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Re: Trüffel-Artikel

Kugelblitz, (vor 4306 Tagen) @ Thomas Pruss

Nein, eher eine Trüffophobie.

Schlimm aber, wenn in einer wissenschaftlichen Zeitschrift "mykofiziert" wird.

Gruß Christian

Ist eine Mörder-URL und muss per c&p in die Browserzeile eingegeben werden:
http://www.spektrum.de/news/die-rueckkehr-der-deutschen-trueffeln/1326911?etcc_cmp=SDW&...
Findet ihr auch, dass es eine "allgemeine Mykophobie" in
Deutschland gibt?
Grüßlis
Thomas

Re: Trüffel-Artikel

Stephan Weißer, (vor 4305 Tagen) @ Thomas Pruss

Findet ihr auch, dass es eine "allgemeine Mykophobie" in
Deutschland gibt?

*Satiremodus*
Nein, allenfalls eine behördliche. Das geht so weit, dass aufgrund der deutschen Bundesartenschutzverordnung mancherorts Trüffelplantagen angelegt werden müssen, damit die Naturschutzbehörde davon ausgehen kann, dass die auf deutschem Boden ausgebuddelten Burgundertrüffeln mit dem "zarten Aroma", die 800-Gramm-weise in Restaurants wie dem "Vieux Sinzig" den Gästen vorgesetzt werden, nicht aus der Wildnis, sondern aus solchen Trüffelplantagen stammen und somit (vermeintlich??) nicht vom Schutz durch die Bundesartenschutzverordnung betroffen sind.
*Satiremodus aus*

Im Vergleich zu gewissen anderen Naturnähe symbolisierenden Lebensformen wie Eisvogel oder Juchtenkäfer stehen Pilze nicht so im Fokus der Öffentlichkeit. Auch fristet die Mykologie mittlerweile im schulischen Biologie-Unterricht ein Schattendasein, was das profunde Verstehen dieser Lebensform nicht gerade erleichtert. Auch von der Behandlung der volkstümlichen Pilzkunde im alten Heimatkundeunterricht der Volksschule sind wir wohl mittlerweile recht weit weg (wie es derzeit in den Schulen der bekannten Pilzsammelregionen wie Erzgebirge oder Bayerischer Wald aussieht, weiß ich freilich nicht).

Re: Trüffel-Artikel

Thomas Pruss, (vor 4305 Tagen) @ Stephan Weißer

Moin Stephan,
besonders aufschlussreich finde ich, wie die Trüffeln überhaupt auf die Rote Liste gelangt sind: nach dem Motto "ach, da sind ja gar keine Pilze auf der Liste! Schreiben wir einfach mal die Trüffeln rein, die kennt eh keiner." Wenn auch andere Organismen auf derart unwissenschaftliche Weise auf die Liste gelangt sind, kann man den Sinn der Roten Liste durchaus in Frage stellen.

Dass man früher im Heimatkundeunterricht Pilze kennen lernte, ist mir auch neu. Immerhin habe ich die Volksschule schon von 1966 bis 1970 besucht. Weder in Pirmasens noch in Kordel (bei Trier) wurde uns im Heimatkundeunterricht was über Pilze beigebracht. Muss ja dann wohl noch länger her sein.

Grüßlis
Thomas

So ein Quatsch!!

Andreas ⌂, (vor 4305 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Stephan,
besonders aufschlussreich finde ich, wie die Trüffeln überhaupt auf die Rote
Liste gelangt sind: nach dem Motto "ach, da sind ja gar keine Pilze
auf der Liste! Schreiben wir einfach mal die Trüffeln rein, die kennt eh
keiner." Wenn auch andere Organismen auf derart unwissenschaftliche
Weise auf die Liste gelangt sind, kann man den Sinn der Roten Liste
durchaus in Frage stellen.


BITTE BITTE BITTE

werft nicht immerzu die Rote Liste und die Bundesartenschutzverordnung durcheinander!!

Wovon der Schreiberling so anekdotisch erzählt, ist seine Version der Entstehung der Anhangsliste zur Bundesartenschutzverordnung! Und die hat nichts, aber auch gar nichts, mit der Roten Liste zu tun!

Wie die Pilze damals Aufnahme in die Bundesartenschutzverordnung fanden kann nur gemutmaßt werden. Jedenfalls war die DGfM nicht eingebunden und auch sonst ist nie bekannt geworden, dass ein Mykologe in den Prozess eigebunden gewesen wäre.

Rote Listen werden von einem Autorenkollektiv von Fachleuten (seltener von Einzelpersonen) erstellt und zeigen die Bestandsentwicklung aller Arten einer Gruppe. Daraus folgt dann eine Einordnung in verschiedene Gefährdungsgrade (oder eben nicht). Damit können bestimmte Gebiete auf ihre Schutzwürdigkeit hin klassifiziert werden.

Die Bundesartenschutzverordnung hat Gesetzeskraft - eine Rote Liste niemals!
Die Arten der Bundesartenschutzverordnung dürfen nicht oder nur eingeschränkt gesammelt werden - Arten der Roten Liste unterliegen für den Eigenbedarf nur einer Mengenbeschränkung wie jede andere Pilzart auch, unbeschadet davon ob es eine vom Aussterben bedrohte Art ist oder nicht.

beste Grüße,
Andreas

Re: So ein Quatsch!!

