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Rindenkugelpilz - Eutypella? *PIC*

UmUlmHerum, (vor 4704 Tagen)

Guten Abend miteinander!

Nachdem die Pilze mit Hut und Stiel derzeit so rar sind, hier eine aktuelle Frage zu einem Asco auf Totholz:

Vor einem Jahr hatte ich bei 82499 Uffing (Oberbayern) den Gerandeten Rindenkugelpilz (Biscogniauxia marginata) gefunden und dank Eurer Hife auch bestimmt. Da dieser Pilz in unserem Pilzverein um Ulm herum unbekannt ist, schaue ich ständig, ob ich ihn nicht doch finden kann. Nun entdeckte ich etwas, das makroskopisch sehr ähnlich aussieht, aber was ganz anderes ist:

Makro:
Am Waldrand auf einem langen Haselast(?), Ø 2,5cm, sitzend; sprengt die Rinde wie B.m.; runde bis leicht ovale, kohlschwarze Perithecien, Ø 4-5 mm, Höhe ca. 2 mm, die meisten näpfchenförmig, wenige nicht vertieft, sondern leichter gebuckelt. In KOH (20%) nach 45 min. nur ganz leichte Gelbfärbung (habe einen 1/2 Frk. mit dem Messer zerkleinert).

Mikro:
Bei 20x (Auflicht): "Matrix" schwarzbraun; gallertig-weißliche Ostiolen.
Bei 800x: die Sporen sind würstchen-förmig, durchsichtig, L = 6...9 µm, Breite 2,5...3,0 µm; sehr lange Schläuche mit je 8 Sporen "auf einem Haufen", flaschenförmig mit sehr langem Hals, dickwandig mit oberer Öffnung (inoperculat), reif bis 25 µm lang, unreif kürzer; dazwischen sehr lange dünne Paraphysen - Länge bis 400 µm, Dicke bis 5 µm, mit einer Menge Tröpfchen drin; die "Zellen" in der Basis der Gallertmasse der Ostiolen sind rundlich.

Angefärbte Mikros:
Heute habe ich zum ersten Mal in meiner jungen Mikro-Karriere mit Baumwollblau experimentiert. Dazu habe ich mehrere "Bollen" Hymenium aus der holzigen Matrix präpariert und diese erst mal in Melzer gebadet - die Sporen wurden dadurch leicht gelbbraun. Dann bin ich mit Baumwollblau drüber und habe folgendes beobachtet:
Die runden "Basiszellen" in den Ostiolen, reife Sporen und "reife" Schläuche lassen sich nicht anfärben. Das Zeug in den Paraphysen wird kräftig blau, ebenso die Masse in Schläuchen, die einmal Sporen werden. In manchen Schläuchen sind schon kleine Sporen und auch noch dieses feine Gekröse, wobei letzteres intensiv blau wird, während diese Schläuche und unreifen Sporen nur leicht blau werden.

Die Mikro-Fotos sind frei Hand mit der Canon-Spiegelreflex durchs Okular aufgenommen - deswegen ist die Bildqualität entsprechend :-( aber man kann schon was erkennen.

Habt Ihr eine Idee dazu?

Viele Grüße - Rika

Makro:
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Sie können auch in Reihe wachsen:
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Auflicht 20x:
Die Perithecien sitzen jeweils unten auf dem Holz, beim 2. Bild sieht man links und rechts die dünne Rindenschicht.
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Durchlicht 320x:
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Durchlicht 800x:
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Re: Rindenkugelpilz - Eutypella?

