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"Gallert-Seitling" mit Lamellen?? *PIC*

UmUlmHerum, (vor 3624 Tagen)

Hallo miteinander!

Auf der gleichen Tour, unweit des Rätselpilzes meine vorherigen Beitrags, wuchsen an einem mächtigen Eichenstamm (frisch gefällt, Stamm-Ø gut 1m) aus der groben Rinde vereinzelt oder auch in kleinen Büscheln diese seltsamen "Seitlinge". Genau den gleichen Pilz hatten wir auf unserer letzten AMU-Exkursion (3.11.16, auch Hochsträß, aber anderer Wald) gefunden, ebenfalls auf einem großen Eichenstamm – da waren aber nur sehr kleine "Babies" dran.

Heute am neuen Standort gab es diesen Pilz in allen Größen.

Das Seltsamste ist seine dicke Gallertschicht auf dem Hut. Sie ist mit einer pusteligen Haut abgedeckt. Die Gallertschicht ist genauso dick wie die Huttrama.

Der Pilz besitzt keinen Stiel. Die teilweise gelappten Hüte werden bis zu 10 cm breit. Die Konsistenz und Form erinnert an einen aufgeweichten Ohrlappenpilz, ist aber nicht gezont.

Den Rest seht Ihr auf den Fotos:

Hutbreite = 4 cm
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Gerade habe ich nach dem Sporenabwurf geschaut: weißes SPP
Jetzt habe ich überhaupt keine Idee mehr, was das sein könnte.

Kennt jemand diesen Pilz?

Danke & viele Grüße – Rika

Re: "Gallert-Seitling" mit Lamellen??

Gernot, (vor 3624 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

ein kurzer Blick ins Mikroskop hätte dir gleich die Gattung verraten aber auch so kommt man aufgrund der gallertigen Fruchtkörper zu Hohenbuehelia.

Schöne Grüße
Gernot

Re: "Gallert-Seitling" Hohenbuehelia spec.?? PIC *PIC*

UmUlmHerum, (vor 3622 Tagen) @ Gernot

Hallo Rika,
ein kurzer Blick ins Mikroskop hätte dir gleich die Gattung verraten aber
auch so kommt man aufgrund der gallertigen Fruchtkörper zu Hohenbuehelia.
Schöne Grüße
Gernot

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Hallo Gernot,

entschuldige bitte die späte Antwort – ich war heute noch mal am Standort, die großen Frk. ausmessen + Fotos vor Ort. Die Sporen habe ich angeschaut, zu mehr bin ich noch nicht gekommen.

Wie hätte mir ein Blick durchs Mikro helfen können? Du meinst, wegen der Fangwerkzeuge zwischen den Lamellen für die Nematoden? Ich hatte noch nie eine Hohenbuehelia in der Hand. Deswegen konnte ich auch mit dieser Gallertschicht nichts anfangen – in GroPiBaWü wird sie als Gattungsmerkmal nicht beschrieben, und der Schlüssel ist zum Einschmelzen...
⇒ Herzlichen Dank für die Gattung!!

Ludwig + FN hab´ ich nicht, aber Christian hat dankenswerterweise mal mit meinen Makro-Angaben geschlüsselt: auf Holz dürften die Hohenbuehelias nicht so groß (Breite 10cm) sein. Naja, vielleicht waren es optimale Bedingungen, die die zwei Frk. so groß haben werden lassen, und dann noch mit ein paar Tonnen Eiche im Rücken...

Das sind die großen Fruchtkörper:
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Und dies die Kleineren (4 - 3,5 - 2 cm breit), die ich aber für nicht ausgewachsen halte:
[image]

[image]

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So sehen die Sporen aus:
(7,0) 7,8 (8,6) x (3,9) 4,3 (4,9)
[image]

Kann man jetzt mehr dazu sagen?

Gute Nacht – Rika

Re: "Gallert-Seitling" Hohenbuehelia spec.?? PIC

Werner, (vor 3622 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Gernot meinte sicher die sehr auffälligen Hymenialzystiden von Hohenbuehelia. Wenn Du Gattungsmikros überprüfen willst, ist diese Webseite hier:

http://www.interhias.de/schwammerlseiten/galerie/artenindex.html

von unserem Mitglied Hias oft ein ganz guter erster Schritt. Hias hat sich sehr viel Mühe gemacht und seine Bestimmungen sind viel zuverlässiger, als so manches andere, was im Internet so geschribbelt wird.

