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Von Sporeninhalten und Vitaltaxonomie *PIC*

Ingo Wagner, (vor 5438 Tagen)

Hallo!

Ich habe ja manchmal so Phasen, euch was mitteilen zu wollen, was eigentlich die Profis schon lange wissen und den Rest der Pilzler kaum interessiert.

Es geht um die Bedeutung von mikroskopisch sichtbaren Inhalten von Sporen, Paraphysen oder Zellen von Ascomyceten bei der Art-Bestimmung. Solche Inhalte können wirklich weiterhelfen und sind auch relativ konstant, aber man muss verstehen, dass die sich ändern von jung bis alt, von vital bis tot.

Kurz: bei der Becherlingsbestimmung es ist erst mal das Wichtigste den Pilz in seiner Verfassung zu erkennen, da nützen keine Sporenmessreihen was.

Zur Vorgeschichte:
Es gbt da immer Pilze, die sind so häufig und simpel, mit denen beschäftigt man sich eigentlich nicht, weil immer was anderes noch interessanter ist. So geht es mir z.B. schon jahrelang mit Hymenoscyphus scutula (Ciliensporiges Stielbecherchen). Es ist eines der häufigsten Kräuterbecherchen im Herbst überhaupt, besiedelt vorjährige Stängel von Beifuß, Kanadischer Goldrute, Rainfarn, vielleicht auch Mädesüß (beachte Haken!) und anderen Kräutern.

Naja, auch in diesem Jahr habe ich erst ausgeschlafen, als die ersten Fröste durch waren. Damit ist normalerweise die Kräuter-Becherchen-Saison abgeschlossen! Gerade solche Becher an Kräuterstängel/Gras sind der Kälte extrem ausgesetzt (meist in offener Lage und ungeschützt) und wachsen dann auch nicht mehr. Wenn man trotzdem noch welche findet, sind sie braun und nicht mehr im Zustand, was Ordentliches zu diagnostizieren, denn selbst Paraphysen verformen sich unnatürlich bauchig, plötzlich treten "Monstersporen" auf (wie und warum ist Thema für sich!) und auf Inhalte kann man sich schon gar nicht mehr verlassen.
Die angesprochenen Phänomene gelten natürlich nicht nur für das Vorwinter-Klima, sondern auch für Trockenperioden, Exsikkatuntersuchung, Untersuchungen an Kollektionen, die mehrere Tage in "Gefangenschaft" in der Dose aufbewahrt worden sind oder dem unsinnigen Brauch, Pilze bestimmen zu wollen, nachdem sie im Kühlschrank/Tiefkühltruhe aufbewahrt worden sind.

Im weiteren lasse ich die Mikros sprechen:

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VG Ingo W

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Re: Von Sporeninhalten und Vitaltaxonomie

Gábor, (vor 5437 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

Deine Ausführungen sind immer sehr lehrreich für mich!

Was macht Deiner Meinung nach den Unterschied aus, ob kleine Becherchen bei 5 Grad im Freien mehrere Tage verbringen oder bei 5 Grad im Kühlschrank?
Immer schön in Moos eingepackt, damit sie nicht austrocknen natürlich...

LG, Gábor

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Re: Von Sporeninhalten und Vitaltaxonomie

Trametenlotti, (vor 5437 Tagen) @ Gábor

Hallo Ingo,
Deine Ausführungen sind immer sehr lehrreich für mich!

Da kann ich mich nur anschliessen. Danke für deine Beiträge

Ligrü
Lotte

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Re: Von Sporeninhalten und Vitaltaxonomie

Ingo Wagner, (vor 5437 Tagen) @ Gábor

Hallo Ingo,
Deine Ausführungen sind immer sehr lehrreich für mich!
Was macht Deiner Meinung nach den Unterschied aus, ob kleine Becherchen bei 5
Grad im Freien mehrere Tage verbringen oder bei 5 Grad im Kühlschrank?
Immer schön in Moos eingepackt, damit sie nicht austrocknen natürlich...
LG, Gábor

Hi Gabor!

