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Hebeloma aestivale? *PIC*

Ingo Jürgens, (vor 5135 Tagen)

Hallo liebe Pilzfreunde,

hier ein Fälbling, bei dem ich mir bei der Bestimmung nicht sicher bin und wo ich mich sehr freuen würde, wenn jemand die Artdiagnose bestätigt oder gegebenenfalls korrigiert.

Fundort: ein Blumenbeet vor einer Hauswand, an Gehölzen nur Wilder Wein (Parthenocissus) und Buchsbaum, evtl. erreicht aber eine in 15 m Entfernung stehende Eiche mit ihren Wurzeln das Beet.

Boden: Humoser Sand, nährstoffreich (gut aber nicht übermäßig mit Kompost versorgt)

Die Pilze erinnern mikroskopisch an Hebeloma leucosarx (velutipes), die dextrinoiden Sporen sind aber etwas größer und zu einem beträchtlichen Anteil kalyptrat (mit ablösenden Perispor).

Auffällig sind die zahlreichen zylindrischen, sehr langen und teilweise septierten Cheilozystiden, makroskopisch als weiße Lamellenschneide zu erkennen, die sich mit zunehmenden Alter der Pilze (bei dann braunen Lamellen) immer besser abzeichnet.

Das Sporenornament erscheint nur wenig stärker ausgeprägt als bei H. leucosarx.

Sporenmaße: 10,6 – 12,4 x 6,0 – 7,2 µm, einige (von in diesem Fall 2-sporigen Basidien?) auffällig größer, bis 13,6 x 7,8 µm

Makroskopisch besteht wenig Ähnlichkeit mit H. leucosarx, die fraglichen Pilze sind wesentlich kräftiger gefärbt (dunkler) und sie besitzen auch keine verdickte Stielbasis, wie sie für leucosarx typisch ist.

Ein nennenswerter Geruch war nicht festzustellen, evtl. ganz schwach nach Kakao.

Nach Vesterholt 2005 (The genus Hebeloma) und dem Schlüssel in der Funga Nordica (Vesterholt 2008) komme ich auf Hebeloma aestivale. Kann das sein oder habe ich bei der Bestimmung Merkmale falsch beurteilt und dann in der falschen "Ecke" gesucht?

Von H. aestivale gibt es zumindest aus Deutschland nur sehr wenige Fundmeldungen und in der Checkliste von NRW (mein Fund stammt aus Bielefeld) wird die Art nicht geführt. Auch das lässt Zweifel an der Richtigkeit der Bestimmung aufkommen.

LG Ingo

Hebeloma spec.
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Hebeloma spec., Stielform
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Hebeloma spec., Lamellen
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Hebeloma spec., Sporen
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Hebeloma spec., Cheilozystiden
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Hebeloma spec., Cheilozystiden
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Re: Hebeloma aestivale?

Wolfgang D. ⌂, (vor 5135 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo Ingo,

seitdem wir auf H. aestivale aufmerksam geworden sind, fanden wir die Art hier im österr. Alpenvorland schon öfters. Im Vergleich mit deinen Bildern besteht makroskopisch keine zwingende Ähnlichkeit, aber das will ja bei Hebeloma nicht viel heißen. Es schauen ja deine beiden Kollektionen auch ziemlich unterschiedlich aus.
Mikroskopisch sind, wie du schreibst, die oft bis und über 100 µm langen, fast zylindrischen, an der Spitze leicht keulig verdickten Zystiden und die breiten Sporen mit dem ablösenden Perispor typisch. Diese Merkmale sind - rein optisch - sogar noch etwas deutlicher ausgeprägt als auf deinen Mikro-Bildern.
Bei uns tauchte H. aestivale bisher immer in der Laubstreu in Buchenwäldern auf, wo die Art meistens die von Vesterholt erwähnten markante Myzelstränge bildet.

LG
Wolfgang

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Re: Hebeloma aestivale?

Ingo Jürgens, (vor 5134 Tagen) @ Wolfgang D.

Hallo Wolfgang,

vielen Dank für Deine Antwort.

Zu meinen Fotos: Das erste Bild musste ich austauschen bzw. abwandeln (siehe hierzu meine Antwort an Helmut).

Zu Deiner Antwort: Ihr habt H. aestivale im Alpenvorland schon öfters gefunden und ich denke, dass die Art auch in NRW weit verbreitet und nicht allzu selten ist, zumal so ein Blumenbeet kaum einen Pilz erwarten lässt, dessen Ansprüche nicht auch an vielen anderen Stellen erfüllt werden.

