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Octospora - ein Bestimmungsversuch... *PIC*

Klaas, (vor 4715 Tagen)

Hallo zusammen,

anbei ein Moosbecherling vom Sonntag aus der sog. "Flörsheimer Schweiz, am Wegrand zwischen schmaler Baumreihe und pilzfreier Wiese gewachsen,
in der Nähe eines ehemal. Kalksteinbruchs.
Zwischendurch war ich fast soweit, an O. axillaris zu glauben, dann dachte ich wieder an zwei verschiedene Arten, inzwischen bin ich in meinen
Recherchen soweit fortgeschritten, dass ich bezweifle, überhaupt auch nur die Fotos vom befallenen Moos bzw. den Moosen richtig zusammengestellt
zu haben. In meinem Kopf und auf meiner Festplatte herrscht gerade ein solches Chaos, welches die Moosbestimmung nicht merklich vereinfacht.
Ich glaube zumindest, Barbula unguiculata als solches erkannt zu haben. Mir scheint jedoch, eine Phascum-Art wächst vorwiegend im mitgenommenem
Boden. Von Moosen habe ich aber wirklich Null Ahnung.
Hinzu kommt, dass zwischendrin "irgendwie andere Apos" wuchsen - sowohl neben als auch auf dem einen wie auch dem anderen Moos - sofern es sich
denn hierbei wirklich um mehrere Moos-Arten handelt... Die wenigen "Anderen" sind makroskopisch weitaus kissenförmiger/halbkugeliger als die Restlichen,
haben in fast allen Teilen größere und markantere Zellen (Paraphysen, Tropfen in Sporen u.a.).

Mal ein Bild von vor Ort, evtl./vermutlich kann man hierbei schon etwas zu den Moos-Arten sagen?

[image]

Ich bin wie Flasche leer im Kopf, sitze hier vor möglichen Substraten von irgendwelchen Arten, deren Namen ich kaum aussprechen kann -
kann mir jemand dabei helfen, mein Chaos zu entwirren?

Noch ein kleines Übersichtsbild zum Chaos, in den vier nachfolgenden Links gibt es das Durcheinander etwas besser aufgelöst:

[image]

Grüße
Klaas

http://taunuspilz.de/coppermine/albums/ftp_ul/2013_12_01/2013_12_01_Octospora_Floershei...
http://taunuspilz.de/coppermine/albums/ftp_ul/2013_12_01/2013_12_01_Octospora_Floershei...
http://taunuspilz.de/coppermine/albums/ftp_ul/2013_12_01/2013_12_01_Octospora_Floershei...
http://taunuspilz.de/coppermine/albums/ftp_ul/2013_12_01/2013_12_01_Octospora_Floershei...

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Re: Octospora - ein Bestimmungsversuch...

DirkW, (vor 4715 Tagen) @ Klaas

hallo klaas,

also rein von den sporen her, wäre ich fast sicher, dass es sich bei deinen aufsammlungen um o. gemmicola (1. sporen) und o. axillaris (2. sporen handelt). bei den moosen halte ich mich mal vornehm zurück ...
ich würde die moose in jedem fall immer von einem spezialisten abklären lassen.

lg

dirk

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Re: Octospora - ein Bestimmungsversuch...

Klaas, (vor 4715 Tagen) @ DirkW

Danke Dirk,

Deine Einschätzung beruhigt mich insofern schon, dass Du zwei Arten nennst und zudem
auch die axillaris dabei ist. Der gemmicola müsste wohl Bryum als Substrat dienen, wenn
ich richtig sehe. Auf Günters/Jans Octospora-Seite hing ich bei dieser gemmicola auch
schon inne, konnte bei mir aber keine Bryum-Art festmachen. Die Moosbestimmung scheint
mir nach bisher wenigen Kontakten mit dieser Materie aber auch arg kompliziert...
Mal sehen, was ich selbst noch dazu herausfinden kann.

Viele Grüße
Klaas

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Re: Octospora - ein Bestimmungsversuch...

Abt, (vor 4715 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,
auf Deinem Gesamtübersichtsfoto sind Moose aus den Gattungen Bryum und Barbula zu sehen, aber das hilft leider auch nicht unbedingt weiter, wenn alles so zusammen und durcheinander wächst.
Vorgehensweise wäre jetzt, zu untersuchen, welcher Apo mit welchem Moos zusammenhängt.
Dazu musst du geduldig das Substrat 'auswaschen', also so lange Apo & Moos in Wasser schwenken bis keine Erde, keine Steinchen u.ä. Störfaktoren mehr vorhanden sind. Dann in BWB färben unters Mikro legen und Fotos machen und hier zeigen.
Dann kann Dir evt. geholfen und gesagt werden, ob es sich um die Infektion des Wirtsmooses oder doch nur um Blaualgencluster oder andere Schimären handelt.
Ich will Dirks Meinung weder in Frage stellen noch bestätigen -seriöser und weitaus mühseliger wäre freilich leider mein Vorschlag zur Namensfindung.
Normalerweise würde ich jetzt hinzufügen:
Oder du schickst mir den Eiersporen-Scheiss her, wenn es Dir wirklich wichtig ist.
Habe aber derzeit und in den nächsten Wochen leider keine Zeit über, wäre also nur was für später mal.
Dann aber bitte jeden Apo mikroskopieren und die beiden Arten voneinander trennen.
Beispiel-Fotos zu Infektionen findest du auf der HP von Jan: octospora.de
Guten Abend,
Marcel

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Eiersporen?! ;-) *oT*

DirkW, (vor 4715 Tagen) @ Abt

- kein Text -

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Re: Octospora - ein Bestimmungsversuch...

