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AndreaE, (vor 4768 Tagen)

Könnte es sich hierbei um rote Lacktrichterlinge handeln ? Gefunden habe ich sie in einer Wiese, die regelmäßig gemäht wird. In der Nähe stehen Birken, Obstbäume und Fichten. Die Wiese ist sehr moosig. Die Pilze hatten nach kurzer Zeit ihre Farbe verloren, sind ausgeblast. Falls es welche sind, irgendwelche Erfahrungswerte zur Verwertung ?

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Re: Bestimmungshilfe

Peter S., (vor 4768 Tagen) @ AndreaE

Könnte es sich hierbei um rote Lacktrichterlinge handeln ? Gefunden habe ich
sie in einer Wiese, die regelmäßig gemäht wird. In der Nähe stehen Birken,
Obstbäume und Fichten. Die Wiese ist sehr moosig. Die Pilze hatten nach
kurzer Zeit ihre Farbe verloren, sind ausgeblast. Falls es welche sind,
irgendwelche Erfahrungswerte zur Verwertung ?

Ich sag mal ja, könnte sein.
Schöner wär´s natürlich Du hättest mal die Lamellen gezeigt.
Verwertung: ja, dekorative Wiesenpilze - Du willst die doch nicht verspeisen, oder?

Gibt es tatsächlich noch Gegenden in Deutschland, wo man alles, was man essen kann auch essen muss? Sprich: wo also Hungersnot herrscht und alles, was Eiweiß enthält auch genutzt werden muss?

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Re: Bestimmungshilfe

Emil, (vor 4768 Tagen) @ Peter S.

Hallo,
ich schließe mich Peter an, will bloß noch was Kleines ergänzen.

Ich sag mal ja, könnte sein.
Schöner wär´s natürlich Du hättest mal die Lamellen gezeigt.

Bei den größeren, rötlichen Lacktrickterlingen gibt es drei:
Den Zweifarbigen (L. bicolor) mit lila Lamellen, lilalichem Stiel und lila Myzelfilz. Ich denke nicht, dass du diese Art gefunden hast.
Außerdem gibt es noch den Rötlichen (L. laccata) und den nahe verwandten Braunroten (L. proxima).
Einen von den beiden Letztgenannten wirst du gefunden haben.

Verwertung: ja, dekorative Wiesenpilze

Stimmt :-)

Gibt es tatsächlich noch Gegenden in Deutschland, wo man alles, was man essen
kann auch essen muss? Sprich: wo also Hungersnot herrscht und alles, was
Eiweiß enthält auch genutzt werden muss?

Mal abgesehen davon, dass es im Internet der Sicherheit wegen keine Essfreigaben gibt, verstehe ich nicht, warum man die Lacktrichterlinge weniger als andere Pilze essen können sollte?
Immerhin können sie in größeren Mengen auftreten, auch mal recht groß werden und gelten als mehr oder weniger schmackhafte Speisepilze.

Viele Grüße,
Emil

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Lac lac

zuehli ⌂, (vor 4768 Tagen) @ Emil

Außerdem gibt es noch den Rötlichen (L. laccata) und den nahe verwandten
Braunroten (L. proxima).
Einen von den beiden Letztgenannten wirst du gefunden haben.

Die wahre Laccaria laccata will wahrscheinlich noch in Deutschland gefunden werden. Es ist zu vermuten, dass die meisten fehlbestimmt sind.
Guckst Du hier:

http://forum.fungiworld.com/index.php?topic=4797.0>

Bis morgen
Harald

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Re: Bestimmungshilfe

42, (vor 4768 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,

Mal abgesehen davon, dass es im Internet der Sicherheit wegen keine
Essfreigaben gibt, verstehe ich nicht, warum man die Lacktrichterlinge
weniger als andere Pilze essen können sollte?
Immerhin können sie in größeren Mengen auftreten, auch mal recht groß werden
und gelten als mehr oder weniger schmackhafte Speisepilze.

Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass die Lacktrichterlinge eine recht hohe Belastung mit Arsen(?) und/oder Cäsium aufweisen sollen.

