Schneiden oder drehen ??
Im Urlaub in Österreich habe ich grosse Plakate für Wanderer gesehen, die ausdrücklich besagten, Pilze sollten herausgedreht und nicht geschnitten werden. Grosse Grätchenfrage, was sagt Ihr alle dazu ??
Im Urlaub in Österreich habe ich grosse Plakate für Wanderer gesehen, die ausdrücklich besagten, Pilze sollten herausgedreht und nicht geschnitten werden. Grosse Grätchenfrage, was sagt Ihr alle dazu ??
Im Urlaub in Österreich habe ich grosse Plakate für Wanderer gesehen, die
ausdrücklich besagten, Pilze sollten herausgedreht und nicht geschnitten
werden. Grosse Grätchenfrage, was sagt Ihr alle dazu ??
Den Pilzen ist es egal.
beim Schneiden drehen? Nur stellt sich dann wieder die Frage wer dreht sich bzw wird gedreht?
Gerd
Den Pilzen ist es wirklich (fast) egal, ob sie geschnitten oder herausgedreht werden, vorausgesetzt, man dreht sie wirklich ab und "reisst" sie nicht aus dem Boden heraus (aber das ist ein anderes Thema).
Dann scheiden sich aber doch die Geister, denn es kommt nun
1. auf den Kenntnisstand des Sammlers und
2. auf den Grund an, warum er einen Pilzfruchtkörper mitnimmt .
A) Der Speisepilzsammler mit fundierten Kenntnissen kann natürlich alle sicher erkannten Fruchtkörper abschneiden. Das hat den Vorteil, dass das Sammelgut meist schon im Korb ziemlich sauber bleibt. Das macht man z.b. bei leicht kenntlichen Arten wie Maronen und anderen gut bekannten Speiseröhrlingen oder z.B. auch bei der Krausse Glucke.
(Manchmal kann aber das Abschneiden eines Steinpilzes schon wieder fast ein Frevel sein, nämlich dann, wenn ein großer Teil des Stieles noch im Boden steckt).
B) Speisepilzsammler mit nicht so fundierten Kenntnissen (Anfänger oder Gelegenheitssammler) sollten erst mal das Abschneiden grundsätzlich sein lassen. Gerade wenn man z.B. Perlpilze, vermeintliche Champignons oder andere, nur grob als Speisepilze eingeschätzte Pilze mitnimmt, ist der komplette Stiel für eine genaue Bestimmung doch sehr wichtig. Dies gilt sowohl für die Nachbestimmung zuhause als auch für die eventuelle spätere Kontrolle durch einen Pilzsachverständigen.
Von abgeschnittenen Hüten, die lediglich nur noch Stielfragmente tragen, sollte man sowieso besser Abstand nehmen. In den meisten Beratungsstellen werden solche Teile kaum freigegeben (von einigen Ausnahmen natürlich abgesehen). Ganz kritisch kann das Abschneiden solcher Hüte gerade bei den beliebten, und doch nicht immer sicher bestimmten "Stockschwämmchen" sein.
C) Für unbekannte Arten, d.h. solche welche man später selbst zuhause nachbestimmen oder durch einen Sachverständigen nachbestimmen lassen möchte, ist der komplette Stiel, also der herausgedrehte Fruchtkörper, geradezu eim "Muss" !!
Diese Regel gilt sowohl für Anfänger als auch für Profis.
Bei vielen Arten, wie z.B. den Risspilzen, darf man ja nicht mal den Stiel mit den Fingern berühren. Die FK. werden vorsichtig mit einem Messer aus dem Boden gehoben und dann sorgfältig, fast unberührt für die Bestimmung verpackt.
Alles klar ??
Gruss Werner2
Hallo Werner2,
könntest Du diese präziese Ausführung bitte einrahmen und hier im Forum an die Wand hängen? Vielleicht in einer Schatulle mit dem Hinweis -PILZBEHANDLUNG-
aufstellen?
Immer wieder taucht diese Frage auf und wird mal besser oder schlechter beantwortet. Es wäre gut, wenn man dann Deinen Text einfach abrufen könnte!
Grüße
elfi
Den Pilzen ist es wirklich (fast) egal, ob sie geschnitten oder herausgedreht
werden, vorausgesetzt, man dreht sie wirklich ab und "reisst"
sie nicht aus dem Boden heraus (aber das ist ein anderes Thema).
Dann scheiden sich aber doch die Geister, denn es kommt nun
1. auf den Kenntnisstand des Sammlers und
2. auf den Grund an, warum er einen Pilzfruchtkörper mitnimmt .
A) Der Speisepilzsammler mit fundierten Kenntnissen kann natürlich alle
sicher erkannten Fruchtkörper abschneiden. Das hat den Vorteil, dass das
Sammelgut meist schon im Korb ziemlich sauber bleibt. Das macht man z.b.
bei leicht kenntlichen Arten wie Maronen und anderen gut bekannten
Speiseröhrlingen oder z.B. auch bei der Krausse Glucke.
(Manchmal kann aber das Abschneiden eines Steinpilzes schon wieder fast ein
Frevel sein, nämlich dann, wenn ein großer Teil des Stieles noch im Boden
steckt).
