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Pilzkrimi

pilzgotti, (vor 4768 Tagen)

Guten Tag,
ich beobachte euer Forum bereits seit 3 Jahren.
Bereits seit meinem 4. Lebensjahr bin ich mit meinem Opa viel im Wald unterwegs gewesen. Er war ein Freund und Kenner der Flora und Fauna des Waldes.

Zwischenzeitlich war das Wissen darum, bei mir verloren gegangen.

Heute bin ich 53 Jahre alt und seit ca. 15 Jahren bin ich oft in heimischen und nicht heimischen Wäldern unterwegs. Für mich ist das Entschleunigung pur.

Dieses Jahr hatte ich in der Nähe von Calw eine Situation vorgefunden, welche so gar nicht zu meiner Entspannung beigetragen hat.

Es war Anfang September und ich hatte noch etwas Zeit zwischen 2 Kundenterminen, also nix wie los und auf dem Weg dorthin in ein mir bekanntes Waldstück gefahren.
Normalerweise treiben sich dort Steinis, Flockis, Reizkers und Semmelstoppels herum.
Die ersten paar Meter vom Parkplatz weg begannen prima und ich fand gleich 2 schöne Steinis, aber dann begann das Elend, wohin mein Auge blickte, überall lagen Pilzleichen herum.

Raus gerissen, um getreten, ein Bild des Grauen offenbarte sich mir.
Reihenweise wunderschöne Schönfußröhrlinge, welche ich in dieser Anzahl dort noch nie gesehen hatte, alle dahin gemeuchelt.

Steinileichen säumten den Weg, sie hätten es verdient gehabt ihre Sporen zu verteilen, wurden aber grausam herausgerissen aus ihrer behaglichen Umgebung.

Die Abschnitte zeigten deutlich, dass diese Steinis bereits zu alt waren um in der Pfanne zu landen, da die Stiele, für mich gut sichtbar, matschig und mehlig und somit nicht mehr zum genussvollen Genießen geeignet waren.

Statt Ruhe und Entspannung überkam mich Trauer über dieses wüste Massaker im Walde.
Ich kam an eine Weggabelung und dort waren ca. 12- 15 wunderschöne Semmelstoppelpilze einfach um getreten, diese waren aber so frisch, das ich mich ihrer erbarmte und Sie in meinen Korb legte.

In welche Richtung ich mich auch drehte und wendete, überall ein Bild der Verwüstung. Meine Stimmung war schon bei Null angekommen, als ich ihn entdeckte, ein gefällter Riese, ein Gigant mit caramelfarbenem Hut, abgeschnitten und liegen gelassen, Stücke herausgeschnitten und doch nicht mitgenommen.

Ich kniete mich hin, wohlwissend, dass hier jede Hilfe zu spät käme, dennoch voller Interesse, weil ich so ein enormes Exemplar noch niemals gesehen hatte.
Der Hut muss voll aufgeschirmt ca. 30-35cm gehabt haben. Als ich da so kniend,
betrübt vor mich hin schaute sah ich aus den Augenwinkeln heraus eine Anzahl von
jungen Burschen mit braunem Hut, gerade dem Flegelalter entwachsene Steinis, die
ihrem Großvater wohl die letzte Ehre erweisen wollten.

Als ich mich auf machte um Sie ein zu laden, mit mir zu kommen, sah ich zu meinem Entzücken immer mehr dieser Gestalten.
Behutsam entnahm ich Sie, putzte Sie vor Ort und legte Sie in meinen Korb.

Auf dem Rückweg lud ich noch ein paar Maronenröhlinge zu uns ein und es wurde ein geselliges Miteinander.

Nachdenklich verließ ich den Wald, absolvierte meinen Termin, um mich danach mit meinen Waldfreunden zu beschäftigen.
Nachdem ich alle nochmals angeschaut hatte, entschied ich mich für Steinpilzkartoffelgratin mit gebratener Hühnchenbrust und Schmortomaten.

Am Abend erzählte ich meiner Familie und Freunden von meinem Waldkrimi.
Eine Frage bleibt offen, was ist es? Unkenntnis?, oder Mißachtung der Natur?
Was denkt ihr darüber?

Ich hoffe mein Erstbeitrag hat Euch ein wenig gefallen.

