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Birkenporling ohne Birke

Ulysses, (vor 4746 Tagen)

Hallo zusammen,

hat jemand aus dem Forum den Birkenporling (Piptoporus betulinus) schon mal an einem anderen Substrat als Birke gefunden?

Heute an Hainbuche: 4 schöne Fruchtkörper! Ein Bild muss ich noch machen, hatte natürlich weder Handy noch Kamera dabei...

In Großpilze BaWü, bei Jülich, in PdS etc. wird überall einzig und allein Birke angeführt. Natürlich ist Hainbuche ein Birkengewächs, also nicht mal so weit weg, aber halt doch keine Birke.

Danke für Hinweise.

Schöne Grüße,
Josef

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Re: Birkenporling ohne Birke

Toffel, (vor 4727 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,

da sich keiner meldet (vielleicht hat ihn noch keiner an anderen Substraten gefunden), versuche ich es mal. Im Artikel der englischsprachigen Wikipedia (https://en.wikipedia.org/wiki/Piptoporus_betulinus) steht in der Einleitung immerhin, dass er "fast ausschließlich" an Birke vorkommt. Im Text wird das aber auch nicht näher erklärt. Anscheinend gibt es aber bei zahlreichen Arten, vielleicht sogar auch bei einigen Mykorrhiza-Pilzen sehr seltene Ausnahmen. Hast du dir den Pilz mal näher angesehen (z. B. Huthaut)?

Viele Grüße
Steffen

Hallo zusammen,
hat jemand aus dem Forum den Birkenporling ( Piptoporus betulinus ) schon
mal an einem anderen Substrat als Birke gefunden?
Heute an Hainbuche: 4 schöne Fruchtkörper! Ein Bild muss ich noch machen,
hatte natürlich weder Handy noch Kamera dabei...
In Großpilze BaWü, bei Jülich, in PdS etc. wird überall einzig und allein
Birke angeführt. Natürlich ist Hainbuche ein Birkengewächs, also nicht mal
so weit weg, aber halt doch keine Birke.
Danke für Hinweise.
Schöne Grüße,
Josef

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Re: Birkenporling ohne Birke

Schnuffel, (vor 4726 Tagen) @ Ulysses

hat jemand aus dem Forum den Birkenporling ( Piptoporus betulinus ) schon
mal an einem anderen Substrat als Birke gefunden?
Heute an Hainbuche: 4 schöne Fruchtkörper! Ein Bild muss ich noch machen,
hatte natürlich weder Handy noch Kamera dabei...
In Großpilze BaWü, bei Jülich, in PdS etc. wird überall einzig und allein
Birke angeführt. Natürlich ist Hainbuche ein Birkengewächs, also nicht mal
so weit weg, aber halt doch keine Birke.

Hallo Josef,

Hainbuche ist ein Haselgewächs und kein Birkengewächs, aber immerhin in derselben Ordnung der Buchenartigen wie die Birke.
Abgesehen davon glaube ich nicht an ein "Femdgehen" des Birkenporlings. Bei seiner Häufigkeit wäre das in mehr als 200 Jahren sicher schon jemand aufgefallen. Schau doch mal nach Piptoporus (Buglossoporus) quercinus, dem Eichen-Zungenporling. Der soll gelegentlich dem Birkenporling sehr ähnlich sehen. Die Chance, ihn selbst bei häufigerem "Fremdgehen" zu erwischen (das wäre dann auch innerhalb derselben Ordnung) ist bei einem derart seltenen Pilz natürlich auch äußerst gering.

Gruß - Schnuffel

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Re: Birkenporling ohne Birke

Toffel, (vor 4726 Tagen) @ Schnuffel

Hallo Schnuffel,

der Eichen-Zungenporling soll aber genauso streng an Eiche gebunden sein. Folgerst du aus der Seltenheit, dass es für diesen Pilz unwahrscheinlicher ist, dass ihn schon mal jemand nicht an Eiche gefunden hat? So abwegig ist das natürlich nicht.
Ein Bild (oder besser mehrere) von dem Fund wäre aber nicht schlecht.

