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duftet umwerfend nach Früchtedrops? *PIC*

haseneier, (vor 4751 Tagen)

Fund von gestern, an der Gaißa 10km nördlich der Donau in Niederbayern, boden- und luftfeuchter Standort im schluchtartig eingeschnittenen Flußtal. Vermutlich Weide, bin mir aber nicht sicher, standen außerdem Zitterpappeln, Birken, Pappeln, Erlen und Fichten daneben. Saurer Boden (Bayerwald-Urgestein mit lokalen Quarzadern, also kalkigen Bereichen - Nebenpfahl)

Das Foto ist leider unzulänglich, die Wunde, in der die Pilze wuchsen, war 4 Meter über dem Boden und ich konnte nur das kleine untere Exemplar mit einem Ast herunterholen, sieht etwas angeschlagen aus, evtl. fotografier ich es morgen noch mal bei Tageslicht aus der Nähe.

Vielleicht reicht aber auch die Beschreibung:

Einer der auffälligsten Pilzgerüche ever: frisch schon intensivst nach sauren Fruchtbonbons (Anis finde ich nicht treffend, Anisgeruch kann ich bei anderen Arten gut identifizieren), einen Tag später erinnert mich der Geruch an einen sehr süßen Fruchtlikör aus Orangen und Kirschen, eine leicht vergorene Komponente ist hinzugekommen.

Die Oberseite des Hutes ist feinstreuselig bis schuppig, cremefarben bis blaß bräunlich, Hutrand heller und schmal nach oben aufgerollt, Schüppchen zur Hutmitte dunkler, aber winzig.
Die rosabräunlichen Verfärbungen sehen tatsächlich so aus wie auf dem Foto.
Lamellen an einigen Stellen ein wenig anastomisierend, aber am Übergang zum Stiel nicht netzförmig verbunden. Lamellen eher dick, aber nicht entferntstehend, mit kürzeren untermischt. Sporenfarbe müßte weißlich oder jedenfalls recht hell sein. Die Lamellenschneiden sind kleiig, aber an den intakten Stellen nicht wirklich gesägt.

Stiel filzig, voll, innen weiß, außen bräunlich, ca. 1cm Durchmesser beim kleinsten Exemplar. Hutbreite bei den großen Exemplaren deutlich über 10 cm, beim kleinsten 7,5 cm.

Hab meine ganze Literatur (GPBW, PdS, MichaelHennig, Winkler, Gerhardt, Laux nach Lentinus, Panus und Pleurotus durchforstet, nichts paßt 100%ig, am ehesten noch Panus suavissimus, auch wegen des lateinischen Namens. Aber wie gesagt, kein Anis und so groß!

In irgendeinem Forum glaub ich mal was gelesen zu haben über einen Lentinus (?) mit durchdringendem und unvergesslichen Bonbonduft - kann jemand helfen, bitte?

mykophile Grüße
Martin

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Re: duftet umwerfend nach Früchtedrops?

Schnuffel, (vor 4750 Tagen) @ haseneier

Fund von gestern, an der Gaißa 10km nördlich der Donau in Niederbayern,
boden- und luftfeuchter Standort im schluchtartig eingeschnittenen
Flußtal. Vermutlich Weide, bin mir aber nicht sicher, standen außerdem
Zitterpappeln, Birken, Pappeln, Erlen und Fichten daneben. Saurer Boden
(Bayerwald-Urgestein mit lokalen Quarzadern, also kalkigen Bereichen -
Nebenpfahl)
Vielleicht reicht aber auch die Beschreibung: Einer der auffälligsten
Pilzgerüche ever: frisch schon intensivst nach sauren Fruchtbonbons (Anis
finde ich nicht treffend, Anisgeruch kann ich bei anderen Arten gut
identifizieren), einen Tag später erinnert mich der Geruch an einen sehr
süßen Fruchtlikör aus Orangen und Kirschen, eine leicht vergorene
Komponente ist hinzugekommen.
Hab meine ganze Literatur (GPBW, PdS, MichaelHennig, Winkler, Gerhardt, Laux
nach Lentinus, Panus und Pleurotus durchforstet, nichts paßt 100%ig, am
ehesten noch Panus suavissimus, auch wegen des lateinischen Namens. Aber
wie gesagt, kein Anis und so groß!
In irgendeinem Forum glaub ich mal was gelesen zu haben über einen Lentinus
(?) mit durchdringendem und unvergesslichem Bonbonduft - kann jemand
helfen, bitte?