jesko, (vor 4703 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

in einem recht kompaktem Stroma zusammensitzende Perithezien mit 8-sporigen Asci mit schmalen, allantoiden Sporen deutet schon auf Eutypella. 2,5 cm Stromadurchmesser nehme ich Dir jedoch nicht ab (eher 2,5 mm), und bis 3,0 mmm geht die Breite der Sporen bestimmt auch nicht, die sollten schmaler sein. An Hasel habe ich aus meiner Erinnerung nie eine Eutypella gefunden, das muss freilich nichts heißen. Sollte das Substrat tatsächlich Corylus sein, dann ist es wohl keine gängige Art bzw. Substratbeziehung. Wenn Du Dich allerdings beim Substrat auch mit Sorbus anfreunden könntest (ich will Dir aber nichts einreden), dann käme da die recht häufige E. sorbi in Betracht (wohl dasselbe wie E.prunastri an Prunus), die man auch zusammen mit der von Dir erwähnten Biscogniauxia marginata findet.
Wie bei vielen Valsa sensu lato ist man auch bei Eutypella oft in der Zwickmühle. Morphologisch sind viele Literaturarten nicht gut charakterisiert, besonders wenn sie mittelgroße, subhyaline Sporen wie bei Deinem Fund haben. Dann stünde die Frage, wie wirtsspezifisch die einzelnen Arten sind und ob man dementsprechend nach Substrat bestimmen kann.
Eigentlich keine Bauchschmerzen habe ich in meinen Revieren bei der Bestimmung von E. prunastri und sorbi (anhand des Substrats), dissepta und stellulata (Substrat und Morphologie) oder scoparia (durch die kleinen Schläuche und Sporen ganz gut festgelegt, dafür wohl aber recht polyphag, wie mir eigene Beobachtungen zB an Acer, Caragana, Carpinus, Colutea, Fagus, Laburnum, Robinia, Tilia und Ulmus zeigen wollen).

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Rindenkugelpilz - Eutypella?

UmUlmHerum, (vor 4703 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort und die Bestätigung der Gattung!

Die Angabe Ø 2,5cm hatte ich auf den Laubholzast bezogen (das war wohl etwas missverständlich geschrieben), die Stromata sind 4-5 mm im Ø mit einer Höhe um die 2mm. Bei den Mikro-Angaben hatte ich jeweils ein "my" vor dem "m" stehen - kommt so auch auf meinem Bildschirm!?

Korrigieren muss ich die Länge der Asci auf max. 80 µm (25 µm ist viel zu kurz und ohne den unteren "Stiel" gerechnet) - da hatte ich einen Fehler drin. Nachdem ich gerade in Ascofrance/Eutypella gestöbert habe, stelle ich fest: ich sollte die Asci nicht als "flaschenförmig", sondern als "spindelförmig" beschreiben - sie entspringen mit einem langen dünnen "Stiel", weiten sich dann bauchig (im unteren Teil liegt der Sporenhaufen), um wieder in einen schlankeren Hals überzugehen, der aber deutlich dicker ist als der "Stiel"; im Bauch- und Halsbereich sehr dickwandig.

Die Paraphysen sind im Schnitt 150-300 µm lang, im Einzelfall noch länger. Jedenfalls sind die Sporen mind. 3x länger als breit. Ich bin noch nicht soweit, dass ich von den Fotos aus Messreihen durchführen und berechnen könnte - tut mir selber leid.

Zur endgültigen Substratbestimmung werde ich wohl noch bis zum Frühjahr warten müssen. Dieser Waldrand endet an einer steilen Böschung, nicht gerade der Platz, an dem Leute ihre Gartenabfälle deponieren. An mir bekannten Bäumen und Sträuchern kommt dort vor: Rotbuche, Schwarzkiefer, Fichte, Ahorn, Hainbuche, Eiche, in einigem Abstand auch Salix; Schlehe, Hasel, Geissblatt, Holunder, Pfaffenhütchen. Nicht ausschließen möchte ich Wildkirsche und Hartriegel, das könnte auch gut sein. Ebereschen und Schmetterlingsblütler sind im gesamten Gebiet ausgesprochen selten - wäre sehr unwahrscheinlich.

Dieser "Ast" gehörte zu einer Gruppe von etlichen Austrieben aus dem Boden - eben der typischen Wuchsform von jüngeren Haselbüschen. Ich kann ja noch ein Standortfoto machen, sobald sich dieser dichte Nebel verzogen hat.

Eutypella scoparia würdest Du also definitiv ausschließen. Hättest Du mir noch einen weiteren Tipp, wie ich der Art näher kommen kann?
Und kannst Du mir Greenhorn verraten, was "Valsa sensu lato" heißt?

