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Alljährlich, häufig und zum Haareraufen (Asco) *PIC*

Ingo Wagner, (vor 5034 Tagen)

Hallo!

Was hat der mich schon genervt!
Es geht wieder mal um Parorbiliopsis minuta, also einen winzigen (0,2-0,4mm) weißen Helotialen, der wohl erst unter der Lupe auffällt.

Besiedelt allerhand festes Laubholz, wächst auf Rinde oder direkt auf Holz, oft an ansitzenden Ästen.
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Wächst locker verteilt oder in kleinen Grüppchen....
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....erst weiß, älter etwas gelblich, Rand nicht aufällig behaart, bisschen franselig ist er, wenn nicht zu feucht.
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Ist recht verbreitet, ich finde ihn im Herbst, noch öfter im Winter.

Tja, was ist so schwierig an dem Kleinen?
Das 1.Problem sind die Sporen in ihrer Vielfältigkeit. Besonders bei schon etwas geschädigten Bechern machen die form-
und größenmäßig, was sie wollen.
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Sieht man sich hier mal in den Asci um, fällt auch schon auf, dass die Sporen sich unterschiedlich entwickeln können.
Den linken Teil habe ich mal im Zusammenhang
gelassen, damit man auch sieht, dass spindelige und ellipsoide Sporen dem gleichen Präparat entstammen.

2. Problem ist hier in den rechten Asci zu sehen. Vermutlich können gestörte Sporen Konidien bilden, denn plötzlich sind mehr als 8 im Ascus:
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Nun höre ich die, die sich mit der Materie schon beschäftigt haben schon sagen: Ja, das könnte natürlich Helicogonium sein!
Kurz zur Erklärung: Helicogonium-Arten sind Ascos, die selbst keine Apothezien bilden und sich einfach der Fruchtschicht anderer Pilze bedienen.
Das bedeutet im besprochenen Fall, dass neben den Parorbiliopsis-Asci plötzlich auch andere stehen und mich auslachen, dass ich durcheinanderkomme.

Solche Helicogonium-Asci sind hier zu sehen:
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Deren 8 Primärsporen bilden kleinere Sekundärsporen.
Schaut man sich also Helicogonium-Asci und die Parorbiliopsis-Asci an, so sind die Unterschiede erst mal nicht sooo toll.
Manchmal sieht man bei den Parasiten-Asci einen glasig verdickten Apex und dieser ist etwas ausgezogen und nicht so halbkugelig
wie die des Wirts, aber immer ist das auch nicht zu sehen.
Die ordentlich-richtige Helicogonium parorbiliopsidis soll zudem Haken haben, die habe ich jedoch nie sehen können.
Auch sollen deren Sporen wahrscheinlich gar nicht so groß werden, wie im gezeigten Fall (bis 10x4).

Schauen wir also zum Vergleich nochmal in Parorbiliopsis-Asci bezüglich der Sporengrößenentwicklung.....
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dann sieht man das 3.Problem: Sporen in Jung-Asci sehen formmäßig beinahe wie die von Helicogonium aus, in der falschen Lage auch rund wie die Helicogonium-Sekundärsporen.

Schönes Kennzeichen sind Haarform und die reichlich verzweigten Paraphysen. Um die Verzweigtheit in ihrer Gänze darzustellen,
reicht mein Now-how nicht, sind fädige Bäumchen mit basalen und mittelhohen Abzweigungen, die sich ihrerseits wieder verzweigen.
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Becherrand:
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Hier habe ich noch was Unkonstantes eingefangen, leere Helicogonium-Asci mit manchmal dextrinoiden Apex und schwarzem Irgendwas.
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Übrigens sieht Hyaloscypha intacta ss. Huhtinen aufbaumäßig fast ähnlich auf, hat lediglich etwas längere Haare und wohl auch konstant(?) größere Sporen.

Ach so, Thema Hyaloscypha intacta: Svrceks Originalbeschreibung zu H. intacta spricht von Sporen von 6-10 ohne Öl. Wenn da mal nicht einfach nur
noch Helicogonium im Becher drin war!

Ich habe keine Ahnung, ob ich das alles richtig so interpretiere, über Korrekturen würde ich mich freuen.
Oder hat jmand schon mal dieses schwarze lugolinitiierte Etwas gesehen?