Langfristig wirst Du allerdings ohne einen wirklich guten Schlüssel nicht auskommen, bei den schwierigen Arten, die Du gerne vorstellst.

Ich kann nur die Funga Nordica empfehlen, aber auch die inzwischen veralteten Nordic Macromycetes (Teil 1-3) sind sicher noch empfehlenswert, solltest Du diese irgendwo günstig herbekommen.

Re: "Gallert-Seitling" Hohenbuehelia spec.?? PIC

Gernot, (vor 3621 Tagen) @ Werner

Hallo zusammen,

genau, ich meinte natürlich die Metuloiden, die bei den meisten Hohenbuehelia-Arten sehr auffällig sind. Allerdings ist Hohenbuehelia keine einfache Gattung, weshalb ich jetzt ohne weiteres Literaturstudium auch keinen spontanen Vorschlag habe.

Schöne Grüße
Gernot

Re: "Gallert-Seitling" Hohenbuehelia spec.?? PIC

Andreas ⌂, (vor 3621 Tagen) @ Werner

Hallo Rika,
Gernot meinte sicher die sehr auffälligen Hymenialzystiden von Hohenbuehelia.
Wenn Du Gattungsmikros überprüfen willst, ist diese Webseite hier:
http://www.interhias.de/schwammerlseiten/galerie/artenindex.html
von unserem Mitglied Hias oft ein ganz guter erster Schritt. Hias hat sich
sehr viel Mühe gemacht und seine Bestimmungen sind viel zuverlässiger, als
so manches andere, was im Internet so geschribbelt wird.
Langfristig wirst Du allerdings ohne einen wirklich guten Schlüssel nicht
auskommen, bei den schwierigen Arten, die Du gerne vorstellst.
Ich kann nur die Funga Nordica empfehlen, aber auch die inzwischen veralteten
Nordic Macromycetes (Teil 1-3) sind sicher noch empfehlenswert, solltest
Du diese irgendwo günstig herbekommen.

Hallo,

warum so kompliziert?
Es gibt den GRÖGER Band 1 und 2 - fantastische Bestimmungliteratur! und auch noch deutschsprachig.
Ferner Bresinsky & Besls Gattungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge, aus den Regensburger mykologiscvhen Schriften.

Alles einfach erhältlich, nicht teuer, und alles was man braucht (außer Cortinariaceae die bei GRÖGER noch fehlen ...)

beste Grüße,
Andreas

Re: "Gallert-Seitling" Hohenbuehelia spec.?? PIC

Werner, (vor 3621 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

Es gibt den GRÖGER Band 1 und 2 - fantastische Bestimmungliteratur! und auch
noch deutschsprachig.

Damit hast Du natürlich durchaus Recht. Wobei die Abbildungen der Mikromerkmale bei Gröger doch etwas spartanisch sind. Aber für wirklich gute Abbildungen derselben braucht man halt im Zweifelsfall dann doch Monografien.

Ferner Bresinsky & Besls Gattungsschlüssel für Blätterpilze und
Röhrlinge, aus den Regensburger mykologiscvhen Schriften.

Stimmt. Da habe ich schon lange nicht mehr reingeguckt. Geht halt nur bis zur Gattung runter. Dafür ist das allerdings sehr geeignet.

Alles einfach erhältlich, nicht teuer, und alles was man braucht (außer
Cortinariaceae die bei GRÖGER noch fehlen ...)

Das ist wohl der Grund, warum ich den Gröger selten zu Rate ziehe. Ist immer eine persönliche Präferenzfrage - ich persönlich bin halt Nordic M./Funga N.-Fan. Wobei ich den Gröger schon hin und wieder raushole. Ganz selten sogar mal den ollen Moser, den Horak dagegen praktisch nie.

Also, nun hast Du - Rika - ja reichlich Auswahl für die 2. Stufe. Die 3. Stufe sind dann die Monografien und danach noch Einzelveröffentlichungen in sonstiger Literatur :-)

Im Laufe der Jahre sind so bei mir die Literaturbestände auf einige laufende Meter angewachsen und sehr wenig davon brauche ich nie/fast nie.