Hallo Martin,

ich halte den Pilz für (Neo)lentinus lepideus, den schuppigen Sägeblättling. Für den sind außer Anisgeruch auch Apfel, Perubalsam und Fruchtlikör beschrieben; das letzte stimmt ja genau mit Deinem Eindruck überein.

Übrigens: Die Aussage "Bayerwald-Urgestein mit lokalen Quarzadern, also kalkigen Bereichen - Nebenpfahl" verstehe ich nicht. Wolltest Du vielleicht kalkarm statt kalkig schreiben?

Gruß - Schnuffel

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Re: duftet umwerfend nach Früchtedrops? *PIC*

haseneier, (vor 4750 Tagen) @ Schnuffel

Hallo Martin,
ich halte den Pilz für (Neo)lentinus lepideus, den schuppigen Sägeblättling.
Für den sind außer Anisgeruch auch Apfel, Perubalsam und Fruchtlikör
beschrieben; das letzte stimmt ja genau mit Deinem Eindruck überein.
Übrigens: Die Aussage "Bayerwald-Urgestein mit lokalen Quarzadern, also
kalkigen Bereichen - Nebenpfahl" verstehe ich nicht. Wolltest Du
vielleicht kalkarm statt kalkig schreiben?
Gruß - Schnuffel

Hallo Schnuffel,

ja, den hab ich auch schon erwogen, letztendlich war er mir nur nicht schuppig und sägeblättrig genug. Ist aber noch im Rennen. Ich stell gleich noch die Detailfotos ein. Geruch des schuppigen S. würde schon sehr gut passen. Über Nacht ist übrigens noch Rhabarberkompott dazugekommen :-0.
Aromachemisch sollen derartige Gerüche aus Estern kommen, ich hab schon überlegt, ob es da vielleicht Varietäten gibt, die halt ihren privaten Ester brauen.

Wegen des Gesteins: Im allgemeinen ist es bei uns auf dem Urgestein so sauer/kalkarm, daß die wenigen Stellen, wo der Pfahl, eine Quarzader mit Einsprengeln von dies & das z.B. Graphit und eben kalkreicherem Gestein bis hin zu Marmor, für uns botanisch und mykologisch besonders interessant sind, weil nur dort (und am Innufer - Schwemmland aus den Alpen) die Chance besteht, calcophile Arten zu finden.
Die Stelle, an der ich war, ist ein Durchbruch durch diesen Pfahl, sodaß dort AUCH mit basischen Stellen zu rechnen ist, aber nur punktuell. Ohne Bodenuntersuchung versuche ich halt aus der Flora zu schließen was vorherrscht, kann hier tatsächlich sowohl sauer als basisch in enger Nachbarschaft sein.
Wegen Verwitterungsresistenz des Pfahlquarzes macht die Gaißa hier eine Doppelschleife und schneidet schluchtartig durch, wo der Widerstand am geringsten war.

So sieht es da z.B. aus:

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Lentinusfrage Detailbild 1 *PIC*

haseneier, (vor 4750 Tagen) @ haseneier

Lamellen wie gesagt zum Teil ganz glattschneidig, gesägte stellen hab ich eher als Fraß- und Sturzspuren interpretiert. Eine gelbbräunliche Färbungstendenz ist beim Trocknen bzw. Altwerden zu beobachten, aber nicht sporenbedingt m.E.
Stiel bräun,lich filzig mit Ausnahme einer schmalen Zione am Lamellenansatz.

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Detailbild 2: Hutoberseite *PIC*

haseneier, (vor 4750 Tagen) @ haseneier

Ich hab den nicht mit Grillgewürz bestreut. Ehere Frau Specht, die direkt oberhalb wohnt, auf dem Bild im startpost ist es zu erkennen. Kurz dachte ich sogar, vielleicht hat Frau Specht einen Beer4enextrakt gekocht und drübergebröselt, aber der Duft ist nicht in den Bröseln auf der Hutoberseite sondern am eindeutig am heftigsten in den Lamellen zu riechen.

