Pilze Pilze Forum
Erweitert

Mal wieder was für mich Neues probiert

Stephan Weißer, (vor 5108 Tagen)

Aus aktuellem Anlass (Massenvorkommen) landete gestern der Gemeine Erdritterling (Tricholoma terreum) in meiner Pfanne. Zu erkennen ist er am fehlenden Mehlgeruch und Abwesenheit jeglicher Ringansätze oder Velumschleierfäden auch bei jungen Exemplaren. Ich habe mich bemüht, nur junge Exemplare zu sammeln, da ich den älteren wegen der vorangegangenen Nachtfröste nicht traute. Zubereitet wurde er wie bei jedem meiner Esstests nur mit Butter und Salz.

Der Erdritterling ist ein sehr unaufwändig zu putzender, an sich sauberer Pilz, sofern man ihn nicht gerade mitten in Sandhaufen sucht, wo er auch mal gerne steht. Man hat, sammelt man in den richtigen Wäldern, buchstäblich in Minutenschnelle eine Mahlzeitmenge zusammen.

Die Konsistenz des Pilzes war wie bei anderen Ritterlingen sehr angenehm. Der Pilz blieb beim Schmoren relativ fest und hatte eine leicht faserige Konsistenz. Er war in keinster Weise glitschig oder bitterlich. Allerdings war er nicht gerade aromastark und schmeckte ziemlich fade. Ich würde daher sagen, dass er als Füllpilz brauchbar ist, wenn man ihn mit aromastarken Arten wie Parasol, Stockschwämmchen, Rauchblättriger Schwefelkopf oder Violettem Rötelritterling mischt.

Beim Sammeln sollte man unbedingt auf Verwechslungen mit dem Tigerritterling achten und im Zweifel den Fund einem Pilzberater vorlegen.

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Mal wieder was für mich Neues probiert

Ingo, (vor 5108 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

na denn - Mahlzeit. Ich verwende den schon seit Jahren nicht mehr im
Mischgericht. Die bröckeligen Teile sind mir einfach zu stressig
und bringen keinen Geschmack in die Mischmahlzeit. Eher tun's da
Seifenritterlinge. Aber die sind ja irgendwie verpöhnt.

GR ingo

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Mal wieder was für mich Neues probiert

Stephan Weißer, (vor 5107 Tagen) @ Ingo

Eher tun's da
Seifenritterlinge. Aber die sind ja irgendwie verpöhnt.

Heute, auf dem "Riesensandhaufen" im Nürnberger Osten, fand ich frische T. saponaceum var. lavedanum. Wie angekündigt, biss ich rein. Sie waren eigentlich so wie immer: nach längerem Kauen bitterlich.

Außerdem fand ich den Heideschleimfuß und den Schwarzfaserigen Ritterling in Mahlzeitmenge und nahm sie wegen des Geschmackstests mit. Ein Bericht hierüber folgt noch.

Ach ja, dann habe ich noch was für mich Neues über unsere weißbraunen Freunde rausbekommen. T. striatum mit KOH 20 % auf der Huthaut sofort graubraun, T. pessundatum dagegen leicht verzögert kräftig rotbraun, T. stans sofort kräftig rotbraun. T. striatum und T. stans mit Guajak auf der Stielrinde völlig negativ, T. pessundatum nach ca. 5 Minuten schwach positiv (blaugrün). Geschmacksproben ergaben: T. stans bitter, T. striatum leicht bitterlich (etwa so wie ein Pilsner), T. pessundatum mild. Könntest du mir das für die Brandenburger Exemplare bestätigen oder widerlegen?

Freundliche Grüße
Stephan Weißer

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Mal wieder was für mich Neues probiert

Ingo, (vor 5107 Tagen) @ Stephan Weißer

(blaugrün). Geschmacksproben ergaben: T. stans bitter, T. striatum leicht
bitterlich (etwa so wie ein Pilsner), T. pessundatum mild. Könntest du mir
das für die Brandenburger Exemplare bestätigen oder widerlegen?

Hallo Stephan - bitte sehr!

Von T. striatum würde ich gerne Bilder sehen. Die gibt's bei uns leider nicht.
T. stans sofort saubitter. T. pessundatum jung sehr bitter, nachlassende Bitterkeit,
je größer die FK werden. T. populinum mehr oder weniger bitter.

Die Chemietests finde ich interessant. Das werde ich im kommenden Jahr mal
testen. Bei uns dürfte außer Populinum, Equestre und Portentosum alles durch sein.
Vielleicht kommt auch noch was nach dem Regen. Der Oktober war nämlich zu trocken!

GR Ingo

p.s.
Ich benötige dringend eine Originalbeschreibung zu T. pessundatum/tridentinum.
Vermutlich verdienen unsere orangefarbenen Teile mit den weissen Stielen
diesen Namen nicht. Gibt es bei deinen auch manchmal orange-rötliche
Verfärbungen im Schnitt?

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Mal wieder was für mich Neues probiert *PIC*

Stephan Weißer, (vor 5106 Tagen) @ Ingo

Von T. striatum würde ich gerne Bilder sehen. Die gibt's bei uns leider
nicht.

