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Tubaria mit Pleurozystiden? (!) *PIC*

Harald Andres Schmid, (vor 4624 Tagen)

Hallo, zusammen,
[image]
Wir hatten in unserer Mik-Übungs-Gruppe eine ungewöhnliche Begegnung.
Eine Tubaria mit Pleurozystiden.
Allerdings nur an den Lamelletten!

Es war eigentlich eine Routine-Übung.
Ich erklärte das Vorgehen, es ging darum, dass die Teilnehmer
mit "Bresinsky" die Gattung finden sollten.
Ich leitete an, den Pilz von oben nach unten durch zu mikroskopieren.
Ich hatte vorgängig Sporenabwürfe gefertigt.

Wären die Teilnehmer durch die Übungsstruktur
nicht so systematisch vorgegangen, wäre nichts aufgefallen.
Für das Überprüfen nach Zystiden wies ich nämlich an, einen sog. "Rechen" zu machen.
Das heisst, einen kleinen Streifen am Hutrand abzuschneiden,
dann einen weiteren dünnen Streifen als "Kamm" oder "Rechen" zu schneiden.
Diesen dann, ohne zu präparieren, auf einen Objektträger unter das Mikroskop zu legen.
Dieser "Kamm" besteht sozusagen aus aneinandergereihten Lamellen-Querschnitten.
Man sieht dann an dieser Kammstruktur im Gegenlicht schön, in Übersicht,
ob es sowohl Cheilo- wie Pleurozystiden hat.

Überraschung:
Die "normalen" Lamellen hatten nur Cheilozystiden.
Die kurzen Zwischenlamellen waren dicht mit Pleurozystiden besetzt.

Alle drei Exemplare der Aufsammlung zeigten dieses Merkmal.

Eine ungewöhnliche, witterungsbedingte Anomalität?
Oder haben das alle Tubarias um T. Hiemalis/furfuracea herum,
und es wurde nie bemerkt, weil beim Präparieren
nur die "normalen" Lamellen berücksichtigt wurden?
Ein abenteuerlicher Gedanke...

Da ich nur von einer "unwichtigen" Routine-Mikro-Übung ausging
(sollte man wohl niemals... :-)
habe ich habe leider keine Mikrofotos,
ich hatte die Kamera nicht dabei,
nur ein Bild eines Exemplars
(schlechte-Smartphone-Aufnahme mit Blitz):

[image]

Wir haben den Pilz als Tubaria aus dem Komplex um

Tubaria furfuracea/hiemalis/romagnesiana

bestimmt.

Aufsammlung vom 23. Februar 2014 (ungewöhnlich warmes Wetter, bis 14 Grad.)

Drei Exemplare verwachsen auf Laubholzästchen.

Sporenabwurf hell-creme-ockerlich.

Huthaut eine dünne, fast fädige Cutis, teilweise mit Schnallen.
Einzelne Hyphenenden aufstehend.

Sporen (aus Abwurf) elliptisch, teils etwas oval, glatt,
mit hyalinen Tropfen, ohne Keimporus, schwach gelblich,
8 x 5 (mit einzelnen, zylindrischen Ausreissern bis 10 lang)

Cheilozystiden lang-keulig-zylindrisch, verbogen, leicht kopfig verbreitert.

Pleurozystiden nur an den Lamelletten, gleich geformt.

Kaulozystiden eine gefunden.

Was sollen wir davon halten?
Hat jemand eine Idee?

Lieben Gruss, Harald Andres

Re: Tubaria mit Pleurozystiden? (!)

Beorn, (vor 4624 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo, Harald Andres!

Eine Tubaria mit Pleurozystiden.

Oder eben Meottomyces dissimulans (Pappelblatt - Scheinschüppling). Wenn mich nicht alles täuscht, dann darf der Pleuros haben. Beschreibung der weiteren Mikrodetails sollte passen, otpisch kommt's nach dem Bild auch hin.

LG, Pablo.

Re: Tubaria mit Pleurozystiden? (!)

Andreas ⌂, (vor 4624 Tagen) @ Beorn

Hallo, Harald Andres!
Oder eben Meottomyces dissimulans (Pappelblatt - Scheinschüppling). Wenn mich
nicht alles täuscht, dann darf der Pleuros haben. Beschreibung der
weiteren Mikrodetails sollte passen, otpisch kommt's nach dem Bild auch
hin.
LG, Pablo.

