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Fragen über Pilzökologie

Svampskogen, (vor 4697 Tagen)

Hallo!

Auch wenn mir bewusst ist, dass über die Ökologie von Pilzen nur sehr wenig bekannt ist, möchte ich gerne ein paar Fragen hier loswerden und hoffe, dass jemand mir helfen kann. Insbesondere würden mich Erklärungsansätze zu folgenden Punkten interessieren:

-dem häufig geklumpten Auftreten on seltenen Röhrlingen oder auch anderen Mykorrhizapilzen.

-dem oftmals beobachteten Wachstum von Pilzen (Büschel-Rasling, Schopf-Tintling) entlang von Wegrändern.

-dem gehäuften Auftreten von zum Teil selteneren Mykorrhizapilzen auf Gratlagen (trocken, nährstoffarm, licht) in Wäldern.

-bilden Ahorne und Esche arbuskuläre Mykorrhizen aus?

Ich freue mich auf Antworten!

Beste Grüsse Jonas

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Re: Fragen über Pilzökologie

Stephan Weißer, (vor 4697 Tagen) @ Svampskogen

-dem häufig geklumpten Auftreten on
seltenen Röhrlingen oder auch anderen Mykorrhizapilzen.

Geklumptes Auftreten? Verstehe ich leider nicht, was du damit meinst.

-dem oftmals beobachteten Wachstum von Pilzen (Büschel-Rasling,
Schopf-Tintling) entlang von Wegrändern.

Der Schopftintling ist ein nitrophiler Pilz, der Büschelrasling vermutlich auch - beide kommen außer an Straßenrändern auch gern auf mäßig gedüngten Rasen vor, z. B. in Gärten, Parks oder Friedhöfen. An Wegrändern hat es oft viel nährstoffreichen Schlamm, das scheinen die zu mögen, so wie auch der Stadtchampignon, um ein weiteres Beispiel zu nennen.
Andere ganz typische Wegrandpilze sind in unserer Gegend die Herbstlorchel (Helvella crispa), der Fichtenreizker (Lactarius deterrimus), der Rote Gallerttrichter (Tremiscus helvelloides) oder der Gefleckte Risspilz (Inocybe maculata). Das kommt daher, dass die Waldwege in unserer Gegend meist kalkgeschottert sind, und es sich hier um calciphile Arten handelt.

-dem gehäuften Auftreten von zum Teil selteneren Mykorrhizapilzen auf
Gratlagen (trocken, nährstoffarm, licht) in Wäldern.

Oft sind solche Arten thermo- und heliophil (z. B. Satanspilz); im Sommer erreicht das Regenwasser an diesen Stellen auch eher mal den Waldboden als unter altehrwürdigen Eichen-/Buchenkronen, so dass die Durchfeuchtung des Bodens unter Umständen besser ist.
Mir kommt es so vor, dass man im allgemeinen an Wald- und Wegesrändern mehr seltene (nicht essbare ;-)) Pilzarten findet als mitten im Wald, und dass man demzufolge gar nicht tief in den Wald rein muss, um schöne Funde zu machen.

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Re: Fragen über Pilzökologie *PIC*

Gábor, (vor 4697 Tagen) @ Svampskogen

Hallo Jonas,

entlang der Wegränder ist häufig auch die Baumtraufe, daher bekommen die Wege auch bei wenig Niederschlag das Meiste an Feuchtigkeit ab.
Darum sind die Wegränder sowohl gut für die Pfannenmykologen geeignet, als auch für die Jäger seltener Trophäen :-)

Hier mal ein klassisches Beispiel von eher selteneren Wegesrandpilzen:

[image]
[image]

LG, Gábor

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Re: Fragen über Pilzökologie

phragmobasidie, (vor 4697 Tagen) @ Svampskogen

Hallo,

ich finde sowas spannend, denn es lässt das Schnüfflerherz höher schlagen, im Sinne von
"wo kann ich was Gutes finden ?".