Beste Grüße
Thomas '42' Wallner

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Re: Lac lac

Emil, (vor 4768 Tagen) @ zuehli

Die wahre Laccaria laccata will wahrscheinlich noch in Deutschland gefunden
werden. Es ist zu vermuten, dass die meisten fehlbestimmt sind.
Guckst Du hier: > http://forum.fungiworld.com/index.php?topic=4797.0 >
Bis morgen
Harald

Hallo Harald,
interessante Informationen!
Ich dachte "Laccata fast immer fehlbestimmt" meint, dass L. proxima fälschlicherweise für laccata gehalten wurde. Die var. pallidifolia hatte ich gar nicht im Kopf.
Dass L. laccata in allen Büchern vorkommt und so häufig sein soll, liegt wahrscheinlich daran, dass sie von den meisten Autoren nicht von var. laccata abgetrennt wird. Auch Index fungorum trennt sie nicht ab.
GroPiBaWü schreibt: "Nach Ansicht einiger Monographen soll var. pallidifolia häufiger auftreten als die (von ihr schlecht abgetrennte) Typusvarietät."
Ich komme zu dem Schluss, dass die Bezeichnung "L. laccata" richtig ist, egal, um welche der beiden Varietäten es sich handelt.
Und wo wir gerade dabei sind, kannst du mir ja gleich noch schreiben (oder morgen sagen), was du von meiner L. proxima hältst, die wirklich sehr runde Sporen hat :-)
Viele Grüße und bis morgen,
Emil

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Re: Lac lac

zuehli ⌂, (vor 4768 Tagen) @ Emil

Ich komme zu dem Schluss, dass die Bezeichnung "L. laccata" richtig
ist, egal, um welche der beiden Varietäten es sich handelt.

Na, wenn man es genau nimmt, eben nicht!

Und wo wir gerade dabei sind, kannst du mir ja gleich noch schreiben (oder
morgen sagen), was du von meiner L. proxima hältst, die wirklich sehr
runde Sporen hat :-)

Aufgrund der Größe der Fruchtkörper würde ich zu Deiner Meinung tendieren. Mikros müsste ich nachschauen.

Bis denn
Harald

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Re: Lac lac

Peter S., (vor 4768 Tagen) @ zuehli

Ich beziehe mich auf das "genau genommen".

"Laccaria laccata" schließt alle Varietäten, also auch var. laccata und var. pallidifolia ein.

Wenn man von der Varietät spricht, die eher selten ist, dann muss geschrieben werden, dass "Laccaria laccata var. laccata" selten ist.
Schreibt man, dass die "wahre Laccaria laccata" selten ist, dann ist das unrichtig, weil auch das eben beide Varietäten einschließt, denn auch die var. pallidifolia ist eine "wahre" Laccaria laccata.

Ist zwar scheinbare Wortklauberei, aber offensichtlich wird meist nicht gesehen, dass man eben alle beschriebenen und unbeschriebenen Varietäten und Formen automatisch mit einbezieht, wenn man nur Gattungs- und Artnamen nennt.
Es ist nicht falsch, wenn man den häufigen, weiß gepunkteten Fliegenpilz Amanita muscaria nennt. Will ich aber eindeutig klar machen, dass ich nicht etwa ein sammelsurium aus var. flavivolvata und var. fuligineoverrucosa meine, dann muss ich richtiger Weise sagen: Amanita muscaria var. muscaria.

Beste Grüße - Peter

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Re: Bestimmungshilfe

Gernot, (vor 4768 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,

Bei den größeren, rötlichen Lacktrickterlingen gibt es drei: Den Zweifarbigen
(L. bicolor) mit lila Lamellen, lilalichem Stiel und lila Myzelfilz. Ich
denke nicht, dass du diese Art gefunden hast.
Außerdem gibt es noch den Rötlichen (L. laccata) und den nahe verwandten
Braunroten (L. proxima).
Einen von den beiden Letztgenannten wirst du gefunden haben.

Selbst bei weit gefassten Artkonzepten (Zusammenführung von L. tetraspora, L. affinis etc. unter L. laccata agg.) gibt es noch einige weitere größere, rötliche Lacktrichterlinge in unseren Breiten - beispielsweise L. lateritia/fraterna, L. montana, L. purpureobadia... Und die zahlreichen mediterranen Taxa sind da noch gar nicht dabei.

Bei engeren Artkonzepten schaut die Sache natürlich nochmals ganz anders aus. Für einen Anfänger in Sachen Pilzkunde recht es aber freilich locker aus, über die von dir genannten Arten Bescheid zu wissen (selbst die gehen ja schon etwas in die Tiefe).