Gruß,

Werner

Re: "Gallert-Seitling" Hohenbuehelia Sammeldank

UmUlmHerum, (vor 3620 Tagen) @ Werner

Hallo Werner, Gernot und Andreas,

herzlichen Dank für Eure links & Literatur-Tipps und Diskussion!

Gestern war ich an der ersten Fundstelle (AMU-Exkursion am 6.11.16): das ist sehr wahrscheinlich die gleiche Art wie der vom Eingangsposting. Hier sind die Hüte nur 2-3,5 cm breit, und die Gallertschicht ist dünner (die von der anderen Aufsammlung trocknen im Kühlschrank vor sich hin ⇒ auch diese Gallertschicht wird täglich dünner). Es ist dort aber wesentlich trockener, der Eichenstamm ist viel dünner und ragt 1,5 m hoch über dem Boden in die Luft – also keine so perfekten Ausgangsbedingungen. Einen von diesen Frk. (frisch!) hatte ich vorhin umterm Mikro, muss die Bilder aber erst noch auswerten.

Bisher sehe ich nur die typische Gattungsmerkmale von Hohenbuehelia (→ Lerneffekt, nachdem mich Gernot auf die Gattung gebracht hat!) ... mal schauen, wie ich weiterkomme.

Gute Nacht – Rika

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Also, nun hast Du - Rika - ja reichlich Auswahl für die 2. Stufe. Die 3.
Stufe sind dann die Monografien und danach noch Einzelveröffentlichungen
in sonstiger Literatur :-)
Im Laufe der Jahre sind so bei mir die Literaturbestände auf einige laufende
Meter angewachsen und sehr wenig davon brauche ich nie/fast nie.
Gruß,
Werner

Re: Hohenbuehelia – Stand der Ermittlungen *PIC*

UmUlmHerum, (vor 3613 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo miteinander!

Zwischenzeitlich habe ich Frk. von beiden Standorten unterm Mikro gehabt, den Gröger-Hohenbuehelia-Schlüssel erhalten (Danke Jens!), einen weiteren H.-Schlüssel auf französisch gefunden (siehe http://www.champis.net/forums/viewtopic.php?f=1&t=4909, weiter unten im Text) sowie etwas ausführlichere, bebilderte Beschreibungen der m.E. möglichen Arten Hohenbuehelia atrocoerulea bzw. Hohenbuehelia mastrucata – siehe
http://www.mycoquebec.org/bas.php?trie=H&l=l&nom=Hohenbuehelia%20atrocoerulea%20/%20Pleurote%20bleu%20fonc%C3%A9&tag=Hohenbuehelia%20atrocoerulea&gro=31 bzw.
http://www.mycoquebec.org/bas.php?trie=H&l=l&nom=Hohenbuehelia%20mastrucata%20/%20Pleurote%20%C3%A0%20%20toison&tag=Hohenbuehelia%20mastrucata&gro=31 (Hutbreite bis 10 cm!)
(Mein Besuch vom Wochenende sprach zum Glück fließend französisch, nun bin ich wieder auf die miesen Internet-Übersetzungen angewiesen.)

Der H.-Schlüssel in GPBW ist völlig gaga, weil er in sich unlogisch ist, man keinen durchgängigen Weg finden kann. Wenn ich das ganze gaga ignoriere und einfach alle Angaben, die sicher nicht zu meinem Fund passen, aussortiere, so komme ich u.a. wegen der 1,5-mm-dicken Gallertschicht bei Hohenbuehelia atrocaerulea var. mastrucata raus. Laut Mykobank ist das "a" ein Krieglsteinscher Verschreiber, und die Varietät wurde auf Artrang erhoben.