An kargen Graten suche ich auch gerne. Ich denke, es sind einfach bezogen auf die Gesamtfläche des Waldes
rarere Biotope, also gibt es dort auf die besonderen Bedingungen angepasste, rarere Arten.
Die Bäume haben dort weniger Nährstoffe, also sind sie auf Mykorrhizapilze vielleicht mehr angewiesen.

Warum es oft lichtere Stellen sind - da kann ich mir keine tolle Theorie zusammen basteln.
Ich finde es spannend, dass so viele Faktoren am Werke sind und man mal mit der Spürnase richtig liegt
und oft natürlich etwas frustierend, wenn man denkt, "hier müssten sie doch, sieht doch super aus
und genauso wie dahinten". Dass seltenere (Mykorrhiza-)Arten mehr am Wegesrand o. Ä. wachsen, habe ich auch
länger gedacht, aber derzeit bin ich da z.T. skeptisch. In guten calciphilen Wäldern wächst lange nichts,
aber wenn, dann kommt man oft über den Wegrand nicht hinaus. Hier mag es vielleicht oft nur im Auge des Betrachters liegen?

Beste Grüße
Robin

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Re: Fragen über Pilzökologie

Schlesier, (vor 4696 Tagen) @ phragmobasidie

Hallo,
ich finde sowas spannend, denn es lässt das Schnüfflerherz höher schlagen, im
Sinne von
"wo kann ich was Gutes finden ?".
An kargen Graten suche ich auch gerne. Ich denke, es sind einfach bezogen auf
die Gesamtfläche des Waldes
rarere Biotope, also gibt es dort auf die besonderen Bedingungen angepasste,
rarere Arten.
Die Bäume haben dort weniger Nährstoffe, also sind sie auf Mykorrhizapilze
vielleicht mehr angewiesen.
Warum es oft lichtere Stellen sind - da kann ich mir keine tolle Theorie
zusammen basteln.
Ich finde es spannend, dass so viele Faktoren am Werke sind und man mal mit
der Spürnase richtig liegt
und oft natürlich etwas frustierend, wenn man denkt, "hier müssten sie
doch, sieht doch super aus
und genauso wie dahinten". Dass seltenere (Mykorrhiza-)Arten mehr am
Wegesrand o. Ä. wachsen, habe ich auch
länger gedacht, aber derzeit bin ich da z.T. skeptisch. In guten calciphilen
Wäldern wächst lange nichts,
aber wenn, dann kommt man oft über den Wegrand nicht hinaus. Hier mag es
vielleicht oft nur im Auge des Betrachters liegen?
Beste Grüße
Robin

Hallo,
in meinen Revieren treffe ich fast ausschließlich auf saure Fichtenwälder.
Wegränder, vor allem wenn sie durch Aufschotterung befahrbar gehalten werden, bieten die einzige Möglichkeit, basische bzw. übergangsweise basisch-saure Böden
zu finden. Und da kommen dann natürlich die fürs Gesamtgebiet "selteneren" Arten vor. Neben den Fichten habe ich da auch mit z.B. Birke, Bergahorn, Buche und der typischen Wegrandvegetation wechselnde Mykorrhizapartner.
LG
Rainer

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Re: Fragen über Pilzökologie

phragmobasidie, (vor 4696 Tagen) @ Schlesier

Hallo Rainer,

das ist klar - wo der Boden nicht basisch ist, kann es das eingebrachte Material
an den Wegrändern verändern.

Letztes Jahr hatten wir auf einer Tagung in einem Feriendorf im Wald mit Heidewald-Charakter gewohnt.
Da standen von abgerissenen Hütten noch die Beton-Fundamente, die wir ständig ringsum abgesucht hatten,
weil es da interessanten spezielleren Kleinkram gab.

Beste Grüße
Robin

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Re: Fragen über Pilzökologie

Svampskogen, (vor 4696 Tagen) @ phragmobasidie

Hallo zusammen,

Schön, dass bislang so viele Antworten zusammengekommen sind.

