Pilze Pilze Forum
Erweitert

Nach dem Grand Canyon gings in die Sandgrube..... *PIC*

HARZPILZCHEN, (vor 5086 Tagen)

Liebe Pilzfreunde

Torsten Richter meldet sich wieder zu Wort. Film ab:

Vor einigen Tagen, wie sollte es auch anders sein, so schnell mal zwischen Frühstück und Gänsebraten ging es in eine ehemalige Sandgrube nahe unseres Heimtstädtchens Rehna.

[image]

Vorbei an vergessenen Zuckerrüben die schon der Frost überrascht hatte wirkte das neblige Grau der Sandgrube nicht gerade einladend, aber die Pilzwelt sollte uns nicht enttäuschen.

Echte Octo- und Lamprosporajäger sind halt nicht zu bremsen. Zügig wurde das Auto verlassen und in Lamprohaltung gings robbend durchs Gelände.

Omphalina rickenii und hepatica ließen wir hinter uns! Alles viel zu groß und dann endlich! Katrin entdeckte ihn und ich doste ihn ein. Den ersten kleinen braunen Becher des Tages. Ein Arbeitsname war im Kopf und vorbei gings an Peltigerafeldern die von Polycoccum peltigerae befallen waren.

Die Peziza entpuppte sich schnell als Peziza granularis. Die markanten Paraphysen und der dunkel gezähnelte Becherrand sind nicht zu ignorieren. Die gelungenen Mikrofotos schuf Hartmut Schubert und ergänzte unsere kleine Doku aus Feinste.

[image]
[image]
[image]
[image]
[image]
[image]

Es dauerte ein Weilchen, ich hatte zwischenzeitlich schon nasse Socken, denn meine Hochseeangelstiefel hatten ein Leck oder wohl mehrere.

Wer anderes als Katrin fand sie dann endlich. Eine Lamprospora miniata zwischen Barbula unguiculata und Co.. Nun gut, ist nicht mehr so spannend für uns, aber man freut sich doch.

[image]

Es würde etwas hügelig in der Sandgrube am Struck-Berg bei Schaddingsdorf.
D.h. im norddeutschen Tiefland, Höhen von ca. 70 Zentimeter galt es zu überwinden. Ich blieb an der sandigen Böschung hängen, lag sozusagen auf und versuchte im vegetationslosen Steppenrasen aus niederen Moosen Hasenköttel für meinen Pilzfreund Nobi zu finden.

Schei... keine Hasenschei... , aber da lag im Eingangsbereich einer Mausehöhle lauter Kot. Der wurde abgelupt und endlich hatte ich meinen Fund des Tages.

Purpurbraune bis violettbraune Becher zwischen und auf den mausgrauen Verdauungsresten von Micky Maus.

[image]
[image]

Ich war begeistert und da die Füße auch von Katrin kalt wurden, reichte es für den geordneten Rückzug .

An vorjährigen Stängelresten von Tanacetum vulgare gab es dann noch diverse „Schichtpilze“ auf dem Rückweg. Die werden auch oft stiefmütterlich behandelt, aber nicht von uns.

Katrin bestimmte sie nach dem Gänsebraten. Einer hieß Rogersella sambuci, früher hieß er mal Lyomyces und wächst eben nicht nur an Holunder sondern sehr gerne auch an Typha latifolia und wie erlebt auch an Tanacetum. Eine Peniophora lycii lebte auch noch von den Stängeln. Kopfzerbrechen bereitet uns noch ein Heterobasidiomycet. Der braucht noch etwas Zeit.

Mein gezähnelter „Mäusekottling“ jedenfalls wurde mikroskopiert und gründlich untersucht. Neu für mich, für Germany nicht, Pseudombrophila hepatica (= Fimaria hepatica).

Bloß gut das ich Joop van Brummelen (1995) im Regal habe, ich meine natürlich sein Buch.

Meine kleine Beschreibung incl. Makrofotos veredelte Hartmut wieder mit erlesenen Mikroaufnahmen.

[image]
[image]
[image]
[image]
[image]

Zum Schluß sei noch erwähnt das z.Z. auf ziemlich nacktem Sand und das nicht zu selten, wohl in vielen Sand- und Kiesgruben Byssonectria semiimmersa zu finden ist.
Die Art sollte wohl eher dem Leucoscypha-semiimmersa-patavina-Komplex zugeordnet werden.

Auch Sclerotinia trifoliorum wuchs reichlich, will aber zwischen all den Moosen schon ernsthaft gesucht werden. Das soll dann auch genug sein für Heute mit unserem mykologischen Gedöse aus westmecklenburgischen Gefilden.

[image]

Beste Grüße an Euch alle, Torsten.