Kugelblitz, (vor 4305 Tagen) @ Andreas

BITTE BITTE BITTE
werft nicht immerzu die Rote Liste und die Bundesartenschutzverordnung
durcheinander!!
Wovon der Schreiberling so anekdotisch erzählt, ist seine Version der
Entstehung der Anhangsliste zur Bundesartenschutzverordnung ! Und die hat
nichts, aber auch gar nichts, mit der Roten Liste zu tun!
Wie die Pilze damals Aufnahme in die Bundesartenschutzverordnung fanden kann
nur gemutmaßt werden. Jedenfalls war die DGfM nicht eingebunden und auch
sonst ist nie bekannt geworden, dass ein Mykologe in den Prozess
eigebunden gewesen wäre.
Rote Listen werden von einem Autorenkollektiv von Fachleuten (seltener von
Einzelpersonen) erstellt und zeigen die Bestandsentwicklung aller Arten
einer Gruppe. Daraus folgt dann eine Einordnung in verschiedene
Gefährdungsgrade (oder eben nicht). Damit können bestimmte Gebiete auf
ihre Schutzwürdigkeit hin klassifiziert werden.
Die Bundesartenschutzverordnung hat Gesetzeskraft - eine Rote Liste niemals!
Die Arten der Bundesartenschutzverordnung dürfen nicht oder nur eingeschränkt
gesammelt werden - Arten der Roten Liste unterliegen für den Eigenbedarf
nur einer Mengenbeschränkung wie jede andere Pilzart auch, unbeschadet
davon ob es eine vom Aussterben bedrohte Art ist oder nicht.
beste Grüße,
Andreas

Aber wer wäre denn geeigneter eine Aussage über die Schutzbedürftigkeit bestimmter Pilze zu machen, wenn nicht eine bundesweit agierende Institution wie die DGfM? Wer verwaltet die Bundesartenschutzverordnung denn? Das Umweltministerium?

Re: So ein Quatsch!!

Wolfgang P., (vor 4305 Tagen) @ Kugelblitz

Aber wer wäre denn geeigneter eine Aussage über die Schutzbedürftigkeit
bestimmter Pilze zu machen, wenn nicht eine bundesweit agierende
Institution wie die DGfM? Wer verwaltet die Bundesartenschutzverordnung
denn? Das Umweltministerium?

In der Verordnung steht's:

"Die V wurde als Artikel 1 der V v. 16.2.2005 I 258 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft im Einvernehmen mit den Bundesministerien für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, für Wirtschaft und Arbeit, für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit mit Zustimmung des Bundesrates erlassen."

Da steckt also die gebündelte Pilzkenntnis von Juristen aus drei Ministerien 'drin, wer würde das anzweifeln wollen... *grins*

Re: So ein Quatsch!!

Andreas ⌂, (vor 4304 Tagen) @ Wolfgang P.

In der Verordnung steht's: "Die V wurde als Artikel 1 der V v. 16.2.2005
I 258 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
und dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und
Landwirtschaft im Einvernehmen mit den Bundesministerien für
Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, für Wirtschaft und
Arbeit, für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit mit Zustimmung des
Bundesrates erlassen."
Da steckt also die gebündelte Pilzkenntnis von Juristen aus drei Ministerien
'drin, wer würde das anzweifeln wollen... *grins*

Hallo,

ja, so steht das da, denn natürlich erlässt das Ministerium die Verordnung - aber es schreibt sie ja nicht selbst. Mit der Ausarbeitung werden (immer?) die zuständigen Bundesämter betraut, in dem Fall ist die Verordnung sicherlich vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geschrieben worden. WER aber dort diese Liste erstellt hat, oder vermutlich eher erstellen LASSEN hat - und von wem - ist unbekannt.
Übrigens war es bei den Verantwortungsarten tatsächlich so, wie der ursprüngliche Autor das für die "Rote Liste" (gemeint BArtSchV) sich ausgemalt hat: Jemand von den Pflnazenleuten warf bei einem Meeting über die 2. Serie der Verantwortungsarten die Frage in den Raum "sagt mal, gibt eigentlich nicht auch Pilze zu dem Thema?", worauf alle die Schulter zuckten und einer meinte "wart mal, ich kenn jemanden, ich frag mal an". Derjenige (zum Glück tatsächlich ein Mykologe) brachte dann die ganze Sache letztlich ins Rollen, aber bis es dann wirklich bei der DGfM gelandet ist, lief die ganze Geschichte erst um noch ein paar Ecken mehr.

beste Grüße,
Andreas

Re: Trüffel-Artikel

Stephan Weißer, (vor 4302 Tagen) @ Thomas Pruss

Dass man früher im Heimatkundeunterricht Pilze kennen lernte, ist mir auch
neu. Immerhin habe ich die Volksschule schon von 1966 bis 1970 besucht.
Weder in Pirmasens noch in Kordel (bei Trier) wurde uns im
Heimatkundeunterricht was über Pilze beigebracht. Muss ja dann wohl noch
länger her sein.

Hallo Thomas,
ich erinnere mich, dass in der Grundschule (Hessen) im Heimatkundeunterricht das Thema Pilze behandelt wurde, das muss so um 1975 herum gewesen sein. Als die Lehrerin behauptete, dass der Gallenröhrling blauen würde und so vom essbaren Steinpilz unterschieden werden könne, habe ich, der ich oft mit der Mutter in den Pilzen war, mich gemeldet und die Aussage der Lehrerin richtig gestellt.
FG
Stephan