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Octospora fissidentis *PIC*

RalfD, (vor 5387 Tagen)

Ich möchte Euch heute einen weiteren interessanten Fund aus meiner Heimat, dem Bergischen Land, näher erläutern.

Es handelt sich um Octospora fissidentis, von der nach unserem Wissen bisher noch kein Fund aus der BRD bekannt ist.

Die Art wurde 2004 von BENKERT&BROUWER erstmalig in den Niederlanden beschrieben und auch unser Fund wurde freundlicherweise von Herrn Benkert bestimmt.

Fundort war, wie meist bei den Exkursionen von Björn Wergen und mir, meine Heimat, das Bergische Land.

Unsere Exkursion führte uns im Oktober 2011 in einen Talgrund auf etwa 130m ü.NN.
Dort stand über 50 Jahre eine kleine Fichtenkultur auf einer minimalen Erhöhung im ansonsten sehr sumpfigen Erlengrund. Diese wurde im Frühsommer 2011 per Kahlschlag entfernt.

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Ein kleiner Bach hatte sich, vom Hang kommend, mittels eines tiefen Grabens seinen Weg in den Talfluß gebahnt. In diesem Graben entdeckte Björn 3 Fruchtkörper an der ca. 80 Grad steil aufragenden Bachböschung.
Erosionsbedingt findet sich hier kein Humus, sondern der bei uns weit verbreitete, kleiige Boden, der stark mit Grauwackebrocken durchzogen und als sauer anzusprechen ist.

Der Bewuchs der Böschung ist spärlich und teils veralgt. Hier zeigte sich jedoch ein lockerer Bestand von Fissidens bryoides, an dessen Rhizoiden O. fissidens parasitiert.

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Nicht klar ist der Status des Vorkommens. Durch den wenige Monate vorher vorgenommenen Kahlschlag hat sich das Mikroklima in dem Graben nachhaltig verändert. War der Standort zuvor komplett durch die Fichten beschattet, lag er zum Zeitpunkt des Fundes offen und exponiert der Sonne ausgesetzt. Zudem lagen zum Fundzeitpunkt noch einige gefällte Fichtenstämme quer über dem Graben, die zumindest einen gewissen Schatten spendeten. Die Fundortfotos sind einige Tage später aufgenommen.

Es bleibt also abzuwarten und durch weitere Funde zu klären, ob man bei dem Vorkommen von O. fissidentis an dieser Stelle von „schon“ oder „noch“ sprechen muss. Es gibt zudem in der Umgebung noch einige weitere, ähnliche Standorte beider Varianten, die es zukünftig zu besuchen gilt.

Abschließend noch eine Beschreibung der mikroskopischen Merkmale und einige Fotos.

Alles aus der Hand von Björn Wergen.

Fruchtkörper 0,4-1,2 mm breit, anfangs becherförmig, dann flach linsenförmig ausgebreitet, stiellos dem Substrat aufsitzend; Hymenium anfangs blass, später orangegelblich. Rand und Außenseite mit hyphenartigen Haaren von bis 120µm Länge, diese hyalin.
Sporen 16-21,5x8,5-10,5µm, unregelmäßig elliptisch mit etwas verjüngten Enden, oft einseitig etwas ausgebeult, hyalin, regelmäßig mit 2 Tropfen, nur etwa 4-8% der Sporen mit einem großen Tropfen, etwas dickwandig; Oberfläche mit isolierten, teilweise zusammengesetzten Warzen, vereinzelte Sporen mit unregelmäßig ausgeweiteter Ornamentation, Warzen gewöhnlich bis 0,5µm hoch und breit. Asci 130-160x11-13µm, achtsporig, zylindrisch mit unregelmäßig 'moniliformer' Basis, Sporen uniseriat. Paraphysen 3,5µm, apikal bis 4µm dick, in der obersten Zelle mit blass gelblich bis orangegelblichem Pigment, septiert, an den Septen nicht eingeschnürt. Haare hyalin, 5-7µm dick und bis 120µm lang, hyalin, unauffällig.

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Re: Octospora fissidentis

Ingo Wagner, (vor 5387 Tagen) @ RalfD

Hallo Ralf!

Vielen Dank für das Einstellen dieses aufschlussreichen Berichts.
Kannst du gerne öfters machen! :-)

VG Ingo W

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Re: Octospora fissidentis

Ulysses, (vor 5387 Tagen) @ RalfD

Hallo Ralf,

ohne die Freude über diesen Fund schmälern zu wollen frage ich mich, ob die Fruchtkörper tatsächlich an Fissidens (bryoides) saßen? Auf der Makroaufnahme sieht man keine Fissidens-Pflanzen, nur andere (dürfte in Richtung Dicranella gehen)... muss ja nichts heißen, denn der zugehörige Wirt kann sein Lokal ja außerhalb des Bildes haben.

Schöne Grüße,
Josef

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Re: Octospora fissidentis

RalfD, (vor 5387 Tagen) @ Ulysses

Hallo Ralf,
ohne die Freude über diesen Fund schmälern zu wollen frage ich mich, ob die
Fruchtkörper tatsächlich an Fissidens (bryoides) saßen? Auf der
Makroaufnahme sieht man keine Fissidens-Pflanzen, nur andere (dürfte in
Richtung Dicranella gehen)... muss ja nichts heißen, denn der zugehörige
Wirt kann sein Lokal ja außerhalb des Bildes haben.
Schöne Grüße,
Josef

Hallo Josef,

es ist in der Tat so, dass sich hier ein Fremdmoos eingeschlichen hat. Ein Foto direkt von der Wuchsstelle war nicht möglich da, wie ich schon schrieb, noch geschlagene Fichtenstämme über dem Graben lagen. Dort, halb im Wasser knieend, halb hockend, mit einer Hand festhaltend um die Balance zu halten, war an ein Makrofoto nicht zu denken. Allein das bergen der Fruchtkörper war schon ein Akt für sich. Die Probe bröckelt und krümelt,und so passiert das dann.
Fissidens bryoides ist aber der richtige Wirt.

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Re: Octospora fissidentis

Lothar, (vor 5334 Tagen) @ RalfD

Hallo Ralf und hallo Björn,
das ist ja ein geiler Fund! Ich habe den auch schon eine Weile auf meiner Liste, aber bisher habe ich an den Fissidens-Standorten vergeblich gesucht.
Glückwunsch zum D-Erstnachweis!
Lothar