Dank Dir und viele Grüße - Rika

Hallo Rika,
in einem recht kompaktem Stroma zusammensitzende Perithezien mit 8-sporigen
Asci mit schmalen, allantoiden Sporen deutet schon auf Eutypella. 2,5 cm
Stromadurchmesser nehme ich Dir jedoch nicht ab (eher 2,5 mm), und bis 3,0
mmm geht die Breite der Sporen bestimmt auch nicht, die sollten schmaler
sein. An Hasel habe ich aus meiner Erinnerung nie eine Eutypella gefunden,
das muss freilich nichts heißen. Sollte das Substrat tatsächlich Corylus
sein, dann ist es wohl keine gängige Art bzw. Substratbeziehung. Wenn Du
Dich allerdings beim Substrat auch mit Sorbus anfreunden könntest (ich
will Dir aber nichts einreden), dann käme da die recht häufige E. sorbi in
Betracht (wohl dasselbe wie E.prunastri an Prunus), die man auch zusammen
mit der von Dir erwähnten Biscogniauxia marginata findet.
Wie bei vielen Valsa sensu lato ist man auch bei Eutypella oft in der
Zwickmühle. Morphologisch sind viele Literaturarten nicht gut
charakterisiert, besonders wenn sie mittelgroße, subhyaline Sporen wie bei
Deinem Fund haben. Dann stünde die Frage, wie wirtsspezifisch die
einzelnen Arten sind und ob man dementsprechend nach Substrat bestimmen
kann.
Eigentlich keine Bauchschmerzen habe ich in meinen Revieren bei der
Bestimmung von E. prunastri und sorbi (anhand des Substrats), dissepta und
stellulata (Substrat und Morphologie) oder scoparia (durch die kleinen
Schläuche und Sporen ganz gut festgelegt, dafür wohl aber recht polyphag,
wie mir eigene Beobachtungen zB an Acer, Caragana, Carpinus, Colutea,
Fagus, Laburnum, Robinia, Tilia und Ulmus zeigen wollen).
Viele Grüße,
Jesko

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Re: Rindenkugelpilz - Eutypella?

Schnuffel, (vor 4702 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort und die Bestätigung der Gattung!

Ich bin etwas mutiger als Jesko und sage, das ist Eutypella sorbi. Ganz typisch sind die nach Ablösen der Rinde freigelegten Stromata. Auch die Sporenmaße stimmen gut überein. Du hast offensichtlich bei der Messung der Breite der Sporen einen Fehler gemacht, denn aus den Sporenfotos ist zu entnehmen, dass das Länge/Breite-Verhältnis etwa 4 - 5 ist. Unter der Annahme dass die Länge richtig ermittelt wurde, kommt man damit bei der Breite auf 1,5 - 2 µm, was für Eutypella sorbi zutrifft.

Die Angabe Ø 2,5 cm hatte ich auf den Laubholzast bezogen (das war wohl etwas
missverständlich geschrieben), die Stromata sind 4-5 mm im Ø mit einer: Höhe
um die 2 mm. Bei den Mikro-Angaben hatte ich jeweils ein: "my" vor dem "m"
stehen - kommt so auch auf meinem: Bildschirm!?

Ich finde, bei der Angabe Ø 2,5 cm war nichts missverständlich. Auch die µm waren bei mir nicht entstellt.

Die Paraphysen sind im Schnitt 150-300 µm lang, im Einzelfall noch länger.
Jedenfalls sind die Sporen mind. 3x länger als breit. Ich bin noch nicht
soweit, dass ich von den Fotos aus Messreihen durchführen und berechnen
könnte - tut mir selber leid.
Zur endgültigen Substratbestimmung werde ich wohl noch bis zum Frühjahr
warten müssen.
Dieser "Ast" gehörte zu einer Gruppe von etlichen Austrieben aus
dem Boden - eben der typischen Wuchsform von jüngeren Haselbüschen. Ich
kann ja noch ein Standortfoto machen, sobald sich dieser dichte Nebel
verzogen hat.

Zur Klärung des Substrats musst Du nicht bis zum Frühjahr warten. Genug Blätter der Eberesche müssten dort noch herumliegen.

Gruß - Schnuffel

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Re: Rindenkugelpilz - Eutypella?

UmUlmHerum, (vor 4702 Tagen) @ Schnuffel

Hallo Du mutiger Schnuffel ;-)

Die Merkmale passen schon sehr gut zu E. sorbi ... ich hoffe, die Substratfrage morgen klären zu können. Der Nebel ist zwar weg, dafür hat es heute geschneit. Aber lt. Wetterbericht soll es morgen +2 bis +8C° haben, ansonsten gibt´s ein bisschen Wühlarbeit... wenn ich dort eine Eberesche finden sollte, wäre ich echt erstaunt - aber nix ist unmöglich. Ich werde berichten...

Viele Grüße - Rika

Ich bin etwas mutiger als Jesko und sage, das ist Eutypella sorbi. Ganz
typisch sind die nach Ablösen der Rinde freigelegten Stromata. Auch die
Sporenmaße stimmen gut überein.

...