Schöne Grüße
Gernot

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Re: Lac lac

Gernot, (vor 4768 Tagen) @ zuehli

Hallo Harald,

Die wahre Laccaria laccata will wahrscheinlich noch in Deutschland gefunden
werden.

also zumindest Ludwig stellt eine Kollektion von L. laccata var. laccata aus Berlin vor...

Schöne Grüße
Gernot

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Re: Lac lac

Emil, (vor 4768 Tagen) @ Peter S.

Hallo Harald, Peter und Gernot,

Ich beziehe mich auf das "genau genommen".
"Laccaria laccata" schließt alle Varietäten, also auch var. laccata
und var. pallidifolia ein.
Wenn man von der Varietät spricht, die eher selten ist, dann muss geschrieben
werden, dass "Laccaria laccata var. laccata" selten ist.
Schreibt man, dass die "wahre Laccaria laccata" selten ist, dann
ist das unrichtig, weil auch das eben beide Varietäten einschließt, denn
auch die var. pallidifolia ist eine "wahre" Laccaria laccata.

Genau das meinte ich. Wenn man sagt, L. laccata sei recht häufig, dann ist das ungenau, aber nicht zwingend falsch, weil var. pallidifolia eben häufig ist.
Genauso werden die Pilzbücher (die schreiben, die Art ist häufig und ein Foto zeigen) die Varietäten nicht unterscheiden.
Da stellt sich die Frage, warum var. pallidifolia nicht die typische Varietät ist. Ist die Art in einem anderen Land (wo var. laccata häufiger ist) erstmals beschrieben worden, oder war die erstbeschriebene Kollektion zufällig die seltene nicht-rund-sporige?

Ist zwar scheinbare Wortklauberei, aber offensichtlich wird meist nicht
gesehen, dass man eben alle beschriebenen und unbeschriebenen Varietäten
und Formen automatisch mit einbezieht, wenn man nur Gattungs- und Artnamen
nennt.
Es ist nicht falsch, wenn man den häufigen, weiß gepunkteten Fliegenpilz
Amanita muscaria nennt. Will ich aber eindeutig klar machen, dass ich
nicht etwa ein sammelsurium aus var. flavivolvata und var.
fuligineoverrucosa meine, dann muss ich richtiger Weise sagen: Amanita
muscaria var. muscaria.

Wenn man sich nach dem Index fungorum richtet, gibt es gar keine Varietäten mehr. Ich denke, dass liegt an der Gensequenzierung, da ist eine Art genetisch identisch oder eben nicht. Weiß jemand mehr darüber?

Viele Grüße,
Emil

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Re: Bestimmungshilfe

Emil, (vor 4768 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot,
du hast natürlich recht, danke für die Hinweise!
Viele Grüße,
Emil

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Re: Bestimmungshilfe

Emil, (vor 4768 Tagen) @ 42

Hallo Thomas,

Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass die Lacktrichterlinge eine recht
hohe Belastung mit Arsen(?) und/oder Cäsium aufweisen sollen.

Das ist ja auch bei Maronen so.
Für mich immer noch kein Grund, dass das Essen von Lacktrichterlingen verwerflich wäre, zumal das mit der Belastung ja nicht jeder weiß.

Viele Grüße,
Emil

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Re: Lac lac

zuehli ⌂, (vor 4767 Tagen) @ Peter S.

Ich beziehe mich auf das "genau genommen".
"Laccaria laccata" schließt alle Varietäten, also auch var. laccata
und var. pallidifolia ein.
Wenn man von der Varietät spricht, die eher selten ist, dann muss geschrieben
werden, dass "Laccaria laccata var. laccata" selten ist.
Schreibt man, dass die "wahre Laccaria laccata" selten ist, dann
ist das unrichtig, weil auch das eben beide Varietäten einschließt, denn
auch die var. pallidifolia ist eine "wahre" Laccaria laccata.
Ist zwar scheinbare Wortklauberei, aber offensichtlich wird meist nicht
gesehen, dass man eben alle beschriebenen und unbeschriebenen Varietäten
und Formen automatisch mit einbezieht, wenn man nur Gattungs- und Artnamen
nennt.

