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Im Leipziger Agrapark ...

jesko, (vor 5205 Tagen)

... war ich vergangene Woche mal unterwegs, um nach Pilzen zu schauen, denn meinen eigentlichen Leipziger Hauspark kenne ich nun doch schon fast so gut wie meine Pilzkameratasche. Zunächst muss ich allerdings korrigierend anmerken, dass sich die Stadt Leipzig und das eingemeindungsresistente Markkleeberg den Agrapark teilen, und dass die hier vorgestellten Funde damit nicht vollständig von Sachsens heimlicher Hauptstadt für sich beansprucht werden dürfen.
Wie mein Hauspark befindet sich auch der Agrapark im Gebiet des großen Hartholzauwalds, der im von Elster, Pleiße und Parthe gebildeten Binnendelta in der Leipziger Tieflandsbucht auf ca. 100 bis 110 m ü. NN stockt. Der Boden, eine vermutlich anthropogene, bis zu mehreren Metern dicke Schicht des schwach sauren bis neutralen sog. Aulehms, sorgt hier für eine etwas eigenartige Funga mit nicht zu verachtendem Diversitätsgrad. Vor allem den reichlich vorhandenen Stieleichen, Hainbuchen und Winterlinden ist trotz der extrem nährstoffreichen Böden auch ein recht interessantes Spektrum an Ektomykorrhizabildnern zu verdanken.
Im Folgenden möchte ich kurz ein paar Pilze vorstellen, die mir also im Agrapark begegnet sind:

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Russula carpini (Hainbuchenledertäubling) *PIC*

jesko, (vor 5205 Tagen) @ jesko

Der Hainbuchenledertäubling (Russula carpini) ist in der Leipziger Tieflandsbucht wohl die häufigste unter den wenigen Täublingsarten, die sich - zumindest hier - die Hainbuche zu ihrem präferierten oder ausschließlichen Mykorrhizapartner auserkoren haben. Zu dieser kleinen Schar zählen ferner Russula lilacea, Russula sericatula, Russula emeticella (ss. Romagnesi 1980, = Russula rhodomelanea), Russula versatilis und Russula vinosobrunnea (= Russula alutacea ss. auct.).

Russula carpini zeichnet sich unter diesen durch sehr variable Hutfarben (kann dominant rot oder dominant grün sein), bei Reife buttergelbe Lamellen (Sporenpulver satt gelb, ca. Romagnesi IVd), das ziemlich weiche, völlig milde und oft stark gilbende Fleisch mit leichtem Obstgeruch sowie mikroskopisch durch isoliertstachelige Sporen und eine Huthaut mit Dermatozystiden ohne Inkrustationen aus. Ob der deutsche Name Hainbuchenledertäubling gerechtfertigt ist, ist auch noch so eine Frage, denn Russula carpini scheint mir eher eine große Tenellae als eine weichfleischige Polychromae zu sein. Die drei abgebildeten Fruchtkörper waren noch nicht vollreif, und man sah ihnen daher das dunkle Sporenpulver nicht an.

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Russula sericatula (Wildledertäubling) *PIC*

jesko, (vor 5205 Tagen) @ jesko

Mit Russula sericatula kommt unter Hainbuche ein weiterer milder Gelbsporer vor, der sich von carpini im Feld z.B. durch festeres (trockneres) Fleisch ohne Obstgeruch (Geruch beim Reiben an der Stielbasis steinpilzartig) und eine meist eigentümlich samtige Huthaut unterscheidet. Im mikroskopischen Huthautaufbau sind die inkrustierten Primordialhyphen und das Fehlen von Dermatozystiden charakteristisch. Das Foto zeigt im Übrigen recht typische Exemplare, bei denen man bereits am Standort Russula sericatula vermuten darf.
Über die Verbreitung von Russula sericatula in Deutschland ist nur sehr wenig bekannt. Felix Hampe und Jochen Girwert haben die Art mehrfach in den Muschelkalkgebieten des Thüringer Beckens nachgewiesen, wo sie in ihrem Lieblingshabitat (hainbuchenreiche Laubwälder) zu den relativ gut verbreiteten Arten zählen dürfte. Für Nordwestsachsen kommt dieser Fund aus dem Agrapark zu früheren aus meinem Hauspark (zusammen mit Felix) und dem Leipziger Auwald hinzu.