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Nach dem Grand Canyon gings in die Sandgrube.. *PIC*

Peter P., (vor 5086 Tagen) @ HARZPILZCHEN

Hallo Hartmut,
Torsten Richters Arbeiten sind immer eine Augenweide und natürlich von hoher
Sachkenntnis. Liest er eigentlich mit oder wie kommt er an die Reaktionen und vielleicht Anfragen zu seinen Veröffentlichungen ?
Wenn man auf Mäuselosung so einen Becherling findet ist das schon 'mal ein Erlebnis, obwohl der garnicht sooo selten ist wenn man etwa weiß, wo eine Mäusefamilie ihre Toilette hat. Und was da noch für anderes Zeugs auf deren Hinterlassenschaft wächst ! Es ist übrigens auch erstaunlich, welch gewaltig großen Pilze auf so einem kümmelkorngroßen "Mäusedreck" wachsen können. Solche Pseudombrophilas gibt es noch einige und sie werden auch hin und wieder auf verschiedenste Weise vorgestellt. Im Anhang ein Foto von P. equina auf Rehlosung.

Interessant ist doch die "Seelenverwandtschaft" von Hobbypilzlern aus den verschiedensten Regionen, obwohl man sich mitunter garnicht kennt. Das Gespür für solche kleinen Sachen und ihre Lebensräume scheint wohl identisch zu sein und vergangene Woche bringt M. Vogel auch noch genau die Gattungen und Arten vorbei, die Torsten 500 km nördlicher beschrieben hat. Neu für unsere Region war dabei auch der von T. R. gezeigte Schmarotzerbecherling an Klee, den wir jahrelang vergeblich suchten weil es die falsche Jahreszeit war und unsere Vorstellung von der Größe vollkommen daneben lag.
Danke nochmal für die schöne Dokumentation.
Gruß Peter P.

[image]

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Nach dem Grand Canyon gings in die Sandgrube..

HARZPILZCHEN, (vor 5086 Tagen) @ Peter P.

Torsten Richters Arbeiten sind immer eine Augenweide und natürlich von hoher
Sachkenntnis. Liest er eigentlich mit oder wie kommt er an die Reaktionen und
vielleicht Anfragen zu seinen Veröffentlichungen ?

Lieber Peter

Selbstverständlich liest Torsten mit, und zwar sehr gründlich. Oft habe ich schon eine email, wenn ich gerade einen interessanten Pilz im Forum zeige. Ich bin auch sicher, das er deine Anwort schon gelesen hat. Er wird sich über die positive Antwort sicherlich freuen.

Noch mal eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Ich sehe nicht, wie oft dieser Beitrag gelesen wurde, es steht keine Leserzahl im Index. Das passiert selten, aber woran kann das leigen? Also Null Leser kann ja nicht möglich sein.

LG Hartmut

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Nach dem Grand Canyon gings in die Sandgrube..

Peter P., (vor 5086 Tagen) @ HARZPILZCHEN

Hallo in die Runde,
nochmal kurz zu dem Mäusedreck: Torsten, das ist nicht der Eingang zur Höhle sondern der Ausgang zur Toilette ! Mäuse sind äußerst reinlich und würden sich hüten, ihre fäkalen Hinterlassenschaften unmittelbar im "Wohnbereich" zu belassen. Das ist wirklich ernst gemeint.
Gruß Peter P.

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Pseudombrophila hepatica

Peter P., (vor 5085 Tagen) @ Peter P.

Hallo Torsten,
Dirk Wieschollek und Uwe Lindemann haben 'mal eine schöne Abhandlung über diese Art in einem TINTLING veröffentlicht, könnte vielleicht 2-3 Jahre her sein.
Gruß Peter P.

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Pseudombrophila hepatica

DirkW, (vor 5085 Tagen) @ Peter P.

Hallo Torsten,
Dirk Wieschollek und Uwe Lindemann haben 'mal eine schöne Abhandlung über
diese Art in einem TINTLING veröffentlicht, könnte vielleicht 2-3 Jahre
her sein.
Gruß Peter P.

hallo peter,

freut mich, dass du das in erinnerung rufst! müsste 2009 gewesen sein. die variabilität der sporengröße ist wirklich verrückt. ich glaube, wir hatten eine sporenlänge von über 30, wenn ich mich recht erinnere.
leider haben wir die schöne art seitdem nie wiedergesehen ...

viele grüße

dirk

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Nach dem Grand Canyon gings in die Sandgrube..

Nobi, (vor 5085 Tagen) @ HARZPILZCHEN

Nur gut, dass ich hier kurz vorm Schlafengehen noch reingeschaut habe!
Ich hätte ja sonst echt etwas verpasst.

Mein dreifaches Dankeschön geht an Torsten für diesen wiederum wunderschönen Beitrag, an Hartmut fürs Einstellen und an Peter für die informativen Kommentare.

Gute Nacht wünscht der Nobi