Ja, da muss ich Dir ja recht geben, da ich ja meist auch so kleinkrämerisch bin. Manchmal bin ich auch ein wenig nachlässig.
Inwieweit jetzt die var. pallidifolia und/oder tetraspora in Bezug auf var. laccata stehen wird auch nicht durchsichtiger, wenn man sich im Speciesfungorum und in der Mycobank umschaut. In der FN steht die laccata (ohne var. und tetraspora) alleine da.

Tja...?

Gruß Harald

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Re: Lac lac

Peter S., (vor 4767 Tagen) @ zuehli

Hallo Harald,

ich erzähle es ja immer wieder gern und genauso immer wieder gern sehr laienhaft, gern kann das ein Profi ja mal populärwiss. formulieren:

Die Evolution ist ja nicht abgeschlossen, nur weil wir jetzt mal gerade für einen wahrscheinlich erdgeschichtlich nur kurzen Zeitraum diesen Planeten bevölkern.

Die Arten entwickeln sich weiter. Aus einer Art eines Finken auf Galapagos werden durch Anpassung an versch. Lebensräume und Mutationen 26 versch. Arten.
Allerdings ist dieser Artbegriff ja von uns gemacht in Wirklichkeit ist es eine große Wolke von Individuen, die sich an 26 Stellen verdichtet hat. Alles was dazwischen ist, bezeichnen wir als "mit intermediären Merkmalen ausgestattet".
Je nachdem wie weit das vom dunklen Zentrum weg ist, haben wir Begriffe wie Varietät, Subspecies und Forma erfunden, um hellere Zusammenballungen auch noch mit einem Namen zusammenzufassen.

In der Gensequenzierung werden sich die Individuen nun voneinander unterscheiden oder eben nicht. Soweit ich weiß, ist von niemanden festgelegt worden, wie groß ein Unterschied sein darf oder muss, damit wir sagen können: ist eine andere Art oder ist nur eine andere Varietät.

Das was mal vor 25 Jahren galt: 3 Unterschiedliche Merkmale sind eine Var., 5 untersch. Merkmale sind eine Art und nur 1 abweichendes Merkmal ist eine Forma, ist ja anerkanntermaßen Blödsinn.

Das wird noch interessant die nächsten Jahre. Die Anzahl der Neubeschreibungen werden schon in wenigen Jahren enorme Ausmaße annehmen und Gattungen werden immer weiter aufgespalten und wir gewöhnen uns dann an Namen von neuen Gattungen, die bisher allenfalls als Sektion oder Untergattung nur Spezialisten ein Begriff waren. Und es wird viele neue Namen geben.

Beste Grüße - Peter

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Re: Lac lac

Emil, (vor 4767 Tagen) @ Peter S.

Hallo Peter,
danke für die wirklich sehr anschauliche und gut verständliche Erklärung!

In der Gensequenzierung werden sich die Individuen nun voneinander
unterscheiden oder eben nicht. Soweit ich weiß, ist von niemanden
festgelegt worden, wie groß ein Unterschied sein darf oder muss, damit wir
sagen können: ist eine andere Art oder ist nur eine andere Varietät.

Also verändert die Gensequenzierung daran nichts, dass es jetzt keine Varietäten mehr gibt oder so.
Das beantwortet meine Frage.

Das wird noch interessant die nächsten Jahre. Die Anzahl der
Neubeschreibungen werden schon in wenigen Jahren enorme Ausmaße annehmen
und Gattungen werden immer weiter aufgespalten und wir gewöhnen uns dann
an Namen von neuen Gattungen, die bisher allenfalls als Sektion oder
Untergattung nur Spezialisten ein Begriff waren. Und es wird viele neue
Namen geben.

Wir haben ja allein schon in den letzten Jahren viele Veränderungen durchlaufen.
Xerocomellus, Coprinopsis, ...
Das neuste ist jetzt Lactarius und Lactifluus.

Viele Grüße,
Emil

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Definitionen für Arten, Gattungen etc.

michel, (vor 4766 Tagen) @ Peter S.

Hallo Peter,
da muss ich einhaken, denn ganz so willkürlich ist das nicht definiert.

In der Gensequenzierung werden sich die Individuen nun voneinander
unterscheiden oder eben nicht. Soweit ich weiß, ist von niemanden
festgelegt worden, wie groß ein Unterschied sein darf oder muss, damit wir
sagen können: ist eine andere Art oder ist nur eine andere Varietät.

