Hallo Uwe!
ich verstehe natürlich, was ihr, Jens und Du, meint. Aber das wird, zumindest
meines Wissens, terminologisch nirgendwo so gehandhabt. Ich kenne keinen
Aufsatz über Discomyceten, wo diese dreifache Unterscheidung (ektal,
ental, Medulla) gemacht wird; es wird manchmal vom "Übergang"
zwischen Medulla (bzw. entalem Exzipulum) und ektalem Exzipulum
gesprochen, aber der hat keinen eigenen Namen, weil er eben ein
"Übergang" ist.
Ich denke von der bisherigen wissenschaftlichen Handhabung hast du wohl recht damit, dass Ental-Excipulum als Synonym für Medulla gebraucht wird. Finde ich aber irgendwie, auch wenn das wohl so gelehrt wird, ziemlich unglücklich.
Zu Excipulum gibt es ja in den mykologischen Wörterbüchern die unterschiedlichsten Definitionen:
E. Kajan --> "Die der Fruchtschichtschicht entgegenliegende äußere Gewebeschicht von Apothezien"
Schon das finde ich nicht gut, denn "gegenüberliegend der Fruchtschicht" befindet sich bei Becherchen z.B. der Boden/Basis. Was wäre also hier mit der seitlichen Gewebeschicht an der Flanke? Gegenüberliegend ist also nicht gut, "äußere Gewebeschicht" schon.
Dörfelt/Jetschke --> "Wand eines Apotheciums, eine Bezeichnung für alle sterilen Teile mit Ausnahme des Subhymeniums und eines eventuell vorhandenen Stiels. Das Excipulum gliedert sich meist in ein inneres Ental-Excipulum (auch Medulla) und ein äußeres Ectal-Excipulum"
Das wäre jetzt genau deine und die korrekte Auffassung. Die geht wohl davon aus, worin die Fruchtschicht eingebettet ist, also in Medulla und Ectal-Excipulum.
Aus meiner Sicht ist das jedoch eher unlogisch: Excipulum ist doch das "Gefäß", die Wand, die Rinde, Außenschicht oder die äußere Zellstruktur. Und in diesem "Gefäß" liegt die Medulla, das "Fleisch" und die Fruchtschicht.
Und diese äußere "Gefäßstruktur" verändert sich von ganz außen nach innen oftmals. Sicher, es ist keine abgegrenze, völlig anders strukturierte Zellschicht, aber, um bei Mollisia zu bleiben, aus kleineren dunklen Kugelzellen werden nicht selten größere hellere, z.T. mit Tendenz eckiger zu werden. Deshalb wäre für mich bei Ental-Excipulum die bessere Übersetzung "innerer Teil der Außenwand", für Medulla bräuchte man ja nicht extra noch ein Synonym.
Das sind aber möglicherweise wieder kleine Eigenmächtigkeiten, genau wie die von mir benutzten "Marginalzellen" oder "Randparaphysen".
OK, im Fall des Ental-Excipulums könnte man auch sagen, "falsch verwendet".
Und mir scheint auch bei M. renticola, zumindest
was meine eigenen Funde der Art angeht, keine dritte, eindeutig (!) von
den beiden anderen "Schichten" differenzierte Zone zwischen
ektalem Exzipulum und Medulla zu existieren.
Damit was einen eigenen Namen bekommt, muss es doch nicht unbedingt völlig anders strukturiert sein. Ich sehe ental (innen) und ectal (außen) mehr als Adjektiv, um die Lage besser zu definieren, ähnlich einer Fensterscheibe, die ental sauber ist, aber ectal mal geputzt werden müsste.
Dass auf Jens' Foto das
Zentrum der Medulla dunkler ist, liegt an der Menge der Kristalle dort und
nicht daran, dass sich die Zellstruktur ändern würde. Diese Menge nimmt
zum ektalen Exzipulum hin ab, deswegen wirkt es heller; es ist aus meiner
Sicht keine eigene Schicht.
Dass das "entale Exzipulum die innere Außenschicht" sein soll,
halte ich zudem für widersprüchlich. "Ental" heißt wörtlich
"innen" und Excipulum heißt "Gefäß", bzw. meint -
pilzterminologisch, wie wir alle wissen - das sterile, vom Hymenium
verschiedene Hyphengeflecht bei Apothezien, kurz: ental. Ex. =
"inneres Geflecht" im Gegensatz zum ektalen Ex. = "äußeres
Geflecht".
Ja, sicherlich hast du recht, "inneres und äußeres Gefäß" also. Muss ich mal drüber nachdenken. Vielleicht muss man ja auch einfach das "Falsche" so lange schreiben bis es sich durchsetzt.
Wozu schließlich 2 Begriffe (Medulla und Ental-Excipulum) für die gleiche Struktur? Nein, war ein Scherz!
Sorry, aber ich denke, wenn man das "entale Excipulum" nicht mehr
synonym zu "Medulla" gebraucht, würde das zu einer enormen
begrifflichen Verwirrung führen. Man mag ja eine Zwischenschicht
idenfizieren können und beschreiben wollen, aber der Begriff "entales
Ex." ist dafür nicht "gemacht" worden, weil er etwas
anderes bezeichnet.
Schade, dass du das nicht schon mal früher angesprochen hast!
VG Ingo W