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Milder Gallenröhrling

Ulysses, (vor 4048 Tagen)

Hallo,

beim Schmökern im Bon (Pareys Buch der Pilze) bin ich gestern wieder mal über die dort (S. 48) aufgeführte milde Varietät des Gallenröhrlings (Tylopilus felleus var. alutarius) gestolpert, die nach den Angaben einen "mehr rostbraunen Hut" haben soll. Gröger zitiert dieses Taxon als Boletus alutarius und nennt es nur als Form.

Hat diesen Milden schon mal jemand bewusst wahrgenommen? Bzw. korreliert der rostbraune Farbton des Hutes tatsächlich mit dem Fehlen (bzw. der schwächeren Ausprägung) des bitteren Geschmacks?

Danke!

Schöne Grüße
Josef

Re: Milder Gallenröhrling

Stephan Weißer, (vor 4048 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,
hättest du vielleicht ein Foto parat? Ich habe im Moment kein inneres Bild davon, über was wir diskutieren sollen. Sobald ich ein entsprechendes Foto sehe, könnte ich mitdiskutieren, sonst nicht.
FG
Stephan

Re: Milder Gallenröhrling

Ulysses, (vor 4048 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan!

hättest du vielleicht ein Foto parat?

Leider nein - dieses "Fehlen" beschreibt allerdings auch schon treffend, wie es mir mit dieser Art/Varietät geht: ich hab bislang nur bei Bon und Gröger davon gelesen, wo es allerdings jeweils auch nur einen kurzen "Seitenhieb" dazu gibt. Und in der Hoffnung, dass jemand mehr dazu weiß kam dann mein Post ;-)

Schöne Grüße
Josef

Re: Milder Gallenröhrling

Till, (vor 4047 Tagen) @ Ulysses

Hallo ---

Ja, milde Gallenröhrlinge gibt es tatsächlich. Ich habe einmal einen aus der Chiemseegegend zugeschickt bekommen, und bei mehreren Pilzführungen bzw. Vorträgen im Altöttinger Bereich (Südostbayern) wurde mir von Teilnehmern berichtet, dass in den dortigen Forsten immer wieder milde Gallenröhrlinge aufträten und sogar gegessen würden. Makroskopische Unterschiede habe ich bei dem einen Exemplar, dass ich gesehen habe, keine festgestellt, und ans Mikroskopieren habe ich damals wohl nicht gedacht - Fakt ist, dass es wie ein normaler Gallenröhrling aussah und absolut mild schmeckte.

Eine ausführliche Beschreibung von Tylopilus felleus var. alutarius gibt übrigens Aurel Dermek in Fungorum Rariorum Icones Coloratae XVI, 1987 - seltsamerweise mit der Geschmacksangabe "bitterish" und ohne auf die Unterschiede zur Normalform einzugehen. Allenfalls die Bemerkung, dass das Stielnetz "very fine" ist und nur den oberen Teil des Stiels bedeckt, könnte man als Vergleich interpretieren. Und am Ende steht: "It has been reported from all Europe" (man wüsste halt gerne wo und von wem).

Roy Watling (1970) schreibt, dass die mild schmeckende Varietät "blasser" sei als die Normalform. Das kann man auch bei Lannoy/Estadés 2001 lesen, denen zufolge der Stiel +- weißlich oder nur sehr hell bräunlich und das Netz auf den oberen Stielteil beschränkt und nicht oder nur schwach ausgeprägt ist. Die Huthauthyphen sollen "diverticuliert oder verzweigt" sein, bei der Normalform dagegen nicht.

Weitere Literatur müsste man recherchieren.

Schöne Grüße
Till

Hallo Stephan!

Leider nein - dieses "Fehlen" beschreibt allerdings auch schon
treffend, wie es mir mit dieser Art/Varietät geht: ich hab bislang nur bei
Bon und Gröger davon gelesen, wo es allerdings jeweils auch nur einen
kurzen "Seitenhieb" dazu gibt. Und in der Hoffnung, dass jemand
mehr dazu weiß kam dann mein Post ;-)
Schöne Grüße
Josef

Re: Milder Gallenröhrling

Ulysses, (vor 4046 Tagen) @ Till

Hallo Tilll,

vielen Dank für die zusammengestellten Infos!

Eine ausführliche Beschreibung von Tylopilus felleus var. alutarius gibt
übrigens Aurel Dermek in Fungorum Rariorum Icones Coloratae XVI, 1987 -
seltsamerweise mit der Geschmacksangabe "bitterish" und ohne auf
die Unterschiede zur Normalform einzugehen. Allenfalls die Bemerkung, dass
das Stielnetz "very fine" ist und nur den oberen Teil des Stiels
bedeckt, könnte man als Vergleich interpretieren. Und am Ende steht:
"It has been reported from all Europe" (man wüsste halt gerne wo
und von wem).
Roy Watling (1970) schreibt, dass die mild schmeckende Varietät
"blasser" sei als die Normalform. Das kann man auch bei
Lannoy/Estadés 2001 lesen, denen zufolge der Stiel +- weißlich oder nur
sehr hell bräunlich und das Netz auf den oberen Stielteil beschränkt und
nicht oder nur schwach ausgeprägt ist. Die Huthauthyphen sollen
"diverticuliert oder verzweigt" sein, bei der Normalform dagegen
nicht.