Viele Grüße
Toffel

Hallo Josef,
Hainbuche ist ein Haselgewächs und kein Birkengewächs, aber immerhin in
derselben Ordnung der Buchenartigen wie die Birke.
Abgesehen davon glaube ich nicht an ein "Femdgehen" des
Birkenporlings. Bei seiner Häufigkeit wäre das in mehr als 200 Jahren
sicher schon jemand aufgefallen. Schau doch mal nach Piptoporus
(Buglossoporus) quercinus, dem Eichen-Zungenporling. Der soll gelegentlich
dem Birkenporling sehr ähnlich sehen. Die Chance, ihn selbst bei
häufigerem "Fremdgehen" zu erwischen (das wäre dann auch
innerhalb derselben Ordnung) ist bei einem derart seltenen Pilz natürlich
auch äußerst gering.
Gruß - Schnuffel

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Re: Birkenporling ohne Birke

Svampskogen, (vor 4726 Tagen) @ Schnuffel

Schnuffel, die Hainbuche gehört heute zu den Betulaceae.

Gruss Jonas

Hallo Josef,
Hainbuche ist ein Haselgewächs und kein Birkengewächs, aber immerhin in
derselben Ordnung der Buchenartigen wie die Birke.
Abgesehen davon glaube ich nicht an ein "Femdgehen" des
Birkenporlings. Bei seiner Häufigkeit wäre das in mehr als 200 Jahren
sicher schon jemand aufgefallen. Schau doch mal nach Piptoporus
(Buglossoporus) quercinus, dem Eichen-Zungenporling. Der soll gelegentlich
dem Birkenporling sehr ähnlich sehen. Die Chance, ihn selbst bei
häufigerem "Fremdgehen" zu erwischen (das wäre dann auch
innerhalb derselben Ordnung) ist bei einem derart seltenen Pilz natürlich
auch äußerst gering.
Gruß - Schnuffel

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Re: Birkenporling ohne Birke

Schnuffel, (vor 4726 Tagen) @ Svampskogen

Schnuffel, die Hainbuche gehört heute zu den Betulaceae.

Hallo Jonas,

das war mir bisher nicht bekannt, dass die früheren Familien Betulaceae und Corylaceae zu Unterfamilien der nun umfassenden Familie Betulaceae herabgestuft wurden.
Während ich die Änderungen der Gattungs- und Artnamen durchaus mitbekommen habe, sind meine Kenntnisse in der botanischen Systematik noch auf dem Stand von vor 45 Jahren.

Gruß - Schnuffel

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Re: Birkenporling ohne Birke

Ulysses, (vor 4725 Tagen) @ Schnuffel

Hallo beisammen,

danke erst mal für Eure Antworten. Bild kommt heute abend.

"Gecheckt" habe ich folgende Punkte zur Absicherung des Birkenporlings:
-Trama-Aufbau: di- bis trimitisch --> passt
-Sporen: allantoid --> passt
-papierartige Cutis: vorhanden --> passt

Zur Absicherung des Substrats hab ich mittlerweile mit Hilfe der "Mikroskopischen Holzanatomie" von F. Schweingruber herausgefunden, dass das Substrat mich makroskopisch aufgrund der glatten, grauen Rinde getäuscht hat. Mikroskopisch eindeutig, und auch makroskopisch durchaus passend (und im Baumbeständ der näheren Umgebung auch vorhanden): Zitterpappel (!)

Der Birkenporling ist da also mal so richtig fremdgegangen...

In der österreichischen Pilzkartierung finden sich interessanterweise zwei Funde an Fichte !?

Schöne Grüße,
Josef

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Re: Birkenporling ohne Birke

Ulysses, (vor 4725 Tagen) @ Ulysses

In der österreichischen Pilzkartierung finden sich interessanterweise zwei
Funde an Fichte !?

Das war jetzt natürlich falsch...

Richtig muss es heißen: in der österreichischen Kartierung gibts einen Fund an Waldkiefer. In der deutschen Kartierung, grad gesehen, gibts auch welche an Eiche!

