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Königliche Grüße aus dem Erzgebirge *PIC*

jesko, (vor 5196 Tagen)

Am Wochenende haben wir einen kleinen Ausflug in die höheren Lagen Sachsens unternommen. Während es im nordwestsächsischen Flachland wohl zu trocken und zu warm war, sodass sich kein vernünftiger Blätterpilzaspekt entwickelt hat (und auch nicht in Aussicht steht), war auf mehreren Hundert Metern Höhe hier und da so einiges zu sehen. Die Artenvielfalt ließ sicherlich etwas zu wünschen übrig und wirklich spektakuläre Funde waren nicht dabei, aber es hätte auch schlechter kommen können. Ein paar Fotos möchte ich posten.

Zunächst ein Gruß vom König der hercynischen Mittelgebirge, vom Königsfliegenpilz (Amanita regalis). Nach meiner (sehr begrenzten) Beobachtung sind die großen Fruktifikationswellen dieser Art i.d.R. deutlich früher als die ihres gemeinen Vetters. Interessant ist in Bezug auf Amanita regalis auch, dass sie irgendwo in Deutschland ihre westliche Arealgrenze haben dürfte. Es wäre durchaus spannend herauszufinden, wo das ist...

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Der Duft des Erzgebirges ... *PIC*

jesko, (vor 5196 Tagen) @ jesko

... war für mich dieses Mal Bittermandelduft, denn so eine Massenfruktifikation mit wohl über hundert Fruchtkörpern des Mandeltäublings (Russula grata, Syn.: Russula laurocerasi) war mir bislang noch nie begegnet. Das auffällige Geruchsmerkmal teilt Russula grata im Übrigen mit Russula illota, die an ihren stets dunkel gefärbten Lamellenschneiden zu erkennen ist, und mit der mehr südeuropäisch verbreiteten Russula fragrantissima mit weitgehend ungerieftem Hutrand.
Der Mandeltäubling (Russula grata) ist eine weit verbreitete Laubwaldart (Fagaceae, hier in einem Buchenwald abgebildet), in meinem engeren Sammelgebiet, dem Leipziger Raum, jedoch scheint er zu fehlen.

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Re: Der Duft des Erzgebirges ...

Älbler, (vor 5194 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

stimmt das, dass laut KRIEGLSTEINER R. grata eine kalkholde Art sein soll, während R. fragrantissima in saueren Laubwäldern vorkommt?

Ich hatte letzte Woche mehrere Exemplare von R. grata in einem Kalkgebiet der südlichen Schwäbischen Alb gefunden, die alle nach Anis rochen. Dies würde auf fragrantissima deuten, der Standort aber nicht. Den Sporenabwurf habe ich noch hier liegen. Bin noch nicht dazu gekommen ihn zu mikroskopieren.

Viele Grüße
Christian

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Re: Der Duft des Erzgebirges ...

jesko, (vor 5187 Tagen) @ Älbler

Hallo Christian,

ich habe eine Weile nicht im Forum geschrieben und antworte Dir daher erst sehr spät.

stimmt das, dass laut KRIEGLSTEINER R. grata eine kalkholde Art sein soll,
während R. fragrantissima in saueren Laubwäldern vorkommt?
Ich hatte letzte Woche mehrere Exemplare von R. grata in einem Kalkgebiet der
südlichen Schwäbischen Alb gefunden, die alle nach Anis rochen. Dies würde
auf fragrantissima deuten, der Standort aber nicht. Den Sporenabwurf habe
ich noch hier liegen. Bin noch nicht dazu gekommen ihn zu mikroskopieren.

R. grata ist nach meiner Erfahrung bodenvage, ich habe die Art sowohl auf basischen als auch (wohl sogar öfter!) auf sauren Böden gefunden. Der gezeigte Fund stammt aus einem bodensauren Buchenwald. Zu R. fragrantissima bin ich leider nicht aussagefähig und könnte auch nur aus der Literatur zitieren. R. illota dagegen ist eine Art, die zumindest ich bislang nur auf Böden mit besserem pH-Wert gefunden habe. Ein weiterer Beleg dafür wäre Marens heutiger Urlaubsbericht aus dem Hainich mit seinen schönen Kalkbuchenwäldern (Beitrag 225501). Im Übrigen dürften Fundmeldungen für R. grata aus dem Nadelwald auf Verwechslungen mit R. illota zurückzuführen sein, aber vielleicht möchte sich ja jemand hier für Nadelwaldvorkommen von R. grata verbürgen.