Beim Kühlschrank habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Sicher eine Möglichkeit, um Pilze länger frisch zu halten, da das allgemeine Wachstum und Zerfallserscheinungen durch die tiefen Temperaturen schon gehemmt werden.

Ich meinte hier mehr den komischen Brauch, sie dorthin zu verfrachten, damit sie reif werden.

VG Ingo W

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Re: Von Sporeninhalten und Vitaltaxonomie *PIC*

MartinB, (vor 5436 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

Zotto kann sich irgendwie nicht einloggen. Daher seine Antwort auf diesem Umweg:

Hallo Ingo

will auch noch kurz meinen Senf beigeben. Schöne Darstellung, und genau darauf kommt es an: unter den vielen Stadien die taxonomisch wichtigen herauszusuchen: reife vitale Sporen (schussreife wohlverstanden).

Als Ergänzung hier eine für mich seltene Beobachtung, dass übereife Sporen von H. scutula Konidien bilden können. Ich bin allerdings weit davon entfernt, sicher zu sein, wie man H. scutula umgrenzt. Bei diesem Fund fehlen die charakteristischen Setulae an den Sporenenden, wie aber auch bei deinem. ich weiß nicht, ob deren Fehlen etwas zu sagen hat.

Und dann dachte ich bei deinem Fund zuerst an H. virgultorum, da ich das Substrat für verholzt hielt. An diese Art glaube ich immer mehr, ich hatte in den letzten Jahren zwei Funde gesehen (auf Betula und Salix). Obwohl die Unterschiede gering sind, hat mich die Öltropfengröße in den Sporen überzeugt. Man muss sich aber hier strikt auf die schussreifen Sporen beschränken, dann finde ich den Unterschied zu scutula deutlich.

VG Zotto

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Re: Von Sporeninhalten und Vitaltaxonomie *PIC*

Ingo Wagner, (vor 5436 Tagen) @ MartinB

Hi Zotto!

Fein, fein, deine Darstellung!

An diese Art glaube ich immer mehr, ich hatte
in den letzten Jahren zwei Funde gesehen (auf Betula und Salix). Obwohl
die Unterschiede gering sind, hat mich die Öltropfengröße in den Sporen
überzeugt. Man muss sich aber hier strikt auf die schussreifen Sporen
beschränken, dann finde ich den Unterschied zu scutula deutlich.
VG Zotto

Bei den deinen eingestellten Sporen des H. virgultorum fällt außerdem auf, dass das scutuloide Sporenende im Gegensatz zu H. scutula auffällig zugespitzt ist.

So jetzt noch eine Ergänzung zum Ausgangs-Beitrag.
Den folgenden habe ich auf sehr dünnen Birkenästchen gefunden. Hier ist wegen Frostschädigung und Überreife keine sichere Bestimmung mehr möglich, deswegen habe ich nur kurz reinmikroskopiert.
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Eigentlich wollte ich mir auch nur beweisen, dass auf dünnen 3mm starken Zweiglein (Birke) Bisporella citrina ziemlich unwahrscheinlich ist, und das kann man ja auch noch gut über den Porus-Typ feststellen.
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Die Sporen sehen der Bisporella schon sehr ähnlich, und bei so dicken überreifen Sporen lässt sich auch kaum noch eine eventuell vorhandene scutuloide Normalreife-Form nachvollziehen, was dann wiederrum zu Irrtümern bei der Benutzung von Bestimmungsschlüsseln führt.

Insgesamt könnte es was um Hymenoscyphus calyculus sein, mit den zu kleinen Sporen vielleicht Hymenoscyphus subferrugineus, aber das lasse ich mal dahingestellt.

Zum direkten Vergleich des Porus-Typs (Paraphyseninhalt, Sporen) mal noch Bisporella citrina vom gleichen Tag, allerdings auch schon mal gefrostet:
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VG Ingo W