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Detailbild 3 Huthaut *PIC*

haseneier, (vor 4750 Tagen) @ haseneier

Ausgeprägte dunkle Schuppen, wie sie auf den meisten abbildungen vom Schuppigen sägeblättling dargestellt sind, erkenne ich nicht, aber schon eine schuppige struktur.
Den Schuppigen stell ich mir auch irgendwie fester, härter, holziger vor, nicht so feucht und lappig. Kann aber evtl eine Alterserscheinung sein....

Ich hoffe sehr, daß noch jemand mit"rät" oder die Lösung raushaut.

lg
Martin

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Re: Detailbild 3 Huthaut

Joschi Siembida ⌂, (vor 4750 Tagen) @ haseneier

Hallo Martin,

einen Schuppigen Sägeblättling kann ich auf Deinen Fotos jetzt wirklich nicht erkennen. Zudem sollte der eher auf Nadelholz vorkommen. Schon bei Deinem ersten Foto dachte ich an den Beringten / Berindeten Seitling Pleurotus dryinus, nur Deine Geruchsangabe hat mich davon abgehalten. Also vergleich doch mal mit dem.

Gruß Joschi

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Re: Detailbild 3 Huthaut

haseneier, (vor 4750 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo Martin,
einen Schuppigen Sägeblättling kann ich auf Deinen Fotos jetzt wirklich nicht
erkennen. Zudem sollte der eher auf Nadelholz vorkommen. Schon bei Deinem
ersten Foto dachte ich an den Beringten / Berindeten Seitling Pleurotus
dryinus , nur Deine Geruchsangabe hat mich davon abgehalten. Also
vergleich doch mal mit dem.
Gruß Joschi

Danke Joschi, hilfreicher Tipp von Dir.

Ich war bei meinen Nachforschungen auch schon beim Berindeten vorbeigekommen, wir haben den auch kürzlich auf einer Ausstellung gehabt und optisch , d.h. Größe, Habitus, Lamellen, Hutschüppchen paßt der wirklich sehr gut. Daß vom Ring nur noch eine vage Zone übrig ist, ist beim offensichtlichen Alter und Maden befall auch verstehbar, bliebe also nur noch der Geruch, und der war keine Halluzination, sondern ein Erlebnis, daß ich nicht wieder vergessen werde.
Und die Literatur hilft da nicht weiter, jedenfalls meine nicht.
Aber dank i-net hab ich doch einen interessanten Treffer gelandet:

h**p://www.customcostumes.de/schwammer/forum/showthread.php?tid=1794

(darf man hier eigentlich direkt verlinken, ich hab vorsichtshalber mal die t's ausgetauscht?)

Da schreibt Uwe58 von ganz ähnlichn Geruchssensationen bei einem Pilz, der ansonsten Pl. dryinus sein müßte: " Der Geruch ist sehr stark und schwer zu beschreiben (süß-sauer, fruchtig, parfümiert".

Da der Geruch so eindrücklich und intensiv ist, daß er den früheren Beschreibern der Art kaum entgangen sein dürfte, stellt sich für mich die Frage:

Gibt es besondere Substratbedingungen oder vielleicht einen sekundären Befall, der diesen Geruch hervorruft, oder gibt es eine starkriechende, aber vergleichsweise seltene Varietät bzw. nahestehende oder rezent eingewanderte Art mit diesem Geruch?
Interessant wäre auch, ob sich in der Pilzliteratur anderer Länder/kontinente etwas darüber findet, da hab ich aber nicht wirklich Zugriff, sondern gebe die Frage mal vertrauensvoll weiter.
Die Lentinus-Hypothese ist für mich hiermit gestorben.

lg
Martin

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Re: Detailbild 3 Huthaut

Joschi Siembida ⌂, (vor 4749 Tagen) @ haseneier

Hallo Martin,

ich hab gerade mal im Ludwig nachgeschaut was der dazu schreibt: ... Geruch sich erst allmählich entwickelnd: süßlich-würzig [rettich- oder firnißartig], Geschmack ähnlich, etwa wie Clitocybe nebularis [bitterlich]...

Ich kann mir gut vorstellen, daß Dein Früchtedrops Duft etwas mit den Umweltfaktoren zu tun hat. Ob nun Holzart, Zersetzungsgard, Einwohner oder Spechtklo ... Nichts ist unmöglich.

Gruß Joschi