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Re: Birkenporling ohne Birke

Peter S., (vor 4725 Tagen) @ Ulysses

Richtig muss es heißen: in der österreichischen Kartierung gibts einen Fund
an Waldkiefer.

Egal ob Pofalla sagt, dass die Spionage-Affäre der NSA vorbei ist, oder ob Ulbricht sagte, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu bauen.
Also man muss weder alles glauben, was irgendwo steht noch muss man jedem, der etwas sagt, blind vertrauen.

Mit andern Worten:
Das halte ich für einen Eingabefehler oder eine Fehlbestimmung.

Beste Grüße - Peter

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Re: Birkenporling ohne Birke *PIC*

Ulysses, (vor 4725 Tagen) @ Ulysses

Hallo beisammen,

nun die versprochenen Bilder. Etwas dunkel ist die Oberseite der Fruchtkörper schon, aber bei "normalen" Birkenporlingen habe ich das durchaus auch schon beobachtet. Auch auf der Abbildung in Großpilze BaWü 1 sind hellere und dunklere Fruchtkörper zu sehen. Unter einer ganz schwach filzigen Oberfläche folgt dann die typische Birkenporlings-"Papierkruste". Substrat ist wie heute schon geschrieben doch nicht Hainbuche, sondern Espe (Populus tremula).

Anhand der bei meinem Fund vorhandenen Papierkruste und der Sporenform bzw. -größe (deutlich allantoid, bis 6,5 µm lang) lassen sich m. E. die anderen Arten der Gattung (und nahe stehender Gattungen) ausschließen:

-P. quercinus (Buglossoporus qu.) hätte keine oder nur eine schwache Kruste und keine allantoiden Sporen;
-P. pseudobetulinus kommt bislang nur im hohen Norden vor, und passt trotz des Vorkommens an Pappel für meinen Fund trotzdem nicht: Sporen nicht allantoid und deutlich größer;
-P. soloniensis passt aufgrund Sporenform und -größe auch nicht und hätte wie P. quercinus als Substrat Eiche.

Mir fällt deshalb nichts besseres ein, als den Fund als fremdgängerischen Birkenporling zu verbuchen. Ein Drittel des großen Fruchtkörpers habe ich im Pilzherbar an der Regensburger Uni deponiert - wer weiß, vielleicht will ja mal jemand mikroskopische oder genetische Untersuchungen durchführen...

Vielen Dank nochmal für bisherige Kommentare (auch an Peter P. für die Mail).

Schöne Grüße,
Josef

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Re: Birkenporling ohne Birke *PIC*

Ulysses, (vor 4725 Tagen) @ Ulysses

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Re: Birkenporling ohne Birke

Toffel, (vor 4725 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,

der Stamm sieht mir aber schon nach Birke aus. ;-)

Viele Grüße
Toffel

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Re: Birkenporling ohne Birke

Joschi Siembida ⌂, (vor 4724 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,

den Pilz halte ich für einen Birkenporling. Beim Holz als Espe Populus tremula will ich aber nicht so richtig mitgehen. Aus der Hüfte geschossen hatte ich bei Deinem Foto auf Birke getippt. Ich hab mir die Fotos jetzt aber noch mal länger angeschaut und mit dem verglichen was ich mir im Kopf so unter Espe vorstelle und dann noch mit ein paar Fotos im Netz verglichen. Irgendwie passt das nicht, zumindest nach dem was man auf Deinen Fotos sieht.

Die Espe kann jung, bis etwa max 20cm Durchmesser, auch eine schöne glatte Rinde besitzen und damit der Birke sehr ähnlich sein, aber dafür ist Dein Stamm viel zu rauh. Wenn die Rinde der Espe anfängt aufzureißen, dann tut sie dies aber in einem typischen Rautenmuster. Hier und hier schön zu sehen. Dieses vermisse ich aber auf den Fotos.

