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Weitere Erfassung der Infektionsdynamik *PIC*

jesko, (vor 4994 Tagen)

Nachdem ich vor rund zehn Tagen auf meinem Samstageinkaufsweg über nicht zu übersehende dicke Brocken gestolpert war (Beitrag 231212), wollte ich nun der neuerlichen Platanenepidemie weiter auf den Grund gehen und plante dazu eine groß angelegte Kartierungskampagne. 30 cm Schneematsch und dichtes Schneetreiben am Sonntag ließen freilich alles andere als das Erreichen des unmittelbar angrenzenden MTB-Viertelquadranten schlichtweg illusorisch erscheinen. Zielsicher steuerte ich auf eine Solitärplatane in meinem Lieblingspark zu und packte zwei herabgefallene Äste ein. Der erste zeigte auch gleich den bereits bekannten Befall mit Hapalocystis berkeleyi var. kickxii. Doch beim zweiten, welch eine Überraschung, kam dann die echte Hapalocystis berkeleyi zum Vorschein.
Die Asci sind achtsporig (viersporig bei var. kickxii), die Sporen weisen zwei, seltener drei Distosepta (meist fünf bei var. kickxii) und kurze, breite, abgestumpfte Anhängsel (lange, schmale, spitz zulaufende Anhängsel bei var. kickxii) auf. Stellt sich jetzt wirklich die Frage, warum die beiden Sippen in ein Varietätenverhältnis gestellt wurden. Vielleicht hat ja jemand für mich den betreffenden Artikel von Frau Barr (1978?), der mir diese Frage beantworten könnte...

Mann, Mann, Mann – hoffentlich gibt’s bald wieder richtige Pilze!

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Re: Weitere Erfassung der Infektionsdynamik

Klaus, (vor 4993 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

in Kürze: Margret Barr (1978) lässt sich nicht weiter darüber aus, warum sie in dieser Arbeit H. kickxii West. 1852 zur var. von H. berkeleyi umkombiniert, was sich ja offenbar (siehe IF) bis heute gehalten hat. Sie gibt lediglich als Unterschied zur var. berkeleyi an: „...four-spored asci and five-septate ascospores, 55-72 x 22-27µm.“ Makroskopisch offenbar keine Unterschiede. Anders als bei H. corticale (Schwein.) Barr (im IF als H. corticalis), der dritten Hapalocystis-Art an Platanenästen: ...“more strongly developed stromatic disc surrounding the fused beaks, and larger, three septate ascospores, (35) 51-70 x 13-20 µm, with appendages 9-24 µm long, 4,5-6 µm wide.” Möglicherweise aber eine amerikanische Art (?). Wird im IF auch in blau geführt.
Soviel auf die Schnelle.
Warum Du bei Arten mit derart beeindruckenden Sporen von nicht "richtigen Pilzen" schreibst, ist mir allerdings schleierhaft. Da kannst Du Dich ja auf die bestimmt wieder bald fruktifizierenden Waldfreund-Rüblinge freuen :-)

Schöne Grüße und viel Erfolg bei der Suche nach H. corticale,
Klaus

Nachdem ich vor rund zehn Tagen auf meinem Samstageinkaufsweg über nicht zu
übersehende dicke Brocken gestolpert war
(Beitrag 231212),
wollte ich nun der neuerlichen Platanenepidemie weiter auf den Grund gehen
und plante dazu eine groß angelegte Kartierungskampagne. 30 cm
Schneematsch und dichtes Schneetreiben am Sonntag ließen freilich alles
andere als das Erreichen des unmittelbar angrenzenden
MTB-Viertelquadranten schlichtweg illusorisch erscheinen. Zielsicher
steuerte ich auf eine Solitärplatane in meinem Lieblingspark zu und packte
zwei herabgefallene Äste ein. Der erste zeigte auch gleich den bereits
bekannten Befall mit Hapalocystis berkeleyi var. kickxii. Doch beim
zweiten, welch eine Überraschung, kam dann die echte Hapalocystis
berkeleyi zum Vorschein.
Die Asci sind achtsporig (viersporig bei var. kickxii), die Sporen weisen
zwei, seltener drei Distosepta (meist fünf bei var. kickxii) und kurze,
breite, abgestumpfte Anhängsel (lange, schmale, spitz zulaufende Anhängsel
bei var. kickxii) auf. Stellt sich jetzt wirklich die Frage, warum die
beiden Sippen in ein Varietätenverhältnis gestellt wurden. Vielleicht hat
ja jemand für mich den betreffenden Artikel von Frau Barr (1978?), der mir
diese Frage beantworten könnte...
Mann, Mann, Mann – hoffentlich gibt’s bald wieder richtige Pilze!

