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Becherchen an Lärche *PIC*

ChrisO, (vor 4240 Tagen)

Hallo,

gestern sind mir diese kleinen Becherchen begegnet. Sie wuchsen auf verletzten Stellen einer älteren Lärche. Meine Nachforschungen haben mich zu den Harzbecherchen geführt. Kann mir einer von euch anhand des Fotos (reale Größe der Becherchen: ca. 1-2mm) einen genaueren Tipp geben? Lässt sich da ohne Mikroskop überhaupt etwas sagen?

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Re: Becherchen an Lärche

Joschi Siembida ⌂, (vor 4239 Tagen) @ ChrisO

Hallo Chris,

diese orangeroten Becherchen sollten Sarea resinae sein. Die finde ich hier in der Pfalz regelmäßig, wobei ich mangels Mikroskop noch nie reingeschaut habe.

Gruß Joschi

Re: Becherchen an Lärche *PIC*

Gábor, (vor 4239 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo,

wie Joschi bereits schrob, heisst das Becherchen Biatorella/Sarea resinae:

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LG, Gábor

Re: Becherchen an Lärche

Andreas ⌂, (vor 4238 Tagen) @ Gábor

Hallo,

heisst das Becherchen Biatorella/Sarea resinae :

und ist interessanterweise eine Flechte ohne Algenpartner :-)

beste Grüße,
Andreas

Re: Becherchen an Lärche

ChrisO, (vor 4233 Tagen) @ Andreas

Danke für eure Infos! Interessant... für mich war bisher ein Pilz mit Alge eine Flechte und ohne Alge ein Pilz. Es geht also auch anders. :)

Re: Becherchen an Lärche

Thomas Pruss, (vor 4232 Tagen) @ Andreas

Moin Andreas,
kannst du das bitte ein wenig näher erklären. In Wikispecies steht die Sarea unter den Ascos.
Grüßlis
Thomas

Re: Becherchen an Lärche

Andreas ⌂, (vor 4232 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Andreas,
kannst du das bitte ein wenig näher erklären. In Wikispecies steht die Sarea
unter den Ascos.
Grüßlis
Thomas

Hallo Thomas,

natürlich, denn es ist ja ein Ascomycet. Wie nahezu alle anderen Flechten auch.
Im Normalfall ist bei einer Flechte der Ascomycet mit einer Alge vergesellschaftet. Sarea resinae hat zwar keinen Algenpartner, ist aufgrund seiner gesamten Merkmale aber so eng mit lichenisierten Ascomyceten verwandt, dass man die Art eben zu den Flechten stellt.

"Die Flechten" sind letzlich nicht anderes als Pilze mit einer besonderen Ernährungsform. Eine 100% saubere Trennung zwischen Flechten und Pilzen ist nicht möglich. Sie sind auch systematisch mitten im Reich der Pilze angesiedelt

Witzigerweise erscheint es vielen überraschend, das Flechten Pilze sein sollen, und traditionell werden sie auch von Lichenologen bearbeitet, die nur selten "richtige" Pilze kennen - so wie wir Pilzler uns auch nur selten mit Flechten auskennen. Dagegen ist es für jeden einleuchtend, dass die Schleimpilze von den Pilzlern bearbeitet werden - obwohl die ja überhaupt nicht zu den Pilzen gehören ....

beste Grüße,
Andreas

Re: Becherchen an Lärche

Thomas Pruss, (vor 4232 Tagen) @ Andreas

Moin Andreas,
das ist es wert, weiter untersucht zu werden. Mal gucken, ob ich mit Literaturrecherche meinen Wissensdurst stillen kann.
Aber du hast Recht: Man muss, gerade in der Biologie, ständig über den Tellerrand hinausschauen. Warum soll es keine Flechte ohne Algenpartner geben? Das ist ja kein Dogma. Denn, um es in Abwandlung von John Burdon Sanderson Haldane zu sagen: "Die Natur ist nicht nur seltsamer als wir es uns vorstellen, sie ist auch seltsamer als wir es uns vorstellen können". ;-)

Grüßlis
Thomas

Re: Becherchen an Lärche

Andreas ⌂, (vor 4232 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Andreas,
das ist es wert, weiter untersucht zu werden. Mal gucken, ob ich mit
Literaturrecherche meinen Wissensdurst stillen kann.
Aber du hast Recht: Man muss, gerade in der Biologie, ständig über den
Tellerrand hinausschauen. Warum soll es keine Flechte ohne Algenpartner
geben? Das ist ja kein Dogma. Denn, um es in Abwandlung von John Burdon
Sanderson Haldane zu sagen: "Die Natur ist nicht nur seltsamer als
wir es uns vorstellen, sie ist auch seltsamer als wir es uns vorstellen
können ". ;-)
Grüßlis
Thomas

Hallo Thomas,

was fehlt dir denn noch an Untersuchungen, um dienen Wissendurst zu stillen? Vielleicht kann ich ja behilflich sein.