Hallo,

sehe ich auch so. Die Lamellenfarbe und das Velumring-Restchen passen gut zu dieser Art, ebenfalls Erscheinungszeit und dass er auf toten Blättern aufsitzt.

Wer den neuen namen noch nicht kennt, wird mit Meottomyces dissimulans nicht so viel anfangen. Die Art war seither unter dem Namen Phaeogalera oder Pholiota oedipus bekannt, und ist so auch in Pilze der Schweiz abgebildet.
Wenn die Art feucht ist, dann fällt sie durch eine fast schmierige Hutoberfläche auf, die in Farbe und Glanz an den Hut vom (feuchten) Horngrauen Butterrübling erinnert.
Eine typische Art von feuchten Stellen in (Pionier-)Laubwäldern, im Winter-Vorfrühling, besonders gerne auf faulenden Blättern von Pappel.

beste Grüße,
Andreas

Danke!

Harald Andres Schmid, (vor 4624 Tagen) @ Andreas

Hallo,

Danke!
Ich bin überrascht, wie weit wir danebenlagen...

Gegen Eure Vermutung spricht:

- Sporenpulverfarbe - Abwurf hell-ocker: viel zu hell!!!
- Aufsitzend auf Laubholzästchen.
- Sporen (laut B&K dickwandig) sind dünnwandig (laut Ludwig wäre das okay).
- Abbildung in Ludwig erinnert mich nicht sehr an unseren Pilz.

Für Eure Vermutung spricht:

- Pionier-Laubwald trifft zu. Die Pilze wuchsen in einer ehemaligen Lothar-Sturmschneise. Feuchte Waldpartie.
- Am Fuss der Pilze klebten auf dem Ästchen auch Blätter.
- Sporen- und Zystidenform (nach Ludwig) passt perfekt.

Danke für die Hilfe!

Lieben Gruss, Harald Andres

Re: Danke!

Andreas ⌂, (vor 4624 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo,
Danke!
Ich bin überrascht, wie weit wir danebenlagen...
Gegen Eure Vermutung spricht: - Sporenpulverfarbe - Abwurf hell-ocker: viel
zu hell!!!
- Aufsitzend auf Laubholzästchen.
- Sporen (laut B&K dickwandig) sind dünnwandig (laut Ludwig wäre das okay).
- Abbildung in Ludwig erinnert mich nicht sehr an unseren Pilz.
Für Eure Vermutung spricht: - Pionier-Laubwald trifft zu. Die Pilze wuchsen
in einer ehemaligen Lothar-Sturmschneise. Feuchte Waldpartie.
- Am Fuss der Pilze klebten auf dem Ästchen auch Blätter.
- Sporen- und Zystidenform (nach Ludwig) passt perfekt.
Danke für die Hilfe!
Lieben Gruss, Harald Andres

Hallo Harald,

hast Du die Abbildung von Breitenbach & Kränzlin mit Eurem Fund verglichen? Das sieht doch schon recht ähnlich aus, findest Du nicht? Insbesondere der Stiel mit der Velumzone, den gibt es so bei Tubaria eigentlich kaum mal.
Die Färbung insgesamt ist auch nicht so freudig wie bei Tubaria, aber das mag täuschen.
Die Sporenpulverfarbe wäre für Tubaria genauso zu hell. Da solltest Du etwas mehr Abwurf haben und dann zusammenkratzen. Weniger die Dunkelheit, als der Farbton an sich wäre interessant: Bei Meottomyces ein graues oder olives Braun, ähnlich wie bei Risspilzen, bei Tubaria ein rostoges Braun, ähnlich Galerina oder Cortinarius.

beste Grüße,
Andreas

Betr. Sporenpulver Farbe...

Harald Andres Schmid, (vor 4624 Tagen) @ Andreas

Hallo Harald,
hast Du die Abbildung von Breitenbach & Kränzlin mit Eurem Fund
verglichen? Das sieht doch schon recht ähnlich aus, findest Du nicht?
Insbesondere der Stiel mit der Velumzone, den gibt es so bei Tubaria
eigentlich kaum mal.
Die Färbung insgesamt ist auch nicht so freudig wie bei Tubaria, aber das mag
täuschen.
Die Sporenpulverfarbe wäre für Tubaria genauso zu hell. Da solltest Du etwas
mehr Abwurf haben und dann zusammenkratzen. Weniger die Dunkelheit, als
der Farbton an sich wäre interessant: Bei Meottomyces ein graues oder
olives Braun, ähnlich wie bei Risspilzen, bei Tubaria ein rostoges Braun,
ähnlich Galerina oder Cortinarius.
beste Grüße,
Andreas

Hallo, Andreas

Danke nochmal!
Ja, die Abbildung in Pilze der Schweiz sieht ähnlich aus.

