Re: Pilzrätsel = Bactridium flavum = Deuteromycet
Hallo Josef,
herzlichen Dank für Deine Ausführungen – interessant!
Auch wenn ich jetzt vielleicht lästig werde, muss ich doch noch zwei Fragen zum Verständnis stellen:
Habe ich Dich richtig verstanden? Bei einem asexuellen Pilz, von dem keine sexuelle Form bekannt ist (z.B. mein Bactridium), kann man aus irgendwelchen Sequenzen ablesen, wo er hingehört bzw. wovon er abstammt? Und daher weiß die Mycobank vermutlich, dass Bact. flav. "eigentlich" ein Asco ist oder zumindest sein könnte?
Deinen letzten Satz verstehe ich nicht wirklich: Zu den "Fungi imperfecti" gehören weiterhin solche Arten, von denen bisher auch keine asexuelle Fortpflanzung bekannt ist. Also weder sexuell noch asexuell? Also reine Hyphen? Wie kann "sowas" überleben? Wächst und wächst, und wenn ein Stück Hyphe abbricht, wächst die weiter? Ohne Anfang und ohne Ende? Jetzt wird´s philosophisch... Alle Biologen mögen meine Laienfragen entschuldigen, aber ich komme aus dem Maschinenbau – das gibt´s kein Perpetuum Mobile 
Gute Nacht – Rika
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Hallo Rika,
die Einordnung der asexuellen Formen (die also auch oder nur Konidien
produzieren, nicht aber auf sexuellem Weg erzeugte Sporen in Asci bzw. an
Basidien) ist häufig gar nicht so einfach...
Einfach(er) ist es, wenn man von dieser Art neben dem konidienbildenden
Stadium auch ein sexuelles kennt, so z.B. die Holzkeulen (Xylaria), deren
Fruchtkörper zeitweise von weißem Pulver (= Konidien) und zeitweise von
Perithecien (mit Asci) überzogen sind.
Schwierig wird es, wenn es nur das asexuelle Stadium gibt. Dies kann auf
mehreren Wegen entstanden sein: (i) es handelt sich um eine
Verwandtschaftslinie, die sich ursprünglich auch oder ausschließlich
sexuell fortgepflanzt hat, dies aber evolutiv verloren hat und jetzt nur
noch das Konidienstadium hat (dazu gehören viele derjenigen
"Schimmelpilze", die "eigentlich" Ascomyceten oder
Zygomyceten sind);
(ii) eine Verwandtschaftslinie, deren Vertreter nur unter bestimmten
Bedingungen sexuell Sporen produzieren, z.B. unter tropischem Klima, und
ansonsten aber rein asexuelle Fortpflanzung betreiben;
(iii) eine Verwandtschaftslinie, die von Anfang an kein sexuelles Stadium
hatte.
Zu (i) können Arten der Basidios, Ascos und Zygos gleichermaßen gehören; zu
(ii) gleichfalls; zu (iii) gehören m.W. vorrangig Arten der Zygos und
Ascos.
Die rein künstliche Gruppe der "Deuteromycetes" (auch: Fungi
imperfecti) sollte man möglichst nicht mehr anwenden; anhand von
Kulturmerkmalen und v.a. von molekulargenetischen Daten können viele der
betreffenden Arten zu den Zygo-, Asco- und Basidiomyceten zugeordnet
werden. Zu den "Fungi imperfecti" gehören weiterhin solche
Arten, von denen bisher auch keine asexuelle Fortpflanzung bekannt ist.
LG
Josef