Klaas, (vor 4714 Tagen) @ Abt

Hallo Marcel,

die letzten 2,5 Stunden habe ich erstmal damit verbracht, Moose zu waschen, die Rhizoiden aufzudröseln und
nach Gemmen zu suchen, nachdem mich Torsten gestern noch auf den "Bryum-Rhizoidgemmen-Trip" gebracht hatte...

Jedenfalls sind nach etwas über 30 Proben zwar selten, aber immerhin wenige violette und etwas warzige Rhizoiden
zwischen den ansonsten hellbraunen, dickwandigen und glatten zu finden - allerdings nirgendwo eine Gemme zu entdecken.
Wenn ich Torsten richtig verstanden habe und das auch erstmal irgendwo zum Vergleich nachlesen muss, wäre damit eine
Bryum-Art mit an Bord (rubens, ruderale?).

Besten Dank erstmal wieder für Deine Tipps, wenn ich nachher oder morgen dazu komme, versuche ich mich mal an dieser
BWB-Arie, die vermutlich ähnlich erfolgsgekrönt sein wird, wie meine Suche nach Gemmen.
Die Infektions-Fotos sehen jedenfalls sehr interessant aus.

Und auch danke, aber nein zum "Eiersporen-Scheiss"-Übernahme-Angebot - habe den Scheiß schließlich angefangen und
sollte ihn auch (wenigstens vorwiegend) selbst zum guten Ende bringen, oder eben eigenhändig begraben... ;)

Viele Grüße
Klaas

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Re: Octospora - ein Bestimmungsversuch...

Abt, (vor 4714 Tagen) @ Klaas

Guten Abend Klaas,
violett deutet auf Bryum ruderale hin, auch wenn ich hier weit & breit keinen Torsten-Beitrag erkennen kann, vermutlich ist der Typ dir im Traum erschienen -das macht er, bzw. sein Geist, öfter und gerne.
Passt zu O. gemmicola, aber das weißt du ja eh schon.
Bei der Gründlichkeit & Ausdauer mit der du deine Funde zu bearbeiten pflegst, hege ich keine Zweifel daran, dass du früher oder später eine Infektion finden wirst, lass dich da mal nicht von niedersächsischen Skeptikern beeindrucken.
Genauso wenig wie von den Infektionen, die soo atemberaubend doll & abwechslungsreich auch wieder nicht daherkommen. Man muss sie halt untersuchen, so wie man zuerst einen Korken ziehen muss, bevor man Wein trinken kann. Der Korken wird schnell uninteressant.
Und, auch wenn das nicht unbedingt hierher gehört und bei Dir vermutlich eine folgenschwere große Glaubenskrise auslösen wird, möchte ich abschließend gesagt haben: Der immer noch weit verbreitete Zinnober, dass zu jedem Moosbecher nur mal ein, mal zwei, mal drei Wirtsmoose passen, ist -genau: Zinnober.
Wer sich bisschen länger damit beschäftigt, findet raus, dass zu vielen Moosbechern eher mal drei, mal vier, mal fünf Wirtsmoose passen (können).
So viel für heute,
Marcel

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Re: Octospora - ein Bestimmungsversuch...

Ingo Jürgens, (vor 4714 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

Du hast mal wieder viele und sehr schöne Mikrofotos zusammengestellt und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den beiden Moosbecherlingen um Octospora gemmicola und Octospora axillaris, die Sporenfotos lassen (wie Dirk es ja auch schon gesagt hat) kaum eine andere Bestimmung zu.

Zum Fundortfoto: Moosspezialisten werden darauf sicher mehrere Arten erkennen oder besser gesagt, aufgrund ihrer Erfahrung mehrere Arten richtig tippen, zur Absicherung aber immer auf eine mikroskopische Untersuchung bestehen.

Ich habe mich zwar nur im bescheidenen Umfang mit Moosen beschäftigt, meine aber, dass unter den Mikroaufnahmen der von Dir gesammelten Moose auch die Wirtsmoose der oben genannten Moosbecherlinge zu finden sind.

In der Zusammenstellung der Moos-Mikros sind zwar einige Arten durcheinander geraten, das soll hier aber nicht stören. Äußern möchte ich mich auch nur zu der unteren Hälfte, von Dir mit "mögliches Substrat B: indet. Phascum" betitelt.