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Scleroderma bovista *PIC*

jesko, (vor 5205 Tagen) @ jesko

Die etwas eigenartige Funga auf den Lehmböden der Elster-Pleiße-Aue zeigt sich nicht nur in bestimmten Arten, die hier als typisch anzusprechen sind, sondern gerade auch im kompletten oder weitgehenden Fehlen andernorts häufiger Arten. Bei den Täublingen ließen sich hier Russula cyanoxantha oder vesca anführen, die ich in der Aue nie gefunden habe, oder auch Russula ochroleuca, die hier eine echte Seltenheit ist. Ebenso fehlt Scleroderma citrinum völlig, dafür kommen die „dünnschaligen“ Arten häufig vor. Eine von ihnen (gern bei Linde) ist Scleroderma bovista, das mit seinen netzigen Sporen und Schnallen mikroskopisch Scleroderma citrinum ähnelt.

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Gelbes Zeug (vermutlich essbar) *PIC*

jesko, (vor 5205 Tagen) @ jesko

Ein weiterer Ektomykorrhizapilz, den man im Auwald hier und da teils unter dichtem Bewuchs von Giersch und Kratzbeere in größeren Mengen finden kann. Leider auch etwas auffälliger in manchen Parkanlagen, was einem gelegentlich nicht ganz erwünschte Gesellschaft und ungeliebte Fragen beschert.

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Re: Gelbes Zeug (vermutlich essbar)

Thomas Pruss, (vor 5205 Tagen) @ jesko

Bääääh!
Mach' das tot! ;-)

Super scharfe und wohl ausgeleuchtete Bilder!

Grüßlis
Thomas

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Crepidotus autochthonus *PIC*

jesko, (vor 5205 Tagen) @ jesko

Crepidotus autochthonus ist ein relativ großes und daher auffälliges Stummelfüßchen, das im Gegensatz zu anderen Vertretern seiner Gattung am Boden und nicht direkt am Holz wächst. Diese Art wird in der Aue (Auwald und Parkanlagen) immer mal gefunden.

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Gymnopus inodorus *PIC*

jesko, (vor 5205 Tagen) @ jesko

Immer mal wieder ist im Leipziger Raum Gymnopus inodorus zu finden, bei dessen Namen („Geruchloser Rübling“) man sich wohl die Frage stellen möchte, was denn an der Eigenschaft „geruchlos“ so besonders sei, dass man sie zur Artbenennung hergenommen hat. Nun, als ich das erste Mal – freilich völlig ratlos – vor dieser Art stand, habe ich sie unwillkürlich an die Nase geführt und war völlig überrascht, nicht den Geruch nach faulem Kohl vorzufinden, mit dem ich gerechnet hatte, denn dieser Rübling ähnelt anderen Gattungsgenossen, die einen solchen Geruch haben, doch zu sehr. Für die Bestimmung sind dann freilich die Zystidenformen und der Huthautaufbau maßgeblich, aber zumindest ich konnte mir aufgrund des negativen Nasentests einen Reim auf die Frage machen, warum Gymnopus inodorus so heißt. Meistens ist die Art übrigens direkt an Holz zu finden.

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Danke Jesko für die schöne Doku!

Gábor, (vor 5205 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

meine carpinis machen sich heuer ziemlich rar.
Obwohl ich regelmäßig auf dem Rückweg von der Arbeit nach ihnen schaue, hat sich leider noch kein einziger Frkp. gezeigt :-(

LG, Gábor

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Tolle Fotos

thkgk, (vor 5205 Tagen) @ Gábor

Hallo Jesko,
meine carpinis machen sich heuer ziemlich rar.
Obwohl ich regelmäßig auf dem Rückweg von der Arbeit nach ihnen schaue, hat
sich leider noch kein einziger Frkp. gezeigt :-(
LG, Gábor

Hallo Jesko, tolle Fotos von zwei seltenen Täublingsarten. Jetzt hab ich die auch mal gesehen!

Grüße Thomas

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Re: Im Leipziger Agrapark ...

BrunoH, (vor 5204 Tagen) @ jesko

Jesko,
Danke für das Zeigen dieser schönen Funde!
Gruss,
Bruno