Trotz Deiner eindeutigen mikroskpischen Holzbestimmung, wovon ich so gar keine Ahnung habe, möchte ich die Espe doch stark anzweifeln. Ohne weitere Fotos wäre ich daher weiter der Meinung daß es sich um eine Birke handelt. Da gibts ja auch mehrere Arten von. Eine schöne Übersicht ist hier zu finden.

Gruß Joschi

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Re: Birkenporling ohne Birke

Matthias, (vor 4724 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,
wie Toffel und Joschi schon gesagt haben sehe ich hier auch eine Birke, würde mich sehr wundern wenn es doch eine Espe sein sollte,
viele Grüsse
Matthias

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Re: Birkenporling ohne Birke

Ulysses, (vor 4724 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo Joschi,

eben diese irgendwie silberscheckige (mir fällt kein besseres Wort ein), recht glatte Rinde mit deutlichen Wulsten hatte mich auch "an der Nase herumgeführt". In der Umgebung des Fundorts in ca. 50 m Radius (das ist in einem Wald nicht viel, ich weiß) gibts an Laubbäumen nur Erlen, Hainbuchen und eben Espen. Birken erst in deutlichem Abstand, und auch da nur ein paar junge Exemplare. Größere Birken im passenden Durchmesser stehen erst wieder auf der anderen Hangseite.

Selbstverständlich muss der Stamm nicht vor Ort umgefallen sein (wofür mehrere abgebrochene Espenstämme von ähnlichem Durchmesser aber sprechen würden), er kann auch hintransportiert worden sein o. ä.

Zusammen mit der Holzmikroskopie, die sehr eindeutig ausfiel (sowohl Hainbuche als auch Birke haben deutlich andere Markstrahlen, Tüpfelfelder etc.) und dem zumindest nahräumigen Fehlen von Birke am Fundort bleibt für mich nur ein Schluss:

dass es, trotz sehr uneindeutiger Optik, eben kein Birkenstamm ist...

Schöne Grüße,
Josef

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Re: Birkenporling ohne Birke *PIC*

Ulysses, (vor 4724 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo Joschi,

auf diesem Bild hier denke ich kommt es besser rüber, wie der Stamm aussieht. Der Birken-Eindruck ist hier auch nicht so deutlich, dafür sieht man stärker die Epsen-typischen, langgezogenen Lentizellen...

Schöne Grüße,
Josef

[image]

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Re: Birkenporling ohne Birke

Joschi Siembida ⌂, (vor 4724 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,

auf diesem Bild hier denke ich kommt es besser rüber, wie der Stamm aussieht.

ja, hier ist schon etwas mehr zu erkennen und die Espe hat gerade einige Pluspunkte gesammelt, aber makroskopische Restzweifel habe ich dennoch. Müsste man wohl wirklich in Natura sehen!

Gruß Joschi

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Re: Birkenporling ohne Birke

Ulysses, (vor 4724 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo Joschi,

der Stamm ist halt auch nicht mehr ganz "taufrisch", dürfte vielmehr schon 1-2 Jährchen dort rumliegen. Dadurch verwischt das Aussehen der Rinde evtl. zusätzlich. Für mich ein Grund mehr, hauptsächlich auf die mikroskopische Holzanalyse zu bauen.

Schöne Grüße,
Josef

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Re: Birkenporling ohne Birke

Schnuffel, (vor 4722 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,

also doch Birkenporling an Birke.

Wenn das keine Birke ist, fress' ich einen Besen (aus Birkenreisig). :-((

Gruß - Schnuffel

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Re: Birkenporling ohne Birke

Ulysses, (vor 4721 Tagen) @ Schnuffel

Hallo Schnuffel,

wenn Du ein Stückchen haben willst, kann ich Dir gern einen Teil des Stamms inkl. Rinde zusenden. Auf den Bildern kommts tatsächlich nicht so recht gut rüber, aber Birke passt ganz einfach überhaupt nicht zur Rindenstruktur (ganz zu schweigen zum Aufbau des Holzes)...

Ums mal klar zu stellen: ich will hier nicht auf Teufel-komm-raus einen fremdgängerischen Birkenporling hervorzaubern. Aber man sollte auch fähig sein, auf seinem Standpunkt zu beharren, wenn man sich sicher ist (mit eigenen Augen gesehen, makro-/mikroskopische Absicherung etc.).

