischen Merkmal, sind
bei diesem Taxon in einigen Publikationen auch die Sporen etwas schmaler,
teils apikal konischer als bei I. dulcamara wiedergegeben. So z.B. bei
WEHOLT (1983), BON (1988) und BIZIO & FERRARI (1999), deren Angaben
sich aber durchaus noch im vertretbaren Rahmen von I. dulcamara bewegen.
Interessanter Weise findet man bei STANGL (1989) über diese Sippe keinerlei
Angaben, obwohl es kaum vorstellbar, dass dieser hervorragende
Inocyben-Kenner nicht auch solchen Formen in Bayern begegnet sein sollte.
Da ist es schon eher wahrscheinlich, wenn auch jetzt spekulativ, dass er
diese Art als solche nicht akzeptierte. KRIEGLSTEINER (1991b) stufte sie
der allgemeinen Variabilität wegen, leider ohne auf spezifische Merkmale
weiter einzugehen, zur Varietät zurück. Überzeugende Abbildungen findet
man selten. Die in MOSER & JÜLICH (1985 ff.) und FERRARI (2006) sind
untypisch und zeigen sicher nicht diese Art (Varietät), da hier genau die
spezifischen Merkmale fehlen. Bei dem bei FERRARI (2006) auf Seite 314
unten abgebildeten Pilz, liegt vermutlich eine Verwechslung mit I.
leucoblema vor (?).
Letztendlich liegt es an Dir, ob Du diesen Fund bei agardhii oder dulcamara
einordnest. Ich plädiere zu Letzterem.
Gruß Andreas

[image]

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Inocybe cf aghardii *PIC*

Svampskogen, (vor 5467 Tagen) @ Svampskogen

[image]

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Inocybe cf aghardii

Andreas 2, (vor 5467 Tagen) @ Svampskogen

... Wäre irgendwie noch interessant zu wissen, ob dieser Komplex bereits genetisch untersucht wurde ...

Weiß ich jetzt auch nicht. Und wenn, wäre interessant, welches Material dafür verwendet wurde.

Die beiden Formen kenne ich auch. Die helle, kleine, aber stabile Form vor allem von Halden. Interessanterer Weise findet man dann oft auch Frk. zwischen drin, die nicht so stark velumbehaftet sind.

Übrigens finde ich Deine Fotos ausgezeichnet.

Schönes Wochenende und Gruß
Andreas

Guten Abend Andreas
Das nenne ich eine ausführliche Antwort :-) Habe mir schon gedacht, dass
agardhii eine schwierige Art sein könnte. Diesen Komplex
dulcamara/agardhii konnte ich in Schweden ziemlich häufig finden. Meistens
waren die Funde komplett ohne ringähnliches Velum (für mich dann
dulcamara), ab und zu besassen sie jedoch eines. Ein anderes
Unterscheidungsmerkmal (falls meine denn echte agardhii sind) konnte ich
auch nicht wirklich ausmachen. Ich sende hier nochmals 2 Bilder von Pilzen
mit etwas üppigerem Velum. Leider kommt das Velum auf den Fotos wirklich
schlecht zur Geltung, liegt ev. auch an meinem beschränkten fotogafischen
Talent :-( Wäre irgendwie noch interessant zu wissen, ob dieser Komplex
bereits genetisch untersucht wurde.
Beste Grüsse Svampskogen