Das sind die m. E. typischsten Stücke, die ich bisher fotografiert habe.
- Maronenartiger Hut (d. h. von oben in Form, Farbe und Größe stark an eine Marone erinnernd), meistens leicht striat, aber nicht so stark wie z. B. T. stans
- Wachstum grundsätzlich in individuenreichen Hexenringen (20 bis 30 Exemplare), nie einzeln verstreut oder in kleineren Grüppchen wie zumeist T. stans oder T. pessundatum
- grundsätzlich an feuchteren moosigen Stellen wachsend, nie direkt in freien Sandhaufen
- klar definierter Farbübergang am Stiel, so wie bei T. batschii/fracticum

p.s.
Ich benötige dringend eine Originalbeschreibung zu T.
pessundatum/tridentinum.

Die von Fries 1821 (zit. in RIVA) scanne ich dir gleich ein. Die von Singer 1943 liegt mir leider nicht vor.
Schau bitte auch noch in das andere Posting.

[image]

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Geilomat!

Ingo, (vor 5106 Tagen) @ Stephan Weißer

Boahhhh! Und die zeigst du nur auf besonderem Wunsch.

Die Exemplare sehen ja fast aus, wie auf der Original-Tafel von J. Ch. Schäffer.
Ich glaube, ich muss mal irgendwann bei dir vorbei schauen.
Bei uns hätten solche Hexenringe keinerlei Chancen zu überleben.
Alles, was andeutungsweise nach Marone aussieht, macht die 180°!

GR Ingo

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Mal wieder was für mich Neues probiert *PIC*

Stephan Weißer, (vor 5106 Tagen) @ Ingo

Vermutlich verdienen unsere orangefarbenen Teile mit den weissen Stielen
diesen Namen nicht.

Gestern gab es ganz seltsame Farbformen an den Stellen, wo auch normale T. striatum standen. Sie hatten auch den charakteristischen Farbübergang am Stiel, erinnerten in der Färbung aber an T. focale. Meinst du vielleicht so etwas? Das würde ich für aufgrund der nächtlichen Frostkälte hervorgerufene Verfärbungen halten. Die T. focale von gestern waren auch ziemlich grünbräunlich und nicht so orange wie gewöhnlich.

Gibt es bei deinen auch manchmal orange-rötliche
Verfärbungen im Schnitt?

Im Schnitt gab es bei "meinen" T. striatum in der Tat orangerötliche Verfärbungen, "meine" T. pessundatum waren dagegen im Schnitt reinweiß.

[image]

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Mal wieder was für mich Neues probiert *PIC*

Ingo, (vor 5106 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo nochmal,

so ganz ohne Begleittext hätte ich die vom Bild her für T. batschii gehalten.
Im Anhang habe ich nun auch noch was spezielles für dich. Achte mal auf die Größe.
Was meinst du dazu?

GR Ingo

[image]

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Re: Mal wieder was für mich Neues probiert *PIC*

Stephan Weißer, (vor 5105 Tagen) @ Ingo

Du willst mich vermutlich austricksen, deshalb hast du sie neben die Kiefer gelegt. Die sehen mir aber mit ihrem eher blassgefärbten, unschmierigen, ziemlich striaten Hüten und den ziemlich grobschuppigen Stielen nach Pappelritterling aus.

Tricholoma batschii Gulden (laut Großpilze BW identisch mit Tricholoma fracticum (Britzelmayr) Kreisel kann ich mir auch nur schwer erklären. Hutfarbe und Farbübergang am Stiel stimmen genau mit Tricholoma striatum überein, auch diese charakteristische braune Linie am Farbübergang ist vorhanden.

Doch wächst T. batschii nicht unmittelbar bei sauren, nährstoffarmen Sandbergen oder -dünen, sondern an lichten grasigen Stellen im Kiefernwald auf ziemlich stramm kalkigen Böden (Muschelkalk, Jura...), beispielsweise im Süden und Westen Würzburgs oder auf der Schwäbischen Alb, und dort mitten im Gras. Die Pilze scheinen mir generell größer zu werden als T. striatum, und die Hexenringe umfassen meist nur 4 bis 6 Exemplare, wenn überhaupt. Überdies schmeckt er nicht nur bitterlich, sondern heftig bitter.

Hier habe ich dir noch ein (technisch missratenes) Foto von solchen Exemplaren.

[image]

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Mal wieder was für mich Neues probiert

Ingo, (vor 5105 Tagen) @ Stephan Weißer

Du willst mich vermutlich austricksen, deshalb hast du sie neben die Kiefer
gelegt. Die sehen mir aber mit ihrem eher blassgefärbten, unschmierigen,
ziemlich striaten Hüten und den ziemlich grobschuppigen Stielen nach
Pappelritterling aus.

Hallo Stephan,

was freue ich mich, dass du das schreibst. Die Kollektion habe ich am
Originalstandort abgelichtet. Von oben betrachtet, schauen sie ähnlich
aus wie fracticum. Im Vergleich zu T. populinum fehlen die typischen
Rosatöne am Deckel. Übrigens hatte ich diese Kollektion 2009 abgelichtet.
Im Folgejahr erschienen die an der Stelle leider nicht mehr, weil da eine
Gruppe von sechs Halsbandritterlingen wohnen wollte.
Auch 2011 gab es da (leider zu trocken) nur zwei T. focale. In diesem Jahr
blieb die Stelle wegen extremer Dürre komplett leer. ich werde am WE mal
schauen, ob der Regen was gebracht hat.

Mir kam da eine Idee, als ich mal kurz über den Teich schaute.
Vielleicht hast du ja auch eine. Voriges Jahr hatte ich sie hier mal eben verlinkt.

GR Ingo