Das Hauptproblem dürfte dieser Astwulst ganz vorne sein, der sehr hell und etwas "gescheckt" und dadurch Birken-artig aussieht. Auf den anderen Bildern sieht man den Stamm mehr von oben. Dieser weißliche Bereich beschränkt sich dabei dann ganz offensichtlich eben auf den vordersten Teil, während der restliche Teil einheitlicher gefärbt ist.

Schöne Grüße,
Josef

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Re: Birkenporling ohne Birke

Schnuffel, (vor 4720 Tagen) @ Ulysses

wenn Du ein Stückchen haben willst, kann ich Dir gern einen Teil des Stamms
inkl. Rinde zusenden. Auf den Bildern kommts tatsächlich nicht so recht
gut rüber, aber Birke passt ganz einfach überhaupt nicht zur
Rindenstruktur (ganz zu schweigen zum Aufbau des Holzes)...

Hallo Josef,

gerne nehme ich das Angebot an. E-Mail mit Adresse ist schon unterwegs.
Ich hoffe, dass ich nicht bald um Lieferung eines Reisigbesens bitten muss.

Gruß - Schnuffel

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Re: Birkenporling an Espe!

Schnuffel, (vor 4694 Tagen) @ Schnuffel

Hallo allerseits,

das fast Unglaubliche hat sich bewahrheitet: das Substrat des von Jens gefundenen Piptoporus betulinus ist eindeutig Populus.

Jens hatte mir zur Nachprüfung eine Holzprobe geschickt, die ich, um Fehlinterpretationen meinerseits auszuschließen, zusammen mit authentischen Proben von Populus tremula und Betula pendula untersucht habe. Obwohl meine Schnitte mit der Rasierklinge bei weiten nicht an das Vorbild
http://www.wsl.ch/land/products/dendro/species_dico.php
mit Mikrotomschnitten herankamen, war der Unterschied der Hoftüpfel bei den Radial- und Tangentialschnitten ganz klar zu sehen; bei Populus etwa
10 µm Ø, bei Betula nur etwa 2,5 µm Ø.

Für Piptoporus betulinus ist somit die absolute Substratspezifität zu streichen, und ich sehe mich schon um, wie ich zu einem fressbaren Reisigbesen komme.

Allen Forumlesern wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr

Gruß - Schnuffel

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Re: Birkenporling an Espe!

Gabriele, (vor 4693 Tagen) @ Schnuffel

Hallo Ihr,
Glückwunsch!
seht bloß zu, daß Ihr das gut dokumentiert und irgendwo pilzlich veröffentlicht!
Dann spendiere ich auch einen persönlich handgefertigten Reißigbesen aus lecker Marzipan und Schoki.:-)
Gruß
Gabriele

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Re: Birkenporling an Espe!

Ulysses, (vor 4693 Tagen) @ Schnuffel

Hallo Schnuffel,

und das sogar, obwohl Jens eigentlich Josef heißt ;-)

LG und Frohe Weihnachten auch von mir!

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Re: Birkenporling an Espe!

Toffel, (vor 4693 Tagen) @ Schnuffel

Hallo,

das fast Unglaubliche hat sich bewahrheitet: das Substrat des von Jens
gefundenen Piptoporus betulinus ist eindeutig Populus.
Jens hatte mir zur Nachprüfung eine Holzprobe geschickt, die ich, um
Fehlinterpretationen meinerseits auszuschließen, zusammen mit
authentischen Proben von Populus tremula und Betula pendula untersucht
habe. Obwohl meine Schnitte mit der Rasierklinge bei weiten nicht an das
Vorbild
http://www.wsl.ch/land/products/dendro/species_dico.php
mit Mikrotomschnitten herankamen, war der Unterschied der Hoftüpfel bei den
Radial- und Tangentialschnitten ganz klar zu sehen; bei Populus etwa
10 µm Ø, bei Betula nur etwa 2,5 µm Ø.

das kommt jetzt wirklich überraschend. Es wäre wirklich gut, das mal zu publizieren.