In dieser unteren Hälfte findet sich ein Makrofoto (links oben), auf dem mit einiger Wahrscheinlichkeit Phascum cuspidatum zu sehen ist und die Mikrofotos in der Mitte und rechts unten zeigen Blattspreiten und Blattzellen, die sehr nach Phascum cuspidatum aussehen.

Die anderen Mikros in der unteren Hälfte (die mit den länglichen, rhombischen bis sechseckigen Zellen) sind dagegen der Gattung Bryum zuzuordnen.

Die Wirtsmoose von Octospora gemmicola (das sind verschiedene Bryum-Arten) und von Octospora axillaris (das ist Phascum cuspidatum) sind also mit größter Wahrscheinlichkeit am Fundort Deiner Moosbecherlinge vorhanden.

Eine direkte Verbindung zwischen den Moosbecherlingen und den Wirtsmoosen wurde zwar nicht nachgewiesen, im Moment spricht aber alles was vorliegt für die Artdiagnose Octospora gemmicola und O. axillaris.

Das Auswaschen des Substrates (wie Marcel es vorschlägt) ist eine sehr mühsame und häufig nicht von Erfolg gekrönte Arbeit, versuchen sollte man es aber, denn Fotos einer eindeutigen Verbindung zwischen Moosbecherling und Wirtsmoos haben höchsten Seltenheitswert.

LG Ingo

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Re: Octospora - ein Bestimmungsversuch...

Klaas, (vor 4714 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo Ingo,

auch Dir besten Dank für Deine ausführliche Antwort und die Tipps!

In der Zusammenstellung der Moos-Mikros sind zwar einige Arten durcheinander

geraten, das soll hier aber nicht stören.

Doch, das stört, besonders mich! Das war aber zu erwarten, nachdem ich aus Platzgründen
von 3 auf 4 Seiten umgestellt und die Bilder dabei umsortiert hatte. Moose scheinen mir
immer mehr interessant, nur stehe ich gerade dabei ähnlich doof da, wie bei den Pilzen...
Ich versuche, das noch irgendwie in Ordnung zu bringen, nachdem ja inzwischen durch
mehrere Hinweise die Anwesenheit einer Bryum-Art sehr sicher ist.

Die O. axillaris bei (und auf) Phascum, die O. gemmicola bei Bryum würde dann ja soweit passen,
die Barbula wäre dann wohl nur Zuschauerin. Vorhin hatte ich aber mal ein Apo direkt auf einer
(zumindest als solcher gedeuteten) Barbula (unguiculata) gewachsen, die Sporen sahen sehr nach
O. gyalectoides aus - was das Chaos schließlich nahezu perfektionieren würde...

Viele Grüße
Klaas

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Re: Octospora - ein Bestimmungsversuch...

DirkW, (vor 4713 Tagen) @ Klaas

na dann hast du ja endlich eiersporen für marcel ;-)

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Re: Octospora - ein Bestimmungsversuch...

Pilzthomas, (vor 4711 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

ich bin etwas spät dran, aber vielleicht sind meine Kommentare zu den von Dir gezeigten Moosen dennoch von Interesse.

Zunächst einmal vielen Dank für das zeigen Deiner schönen Tafeln.

Mit der Tafel "2013_12_01_Octospora_Floersheim-4.jpg" zeigt Du einzelne, der am Set vorgefundenen Moose.
Nun hast Du ja bereits festgestellt, dass die Zusammenstellung noch etwas provisorisch ist.
1) Die 5 Bilder der oberen Reihe zeigen m.E. eine Barbula convoluta, denn die Rippe tritt in den abgelichteten Blattspitzen eben nicht aus (wobei ich davon ausgehe, dass die Bilder auch tatsächlich zu der hellgrünen Pflanze gehören).
2) Die zweite Bildreihe von oben zeigt unterschiedliche Balltzellnetze (Laminazellen) verschiedener Arten:
Rechts evtl. von Phascum cuspidatum (parenchymatische Zellen), rechts prosenchymatische Zellen einer anderen Art (evtl. eines Bryums oder noch etwas ganz anderes).
3) Die nächsten Bilder gehen durcheinander. Im Standortphoto (links) ist im linken unteren Bildteil eine Gruppe Phascum cuspidatum (nur nach Bildansprache, also ohne Gewähr) zu sehen. Diese werden von einer lockeren Gruppe kleiner Bryum-Pflänzchen umringt. Oben links im Bild steht wohl die vermeintliche Barbula convoluta (hellgrün).
Das letzte Bild unten rechts (Blattgrundzellen) sowie die aufrecht abgebildete Blattspitze in der Mitte darüber zeigen wahrscheinlich Phascum cuspidatum. Die übrigen Fotos zeigen aber ein Blatt sowie Details der Spitze und des Zellnetzes einer Bryum-Art (deren Gemmen Du evtl. gefunden hast, wie Du weiter unten geschrieben hast).

Vielleicht bist Du bei der Moosbestimmung auch schon weiter gekommen?

Viel Spaß und neue Erkenntnisse wünscht
Thomas