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Inocybe als Frost-Massenpilz *PIC*

Harald Andres Schmid, (vor 3962 Tagen)

Hallo, zusammen,
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Bei Rekingen gibt es einen riesigen, stillgelegten Kalksteinbruch.
Sepp ("Boletus") hat mich dahin mitgenommen.
Ein magischer Ort.
Ein wunderbares Biotop, auch für Orchideen.
Die Vegetation besteht hauptsächlich aus kleinen Waldkiefern und Birken.

Was erstaunt, ist die alle Jahre wiederkehrende Schwemme
von Tausenden und Abertausenden (!), meist büschelig wachsenden
Exemplaren des Bittersüssen Risspilzes.

Heute (wir haben immerhin den 27. Dezember!)
sind wir nachschauen gegangen, und konnten es kaum glauben:
Trotz Frost an den Schattenhängen hat es zwar nicht mehr Tausende,
aber immer noch Hunderte von leicht kältegeschädigten Risspilzen.

Hier Aufnahmen vom letzten und von diesem Herbst:

Inocybe dulcamara - (Pers.) P. Kumm Bittersüsser Risspilz

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Hier ein paar frostgeschädigte Exemplare von heute:

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Man mag gar nicht mehr aufhören, in dieser wilden Gegend herumzustapfen...

Hier auch immer zuverlässig im Bärtchenmoos zwischen Geröll anzutreffen:

Arrhenia rickenii - (Hora) Watling Geröllnabeling

[image]

Kennt jemand solche Massenvorkommen dieses Risspilzes?

Lieben Gruss, Harald Andres

Re: Inocybe als Frost-Massenpilz

Andreas ⌂, (vor 3962 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald Andres,

das ist nicht wirklich außergewöhnlich, denn bei Inocybe dulcamara handelt es sich um eine Pionierart. Schnell im Besiedeln, aber konkurrenzschwach kann sie sich nur durch Geschwindigkeit und Menge einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Also ganz schnell da sein, große Mengen an Fruchtkörpern bilden, damit das Überleben gesichert ist wenn ien paar Jahre später die Sukzession das Vorkommen auslöscht. Auch Hebeloma mesophaeum ist so ein Pilz und noch manch andere Art.
Dass die jetzt noch fruktifiziert ist beim derzeitigen Klima auch kein Wunder. Wir waren heute in Niedersachsen am Bückeberg im Wald, haben zwei Stunden lang eine Runde gedreht zu viert und dabei 80 Arten noch gefunden!

beste Grüße,
Andreas

Hallo, zusammen,

Bei Rekingen gibt es einen riesigen, stillgelegten Kalksteinbruch.
Sepp ("Boletus") hat mich dahin mitgenommen.
Ein magischer Ort.
Ein wunderbares Biotop, auch für Orchideen.
Die Vegetation besteht hauptsächlich aus kleinen Waldkiefern und Birken.
Was erstaunt, ist die alle Jahre wiederkehrende Schwemme
von Tausenden und Abertausenden (!), meist büschelig wachsenden
Exemplaren des Bittersüssen Risspilzes.
Heute (wir haben immerhin den 27. Dezember!)
sind wir nachschauen gegangen, und konnten es kaum glauben: Trotz Frost an
den Schattenhängen hat es zwar nicht mehr Tausende,
aber immer noch Hunderte von leicht kältegeschädigten Risspilzen.
Hier Aufnahmen vom letzten und von diesem Herbst: Inocybe dulcamara -
(Pers.) P. Kumm Bittersüsser Risspilz

Hier ein paar frostgeschädigte Exemplare von heute:
Man mag gar nicht mehr aufhören, in dieser wilden Gegend herumzustapfen...
Hier auch immer zuverlässig im Bärtchenmoos zwischen Geröll anzutreffen:
Arrhenia rickenii - (Hora) Watling Geröllnabeling

Kennt jemand solche Massenvorkommen dieses Risspilzes?
Lieben Gruss, Harald Andres