Für Piptoporus betulinus ist somit die absolute Substratspezifität zu
streichen, und ich sehe mich schon um, wie ich zu einem fressbaren
Reisigbesen komme.

Ich habe mich schon gefragt, ob es überhaupt eine Pilzart gibt, die absolut spezifisch ist. Schließlich ist es nur natürlich, dass jede Art eine gewisse Variabilität aufweist, so auch beim Substrat, weil dadurch klimatische oder biologische Veränderungen besser überwunden werden können. Daraus resultiert ja auch Evolution. Auch ist es ja z. B. bei Zugvögeln so, dass es m. W. kaum eine Art gibt, bei der alle Individuen wegziehen. Umgekehrt gibt es auch bei den bleibenden Arten (Standvögel) mehr oder weniger Tiere, die über den Winter wegziehen.

Allen Forumlesern wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest und einen guten
Rutsch ins neue Jahr

Dir und allen Anderen ebenfalls frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.

Viele Grüße
Steffen

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Espe - Konsequenz

Ulysses, (vor 4693 Tagen) @ Schnuffel

Hallo Schnuffel,

danke für's Nachbestimmen des Holzes. Meine Gedanken dazu lauten ganz ähnlich wie die von Toffel - wenn auch andere Pilzarten als "Übersteiger" etc. mal an eigtl. fremdem Substrat/fremden Wirten vorkommen können, warum dann nicht auch der Birkenporling.

Den Aufruf von Gabriele und Toffel finde ich dabei aber gar nicht schlecht... wahrscheinlich sollte ein solcher Fund tatsächlich publiziert werden, da es ja anscheinend der erste wirklich gesicherte Nachweis des Birkenporlings an einem anderen Substrat als Birke ist.

Dazu würde ich den "Reisigbesen-Bann" von Dir nehmen, Dich aber dafür zur Co-Autorschaft verpflichten - ok?

Weihnachtliche Grüße
Josef

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Re: Espe - Konsequenz

Svampskogen, (vor 4693 Tagen) @ Ulysses

Das ist wirklich bemerkenswert, vor allem auch weil Birke und Espe phylogenetisch gesehen ziemlich weit entfernt stehen.

Gruss Jonas

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Re: Espe - Konsequenz

Schnuffel, (vor 4693 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef !

danke für's Nachbestimmen des Holzes. Meine Gedanken dazu lauten ganz ähnlich
wie die von Toffel - wenn auch andere Pilzarten als
"Übersteiger" etc. mal an eigtl. fremdem Substrat/fremden Wirten
vorkommen können, warum dann nicht auch der Birkenporling.

Es wäre sicher interessant zu erforschen, worauf die Substratspezifität eigentlich beruht.
(Vielleicht existiert ja schon einiges zu diesem Thema.) Besteht die Schranke schon bei der Keimung der Sporen oder erst beim Wachstum des Mycels? Hat bei Übersteigern das Mycel noch Kontakt zum ursprünglichen Substrat?

Den Aufruf von Gabriele und Toffel finde ich dabei aber gar nicht schlecht...
wahrscheinlich sollte ein solcher Fund tatsächlich publiziert werden, da
es ja anscheinend der erste wirklich gesicherte Nachweis des
Birkenporlings an einem anderen Substrat als Birke ist.
Dazu würde ich den "Reisigbesen-Bann" von Dir nehmen, Dich aber
dafür zur Co-Autorschaft verpflichten - ok?

Da ich zum Fund nichts beigetragen, lediglich Deinen Befund Populus betätigt habe, halte ich eine Co-Autorschaft nicht für angemessen. Wenn ich damals schon gewusst hätte, dass Du nicht zu den botanisch völlig Unbeleckten gehörst, hätte ich vermutlich nicht so beharrlich gegen Populus protestiert.

Weihnachtliche Grüße - Schnuffel

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Re: Birkenporling an Espe!