Dass Pilze wie der Schopf-Tintling entlang von Wegrändern vorkommen, weil es dort nährstoffreicher ist, erscheint mir plausibel. Wieso jedoch Wegränder genau nährstoffreicher sind, ist mir nicht ganz klar. Ist das wegen dem eingebrachten Schotter oder werden irgendwelche Mineralisierungsprozesse in Gang gesetzt?! Das Phänomen ist mir auch schon entlang von Wegen (oft Arten der Hochtauden) durch Flachmoore aufgefallen. Eventuell könnte auch die Verdichtung (und wohl auch Staunässe) von Wegen eine Rolle spielen, beispielsweise beim Stadt-Champignon.
Von den Kalkpilzen entlang von geschotterten Wegen in Silikatgebieten habe ich schon gehört, jedoch noch nie selber erlebt, da es hier nur wenige saure Gebiete gibt.
Ich hatte letztens mal einen schwedischen Artikel über das Vorkommen von seltenen Mykorrhizapilzen entlang von Wegrändern in Kiefernwälder gelesen. Anscheinend benötigen viele Arten dieser Habitate eine dünne Streuschicht um Fruchtkörper zu bilden. Innerhalb der Wälder scheint sich die Moos- und Streuschicht jedoch aufgrund ausbleibender Branddynamik immer mehr zu akkumulieren, was das Pilzaufkommen zu hemmen scheint. Ob die Pilze dann aber immer noch vorhanden sind, jedoch nicht mehr fruchten, wäre wohl wieder eine andere Frage. Könnte ja vielleicht auch irgendwie sein, dass die Pilze gerade durch gelegentliche mechanische Störungen zur Fruchtkörperproduktion angeregt werden...
Die Baumtraufe ist bestimmt auch sehr wichtig, daran hatte ich bislang noch nicht gedacht.
Bezüglich der Gratlagen habe ich mir auch schon überlegt, ob dort der Konkurrenzdruck für Mykorrhizapilze geringer sein könnte (da weniger streuabbauende Pilze).

Beste Grüsse Jonas

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Re: Fragen über Pilzökologie

Älbler, (vor 4694 Tagen) @ Svampskogen

Hallo Jonas,

welcher schwedische Artikel ist das? Das Thema würde mich interessieren!

Viele Grüße
Christian

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Re: Fragen über Pilzökologie

Svampskogen, (vor 4694 Tagen) @ Älbler

Hallo Christian

Hier der Link zum Artikel, er beginnt auf Seite 20.
http://www.svampar.se/smf/smt/SMT_2010_2.pdf

Der Artikel heisst:
"Utan störning blir rödlistorna allt längre -
En rapport från den artrika Lombäcksheden i Medelpad" von Jan-Olof Tedebrand.

Ist halt auf schwedisch ;-)

Gruss Jonas

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Re: Fragen über Pilzökologie

Älbler, (vor 4694 Tagen) @ Svampskogen

Hallo Jonas,

vielen Dank!

Ich werde mich über die Feiertage mal mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms an dem Text abmühen.

Frohes Fest
Christian

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Re: Fragen über Pilzökologie

Svampskogen, (vor 4694 Tagen) @ Älbler

Bei Unklarheiten darfst du natürlich gerne mal bei mir nachfragen ;-)

Gruss Jonas

Hallo Jonas,
vielen Dank!
Ich werde mich über die Feiertage mal mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms
an dem Text abmühen.
Frohes Fest
Christian

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Re: Fragen über Pilzökologie

Mani walter, (vor 4692 Tagen) @ Svampskogen

Bei Unklarheiten darfst du natürlich gerne mal bei mir nachfragen ;-)
Gruss Jonas

Hoi mitenand
Ganz toller Artikel! Jonas können denn deine Landsleute kein Deutsch. Das ist einfach völlig unhaltbar und muss sich schnellstens ändern. Hahaha...