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Re: Weitere Erfassung der Infektionsdynamik

jesko, (vor 4993 Tagen) @ Klaus

Hallo Klaus,

vielen Dank, dass Du nachgeschlagen hast. Wenn für Hapalocystis berkeleyi das Autorenzitat Auersw. ex Fuckel 1863 (s. z.B. IF) korrekt ist, dann kann ich Barrs Kombination schon nomenklatorisch nicht nachvollziehen. Nimmt man nämlich – wie Barr das ja offensichtlich tut – an, dass Hypoxylon kickxii Westend. 1852 und Hapalocystis berkeleyi Auersw. ex Fuckel 1863 konspezifisch sind (und sich nur auf Varietätsebene unterscheiden), dann sind doch nach dem Prioritätsprinzip die Kombinationen Hapalocystis kickxii und Hapalocystis kickxii var. berkeleyi zu bilden. Ganz davon abgesehen, dass mir wie erläutert die zugrundeliegende taxonomische Annahme, dass beide Sippen zu einer Art gehören sollen, etwas fragwürdig erscheint. Aber da gibt es ja heute bessere Methoden, so etwas zu beurteilen.

Bei Hapalocystis corticalis hat der IF die grammatikalisch korrekte Form. Namen auf –cystis (von griechisch kystis „Blase“) werden als Feminina behandelt, „corticale“ wäre Neutrum.
Für die Suche nach dieser Art und der von Jaklitsch & Voglmayr 2004 beschriebenen Hapalocystis occidentalis fehlt mir im Moment wohl die Zeit für eine längere Amerikareise, da werde ich wohl hier Viertelquadrant für Viertelquadrant weiter Hapalocystis kartieren, bis es endlich wieder Waldfreundrüblinge gibt ;-)

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Weitere Erfassung der Infektionsdynamik

Klaus, (vor 4992 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

dann hoffe ich mal, dass Du uns an den Kartierungsergebnissen Deiner ‚waldfreundrüblingsfreien Zeit’ auch teilhaben lässt.
Zur Nomenklatur: Ich bin zwar nicht gerade der Fachmann auf diesem Gebiet, vermute aber, dass es in diesem Fall eine Rolle spielt, dass Hapalocystis ja erst 1863 als Gattung beschrieben worden ist, mit H. berkeleyi als Typusart. Und dann wird es wohl nicht funktionieren, diese Typusart zur Varietät eines 11 Jahre zuvor unter Hypoxylon beschriebenen Taxons herunterzustufen. Vermute ich jedenfalls.
Dass es sich bei H. berkeleyi var. berkeleyi und H. berkeleyi var. kickxii möglicherweise um zwei eigenständige Arten handelt, deuten ja auch Jaklitsch & Voglmayr an. Da Du im Moment beide Arten bzw. Varietäten vorliegen hast, kannst Du ja hinsichtlich Sequenzierung tätig werden. Wir warten dann schon mal auf Hapalocystis kickxii (Westend.) Kleine, FALLS das erwartete Ergebnis eintritt.