Schnuffel, (vor 4693 Tagen) @ Ulysses

und das sogar, obwohl Jens eigentlich Josef heißt ;-)

Hallo Josef,

unverzeihlich und nicht zu entschuldigen, den Josef als Jens benannt zu haben, gerade in der Weihnachtszeit. Da wäre es noch eher verständlich, einen Jens als Josef zu benamsen.

Ich verspreche Dir hoch und heilig, wenn's in Zukunft versehentlich wieder vorkommen sollte, Dich dann nur noch als Mario anzusprechen. ;-))

Gruß - Schnuffel

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Re: Espe - Konsequenz

Andreas ⌂, (vor 4691 Tagen) @ Svampskogen

Das ist wirklich bemerkenswert, vor allem auch weil Birke und Espe
phylogenetisch gesehen ziemlich weit entfernt stehen.
Gruss Jonas

Hallo,

naja, ich denke es ist in diesem Fall wohl eher die räumliche Nähe: Espe und Birke wachsen oft dicht beieinander. Das sieht man am ehesten mal bei solchen sehr substratspezifischen Arten. Dass sie, wenn sie schon ein anderes Substrat annehmen, dann etwas was direkt daneben liegt oder steht besiedeln. Ich hatte mal Mollisia rosae (spezifisch auf Rose) auf Kiefernzapfen - die halt unter einem Rosenstrauch lagen unter dem Millionen von M. rosae auf den ganzen toten Rosenästen fruktifizierten.
Trotzdem sehr außergewöhnlich, denn Espe und Birke bilden ausgedehnte Wälder im Norden, und dennoch wurde bisher Piptoporus betulinus noch nie von Espe beobachtet (meines Wissens jedenfalls).

beste Grüße,
Andreas

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Re: Espe - Konsequenz

Ulysses, (vor 4691 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

wohl eher die räumliche Nähe: Espe und
Birke wachsen oft dicht beieinander.

Tatsächlich trifft das in diesem Fall nur soweit zu, dass die nächste Birke gut 50 m Luftlinie weg steht. Ein "Herunterplumpsen und Anwachsen" ist daher eher unwahrscheinlich. Die Pappeln, von denen auch das Stammstück ist, stehen aber ungewöhnlich nass, da die Espe eher selten bis in staunasse Bereiche von Auen und Mooren vordringt. Hier stehen sie am Rand eines Erlenbruchs auf anmoorigem Aueboden. Das macht die Pappeln evtl. zusätzlich anfällig für Parasiten.

Aber mein Fund ist natürlich immer noch ganz einfach: eine Ausnahme. Und als solche sehe ich ihn auch. In GroPi BaWü 1 wird berichtet, dass Piptoporus betulinus in Kultur auch auf Buche und Fichte wächst; eine gewisse Variabilität scheint also doch auch vorhanden zu sein! Vielleicht ist die Art hinsichtlich ihrer Besiedlungsstärke anderen Pilzarten deutlich unterlegen, und kann sich nur an Birke gut entfalten?!

So wie auch Schnuffel frage ich mich, worauf die Spezifität überhaupt beruht. Und: sind unspezifische Arten dies "von Anfang an", oder treten erst nach und nach durch Mutation und Selektion neue Typen/Rassen/... auf, die dann zusätzlich dieses und jenes Substrat besiedeln können? Für ersteres spricht, dass manche Arten ja sogar ihnen evolutionär fremdes Substrat besiedeln können (z. B. Essigbaum, Palmenholz etc.).

Ich hatte mal Mollisia rosae (spezifisch auf Rose) auf
Kiefernzapfen - die halt unter einem Rosenstrauch lagen unter dem
Millionen von M. rosae auf den ganzen toten Rosenästen fruktifizierten.

Ein weiteres gutes Beispiel... wird die Ansiedlung auf dem Kiefernzapfen durch den hohen Sporendruck quasi "erzwungen", oder kommen weitere Faktoren zum tragen? Vielleicht sind auch "Wegbereiter" (d. h., andere Pilze, Baktieren o. ä.) nötig, die das Substrat zuvor besiedeln und es soweit abbauen und aufschließen, dass auch eigtl. hier nicht wuchsfähige Art sich ansiedeln können?