Re: Inocybe als Frost-Massenpilz

Harald Andres Schmid, (vor 3962 Tagen) @ Andreas

Hallo Harald Andres,
das ist nicht wirklich außergewöhnlich, denn bei Inocybe dulcamara handelt es
sich um eine Pionierart. Schnell im Besiedeln, aber konkurrenzschwach kann
sie sich nur durch Geschwindigkeit und Menge einen Vorteil gegenüber der
Konkurrenz verschaffen. Also ganz schnell da sein, große Mengen an
Fruchtkörpern bilden, damit das Überleben gesichert ist wenn ien paar
Jahre später die Sukzession das Vorkommen auslöscht. Auch Hebeloma
mesophaeum ist so ein Pilz und noch manch andere Art.
Dass die jetzt noch fruktifiziert ist beim derzeitigen Klima auch kein
Wunder. Wir waren heute in Niedersachsen am Bückeberg im Wald, haben zwei
Stunden lang eine Runde gedreht zu viert und dabei 80 Arten noch gefunden!
beste Grüße,
Andreas

Hallo, Andreas,
Doch, bei uns ist das zur Zeit aussergewöhnlich.
Dieses Jahr fiel die Pilzsaison im Herbst aus.
Und im Moment findet man in den Wäldern vielleicht mal einen Schwefelkopf.
Obwohl die Nullgradgrenze tagsüber auf über 2500 Metern ist.
Im Kalksteinbruch war es kalt, schattig und bereift.
Die Risspilze wuchsen neben zugefrorenen Tümpeln.
Es hatte noch Erdritterlinge (T. terreum, T. scalpturatum)
und eine noch unbestimmte Mycena.
80 Arten... Davon können wir hier nur träumen...
Ganz lieben Gruss, Dein Harald Andres

Re: Inocybe als Frost-Massenpilz

Helmut, (vor 3961 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Servus Harald Andres,

die Inocyben schauen interessant aus! Ob es aber I. dulcamara s. str. ist, scheint fraglich. Die Hüte sind ganz schön schuppig und vor allem das gelbe Stielfleisch in der Basis spricht evt. für etwas Ausgefallenes. In der Funga Nordica wird nur eine alpin/arktische Art mit solchem Stielfleisch aufgeführt, aber dazu geschrieben, dass es da noch mehr Arten gibt. Die Mallocyben sind insgesamt ein noch wenig entwirrter Komplex. Vielleicht wäre Dein Fund auch was für Dittes DNA-Projekt.

Normalerweise bringen solche ausgefallenen Biotope auch andere interessante Risspilz-Arten (und natürlich auch andere Gattungen). Da gibt's bestimmt noch mehr Berichtenswertes, oder?

Gruß

Helmut

Re: Inocybe als Frost-Massenpilz

Harald Andres Schmid, (vor 3961 Tagen) @ Helmut

Servus Harald Andres,

Auch servus, Helmut

die Inocyben schauen interessant aus! Ob es aber I. dulcamara s. str. ist,
scheint fraglich. Die Hüte sind ganz schön schuppig und vor allem das
gelbe Stielfleisch in der Basis spricht evt. für etwas Ausgefallenes. In
der Funga Nordica wird nur eine alpin/arktische Art mit solchem
Stielfleisch aufgeführt, aber dazu geschrieben, dass es da noch mehr Arten
gibt. Die Mallocyben sind insgesamt ein noch wenig entwirrter Komplex.
Vielleicht wäre Dein Fund auch was für Dittes DNA-Projekt.

Bin schon mit Ditte im Kontakt deswegen.
Ich habe ihr die bisherigen Mik-Bilder unserer Bestimmung geschickt.
Das Massenvorkommen über die vergangenen Jahre ist interessant,
die momentanen, frostgeschädigten Exemplaren lassen wir mal aussen vor,
nächtstes Jahr - ich nehme an, der Pilz hat sich noch nicht ausgetobt -
sehen wir weiter, ich schicke ihr dann Exsikkate.

Normalerweise bringen solche ausgefallenen Biotope auch andere interessante
Risspilz-Arten (und natürlich auch andere Gattungen). Da gibt's bestimmt
noch mehr Berichtenswertes, oder?

Absolut! Wir sind erst am Anfang, das Biotop zu entdecken.
Es hat Rötlinge und Fälblinge, mit denen sich Sepp ("Boletus")
schon befasst hat, und vieles andere.
Ich verspreche, wir halten Euch auf dem Laufenden.
Danke für das Interesse!

Gruß
Helmut

Auch ganz lieben Gruss aus der Schweiz,
Euer Harald Andres