VG Ingo W

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Super! *oT*

Rudi, (vor 5034 Tagen) @ Ingo Wagner

- kein Text -

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Re: Alljährlich, häufig und zum Haareraufen (Asco)

MartinB, (vor 5032 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

Danke für die umfangreiche Doku!!
Auch für den Hinweis auf Helicogonium, das mir noch nicht bewußt begegnet ist.

Herzliche Grüße

Martin

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Re: Alljährlich, häufig und zum Haareraufen (Asco) *PIC*

Ingo Wagner, (vor 5032 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo!

Tja, ich sagte es ja bereits, der ärgert mich schon lange und bringt mich immer wieder durcheinander.
Inzwischen muss ich den Helicogonium im Beitrag revidieren.

Den gibt es natürlich, in einigen Pilzen findet man solche Helicogonium-Arten, wenn sie geschädigt sind, aber noch nicht kaputt. Ich denke, die brauchen noch eine halbwegs funktionierende Fruchtschicht, die sie anzapfen können, wenn sie schon selbst "zu faul" sind, sich was eigenes zu basteln.

Allerdings passt der hier im Beitrag von mir als Helicogonium bezeichnete doch nicht richtig, denn der Helicogonium parorbiliopsidis hätte Haken, kleinere Sporen und bildet Sporenkonidien rund um die Primärspore.

Also habe ich nochmal versucht mir ein Bild zu machen, meine Interpretation läuft jetzt darauf hinaus, dass Parorbiliopsis minuta wintergeschädigt seinen "Sporen-Bauplan" ändert.

Entweder ist die normale Entwicklung gestört oder die Art und Weise hat vielleicht sogar Vorteile und ist eine Alternative oder Notlösung.

Es gibt da ja mehr Ascomyceten (z.B. Claussenomyces, Nectria), deren Sporen zerfallen, insofern würde mich das nicht erstaunen.

Vielleicht spielt sogar noch Konidienbildung an den Sporen eine Rolle (was durchaus Gang und Gebe ist im Winter bei vielen Arten), das habe ich aber eigentlich nicht so sehr gesehen, zumindest nicht in dem Maße, dass man damit die reich gefüllten Asci mit Kleinsporen erklären könnte.

Hier also meine neue Einstellung zur Thematik, die sich allerdings auch wieder ändern könnte.

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Ich dachte ja, dass ich hier jemanden zum Diskutieren finden könnte, aber da schauen wohl momentan die Wissenden gerade nicht ins Forum.
Ich habe auch mal um Zottos Meinung gebeten, ich denke, die jetzige Interpretation ist auch aus seiner Sicht wahrscheinlicherr, obwohl weiterhin ein Unsicherheitsfaktor übrig bleibt.

VG Ingo W

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Re: Alljährlich, häufig und zum Haareraufen (Asco) *PIC*

MartinB, (vor 5031 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

ich habe inzwischen meine Bilder durchgesehen. Ich habe nur vier Kollektionen von P.m. dokumentiert. Dabei ist aber auch eine seltsame mit sehr variabler Sporengröße und -form, ballonartig aufgeblasenen Asci, überzähligen globosen Sporen, septierten Sporen usw. Der Fund ist aber sicher nicht frostgeschädigt sondern vom August 2010!
Schau mal:

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Da sind vielleicht andere Faktoren als Kälte im Spiel, z.B. Trockenheit. Diese Kollektion ist von einem toten Buchenast aus dem Luftraum.

Herzlich

Martin

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Re: Alljährlich, häufig und zum Haareraufen (Asco)

Ingo Wagner, (vor 5031 Tagen) @ MartinB

Hallo Martin!

Ja, da hast du sicherlich recht, dass nicht nur Frost die Becherchen schädigt. Ständiges Eintrocknen und wieder Rehydrieren durch Regen werden sicherlich den gleichen Effekt auslösen.

Also ersetze mein "frostgeschädigt" mal durch "geschädigt".

Es ist sowieso manchmal ganz witzig, was da so alles für Ausgeburten bei geschädigten Bechern rauskommt.
Manchmal hat man auch die Gegen-Variante, also nicht zu viel Sporen, sondern dann zu wenig. Das äußert sich dann mitunter in "Monster-Sporen".

Ich sagte ja, "alle Jahre wieder". Da hatte ich das letztes Jahr schon mal versucht, mir etwas Licht einzufangen:
Beitrag 218168

VG Ingo W