Gut, dass das alles so einfach ist. Schöne Grüße,
Klaus

Hallo Klaus,
vielen Dank, dass Du nachgeschlagen hast. Wenn für Hapalocystis berkeleyi das
Autorenzitat Auersw. ex Fuckel 1863 (s. z.B. IF) korrekt ist, dann kann
ich Barrs Kombination schon nomenklatorisch nicht nachvollziehen. Nimmt
man nämlich – wie Barr das ja offensichtlich tut – an, dass Hypoxylon
kickxii Westend. 1852 und Hapalocystis berkeleyi Auersw. ex Fuckel 1863
konspezifisch sind (und sich nur auf Varietätsebene unterscheiden), dann
sind doch nach dem Prioritätsprinzip die Kombinationen Hapalocystis
kickxii und Hapalocystis kickxii var. berkeleyi zu bilden. Ganz davon
abgesehen, dass mir wie erläutert die zugrundeliegende taxonomische
Annahme, dass beide Sippen zu einer Art gehören sollen, etwas fragwürdig
erscheint. Aber da gibt es ja heute bessere Methoden, so etwas zu
beurteilen.
Bei Hapalocystis corticalis hat der IF die grammatikalisch korrekte Form.
Namen auf –cystis (von griechisch kystis „Blase“) werden als Feminina
behandelt, „corticale“ wäre Neutrum.
Für die Suche nach dieser Art und der von Jaklitsch & Voglmayr 2004
beschriebenen Hapalocystis occidentalis fehlt mir im Moment wohl die Zeit
für eine längere Amerikareise, da werde ich wohl hier Viertelquadrant für
Viertelquadrant weiter Hapalocystis kartieren, bis es endlich wieder
Waldfreundrüblinge gibt ;-)
Viele Grüße,
Jesko

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Re: Weitere Erfassung der Infektionsdynamik

MartinB, (vor 4993 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

1. DAS sind richtige Pilze!
und
2. das kennst du wohl schon?:
http://tiny.cc/htm4sw

Herzlich

Martin

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Re: Weitere Erfassung der Infektionsdynamik

jesko, (vor 4993 Tagen) @ MartinB

Hallo Martin,

ich wusste doch, dass ich den ein oder anderen Ascofreund aus der Reserve locken würde! Die Arbeit von Jaklitsch & Voglmayr kannte ich schon. Was da so im Netz verfügbar ist, nimmt man als armer Amateur, der sich nur gelegentlich mit Pilzen, die keine richtigen Pilze sind ;-), beschäftigt, natürlich gerne an. Im konkreten Fall hätte ich ohne diese Arbeit mit der Bestimmung der var. kickxii wohl alt ausgesehen. Und wie viele Ahornzweige haben wohl schon meine Mülltonnen gefüllt, weil ich die Arbeit über Prosthecium species with Stegonosporium anamorphs nicht habe ;-)

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Weitere Erfassung der Infektionsdynamik

Ingo Wagner, (vor 4993 Tagen) @ jesko

Hi Jesko!

Sonst findet man ja kaum was, wo man dir widersprechen kann. Aber diesen provozierenden Ausspruch kann man natürlich nicht so ganz ohne Bemerkung durchgehen lassen.

Mann, Mann, Mann – hoffentlich gibt’s bald wieder richtige Pilze!

Richtig muss es lauten:
Schade, bald gibt es wieder diese komischen Großpilze mit Lamellen und Röhren, da geraten die interessanten "richtigen" Pilze wieder ins hintere Kämmerchen.
Ist natürlich genau so ernst gemeint wie dein Spruch. :-)

VG Ingo W

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Re: Weitere Erfassung der Infektionsdynamik

jesko, (vor 4993 Tagen) @ Ingo Wagner

Richtig muss es lauten: Schade, bald gibt es wieder diese komischen Großpilze
mit Lamellen und Röhren, da geraten die interessanten
"richtigen" Pilze wieder ins hintere Kämmerchen.

Wieso "wieder"? Waren sie da je rausgekommen?

Viele Grüße, Jesko