Zur Klärung des Substrats musst Du nicht bis zum Frühjahr warten. Genug
Blätter der Eberesche müssten dort noch herumliegen.
Gruß - Schnuffel

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Re: Rindenkugelpilz - Eutypella?

jesko, (vor 4701 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Die Angabe Ø 2,5cm hatte ich auf den Laubholzast bezogen (das war wohl etwas
missverständlich geschrieben), die Stromata sind 4-5 mm im Ø mit einer
Höhe um die 2mm.

Da hatte ich wohl zu flüchtig gelesen.

Bei den Mikro-Angaben hatte ich jeweils ein
"my" vor dem "m" stehen - kommt so auch auf meinem
Bildschirm!?

Bei mir auch, doch ich meinte den numerischen Teil Deiner Angabe: 3 mmm ist rein nach dem optischen Eindruck klar zu breit. Schnuffel hat das ja auch festgestellt.

Korrigieren muss ich die Länge der Asci auf max. 80 µm (25 µm ist viel zu
kurz und ohne den unteren "Stiel" gerechnet) - da hatte ich
einen Fehler drin. Nachdem ich gerade in Ascofrance/Eutypella gestöbert
habe, stelle ich fest: ich sollte die Asci nicht als
"flaschenförmig", sondern als "spindelförmig"
beschreiben - sie entspringen mit einem langen dünnen "Stiel",
weiten sich dann bauchig (im unteren Teil liegt der Sporenhaufen), um
wieder in einen schlankeren Hals überzugehen, der aber deutlich dicker ist
als der "Stiel"; im Bauch- und Halsbereich sehr dickwandig.

In älterer Literatur findet man tatsächlich viele Arten über Ascus-Maße gegeneinander abgegrenzt. Dabei wird oft zwischen einer Gesamtlänge und der Länge des mit Sporen gefüllten Teils ("pars sporifera") unterschieden. Ob das wirklich konstante und damit für die Bestimmung geeignete Merkmale sind, wage ich als Pyreno-Laie nicht zu beurteilen.

Zur endgültigen Substratbestimmung werde ich wohl noch bis zum Frühjahr
warten müssen. Dieser Waldrand endet an einer steilen Böschung, nicht
gerade der Platz, an dem Leute ihre Gartenabfälle deponieren. An mir
bekannten Bäumen und Sträuchern kommt dort vor: Rotbuche, Schwarzkiefer,
Fichte, Ahorn, Hainbuche, Eiche, in einigem Abstand auch Salix; Schlehe,
Hasel, Geissblatt, Holunder, Pfaffenhütchen. Nicht ausschließen möchte ich
Wildkirsche und Hartriegel, das könnte auch gut sein. Ebereschen und
Schmetterlingsblütler sind im gesamten Gebiet ausgesprochen selten - wäre
sehr unwahrscheinlich.

Für E. sorbi müsste es ja nicht unbedingt Sorbus aucuparia sein. Irgendwo hatte ich gelesen, dass sich E. prunastri molekular nicht unterscheiden lässt. Sollte das nur eine Art sein, dann dürfte man wohl mehrere Rosaceae als potentielles Substrat annehmen, u.a. weitere Sorbus-Arten, die mglw. in Deinem Gebiet vorkommen.

Dieser "Ast" gehörte zu einer Gruppe von etlichen Austrieben aus
dem Boden - eben der typischen Wuchsform von jüngeren Haselbüschen. Ich
kann ja noch ein Standortfoto machen, sobald sich dieser dichte Nebel
verzogen hat.

Es gäbe ja tatsächlich eine Eutypella coryli (vgl. hier: http://www.indexfungorum.org/Names/NamesRecord.asp?RecordID=235789), allerdings aus Nordamerika beschrieben, mit kleineren Sporen ... Zumindest für Sachsen-Anhalt wäre die Art auch gemeldet, immerhin gibt es also Eutypella an Corylus. Es wäre gut, das Substrat zu klären.

Eutypella scoparia würdest Du also definitiv ausschließen.

Ja, Asci und Sporen sind bei diesem Allesfresser deutlich kleiner, die Sporen sind stärker gekrümmt ...

Und kannst Du mir Greenhorn verraten, was "Valsa sensu lato" heißt?

Von Greenhorn zu Greenhorn: Die Gattung Valsa wurde einmal viel breiter gefasst und schloss die heutigen Eutypa, Eutypella, Cryptosphaeria und Cryptovalsa mit ein. Die Abgrenzung dieser Gattungen beruht oft auf "makroskopischen" (man braucht schon eine gute Lupe!) Habitus- und Stromamerkmalen.