Interessant ist, dass nun einer (Dermek) die Varietät als "bitterlich" beschreibt, der andere (Watling) sie als "blasser", während Bon sie als mild und rostbraun (also mindestens genau so dunkel wie die Normalform) angibt. Und wenn die milden gegessen werden, werden sie wohl wirklich mild sein und nicht bitter(lich). Ob da die südostbayerischen Pilzsucher einen "Trick" haben, wie sie die milden von den bitteren schon im Wald - und natürlich ohne zig Fruchtkörper probieren zu müssen! - unterscheiden können...?

Scheint eine konfuse Arten-/Varietäten-Gruppe zu sein... Oder, andere Variante: Bitterkeit und Farbe sind unabhängig voneinander. Ich bleib auf jeden Fall mal dran, vielleicht finde ich noch was klärendes.

LG
Josef

Re: Milder Gallenröhrling

Gábor, (vor 4045 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,

es kursiert noch die Geschichte vom geringen Prozentsatz der Menschen, die bitteren Geschmack nicht wahrnehmen können.
So etwas müsste man dann natürlich ausschließen bei den Geschmacksproben des Gallenröhrlings, sonst kommt ja nichts Gescheites bei raus...

LG, Gábor

Re: Milder Gallenröhrling

Till, (vor 4043 Tagen) @ Gábor

Hallo Gabor,

ich weiß nicht, wie oft ich den schon gekostet habe, gerade weil es ja bei uns auch die milden gibt. 1000 mal ausgespuckt ... aber dann schickt mir jemand, der genauso "normal" veranlagt ist wie ich einen milden, den ich prompt auch als milde empfinde. Dass jemand diesen ekelhaften Geschmack nicht spürt, kann ich mir zwar kaum vorstellen, aber ausschließen kann man es natürlich auch nicht ganz... Nur wäre meine Gewährsfrau bitterstoffunempfindlich gewesen, hätte ich bei der B-Probe doch auch wieder gespuckt ...

Sei gegrüßt
Till

es kursiert noch die Geschichte vom geringen Prozentsatz der Menschen, die
bitteren Geschmack nicht wahrnehmen können.
So etwas müsste man dann natürlich ausschließen bei den Geschmacksproben des
Gallenröhrlings, sonst kommt ja nichts Gescheites bei raus...
LG, Gábor

Re: Milder Gallenröhrling

Der Juergen, (vor 4043 Tagen) @ Till

Hallo Till,

für mich schmecken "normale" Gallenröhrlinge neutral bis leicht süßlich, und zwar jeden, den ich bisher an der Zunge hatte. Bisher geht man davon aus, dass 6% der Bevölkerung den oder die Bitterstoffe des Gallenröhrlings nicht als bitter wahrnehmen können, ich vermute aber, dass es wesentlich mehr sind. Es handelt sich übrigens vermutlich um ein Gerücht, dass Diabetiker diesen spezifischen Bitterstoff des Gallenröhrling nicht schmecken können. Ich konnte bisehr nicht rausbekommen, wer das mal in die "Pilzwelt" gesetzt hat. Es gibt Untersuchungen, die Belegen, dass viele Diabetiker bestimmte Bitterstoffe nicht wahrnehmen können, aber dabei handelt es sich um ganz andere Vebindungen, als die Bitterstoffe in Gallenröhrlingen.

Grüßle
Jürgen

Re: Milder Gallenröhrling

Gábor, (vor 4043 Tagen) @ Till

Hallo Till,

ich habe schon lange keine Geschmacksprobe mehr vom Gallenröhrling genommen.
Denn alle, die ich bisher gekostet habe, waren ausnahmslos bitter.
Erinnerte mich doch ziemlich an Enzian-Schnaps - und den sollte man ja auch mögen, um ihn zu trinken.
Und selbst seit ich von der milden Variante des Gallenröhrlings gelesen habe, reicht mein Forscherdrang für weitere Gallenröhrlingsverkostungen nicht mehr ganz aus...

LG, Gábor

Re: Milder Gallenröhrling

UmUlmHerum, (vor 4041 Tagen) @ Ulysses

Hallo Tilll,
...
Ob da die südostbayerischen Pilzsucher einen
"Trick" haben, wie sie die milden von den bitteren schon im Wald
- und natürlich ohne zig Fruchtkörper probieren zu müssen! - unterscheiden
können...?
...
LG
Josef

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Hallo Josef,

der "harmlose" Bittertest geht bei mir so: mit feuchtem Finger über den Hut reiben und dann nur am Finger schlecken.

Viele Grüße – Rika

Re: Milder Gallenröhrling

Ulysses, (vor 4040 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika!

der "harmlose" Bittertest geht bei mir so: mit feuchtem Finger über
den Hut reiben und dann nur am Finger schlecken.

Hehe, das ist wirklich mal Trick 17, super!

Allerdings ändert dies trotzdem nichts daran, dass Du jeden in Frage kommenden Gallenröhrling kosten musst - gäbe es tatsächlich einen Zusammenhang mit der Hutfarbe, der Wuchsform, ..., dann würde dies komplett wegfallen.

LG
Josef