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Re: Xerocomus chrysonema?

Lothar, (vor 4817 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko, Rudi, Jürgen und Mitleser,
sehr interessante Diskussion. Ich kenne den Aufsatz von Taylor & al. nicht - könnte mir den jemand zusenden? (lkrieglsteiner@t-online.de). Das wäre super :-)
LG von Lothar

wenn es um die Abgrenzung ggü. X. subtomentosus (im entsprechenden Habitat
vielleicht der erste Verwechslungskandidat) gehen soll, dann wüsste ich
nicht, welche wesentlichen Bestimmungsmerkmale die Huthaut liefern sollte.
Huthautmerkmale werden auch in Taylor & al. 2006 nicht für die
morphologische Abgrenzung bemüht. Mit den Sporen scheint mir das Ganze
auch nicht so eindeutig: In der genannten Arbeit wird für X. chrysonemus Q
2,3 gegeben. Das macht nicht den Eindruck eines hinreichend sicheren
Bestimmungsmerkmals. Hinzu kommt aus meiner Sicht, dass die
intraspezifische Variabilität bei X. chrysonema vermutlich noch nicht
ausreichend bekannt ist. Es wurden zwar zahlreiche Kollektionen
untersucht, aber diese stammen aus nur zwei Fundgebieten aus einem
verhältnismäßig begrenzten geografischen Areal. Könnte man mehr
Populationen aus einem größeren Areal untersuchen, wäre es nicht
unwahrscheinlich, dass man bei den Sporenmaßen noch größere
Überlappungsbereiche feststellt, was die Brauchbarkeit dieses Merkmals bei
der Bestimmung nach einzelnen Fruchtkörpern weiter einschränken würde.
Zuverlässiger scheinen mir daher nach aktuellem Stand die Fleisch- und
Rhizomorphenfarbe. Aber, abgesehen von der Möglichkeit einer auch bei
diesen Merkmalen größeren intraspezifischen Variabilität, ist deren
Beurteilung vielleicht nicht immer so eindeutig, wie man es sich wünschen
würde. Nach meiner Erfahrung sind die Rhizomorphen von X. subtomentosus
oft eindeutig blassgelb (und nicht weißlich oder gar weiß), angetrocknet
sogar schwefelgelb, freilich ohne den goldgelben Ton, wie man ihn von X.
ferrugineus kennt, zu erreichen. X. subtomentosus hat in der Regel einen
hellen Braunton im Fleisch des unteren Stiels, die untersuchten
Kollektionen von X. chrysonema (wie gesagt, zwei lokale Populationen aus
einem verhältnismäßig beschränkten Areal) wiesen diesen nicht auf. Die
Autoren des Taxons haben sicher ihr Bestes getan, um die morphologische
Abgrenzung herauszuarbeiten, das überzeugendste Argument für die
Eigenständigkeit der Sippe sind jedoch die molekularen Daten. Und für mich
bleibt X. chrysonema so etwas wie eine semikryptische Art. Würde ich eine
Kollektion finden, die in allen Punkten zur Beschreibung passt, würde ich
wohl versuchen, eine Sequenz zu bekommen, um die Bestimmung abzusichern.
Es wäre einfach wünschenswert, dass mehr Material dieser Sippe auch aus
anderen Gegenden Europas untersucht wird. Ich fände es schön, wenn z.B.
Rudi mal die Sporen seiner Kollektionen nachmessen würde, was ja ein
Leichtes wäre.
Nach meiner Erinnerung habe ich die Originalbeschreibung von Boletus lanatus
nicht. Du könntest sie ja mal einstellen, dann ließe sich auch diese Frage
besser beurteilen. Taylor & al. 2006 haben diesen Namen als Synonym zu
X. subtomentosus gestellt, nach dem Auszug in Saccardos Sylloge würde X.
ferrugineus besser passen.
Viele Grüße,
Jesko

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