Liebe Grüsse aus dem gerade föhngeplagten Alpennordkamm und allen eine fröhliche Weihnachtszeit Mani

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Re: Fragen über Pilzökologie

Svampskogen, (vor 4692 Tagen) @ Mani walter

Sali Mani

Oh doch, sehr viele Schweden sprechen auch recht gut Deutsch ;-) Die Skandinavier sind allgemein viel besser in Sprachen als wir Schweizer (vor allem auch Englisch).
Bei uns ist es auch jetzt noch 10 Grad warm...
Beste Grüsse und Frohe Festtage Jonas

Hoi mitenand
Ganz toller Artikel! Jonas können denn deine Landsleute kein Deutsch. Das ist
einfach völlig unhaltbar und muss sich schnellstens ändern. Hahaha...
Liebe Grüsse aus dem gerade föhngeplagten Alpennordkamm und allen eine
fröhliche Weihnachtszeit Mani

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Fragen über Pilzökologie und Weihnachtsbaum *PIC*

Mani walter, (vor 4691 Tagen) @ Svampskogen

Sali Mani
Oh doch, sehr viele Schweden sprechen auch recht gut Deutsch ;-) Die
Skandinavier sind allgemein viel besser in Sprachen als wir Schweizer (vor
allem auch Englisch).
Bei uns ist es auch jetzt noch 10 Grad warm...
Beste Grüsse und Frohe Festtage Jonas

Hoi Jonas
Heute Nacht brauste der Föhn mit unheimlichem Getöse in Richtung Bodensee. Doch mit dem nun einsetzenden Regen ist wieder Ruhe eingekehrt. Die Schneefallgrenze liegt gerade auf rund 1900 m. ü. M. mit fallender Tendenz.
Ja Jonas, manchmal frage ich mich selbst, warum nur nahm ich mir nicht die Mühe, weitere Sprachen zu lernen. Denn: Sprachen schaffen wie Verkehrswege nützliche Verbindungen und damit unabschätzbare positive Werte!
Liebe Grüsse und alles Beste an alle ForumsteilnehmerInnen Mani

Wintermärchen und eindrücklich zu Weihnachten passende nahezu 50 Meter hohe Fichte

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Re: Fragen über Pilzökologie

Mani walter, (vor 4690 Tagen) @ Svampskogen

Hallo zusammen - hoi Jonas
Vielleicht ist dies eine Ergänzung zum Thema Standort einiger Pilze. Anbei Beobachtungen von hier auf Kalk fruchtenden Pilzearten. Bestätigungen wären natürlich interessant.

N.b.: Der Regen hat sich intensiviert, doch Schneefall registrierten wir auf 600m ü.M. neben wenigen Platschflocken noch keinen.

Einige Beobachtungen betr. Vorkommen von Pilzen

Ag. subfloccosus Halbschattig nahe bzw. unter Fichten / ca 700m
Ag. arvensis Oft am Waldrand / halbschattig / nahe Fichten
Ag. romagnesii Weit offener lichtdurchfluteter Wald

sehr nahe bei Fichten u. Tannen
Chlorophyllum olivieri Eher im Schatten von Fichten über 25cm Stärke
Chlorophyllum rachodes Oft im schattigen Unterholz von Waldsäumen bei

Fichten und Kleingehölz mit tieferem Boden
Amanita strobiliformis Waldränder in eher warmen Wiesen und Böschungen
Am. Echinocephala Halbschattig bis schattigem Mischwald mit

Fichten,Tannen,Rotbuchen und Hasel
Boletus aestivalis Halbschattig bei Weisstannen (Tannen) und Rotbuchen

(750m) auch an Waldrändern nahe von Fichten (1000m)
Lact. deliciosus Halbschattig bis sonnig eher später im Jahr offener

Kiefernbewuchs (700m bis 1200m)

Gruss Mani

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Re: Fragen über Pilzökologie

Kampfpilzler, (vor 4694 Tagen) @ Svampskogen

Hallo Jonas

Habe gerade diesen Thread entdeckt. Finde deine Fragen sehr spannend. Wie die Antworten zeigen und du vermutet hast, scheint es kaum wissenschaftliche Untersuchungen dazu zu geben. Es macht aber sowieso Spass über die Zusammenhänge zu spekulieren.
Zu den Schopftintlingen: Ich kenne eine Wiese die zeitweise voll damit ist. Jemand hat mir erzählt, dass dort viel Fallholz vom Lothar-Sturm gelagert wurde. Das würde wohl auch für die Theorie vom nährstoffreichen Boden sprechen.

Schöne Festtage

Paul