B) Speisepilzsammler mit nicht so fundierten Kenntnissen (Anfänger oder
Gelegenheitssammler) sollten erst mal das Abschneiden grundsätzlich sein
lassen. Gerade wenn man z.B. Perlpilze, vermeintliche Champignons oder
andere, nur grob als Speisepilze eingeschätzte Pilze mitnimmt, ist der
komplette Stiel für eine genaue Bestimmung doch sehr wichtig. Dies gilt
sowohl für die Nachbestimmung zuhause als auch für die eventuelle spätere
Kontrolle durch einen Pilzsachverständigen.
Von abgeschnittenen Hüten, die lediglich nur noch Stielfragmente tragen,
sollte man sowieso besser Abstand nehmen. In den meisten Beratungsstellen
werden solche Teile kaum freigegeben (von einigen Ausnahmen natürlich
abgesehen). Ganz kritisch kann das Abschneiden solcher Hüte gerade bei den
beliebten, und doch nicht immer sicher bestimmten
"Stockschwämmchen" sein.
C) Für unbekannte Arten, d.h. solche welche man später selbst zuhause
nachbestimmen oder durch einen Sachverständigen nachbestimmen lassen
möchte, ist der komplette Stiel, also der herausgedrehte Fruchtkörper,
geradezu eim "Muss" !!
Diese Regel gilt sowohl für Anfänger als auch für Profis.
Bei vielen Arten, wie z.B. den Risspilzen, darf man ja nicht mal den Stiel
mit den Fingern berühren. Die FK. werden vorsichtig mit einem Messer aus
dem Boden gehoben und dann sorgfältig, fast unberührt für die Bestimmung
verpackt.
Alles klar ??
Gruss Werner2
hallo, lieber werner 2,
in der sache hast du ausführlich den vernünftigsten standpunkt wiedergegeben.
ist das herausdrehen eine so schwierige sache? wenn auch nur einige aspekte dafür stehen, und die stehen dafür,so werde ich "drehen", außer, ich sitze in einem riesigen eierschwammerlfeld, ernte hallimasch oder bringe einen anderen dichtstehenden und eindeutigen fund ein. ich habe mir das herausdrehen ganz einfach angewöhnt!
eins möchte ich aber doch noch erwähnen: vor ca. 4o jahren, als ich zum erstenmal auf diese frage gestoßen war, machte ich an meinem Ia-perlpilzplatz
(der war im nördlichen bereich des heutigen deutsch-österreichischen autobahngrenzüberganges walserberg bei salzburg) -zugegebenermaßen sehr laienhafte - diesbezügliche versuche.im bereich der geschnittenen pilze blieben die nach 3 jahren aus, 2o m weiter erntete ich bis zur zerstörung dieses pilzbiotopes nach wie vor meine a.rubescens.
vielspaß beim drehen und schneiden im jahr 2002!
adi
Im Urlaub in Österreich habe ich grosse Plakate für Wanderer gesehen, die
ausdrücklich besagten, Pilze sollten herausgedreht und nicht geschnitten
werden. Grosse Grätchenfrage, was sagt Ihr alle dazu ??
Uraltes Thema, genau wie "Pilze nicht aufwärmen". Der Werner2 hats super beantwortet. Ergänzend eine Story aus meinen Pilzseminaren (ist rund 20 Jahre her): ein Teilnehmer kam mit einem abgeschnittenen Blätterpilz, der keine Manschette hatte, weiße Lamellen, olivlicher Hut. Nur der typische phalloides- Geruch nach leichtem Anwärmen in der Hand ließ den Knollenblätterpilz erkennen, denn auch die typische Natterung fehlte bei diesem Fruchtkörper.
Vor über hundert Jahren hat irgend ein Pilzbuchautor (vielleicht G. Hahn, der noch mehr Unsinn geschrieben hat) die Theorie vom "Abschneiden, damit das Myzel nicht verletzt wird" in den Raum gestellt und geschrieben. Die späteren Autoren haben das ungeprüft übernommen und falsch abgeschrieben.
Das Thema "Pilze nicht aufwärmen" war zu jener Zeit sogar richtig, denn damals gab es ja noch keine Kühlschränke, und Pilzgerichte konnten leicht verderben.
Trotzdem gibt es heute noch viele Leute, die dazu raten, Pilze nicht aufzuwärmen.
Übrigens: noch in den 50-er Jahren gab es anhaltende Diskussionen um die Giftigkeit des Gelben Knollenblätterpilzes! Kein Wunder: wer sich mal die Abbildungen in den alten volkstümlichen Tafelwerken (Michael, Hahn usw.) anschaut, wird feststellen, dass es dort "Mischpilze" gibt, also Konglomerate aus phalloides und citrina. Man kannte sie halt einfach nicht so gut, wie wir heute.
Abschließend folgender Tipp: wer sich ernsthaft damit beschäftigt, muss einfach eine oder mehrere Fachzeitschriften abbonnieren und sich die neuen Bücher kaufen, nur so wird man schlauer und erfährt die neuesten Erkenntnisse.
Freundliche Grüße, Heinz Ebert