Die Unterscheidung der drei Mandeltäublingsarten sollte (bei einigermaßen gut erhaltenen Fruchtkörpern) eigentlich bereits makroskopisch relativ problemlos sein: R. fragrantissima hat einen kaum gerieften Hutrand, R. illota angefärbte (punktierte) Lamellenschneiden. Sarnari insistiert bei fragrantissima auf dem "reinen" und überaus starken Bittermandelgeruch, wohingegen bei grata (laurocerasi) immer ein Anklang an foetens wahrzunehmen sei. Nach meiner Erfahrung ist auch der Geruch von grata überaus kräftig und anhaltend. Um foetens-Geruch wahrzunehmen, muss man meist schon genauer "hinriechen" bzw. Teile des Fruchtkörpers zerbröseln.

Viele Grüße,
Jesko

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Verbürgung.... *PIC*

Werner E., (vor 5182 Tagen) @ jesko

Im Übrigen dürften Fundmeldungen für R. grata aus dem Nadelwald auf
Verwechslungen mit R. illota zurückzuführen sein, aber vielleicht möchte
sich ja jemand hier für Nadelwaldvorkommen von R. grata verbürgen.

Griasdi Jesko,

im Zillertal kommen R. grata und R. illota im selben Gebiet im reinen Nadelwald (Fichte - Tanne)vor.

Gruaß, Werner

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Re: Verbürgung....und R. illota.... *PIC*

Werner E., (vor 5182 Tagen) @ Werner E.

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Re: Verbürgung....

jesko, (vor 5182 Tagen) @ Werner E.

Hallo Werner,

das sind taufrische Exemplare, und sie haben deutliche Tropfen an den Lamellenschneiden (die ja wohl die Ursache für die gefärbten Lamellenschneiden bei illota darstellen dürften). Hier würde ich vorsichtshalber die Sporen checken, zumal typische illota auch im selben Gebiet gefunden wird.

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Verbürgung....

Werner E., (vor 5182 Tagen) @ jesko

Griasdi Jesko,

das sind taufrische Exemplare, und sie haben deutliche Tropfen an den
Lamellenschneiden (die ja wohl die Ursache für die gefärbten
Lamellenschneiden bei illota darstellen dürften). Hier würde ich
vorsichtshalber die Sporen checken, zumal typische illota auch im selben
Gebiet gefunden wird.

Hm, das ist natürlich sehr interessant.
Du meinst die Flecken kommen erst.
Da muss ich künftig besser darauf aufpassen.
Ich hatte nicht den geringsten Zweifel an R. laurocerasi, und leider deshalb auch kein Exsikkat gemacht.
Das ärgert mich jetzt.

Ich hab grad nachgeschaut, und feststellen müssen, dass tatsächlich nirgends, weder im Sarnari, Einhellinger noch GpBW Nadelbaummykorrhiza erwähnt wird.

Vielen Dank für den Hinweis und

liebe Grüße, Werner

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Re: Verbürgung....

jesko, (vor 5182 Tagen) @ Werner E.

Hallo Werner,

typischerweise haben auch junge Fruchtkörper von illota bereits gefleckte Lamellenschneiden, und ich weiß natürlich auch nicht, ab wann die Flecken an den Lamellenschneiden da sind und wie lange sie bei jungen Fruchtkörpern im Extremfall noch fehlen können. Dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Tropfen und der punktierten Anfärbung der Schneiden gibt, sollte allerdings sicher sein.
Auch wenn die großen Autoritäten eine Nadelbaummykorrhiza nicht erwähnen, muss das freilich nicht heißen, dass sie wirklich recht haben. Ich denke aber, in vielen Fällen sind Nadelwaldnachweise von R. grata unsicher oder lassen sich ganz sicher auf R. illota zurückführen. Zumindest persönlich kenne ich keinen sicheren Nachweis.

Viele Grüße, Jesko

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Scharfe sächsische Kirsche mit Makel *PIC*

jesko, (vor 5196 Tagen) @ jesko

Dieser Einzelgänger im Torfmoos täuschte mit seinen sattroten Hutfarben einen echten Kirschroten Speitäubling (R. emetica) vor, aber bereits beim Eintrocknen zeigte sich der Makel dieser scharfen sächsischen Kirsche: Der Fruchtkörper verfärbte sich graubräunlich, und – wie übrigens Felix Hampe und ich inzwischen überzeugt sind – sind diese Verfärbungen bei den Speitäublingen oft ein verlässlicheres Merkmal zur Artabgrenzung als etwa die Septierung von Dermatozystiden, Sporenmaße oder die Zystidenverfärbung in Sulfovanillin. Im vorliegenden Fall waren jedoch auch die Sporen für die echte Kirsche zu klein und das Sporenornament zu niedrig. Es ist damit Russula grisescens.