Wenn man die Art Sarea resinae im Index fungorum sucht, dann erhält man folgender systematische Einordnung zu dieser Art:

Trapeliaceae, Baeomycetales, Ostropomycetidae, Lecanoromycetes, Pezizomycotina, Ascomycota, Fungi

Also Familie Trapeliaceae, das sind allesamt mit Algen vergesellschatete Arten.
Gleiches gilt meines Wissens auch für die Ordnung Baeomycetales.
Aber schon eine Rangstufe drüber, bei der Unterklasse Ostropomycetidae, ist auch eine Ordnung Ostropales enthalten, die wiederum auch Gattungen ohne Photobionten enthält (z. B. Stictis).
Man kann zwar sicherlich sagen, dass meisten Arten der Klasse Lecanoromycetes lichenisiert sind, aber eben nicht alle.
Und die Klasse Lecanoromyces ist ja nur EINE Klasse der Unterabteilung Pezizomycotina - die anderen Klassen enthalten dann eigentlich alle weiteren uns als Schlauchpilze bekannten Arten, inklusive Morcheln, Grünspanbecherlingen, Mutterkorn, Kohlenbeeren und was weiß ich noch. Nur nicht die Narrentaschen und ein Großteil der Hefen.

beste Grüße,
Andreas

Re: Becherchen an Lärche

Lothar, (vor 4230 Tagen) @ Thomas Pruss

Hallo Thomas,

... ja -da haben viele Leute Probleme und wollen Flechten von den Pilzen als etwas Eigenes herauslösen. Das ist nicht so.

Warum soll es keine Flechte ohne Algenpartner geben?
... gibt es auch tatsächlich nicht, denn sonst wäre das ja "nur" ein Schlauchpilz. Es gibt aber eben nahe verwandte Schlauchpilze mit Algenpartner (Flechten, z.B. die bekannte Gelbflechte Xanthoria) oder eben solche ohne Algenpartner (z.B. Sarea, nahe mit Flechten-Pilzen verwandt, oder den Orangebecherling, nur ganz entfernt mit Flechten-Pilzen verwandt).
Genauso bei Ständerpilzen. Es gibt Lamellenpilze mit Algenpartner (z.B. die Flechte Lichenomphalina), die ganz nahe verwandt sind mit solchen ohne Algenpartner (z.B. Omphalina-Arten; spannend ist noch, wovon die eigentlich leben), ebenso wie Keulenpilze mit Algenpartner (Flechte Multiclavula) und solche ohne Algenpartner.
Also: Flechten sind einfach eine Ernährungsform und keine VErwandtschaftsgruppe. Es trifft sich nur, dass sehr viele Schlauchpilze einiger Ordnungen wie z.B. Lecanorales eben Flechten sind. Das kann man vergleichen mit der Tatsache, dass z.B. sehr viele Boletales eben Mykorrhizapilze sind.

Viele Grüße von Lothar

Die Sprache ist schuld

Till, (vor 4231 Tagen) @ Andreas

Hallo, Gesprächspartner -

da ist mal wieder die Sprache schuld. Wir quartieren problemlos die Flechten aus unserem Pilz-Bewusstsein aus, weil sie einen eigenen Namen haben (und nicht z. B. "Thalluspilze" oder weiß ich wie heißen.) Umgekehrt lassen wir uns wider besseres Wissen die Myxetozoa nicht wegnehmen, weil sie seit alters her eben Schleim"pilze" genannt werden. Im Beratungsalltag hat jeder von uns seine Erklärungsformel dafür, dass Stinkmorcheln keine Morcheln sind - aber auch hier ist die Sprache mächtiger als viele gut gemeinte Aufklärungsversuche ...

War nur mal nebenbei so ein Gedanke ...

Gruß, Till

Hallo Thomas,

natürlich, denn es ist ja ein Ascomycet. Wie nahezu alle anderen Flechten
auch.
Im Normalfall ist bei einer Flechte der Ascomycet mit einer Alge
vergesellschaftet. Sarea resinae hat zwar keinen Algenpartner, ist
aufgrund seiner gesamten Merkmale aber so eng mit lichenisierten
Ascomyceten verwandt, dass man die Art eben zu den Flechten stellt.
"Die Flechten" sind letzlich nicht anderes als Pilze mit einer
besonderen Ernährungsform. Eine 100% saubere Trennung zwischen Flechten
und Pilzen ist nicht möglich. Sie sind auch systematisch mitten im Reich
der Pilze angesiedelt
Witzigerweise erscheint es vielen überraschend, das Flechten Pilze sein
sollen, und traditionell werden sie auch von Lichenologen bearbeitet, die
nur selten "richtige" Pilze kennen - so wie wir Pilzler uns auch
nur selten mit Flechten auskennen. Dagegen ist es für jeden einleuchtend,
dass die Schleimpilze von den Pilzlern bearbeitet werden - obwohl die ja
überhaupt nicht zu den Pilzen gehören ....
beste Grüße,
Andreas