Zumindest theoretisch ist das schon festgelegt: Eine Art umfaßt eine Fortpflanzungsgemeinschaft, deren Mitglieder unter natürlichen Bedingungen Nachkommen zeugen könn(t)en. Diese Nachkommen müssen ebenfalls wieder zur Fortpflanzung fähig sein (also keine Maultiere etc.). Innerhalb einer Art besteht also Genaustausch, darüber hinaus nicht! Eine Art ist demnach etwas, was in der Natur existiert und nicht willkürlich definiert werden kann. So musste man den Hallimasch in verschiedene Arten aufspalten, weil diese nicht miteinander kreuzbar sind.

Das wird noch interessant die nächsten Jahre. Die Anzahl der
Neubeschreibungen werden schon in wenigen Jahren enorme Ausmaße annehmen
und Gattungen werden immer weiter aufgespalten und wir gewöhnen uns dann
an Namen von neuen Gattungen, die bisher allenfalls als Sektion oder
Untergattung nur Spezialisten ein Begriff waren. Und es wird viele neue
Namen geben.

Auch für Gattungen (und alle höheren Rangstufen) gibt es ein Kriterium: Es muss ein gemeinsamer Vorfahre existiert haben, von dem alle Angehörigen der Gattung abstammen, aber keine *weiteren*. Ist dies nach aktuellem Kenntnisstand nicht der Fall, kann man entweder die *weiteren* dazunehmen oder die Gattung splitten, so dass die Teilgattungen jeweils wieder einen gemeinsamen Vorfahren haben. Immer nach jeweils aktuellem Kenntnisstand, und der ändert sich eben laufend.

Ein gewisses Problem sehe es in manchen Fällen schon: wenn man dabei "konservativ" vorgeht, also z.B. wenige noch fehlende Arten zu einer größeren Gattung dazunimmt, statt die zu splitten, fällt das kaum auf, die Zahl der Neukombinationen ist gering. Beim Splitten einer Gattung fällt dagegen mindestens ein neuer Gattungsnamen an, hinter den man in einer wissenschaftlichen Publikation seinen Namen setzten kann. Was bevorzugt wird, kann man sich denken ;)

Aber nur der Bequemlichkeit und Stabilität wegen neue Erkenntnisse zu ignorieren, kann auch nicht der richtige Weg sein. Man wird sich also weiterhin an wechselnde Namen gewöhnen müssen. Die deutschen Namen ändern sich mit dem Ort und die wissenschaftlichen mit der Zeit, heißt es doch.

lg,
michel

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Re: Definitionen für Arten, Gattungen etc.

Emil, (vor 4766 Tagen) @ michel

Hallo Michel,

danke auch dir für die interessanten Erklärungen.

Zumindest theoretisch ist das schon festgelegt: Eine Art umfaßt eine
Fortpflanzungsgemeinschaft, deren Mitglieder unter natürlichen Bedingungen
Nachkommen zeugen könn(t)en. Diese Nachkommen müssen ebenfalls wieder zur
Fortpflanzung fähig sein (also keine Maultiere etc.). Innerhalb einer Art
besteht also Genaustausch, darüber hinaus nicht! Eine Art ist demnach
etwas, was in der Natur existiert und nicht willkürlich definiert werden
kann. So musste man den Hallimasch in verschiedene Arten aufspalten, weil
diese nicht miteinander kreuzbar sind.

Die Frage ist doch, wann ein Pilz nur eine Varietät ist und wann eine neue Art. Kann man mehrere Varietäten einer Art untereinander kreuzen?

Auch für Gattungen (und alle höheren Rangstufen) gibt es ein Kriterium: Es
muss ein gemeinsamer Vorfahre existiert haben, von dem alle Angehörigen
der Gattung abstammen, aber keine *weiteren*.

Und woran erkennt man, welchen Vorfahren die Arten haben? Doch auch nur an gemeinsamen Merkmalen, oder? Man kann ja nicht wissen, welche Arten von welcher Urart abstammen.

Ist dies nach aktuellem
Kenntnisstand nicht der Fall, kann man entweder die *weiteren* dazunehmen
oder die Gattung splitten, so dass die Teilgattungen jeweils wieder einen
gemeinsamen Vorfahren haben. Immer nach jeweils aktuellem Kenntnisstand,
und der ändert sich eben laufend.