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Re: Scharfe sächsische Kirsche mit Makel

Frank 61, (vor 5195 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,
im Leinawald, direkt an der Grenze zum Leipziger Land ist der Mandeltäubling zumindest in einem Waldstück recht zuverlässig zu finden.
Viele Grüsse Frank

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Re: Scharfe sächsische Kirsche mit Makel

jesko, (vor 5195 Tagen) @ Frank 61

Hallo Frank,

im Leinawald, direkt an der Grenze zum Leipziger Land ist der Mandeltäubling
zumindest in einem Waldstück recht zuverlässig zu finden.

danke für die Info. Ich habe noch mal nachgesehen, und in diesem Gebiet habe ich R. grata auch schon gefunden (http://brd.pilzkartierung.de/f2anzeige.php?cspeichern=edit&cmelder=&nArtID=119539). Ich glaube, es war in dem Streifen Eichen-Hainbuchen-Wald an dem Weg, der von der von Altmörbitz aus durch den Leinawald führenden Straße gleich links abgeht zum Wasser. Allerdings rechne ich den Leinawald nicht mehr zu meinem engeren Sammelgebiet, denn das definiert sich in etwa durch die Gebiete, in die ich einen Halbtagspilzausflug mit dem Fahrrad schaffe, also der Leipziger Auwald, die Leipziger Parks, die Tagebaufolgelandschaften direkt um Leipzig und einige Laubwälder gleich im Osten. Und von hier kenne ich die Art überhaupt nicht, obwohl viele andere, auch als selten geltende Kammtäublinge (z.B. sororia oder pectinata) hier gut verbreitet sind.

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Scharfe sächsische Kirsche mit Makel

Frank 61, (vor 5195 Tagen) @ jesko

Ich glaube, es war in dem Streifen Eichen-Hainbuchen-Wald an dem Weg, der
von der von Altmörbitz aus durch den Leinawald führenden Straße gleich
links abgeht zum Wasser.

Ja, genau dort!

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Rübezahl und Rüblinge *PIC*

jesko, (vor 5196 Tagen) @ jesko

Eine kleine Buchenparzelle mitten in der erzgebirgstypischen Fichtenmonokultur bescherte uns diesen Freund Rübezahls, Gymnopus fagiphilus, eine offenkundig nur in der Laubstreu von Buchenwäldern vorkommende Rüblingsart. Der Standort und die recht auffälligen makroskopischen Merkmale (brauner/rotbrauner, hellbraun ausblassender Hut mit auffallend hellerem Rand, helle, flockige Lamellenschneiden, die einen auffälligen Farbkontrast mit den bräunlichen Flächen bilden, der an der Basis +/- striegelige Stiel, der dunkler als der Hut ist, säuerlicher Geruch, banale Laugenreaktion) lassen bereits im Feld Gymnopus fagiphilus vermuten.

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Re: Rübezahl und Rüblinge

coco, (vor 5196 Tagen) @ jesko

Eine kleine Buchenparzelle mitten in der erzgebirgstypischen
Fichtenmonokultur bescherte uns diesen Freund Rübezahls, Gymnopus
fagiphilus, eine offenkundig nur in der Laubstreu von Buchenwäldern
vorkommende Rüblingsart. Der Standort und die recht auffälligen
makroskopischen Merkmale (brauner/rotbrauner, hellbraun ausblassender Hut
mit auffallend hellerem Rand, helle, flockige Lamellenschneiden, die einen
auffälligen Farbkontrast mit den bräunlichen Flächen bilden, der an der
Basis +/- striegelige Stiel, der dunkler als der Hut ist, säuerlicher
Geruch, banale Laugenreaktion) lassen bereits im Feld Gymnopus fagiphilus
vermuten.

hallo jesko,

das sind gleich vier hervorragende beiträge, vielen dank dafür.
r. grata wächst hier im süden derzeit auch in riesigen exemplaren und grossen gruppen. die anderen drei vorgestellten arten habe ich in all den jahren noch nie in natura gesehen (könig und rübling) resp. wahrgenommen (r. grisescens). geniales foto der sporenornamentation. braucht wahrscheinlich ein brettscharfes 100er-plan-apo, combineZP und kontrast per ebb, oder?

gruss von coco

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Re: Rübezahl und Rüblinge

jesko, (vor 5195 Tagen) @ coco

Hallo Coco,

für das Sporenfoto hatte ich leider nur einen "normalen" Planachromaten (n.A. 1,25), also durchaus Standard. Für den GF-Planapochr. warte ich noch auf eine günstige Gelegenheit. Aber auch mit diesem Objektiv sind gestackte Russulales-Sporenfotos (mache ich - wenn es geht - vom Abwurf) für mich eine große Arbeitshilfe, denn Fotos finde ich zum Vergleichen oft besser als Zeichnungen, und das Stacken steigert ja praktisch den Informationsgehalt eines Fotos.

Die Sporen von Russula grata finde ich übrigens sehr schwer zu fotografieren. Das liegt, wie ich glaube, daran, dass neben den großen amyloiden Graten auch die Sporenoberfläche durch kleine Protuberanzen irgendwie diffus amyloid ist. Deshalb hat das Ornament wenig Kontrast.

Viele Grüße,
Jesko

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danke noch für die antwort :) *oT*

coco, (vor 5194 Tagen) @ jesko

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