Spannendes Thema... weiteres Beispiel: die Misteln (Viscum spec.). Tannen- und Kiefernmistel bleiben ziemlich brav auf ihrem eingeschränkten Artenspektrum, während die Laubholzmistel auf vielerlei Laubbäumen vorkommt. Auch hier dürfte somit eine Schranke bei der Samenkeimung, bei der Bildung des Haustoriums und/oder bei weiteren Entwicklungsschritten vorhanden sein.

Schönen Gruß
Josef

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Re: Espe - Konsequenz

Svampskogen, (vor 4691 Tagen) @ Ulysses

Hallo

Worauf Wirtsspezifität beruht habe ich mich auch schon gefragt. Das müsste doch eigentlich bekannt sein?! Eventuell könnte ja das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein bestimmter Enzyme bedeutend sein?
Falls eine Pilzart mit breitem Wirtsspektrum dies durch Bildung neuer Rassen erlangt hat (sollte dann ja genetisch nachweisbar sein), würde ich eher spekulieren, dass in so einem Fall sich recht rasch 2 verschiedene Arten entwickeln, da sie ja nun reproduktiv voneinander isoliert sind. Aber wie so oft bei Pilzen reine Spekulation und das kann ja auch je nach Art anders sein....

Gruss Jonas

Hallo Andreas,
Tatsächlich trifft das in diesem Fall nur soweit zu, dass die nächste Birke
gut 50 m Luftlinie weg steht. Ein "Herunterplumpsen und
Anwachsen" ist daher eher unwahrscheinlich. Die Pappeln, von denen
auch das Stammstück ist, stehen aber ungewöhnlich nass, da die Espe eher
selten bis in staunasse Bereiche von Auen und Mooren vordringt. Hier
stehen sie am Rand eines Erlenbruchs auf anmoorigem Aueboden. Das macht
die Pappeln evtl. zusätzlich anfällig für Parasiten.
Aber mein Fund ist natürlich immer noch ganz einfach: eine Ausnahme. Und als
solche sehe ich ihn auch. In GroPi BaWü 1 wird berichtet, dass Piptoporus
betulinus in Kultur auch auf Buche und Fichte wächst; eine gewisse
Variabilität scheint also doch auch vorhanden zu sein! Vielleicht ist die
Art hinsichtlich ihrer Besiedlungsstärke anderen Pilzarten deutlich
unterlegen, und kann sich nur an Birke gut entfalten?!
So wie auch Schnuffel frage ich mich, worauf die Spezifität überhaupt beruht.
Und: sind unspezifische Arten dies "von Anfang an", oder treten
erst nach und nach durch Mutation und Selektion neue Typen/Rassen/... auf,
die dann zusätzlich dieses und jenes Substrat besiedeln können? Für
ersteres spricht, dass manche Arten ja sogar ihnen evolutionär fremdes
Substrat besiedeln können (z. B. Essigbaum, Palmenholz etc.).
Ein weiteres gutes Beispiel... wird die Ansiedlung auf dem Kiefernzapfen
durch den hohen Sporendruck quasi "erzwungen", oder kommen
weitere Faktoren zum tragen? Vielleicht sind auch "Wegbereiter"
(d. h., andere Pilze, Baktieren o. ä.) nötig, die das Substrat zuvor
besiedeln und es soweit abbauen und aufschließen, dass auch eigtl. hier
nicht wuchsfähige Art sich ansiedeln können?
Spannendes Thema... weiteres Beispiel: die Misteln (Viscum spec.). Tannen-
und Kiefernmistel bleiben ziemlich brav auf ihrem eingeschränkten
Artenspektrum, während die Laubholzmistel auf vielerlei Laubbäumen
vorkommt. Auch hier dürfte somit eine Schranke bei der Samenkeimung, bei
der Bildung des Haustoriums und/oder bei weiteren Entwicklungsschritten
vorhanden sein.
Schönen Gruß
Josef