Liebe Grüße ans Forum
Pilzgotti

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Re: Pilzkrimi,Hallo Joerg

Hans hurter, (vor 4768 Tagen) @ pilzgotti

ich beobachte das seit ca. 50 Jahren in allen meinen Pilzgebieten Schweiz,Deutschland,Frankreich und auch ab und zu in Österreich und Kanada(Yukon)
Wenn es im Herbst ein gutes Pilzaufkommen gibt gehen viele Leute in den Wald um sich etwas zu essen zu holen teilweise mit Kind und Kegel und natürlich Plastiksack!Du musst nur einmal mit einem PSV reden was da alles nach Hause geschleppt wird um im Abfall zu landen!
Was allerdings bedenklicher ist der Plastik und Papieraufkommen in der letzten Zeit.Die Tiere im Wald richten ab und zu auch ein Massaker an aber Ihnen ist das erlaubt!Wie war das schön im Jahr 2007, 2 Jahre Pilz pflück Verbot im Schwarzwald BW.Meine damals kleine Tochter konnte sich nicht genug sattsehen an den schönen Rotkäppchen!!!Heute ist allgemein alles hektischer und die Natur leidet darunter.LG Hans
PS bitte beachten,das sind meine rein persönlichen Gedanken

Guten Tag,
ich beobachte euer Forum bereits seit 3 Jahren.
Bereits seit meinem 4. Lebensjahr bin ich mit meinem Opa viel im Wald
unterwegs gewesen. Er war ein Freund und Kenner der Flora und Fauna des
Waldes.
Zwischenzeitlich war das Wissen darum, bei mir verloren gegangen.
Heute bin ich 53 Jahre alt und seit ca. 15 Jahren bin ich oft in heimischen
und nicht heimischen Wäldern unterwegs. Für mich ist das Entschleunigung
pur.
Dieses Jahr hatte ich in der Nähe von Calw eine Situation vorgefunden, welche
so gar nicht zu meiner Entspannung beigetragen hat.
Es war Anfang September und ich hatte noch etwas Zeit zwischen 2
Kundenterminen, also nix wie los und auf dem Weg dorthin in ein mir
bekanntes Waldstück gefahren.
Normalerweise treiben sich dort Steinis, Flockis, Reizkers und Semmelstoppels
herum.
Die ersten paar Meter vom Parkplatz weg begannen prima und ich fand gleich 2
schöne Steinis, aber dann begann das Elend, wohin mein Auge blickte,
überall lagen Pilzleichen herum.
Raus gerissen, um getreten, ein Bild des Grauen offenbarte sich mir.
Reihenweise wunderschöne Schönfußröhrlinge, welche ich in dieser Anzahl dort
noch nie gesehen hatte, alle dahin gemeuchelt.
Steinileichen säumten den Weg, sie hätten es verdient gehabt ihre Sporen zu
verteilen, wurden aber grausam herausgerissen aus ihrer behaglichen
Umgebung.
Die Abschnitte zeigten deutlich, dass diese Steinis bereits zu alt waren um
in der Pfanne zu landen, da die Stiele, für mich gut sichtbar, matschig
und mehlig und somit nicht mehr zum genussvollen Genießen geeignet waren.
Statt Ruhe und Entspannung überkam mich Trauer über dieses wüste Massaker im
Walde.
Ich kam an eine Weggabelung und dort waren ca. 12- 15 wunderschöne
Semmelstoppelpilze einfach um getreten, diese waren aber so frisch, das
ich mich ihrer erbarmte und Sie in meinen Korb legte.
In welche Richtung ich mich auch drehte und wendete, überall ein Bild der
Verwüstung. Meine Stimmung war schon bei Null angekommen, als ich ihn
entdeckte, ein gefällter Riese, ein Gigant mit caramelfarbenem Hut,
abgeschnitten und liegen gelassen, Stücke herausgeschnitten und doch nicht
mitgenommen.
Ich kniete mich hin, wohlwissend, dass hier jede Hilfe zu spät käme, dennoch
voller Interesse, weil ich so ein enormes Exemplar noch niemals gesehen
hatte.
Der Hut muss voll aufgeschirmt ca. 30-35cm gehabt haben. Als ich da so
kniend,
betrübt vor mich hin schaute sah ich aus den Augenwinkeln heraus eine Anzahl
von
jungen Burschen mit braunem Hut, gerade dem Flegelalter entwachsene Steinis,
die
ihrem Großvater wohl die letzte Ehre erweisen wollten.
Als ich mich auf machte um Sie ein zu laden, mit mir zu kommen, sah ich zu
meinem Entzücken immer mehr dieser Gestalten.
Behutsam entnahm ich Sie, putzte Sie vor Ort und legte Sie in meinen Korb.
Auf dem Rückweg lud ich noch ein paar Maronenröhlinge zu uns ein und es wurde
ein geselliges Miteinander.
Nachdenklich verließ ich den Wald, absolvierte meinen Termin, um mich danach
mit meinen Waldfreunden zu beschäftigen.
Nachdem ich alle nochmals angeschaut hatte, entschied ich mich für
Steinpilzkartoffelgratin mit gebratener Hühnchenbrust und Schmortomaten.
Am Abend erzählte ich meiner Familie und Freunden von meinem Waldkrimi.
Eine Frage bleibt offen, was ist es? Unkenntnis?, oder Mißachtung der Natur?
Was denkt ihr darüber?
Ich hoffe mein Erstbeitrag hat Euch ein wenig gefallen.
Liebe Grüße ans Forum
Pilzgotti