Das mit den *weiteren* verstehe ich nicht so ganz. Beziehen sich die *weiteren* auf die Vorfahren?
Z. B. bei den Cortinarien ist das ja der Fall. So wie ich dich verstehe, haben die Cortinarien mehrere gemeinsame Vorfahren und werden deshalb in Untergattungen eingeteilt (?).

Ein gewisses Problem sehe es in manchen Fällen schon: wenn man dabei
"konservativ" vorgeht, also z.B. wenige noch fehlende Arten zu
einer größeren Gattung dazunimmt, statt die zu splitten, fällt das kaum
auf, die Zahl der Neukombinationen ist gering. Beim Splitten einer Gattung
fällt dagegen mindestens ein neuer Gattungsnamen an, hinter den man in
einer wissenschaftlichen Publikation seinen Namen setzten kann. Was
bevorzugt wird, kann man sich denken ;)

Das größte Problem besteht für mich, wenn sich verschiedene Quellen bezüglich des gültigen Namens uneinig sind (sprich Index fungorum und Myko Bank, und Wikipedia oder Tintling sagen im schlimmsten Fall noch was Drittes).

Aber was davon die größte Gültigkeit hat fragen sich viele schon lange und keiner weiß eine Antwort...

Viele Grüße,
Emil

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Re: Definitionen für Arten, Gattungen etc.

michel, (vor 4766 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,

Die Frage ist doch, wann ein Pilz nur eine Varietät ist und wann eine neue
Art. Kann man mehrere Varietäten einer Art untereinander kreuzen?

Ja, definitionsgemäß. Könnte man die verschiedenen Hallimasche miteinander kreuzen, wären es Varietäten statt Arten.

Und woran erkennt man, welchen Vorfahren die Arten haben? Doch auch nur an
gemeinsamen Merkmalen, oder? Man kann ja nicht wissen, welche Arten von
welcher Urart abstammen.

An gemeinsamen Merkmalen, die in anderen Gattungen nicht vorkommen. Von denen man ein erstmaliges Auftreten beim gemeinsamen Vorfahren annimmt.

Das mit den *weiteren* verstehe ich nicht so ganz. Beziehen sich die
*weiteren* auf die Vorfahren?
Z. B. bei den Cortinarien ist das ja der Fall. So wie ich dich verstehe,
haben die Cortinarien mehrere gemeinsame Vorfahren und werden deshalb in
Untergattungen eingeteilt (?).

Mit *weiteren* meine ich Arten außerhalb der Gattung, die sich nach dem gemeinsamen Kreuzungspunkt (*Vorfahr*) noch abgespalten haben. Bei den Schleierlingen wäre so ein Fall nach aktuellem Stand der Reifpilz. Darum ist er jetzt bei den Cortinarien eingereiht. Hier ist man also *konservativ* vorgegangen. Die andere Möglichkeit wäre gewesen, die Gattung soweit aufzuteilen, bis die gemeinsamen Vorfahren der neuen Gattungen nach der Reifpilz-Abspaltung liegen. Die Untergattungen dienen eher der Übersichtlichkeit in der Riesengattung, ein Hochstufen zu Gattuneng wäre aber möglich. Dann würde aus der bisherigen Gattung eine Unterfamilie. Die Rangstufen sind willkürlich, aber jede Gruppe muss in der Entwicklungsgeschichte immer sämtliche Arten ab einem gemeinsamen Kreuzungspunkt enthalten, und keine anderen.

Viele Grüße,
michel

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Re: Definitionen für Arten, Gattungen etc.

Emil, (vor 4766 Tagen) @ michel

Hallo Michel,
jetzt ist mir alles klar, danke für deine ausführliche Antwort! :-)
Viele Grüße,
Emil

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Re: Definitionen für Arten, Gattungen etc.

pilzipilzfreiburg, (vor 4766 Tagen) @ Emil

hallo alle,

das ist ja interessant! scheint so, als wäre die pilzkunde noch in den kinderschuhen - im vergleich zur sonstigen biologie und so (wobei ich davon wenig plan habe!), als wäre noch alles in der erforschung.

prinzipiell ist es ja ein merkmal von wachem geist aller beteiligten, wenn erkenntnisse immer wieder umformuliert werden, aber... wie kommts? verändern sich die pilze etwa so schnell, dass man nicht nachkommt? oder seid ihr zu langsam :-)))

vg von ppf (die grad ein semmelstoppelpilzomelette intus hat, was ziemlich lecker war!)