Viele Grüße, Jesko

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Re: Bitte um Substratbestimmung (Eutypella) *PIC*

UmUlmHerum, (vor 4701 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo!

Heute habe ich 1,5 Std. auf wenigen qm zugebracht bei dem Versuch, das Substrat von dieser Eutypella raus zubekommen. Blöderweise musste ich feststellen, dass der betreffende Jungbaum inzwischen komplett tot ist! Der Stamm ist im Wurzelbereich gebrochen, müsste aber dieses Jahr noch Blätter gehabt haben, da sich Reste davon an den Zweigen befanden. Also keine Hoffnung darauf, im Frühjahr den Austrieb beobachten zu können.

Also habe ich ähnlich aussehende Gehölze im unmittelbaren Umkreis auf Überinstimmung in Wuchs, Rinde, Trieb, Knospe, Blattreste und Befall mit Pyrenos(ja) untersucht. Alles Ähnliche hat einen Stamm-Ø von 5-8 cm, nichts Größeres(!), das meiste davon ist tot.

An Blättern auf dem Waldboden fand ich hauptsächlich Buche, Eiche, Ahorn; dazwischen wenige Blätter von Hasel, Gemeiner Esche und vermutl. der Echten Mehlbeere.

Immerhin gab es an den Zweigen von diesem Gehölz noch einige alte Blattmittelstiele, zwei davon mit Blättern (siehe letztes Foto) - damit ist die Hasel aus dem Rennen! Und Sorbus dabei!

Hier nun Fotos von dem Gehölz, auf dem diese Eutypella wächst:

So sieht es dort aus:
[image]

Der Haupttrieb geht diagonal übers Bild:
[image]

Zweig mit Blattmittelstielen:
[image]

Zweig mit Trieb und Knospe:
[image]

Detail Knospe (oberster Teil würde für die Eberesche gut passen):
[image]

Blätter, die noch am "Baum" gehangen waren:
[image]

Nachdem, was ich beim Googeln über die Blattform von Eberesche und anderen Sorbus-Arten gefunden habe, sind die Blätter bei meinem Substrat eigentlich zu tief gesägt(?), zumindest für Sorbus aucuparia.

Kann jemand weiterhelfen?

@ Jesko:
Vielen Dank für Deine Erläuterungen (bei denen Du Dein Licht unter den Scheffel stellst) und Deiner Recherche! Tut mir leid, dass die Hasel nun ausgeschieden ist. Was die Sporenbreite betrifft, habt Ihr Beide schon recht: die liegt um die 2 µm, wobei gelegentlich auch etwas dickere Sporen vorkommen.
Vielleicht kommen wir jetzt mit dem Substrat weiter?

Viele Grüße - Rika

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Re: Bitte um Substratbestimmung (Eutypella) *PIC*

Schnuffel, (vor 4700 Tagen) @ UmUlmHerum

Heute habe ich 1,5 Std. auf wenigen qm zugebracht bei dem Versuch, das
Substrat von dieser Eutypella raus zu bekommen. Blöderweise musste ich
feststellen, dass der betreffende Jungbaum inzwischen komplett tot ist!
Der Stamm ist im Wurzelbereich gebrochen, müsste aber dieses Jahr noch
Blätter gehabt haben, da sich Reste davon an den Zweigen befanden. Also
keine Hoffnung darauf, im Frühjahr den Austrieb beobachten zu können.
Also habe ich ähnlich aussehende Gehölze im unmittelbaren Umkreis auf
Übereinstimmung in Wuchs, Rinde, Trieb, Knospe, Blattreste und Befall mit
Pyrenos(ja) untersucht. Alles Ähnliche hat einen Stamm-Ø von 5-8 cm,
nichts Größeres(!), das meiste davon ist tot.
An Blättern auf dem Waldboden fand ich hauptsächlich Buche, Eiche, Ahorn;
dazwischen wenige Blätter von Hasel, Gemeiner Esche und vermutl. der
Echten Mehlbeere.
Immerhin gab es an den Zweigen von diesem Gehölz noch einige alte
Blattmittelstiele, zwei davon mit Blättern (siehe letztes Foto) - damit
ist die Hasel aus dem Rennen! Und Sorbus dabei!
Hier nun Fotos von dem Gehölz, auf dem diese Eutypella wächst: So sieht es
dort aus:
Der Haupttrieb geht diagonal übers Bild:
Zweig mit Blattmittelstielen:
Zweig mit Trieb und Knospe:
Detail Knospe (oberster Teil würde für die Eberesche gut passen):
Blätter, die noch am "Baum" gehangen waren:
Nachdem, was ich beim Googeln über die Blattform von Eberesche und anderen
Sorbus-Arten gefunden habe, sind die Blätter bei meinem Substrat
eigentlich zu tief gesägt(?), zumindest für Sorbus aucuparia.
Kann jemand weiterhelfen?
@ Jesko: Vielen Dank für Deine Erläuterungen (bei denen Du Dein Licht unter
den Scheffel stellst) und Deiner Recherche! Tut mir leid, dass die Hasel
nun ausgeschieden ist. Was die Sporenbreite betrifft, habt Ihr Beide schon
recht: die liegt um die 2 µm, wobei gelegentlich auch etwas dickere Sporen
vorkommen.
Vielleicht kommen wir jetzt mit dem Substrat weiter?