Beim franz. Schlüssel bin ich mit minimalen Abstrichen ebenfalls zu Hohenbuehelia mastrucata gekommen. In der Beschreibung von GPBW sollten Hohenbuehelia-atrocoerulea-Varietäten bzw. -Arten dichtstehende Lamellen haben – hat mein Fund nicht. Die Bilder von Quebec passen in dieser Hinsicht jedoch gut. Nur ist "mein" Fell nicht ganz so ausgeprägt wie bei den Kanadiern (aber es ist dort ja auch viel kälter), vor allem am Rand nicht. In der Mitte des Hutes sind die Haare aber durchaus 0,4 mm lang. Aber das Fell ist nicht bei allen Frk. gleich gut ausgebildet, manchmal ist die Oberfläche nur hubbelig gelifiziert. Zwischen den Lamellen habe ich keine Gerätschaften zum Nematodenfang gefunden, wie in GPBW beschrieben – die typisch dickwandigen, kristallbbeschopften Metuloiden waren auf den ungefrorenen Frk. jedoch auf der gesamten Fruchtschicht zu finden. Nachdem es mit -8°C mal ordentlich Nachtfrost hatte, waren die Kristallschöpfe verschwunden, und Zystiden nur noch fast ausschließlich an der Lamellenschneide zu finden. Vielleicht wegen dieser nicht-konstanten Merkmale eine "schwierige Gattung"??

Eiche als bevorzugtes Substrat wird nirgends angegeben!?

Jetzt noch die Zusammenfassung der Mikro-Daten:
- SPP: weiß
- Sporengröße: (7,0) 7,8 (8,6) x (3,9) 4,3 (4,9)
- Metuloiden: 40...60 x 7...10
- alle Hyphen mit dicken Schnallen
- Huthaare 400 x 2...3

Die Makro-, Schnitt- und Sporenbilder aus meinen bisherigen Postings zu diesem Thema findet Ihr direkt unter:
Beitrag 334070
Beitrag 334086

Und hier weitere Fotos:
Vor dem Frost – das Fell (Makro), Schnitt und die Metuloiden:
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Nach dem Frost:
Schnitt durch HDS und Fell (Auflicht 20x):
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Schnitt durch HDS und Fell (80x):
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Zystiden an der Lamellenschneide (320x):
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Nun herrschen diese flaschenförmigen Zystiden mit dem Zwiebeltropfen obenrauf vor, Metuloiden sind kaum noch zu finden (800x):
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Die Hyphen fand ich jetzt nicht besonders spannend, können aber auf Wunsch gerne gezeigt werden. Dass die Fellhaare nicht inkrustiert/pigmentiert sind, sieht man ja.

Es würde mich freuen, wenn jemand noch was zu meinen beiden Funden sagen könnte, Einschätzung?

Viele Grüße – Rika

Re: Hohenbuehelia – Stand der Ermittlungen *PIC*

Birgit, (vor 3611 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

die nematodenfangenden "Apparate" finden sich auch auf den Lamellen, sind manchmal schwer zu finden und noch schwerer zu fotografieren, aber hier bitte schön, das kugelige ist die "Klebstoffhülle":

herzliche Grüße

Birgit

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Re: Hohenbuehelia – Stand der Ermittlungen *PIC*

Ulysses, (vor 3611 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit und Rika,

die nematodenfangenden "Apparate" finden sich auch auf den
Lamellen, sind manchmal schwer zu finden und noch schwerer zu
fotografieren

--> und manchmal sind sie auch einfach zufällig mit auf Bildern drauf (rote Pfeile)...

LG
Josef

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Re: Hohenbuehelia – Stand der Ermittlungen

UmUlmHerum, (vor 3610 Tagen) @ Ulysses

Hallo Birgit und Josef,

ja, die Zystiden mit den runden Teilen drauf gibt es in der Fruchtschicht. Sie haben ein Kügelchen, manchmal auch zwei übereinander sowie auch diese zwiebelförmigen "Tropfen". Da sie nicht höher sind als die Basidien, sind sie nicht so leicht zu sehen, im Gegensatz zu den fetten Metuloiden.

In GPBW steht: Zwischen den Lamellen Hyphenfortsätze ("hyphal pegs") mit klebrigen Enden zum Fang von Nematoden und Amöben.... Zwischen den Lamellen habe ich nix besonderes gefunden, die Kugeltragenden sind in erster Linie auf den Lamellenschneiden gewesen.

Dass hier eine Hohenbuehelia vorliegt, ist also klar. Hat nicht noch jemand eine Meinung zur Art? Kennt jemand hiesige H. mastrucata?

Viele Grüße – Rika