Mit dem Sporenpulver habe ich immer noch Zweifel.
Die Pilzchen waren nicht grosszügig beim Absporen, es war ein feiner Hauch,
aber ein graues oder olives Braun habe ich trotzdem nicht gesehen.
Ich würde es als ockerlich bezeichnen,
mit rost-orange könnte ich vielleicht leben.

Bei Pätzold hatte ich gelernt, das Sporenpulver niemals zu Häufchen zu kratzen,
weil es dann zu dunkel würde,
ausser, man will es mit den Farbstreifen bei B&K vergleichen,
weil die das auch so gemacht hätten.

Wenn sich jemand interessiert für die Pilzchen -
ich habe noch zwei kleine Exemplare als Exsikkat einbehalten.

Lieben Gruss, Harald Andres

Re: Betr. Sporenpulver Farbe...

Andreas ⌂, (vor 4624 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald,

Bei Pätzold hatte ich gelernt, das Sporenpulver niemals zu Häufchen zu
kratzen,
weil es dann zu dunkel würde,

das ist so nicht richtig.
Bei Hellsporern MUSST Du IMMER zu einem Häufchen zusammenkratzen. Dann das Häufchen mit einem Deckgläschen bedecken und leicht andrücken. Dann hast Du eine gleichmäßige, geschlossene Lage Sporenpulver.
Du wirst nie den richtigen Ton bei Täublingen bekommen, wenn Du nicht zusammenkratzt. Wenn Du da einen dünnen Abwurd hast, dann sieht der aus wie "weiß" also Romagnesi 1a oder 1b, und zusammengekratzt ist es plötzlich satt creme IIc!. Auch bei den Trichterlingen bekommst Du nie Farbnuancen, wenn Du das Sporenpulver nicht auf ein Häufchen schippst.
Etwas anders sieht es bei den Rosa-, Braun- und Dunkelsporern aus. Dort gehen tatsächlich Töne verloren, wenn man zusammenkratzt. Jedenfalls habe ich das bei Cortinarius beobachtet. Allerdings nur dann, wenn man reichlich Sporenpulver hat. Wenn Du eh nur einen schwachen Abwurf hast, dann solltest Du auch in diesem Fall zusammenkratzen.

beste Grüße,
Andreas

Achdujeh... Kratzen oder nicht...

Harald Andres Schmid, (vor 4624 Tagen) @ Andreas

Hallo Harald,
das ist so nicht richtig.
Bei Hellsporern MUSST Du IMMER zu einem Häufchen zusammenkratzen. Dann das
Häufchen mit einem Deckgläschen bedecken und leicht andrücken. Dann hast
Du eine gleichmäßige, geschlossene Lage Sporenpulver.
Du wirst nie den richtigen Ton bei Täublingen bekommen, wenn Du nicht
zusammenkratzt. Wenn Du da einen dünnen Abwurd hast, dann sieht der aus
wie "weiß" also Romagnesi 1a oder 1b, und zusammengekratzt ist
es plötzlich satt creme IIc!. Auch bei den Trichterlingen bekommst Du nie
Farbnuancen, wenn Du das Sporenpulver nicht auf ein Häufchen schippst.
Etwas anders sieht es bei den Rosa-, Braun- und Dunkelsporern aus. Dort
gehen tatsächlich Töne verloren, wenn man zusammenkratzt. Jedenfalls habe
ich das bei Cortinarius beobachtet. Allerdings nur dann, wenn man
reichlich Sporenpulver hat. Wenn Du eh nur einen schwachen Abwurf hast,
dann solltest Du auch in diesem Fall zusammenkratzen.
beste Grüße,
Andreas

Achdujeh...

Ausgerechnet im Täublingskurs hatte Walter uns angehalten,
auf keinen Fall (!) Häufchen auf einem Objektträger zusammenzukratzen,
und uns darum für die Abwürfe weisse Folie gegeben.