Hallo Rika,

was willst Du mehr, das spricht doch alles für Eberesche: die Häufung der Blattnarben am Zweigende, die Knospe, die stehengebliebenen Reste der Mittelrippe (bei einem während der Vegetationsperiode abgestorbenen Ast funktioniert der Abwerfmechanimus nicht mehr und die Fiederblättchen fallen vor der Blattrippe ab). Die tiefer gesägten Blättchen stören mich nicht. Tiefer eingeschnittene Blättchen als auf Bildern aus dem Netz, aber doch nicht so stark eingeschnitten wie bei Dir, kannst Du auf den Fotos sehen, die ich im August 2012 hier eingestellt habe, um den Ebereschen-Rost zu zeigen.

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Es könnte höchstens noch sein, dass an Deinem Fundort vom Forst eine besondere Rasse oder auch ausländische Art der Eberesche angesät oder angepflanzt wurde.

Gruß - Schnuiffel

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Re: Eutypella sorbi

UmUlmHerum, (vor 4700 Tagen) @ Schnuffel

Hallo Schnuffel,

es freut mich, dass die Eutypella nun auch einen Artnamen bekommen hat! Vielen Dank auch für Dein Foto + geduldige Antworten!
Gibt es für diesen Pilz auch einen deutschen Namen? Fungiworld sagt "nein", woanders habe ich "Kugelpilz" gelesen?!

Im Netz habe ich noch weiter nach dieser speziellen Eberesche mit den tief gesägten Blättchen gesucht und denke, es könnte sich um die Weiße Ziereberesche handeln, siehe:
http://www.eggert-baumschulen.de/products/de/Laubgehoelze/deutsch-botanisch/E/Sorbus-hu...
Das würde auch erklären, wieso ich sie bisher nicht wahrgenommen habe: die Früchte sind weiß und rosa überlaufen. Bei "normalen" Ebereschen (Sorbus aucuparia) sind die leuchtend roten Früchte ja nicht zu übersehen - davon war ich ausgegangen, als Ihr nach dem Vorkommen von Eberesche gefragt hattet. Die Weiße Ziereberesche würde von der Größe her auch gut passen. Da sie lt. Baumschule gerne solitär wachsen würde, hat sie an diesem völlig zugefilzten Standort einen schweren Stand - vermutlich deswegen sind die meisten Bäumchen eingegangen. Ich muss mir diesen Wandrand während der Vegetationsperiode nächstes Jahr mal genauer anschauen.

Viele Grüße - Rika

Hallo Rika,
was willst Du mehr, das spricht doch alles für Eberesche: die Häufung der
Blattnarben am Zweigende, die Knospe, die stehengebliebenen Reste der
Mittelrippe (bei einem während der Vegetationsperiode abgestorbenen Ast
funktioniert der Abwerfmechanimus nicht mehr und die Fiederblättchen
fallen vor der Blattrippe ab). Die tiefer gesägten Blättchen stören mich
nicht. Tiefer eingeschnittene Blättchen als auf Bildern aus dem Netz, aber
doch nicht so stark eingeschnitten wie bei Dir, kannst Du auf den Fotos
sehen, die ich im August 2012 hier eingestellt habe, um den
Ebereschen-Rost zu zeigen.
Es könnte höchstens noch sein, dass an Deinem Fundort vom Forst eine
besondere Rasse oder auch ausländische Art der Eberesche angesät oder
angepflanzt wurde.
Gruß - Schnuiffel