Hallo Jesko,
Ich würde es mal so formulieren: Wenn allein die unterschiedlich üppige
Ausprägung des Velums ein sicheres Kriterium dafür sein soll, dass nicht
dieselbe Art vorliegen kann, dann wäre schon mal eine wichtige
Voraussetzung dafür gegeben, dass man in der hinnuleus-Verwandtschaft
tatsächlich an die hundert Taxa unterschieden kriegt. Ich wäre da etwas
vorsichtiger, denn nach meiner bescheidenen Erfahrung findet man leicht
auch mit wenig Velumresten ausgestattete Fruchtkörper von Arten, die
"normalerweise" ein üppiges Velum zeigen, und das oft sogar in
derselben Kollektion, daher würde ich eine Konspezifizität hier nicht
allein anhand der Velumverhältnisse ausschließen wollen.
Es ist ja nicht nur mehr oder weniger Velum, sondern bei der ersten Kollektion ist das Velum gegürtelt mit abschließendem Velumring - wie es eben für die hinnulei aus der engeren Hinnuleus-Verwandtschaft typisch ist. Bei der zweiten dagegen ist von einem eher seidig anliegenden Velum auszugehen.
Also weniger die reine Menge an sich, sondern die Art der Ausprägung lässt mich weiterhin hier recht sicher zwei Taxa vermuten.
Wenn ich einerseits die mehr oder minder üppige Ausprägung der Velumreste für
kein sonderlich gutes Merkmal halte, so ist es (auch nach aller gängigen
Bestimmungsliteratur) die Farbe des Velums schon. Und das führt mich zu
meinem zweiten kleinen Einwand: So wenig Velumreste Art Nr. 2 auch haben
mag, so sehe ich doch deutlich ein weißes Velum, was eine Leprocybe und
damit Cortinarius orellanus ausschließt.
Da bin ich nicht deiner Meinung. Ich kann nirgendwo ein weißes Velum sehen, es scheint mir eher ockerbräunlich zu sein (soweit man das am Bild überhaupt erkennen kann).
Ich gebe aber zu, dass der Huteindruck nicht gerade an Cortinarius orellanus denken lässt. Der Rest (Lamellenfarbe, Stiel) dagegen schon ganz passabel. Es kann aber durchaus auch eine Telamonie aus den Hinnulei sein. Da gibt es ja auch welche mit ockerlichem, sehr dünnem Velum (ich halte es weiterhin für ockerlich)
Zu deren Bestimmung würde ich
allerdings bei allen Schwächen der Arbeits- und Sichtweise der
französischen Schule einen Blick in das von Dir erwähnte Bändchen
unbedingt empfehlen, denn niemand hat sich wohl so intensiv mit diesem
Verwandtschaftskreis auseinandergesetzt. Freilich, zu einer BoB
(Bestimmung ohne Bauchschmerzen) wird man in vielen Fällen kaum gelangen
können, das gibt zumindest nach meiner Einschätzung unser aktueller
taxonomischer Kenntnisstand einfach nicht her.
das kann ich nur unterschreiben. Ich benutze den Atlas ja recht gerne und finde manche Gruppen sogar recht brauchbar aufgearbeitet.
beste Grüße,
Andreas