Er erklärte es so, dass Rogmanesi, Bresinsky, MHK & Co.
nicht zusammengekratzt hätten, und man darum
dieselbe Vorgehensweise anwenden solle, wenn man mit ihren
Farbtabellen vergleiche, sonst gäbe es massive Fehler.

Nur beim Vergleich mit der Farbtabelle in Pilze der Schweiz
solle man zusammenkratzen, da die das auch so gemacht hätten,
darum auch die Differenzen zu anderen Autoren.

Ja, man lernt nie aus, beziehungsweise es bleibt verwirrend... :-)

Ganz lieben Gruss, Dein Harald Andres

Re: Achdujeh... Kratzen oder nicht...

Andreas ⌂, (vor 4624 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Achdujeh...
Ausgerechnet im Täublingskurs hatte Walter uns angehalten,
auf keinen Fall (!) Häufchen auf einem Objektträger zusammenzukratzen,
und uns darum für die Abwürfe weisse Folie gegeben.
Er erklärte es so, dass Rogmanesi, Bresinsky, MHK & Co.
nicht zusammengekratzt hätten, und man darum
dieselbe Vorgehensweise anwenden solle, wenn man mit ihren
Farbtabellen vergleiche, sonst gäbe es massive Fehler.
Nur beim Vergleich mit der Farbtabelle in Pilze der Schweiz
solle man zusammenkratzen, da die das auch so gemacht hätten,
darum auch die Differenzen zu anderen Autoren.
Ja, man lernt nie aus, beziehungsweise es bleibt verwirrend... :-)
Ganz lieben Gruss, Dein Harald Andres

Hallo Harald,

tja, ich kann nur wiedergeben was ich bei allen mir bekannten Russula-Spezialisten die letzten Jahre gesehen und gehört habe. Übliche Vorgehensweise ist, unter den Pilzhut einen Objektträger mit unterzulegen, damit man auf diesem dann 1. bequem das Pulver zusammenschieben kann, 2. mit Tesa ein Deckgläschen darauf befestigen kann und so ein Dauerpräparat hat und 3. den Objektträger (weil durchsichtig) zum vergleich gut auf der Farbtabelle hin und her schieben kann - was bei einem Plastikkärtchen schlecht geht.
Wenn das stimmen würde, dass man dadurch falsche Werte bekäme, dann hätten alle heutigen Russulogen Probleme mit der Artzuordnung bzw. würde nach und nach bei allen Arten die Sporenpulverfarbe korrigiert werden. Das ist aber nicht der Fall.

beste Grüße,
Andreas

Russula und Sporenstaub

Harald Andres Schmid, (vor 4623 Tagen) @ Andreas

Hallo Harald,
tja, ich kann nur wiedergeben was ich bei allen mir bekannten
Russula-Spezialisten die letzten Jahre gesehen und gehört habe. Übliche
Vorgehensweise ist, unter den Pilzhut einen Objektträger mit unterzulegen,
damit man auf diesem dann 1. bequem das Pulver zusammenschieben kann, 2.
mit Tesa ein Deckgläschen darauf befestigen kann und so ein Dauerpräparat
hat und 3. den Objektträger (weil durchsichtig) zum vergleich gut auf der
Farbtabelle hin und her schieben kann - was bei einem Plastikkärtchen
schlecht geht.
Wenn das stimmen würde, dass man dadurch falsche Werte bekäme, dann hätten
alle heutigen Russulogen Probleme mit der Artzuordnung bzw. würde nach und
nach bei allen Arten die Sporenpulverfarbe korrigiert werden. Das ist aber
nicht der Fall.
beste Grüße,
Andreas

Hallo, Andreas,
Ganz lieben Dank!
Vielleicht werd ich in Zukunft die Spröden
fragen, wie sie es denn gern hätten? :-)
Lieben Gruss, Harald

Re: Russula und Sporenstaub

Andreas ⌂, (vor 4623 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Vielleicht werd ich in Zukunft die Spröden
fragen, wie sie es denn gern hätten? :-)

geschüttelt oder gekratzt ...... *ggg*

beste Grüße,
Andreas

Re: Tubaria mit Pleurozystiden? (!) *PIC*

CK, (vor 4624 Tagen) @ Beorn

[image]

Gruss
Thomas