So wie bei euch sollte er auch bei uns vor allem in reicheren Laubwäldern (auf besseren Böden) zu finden sein. Ich selbst bin allerdings fast ausschließlich im Offenland auf Pilzpirsch und habe nur eine sehr begrenzte Vorstellung davon, was in unseren Wäldern an Pilzarten vorkommt.

LG Ingo

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Re: Hebeloma aestivale? *PIC*

Helmut, (vor 5135 Tagen) @ Ingo Jürgens

Servus Ingo,

die Gruppe um H. crustuliniforme ist nach wie vor eine schwierige.

Auf Deinem ersten Bild scheint der von oben zu sehende Frk. etwas völlig Anderes zu sein als der daneben und die auf Bild 2.

Da ich zufällig derjenige sein durfte, dem 1989 der Erstfund von H. aestivale für Deutschland gelang (det. Gröger, conf. Vesterholt), kann ich Dir gerne einen Scan des damaligen Artikels zukommen lassen (Boletus Jg. 21, 1997, Heft 1, S. 58-60). Darin kommt die Begeisterung von Frieder Gröger zum Ausdruck, dass es auch in der schwierigen Gruppe Arten gibt, die eindeutig festzulegen sind. Die wichtigsten Abgrenzungsmerkmale werden hier beschrieben.

Mit Ausnahme der etwas stark keulig geformten Cheilozystiden und der fehlenden Beurteilung der Dextrinoidität der Sporen (sollte auffallend stark ausfallen), die noch ein wenig größer sein dürften) scheint die Mikroskopie Deiner Kollektion gut hinzukommen. Auch makroskopisch kann ich keine signifikanten Differenzen feststellen mit Ausnahme des genannten Frk. auf Bild 1 (Ist das überhaupt eine Hebeloma?). Das mit der Seltenheit ist so eine Sache: Wer sammelt und bestimmt schon Fälblinge?

Ein schlecht abfotografiertes Bild des damaligen Dias hänge ich schon mal an. Übrigens habe ich die Art vergangenes Jahr wieder gefunden in einem anderen Regensburger Park.

Gruß

Helmut

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Re: Hebeloma aestivale?

Ingo Jürgens, (vor 5134 Tagen) @ Helmut

Hallo Helmut,

Du hast natürlich Recht, der linke Pilz auf dem ersten Foto war keine Hebeloma sondern ein weit aufgeschirmter und farblich ähnlicher Risspilz, der sich zwischen die Fälblinge geschlichen hatte. Diesen habe ich jetzt aus dem Foto entfernt und durch eine andere Ansicht des rechten Pilzes ersetzt (und morgen hole ich mir eine Brille).

Die Sporen meines Fälbling-Fundes sind etwas kleiner als bei Vesterholt für H. aestivale angegeben (das hat mich auch gestört, aber das alle Merkmale exakt den Literaturangaben entsprechen, erlebt man ja eher selten).

Zur Dextrinoidität: die Umfärbung in Melzer erfolgt augenblicklich und ich würde das Ergebnis als "sehr dunkles Braun mit leicht rötlicher Komponente" bezeichnen, die Sporen sind also stark dextrinoid.

An dem Boletus-Artikel bin ich natürlich sehr interessiert und vielen Dank für das Foto von Deinem Erstfund.

LG Ingo

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Re: Hebeloma aestivale?

Günter Saar, (vor 5135 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo liebe Hebeloma-Mutige,

ich sehe auch nichts, was grob gegen aestivae spricht.
Mir ist erst ein Fund (sept. 06) unter Eiche in Freiburg gelungen, den ich so ansprechen konnte. Scheint selten zu sein.
schöne Grüße
Günter

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Re: Hebeloma aestivale?

Ingo Jürgens, (vor 5134 Tagen) @ Günter Saar

Hallo Günter,

vielen Dank für Deine Einschätzung.

Zu meinen Fotos: Das erste Bild musste ich austauschen bzw. abwandeln (siehe hierzu meine Antwort an Helmut).

Zu den Fälblingen: Da Du nun auch keine Einwände hast, werde ich meinen Fund trotz der kleinen Abweichung bei der Sporengröße als Hebeloma aestivale ablegen.

LG Ingo