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Re: Definitionen für Arten, Gattungen etc.

Wolfgang P., (vor 4766 Tagen) @ pilzipilzfreiburg

verändern sich die pilze etwa so schnell, dass man nicht nachkommt? oder
seid ihr zu langsam :-)))

Hallo,

die Pilze verändern sich nicht, nur die Methoden der Biologie verändern sich so schnell.

Genau genommen, haben wir es mit drei Artkonzepten zu tun:

- biologisches Artmodell: 2 Pilze gehören zu einer Art, wenn sie im Kreuzungs-Experiment Nachkommen hervorbringen

- genetisches Artmodell: 2 Pilze gehören zu einer Art, wenn sie in bestimmten Gensequenzen übereinstimmen

- morphologisches Artmodell: 2 Pilze gehören zu einer Art, wenn sie in allen äußerlichen und mikroskopischen Merkmalen übereinstimmen, die sich als Trennmerkmale bewährt haben

Das biologisches Artmodell hat den Nachteil, dass die meisten Pilze heute nicht im Labor zu kreuzen sind (außer z.B. Hallimasch).

Beim genetischen Artmodell wird zur Zeit am meisten neues Wissen generiert.

Das morphologische Artmodell war die letzten 150 Jahre das einzige, was die
Forscher zur Verfügung hatten.

Alle 3 Modelle liefern unterschiedliche Ergebnisse (nicht nur bei Pilzen übrigens). Was ist denn nun "richtig"??

Grüße,

Wolfgang

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Re: Definitionen für Arten, Gattungen etc.

pilzipilzfreiburg, (vor 4766 Tagen) @ Wolfgang P.

dann wäre es wohl wichtig, wann immer man aussagen oder erkenntnisse publizieren möchte, anzugeben, nach welcher der drei methoden man vorgeht und wie das ergebnis im kontext der methode zu sehen ist...

vg und danke für die interessante antwort

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Re: Lac lac

Der Juergen, (vor 4766 Tagen) @ Peter S.

Hallo Peter,

Allerdings ist dieser Artbegriff ja von uns gemacht in Wirklichkeit ist es
eine große Wolke von Individuen, die sich an 26 Stellen verdichtet hat.
Alles was dazwischen ist, bezeichnen wir als "mit intermediären
Merkmalen ausgestattet".

Diese Betrachtungsweise, die vermutlich auch unter den Fachleuten nicht so viele Anhänger hat, kommt vielleicht der Realität am nächsten. Man spricht auch von der Population als der reell existierenden Einheit, nicht unbedingt von der Art. Weil wir Menschen uns selbst als Individuen sehen, und gern unverwechselbar und einmalig, liegt uns der Gedanke der Art als singuläre Einheit näher, als z.B. die Sippe. Das ist ja auch oft verständlich, wenn man sich mal so seine krummbucklige Verwandtschaft anguckt, für die man ja nichts dafür kann *g*

In der Gensequenzierung werden sich die Individuen nun voneinander
unterscheiden oder eben nicht. Soweit ich weiß, ist von niemanden
festgelegt worden, wie groß ein Unterschied sein darf oder muss, damit wir
sagen können: ist eine andere Art oder ist nur eine andere Varietät.

Ja, das Gefühl habe ich auch. Bisher konnte ich von solchen Bestrebungen nichts lesen. Ich befürchte da auch in Zukunft eine Flut an Neubeschreibungen. Vielleicht hilft eine Novellierung des ICNafp, z.b. die Eliminierung der Autorennamen. Somit würde eine wichtige Motivation zu Splitten wegfallen ... und vielleicht die Originaldiagnose in Mandarin abfassen *g*

Das was mal vor 25 Jahren galt: 3 Unterschiedliche Merkmale sind eine Var., 5
untersch. Merkmale sind eine Art und nur 1 abweichendes Merkmal ist eine
Forma, ist ja anerkanntermaßen Blödsinn.

Nunja, es ist halt so definiert worden, so wie man demnächst den genetischen Abstand zweier Arten definieren wird (was ja mal in irgend einer Form geschehen muss).

Grüßle
Jürgen