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Kennst du den Eierschwamm? *PIC*

Boletus ⌂, (vor 8628 Tagen)

Hallo

Folgender Beitrag von Heinz Clémençon erschien in der SZP Nr. 6, Dez. 2002. (Schweiz. Zeitschrift für Pilzkunde)
Ganz ehrlich, wer hat denn den Eierschwamm schon vom mykologischen Standpunkt her näher betrachtet? Ich habe versucht die dem Bericht nachstehenden Fragen zu beantworten muss aber eingestehen, ich kam nicht allzuweit :-(( *schäm*
Es war jedenfall eine Erfahrung die mich veranlasst, mich zukünftig auch mal mit "bekannten" Pilzen näher zu beschäftigen.

Kennst du den Eierschwamm?
Heinz Clémençon

Was soll die Frage? Natürlich kenne ich den Eierschwamm, bin doch kein Anfänger mehr!
Sachte, sachte! Ich traue dir ja zu, den falschen Eierschwamm vom echten unterscheiden zu können, aber ich möchte doch fragen, wo der Anfänger aufhört und wo der Pilzkenner beginnt.
Wann kennt man einen Pilz? Auf die Frage «Wer kennt diesen Pilz?» wird meist mit einem Pilznamen geantwortet, sofern jemand von der Runde den Namen kennt. Wenn es gut geht, so kann der Pilzkenner einige stichhaltige Merkmale nennen, die erlauben, dem Pilz den richtigen Namen zu geben. So etwa «der Perlpilz ist fleischrot unter der Huthaut» oder «Camarophyllus russocoriaceus riecht nach Juchtenleder.» Und wenn nun jemand dank eines guten Gedächtnisses und aufgrund brauchbarer Merkmale eine Anzahl Pilznamen ohne zu zögern bekannt geben kann, so gilt diese Person nicht nur als Pilzkenner, sondern sogar als Mykologe.
Die meisten Pilzkenner sind taxonomisch interessiert; sie interessieren sich viel mehr um die Brüder und Schwestern eines Pilzes als um dessen Verdauungssystem. «Wie viele Brüder hast du, und woran erkennt man sie?» Und so kommt es denn, dass das Erkennen, Unterscheiden und Benennen der Arten oft der erste Einstieg in die Mykologie bedeutet. Erst mal sehen, was es alles gibt. Das Erkennen, Unterscheiden und Benennen der Arten wird schier endlos geübt, verbessert und gepflegt, bis sich eine grosse Erfahrung angesammelt hat, die dann dem Pilzkenner eine gewisse Sicherheit und ein Urteilsvermögen verschafft. Mit ändern Worten: Der Pilzkenner ist auf dem Weg, ein Taxonome zu werden. In dieser Phase handelt es sich beim «Pilzbestimmen» allermeist nicht um das Erkennen, sondern um das Wiedererkennen einer Art, die von einer ändern Person in der Natur bereits erkannt worden war. Bald jedoch hat sich das Wissen unseres Pilzkenners so vertieft, dass auch er «neue» Arten in der Natur erkennen kann oder zu erkennen glaubt.
Aber eine Pilzart erkennen, eine Pilzart wieder erkennen und eine Pilzart kennen sind drei ganz verschiedene Dinge. Der Eierschwamm wurde vor vielen, vielen Jahren als biologische Art erkannt, und es ist relativ leicht, ihn heute wieder zu erkennen (zu «bestimmen»); aber ich glaube, es gibt nicht viele Leute, die ihn wirklich kennen.

Und nun: Wie gut kennst du den Eierschwamm?
Versuche, die folgenden Fragen zu beantworten. Sie sind von leicht bis schwierig angeordnet, so
Dass sich eine Art Skala ergibt. Schau mal, wie weit du kommst!
1.Ist der Eierschwamm ein Ascomycet oder ein Basidiomycet?
2.Ist er ein Mykorrhiza-Pilz?
3: Welche Farbe hat sein Sporenpulver?
4: Hat der Eierschwamm Schnallen?
5: Welche Pigmente hat er?
6: Wo ist das Pigment lokalisiert?
7. Wieviele Sporen tragen die Basidien?
8.Sind die Basidien ausserordentlich kurz oder ausserordentlich lang?
9.Hat er Cystiden?
10:Hat er Stichobasidien, Hemichiastobasidien oder Chiastobasidien?
11.Warum sagt man, er trage Leisten und nicht Lamellen?
12:Ist er fast bakterienfrei wie der Steinpilz oder vollgestopft mit Bakterien wie der Rotgelbe Semmelstoppelpilz?

[image]

Antworten: l: Basidiomycet. 2: Ja. 3: gelb. 4: Ja. 5: Carotinoide. 6: In den Zellen, nicht auf der
Wand. 7: 2 bis 8, meist 4 bis 6. 8: sehr lang. 9: Nein. 10: Stichobasidien. 11: Weil die Leisten aus einer glatten Oberfläche aufgefaltet werden, da sich die Oberfläche durch Vermehrung der Basidien stärker ausdehnt als der Hut wächst. Die Falten sind zuerst einmal hohl oder doch nur locker ausgestopft, und vom Hutfleisch wachsen nachträglich Hyphen in die Falten, um diese auszufüllen. Lamellen wachsen bereits im Primordium vom Hut herab und sind von Anfang an mit einer Lamellentrama erfüllt, die während des Lamellenwachstums die Basidien ausbildet. 12: Völlig gesunde Eierschwämme sind vollgestopft mit lebenden Bakterien. Sie scheinen für die Entwicklung unentbehrlich zu sein.

Gruss Sepp

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Re: Kennst du den Eierschwamm?

42, (vor 8627 Tagen) @ Boletus

Uups, da denkt man, man kennt sich aus - und dann konnte ich von
den 12 Fragen 7 nicht (richtig/sicher) beantworten! Danke für
das 'Augenöffnen'!

Gruß
Thomas

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Re: Kennst du den Eierschwamm?

Huperzia ⌂, (vor 8627 Tagen) @ Boletus

Oje, da stellt sich natürlich die Frage: "Kenne ich mich selbst?"
...oder wen kenne ich besser, den Eierschwamm oder mich?
Hab zwar beim Pfifferling (als Eierschwamm hätte ich ihn nicht erkannt) kein bißchen besser abgeschnitten als 42, aber dennoch vielleicht besser als bei mir selbst?

1.Ist der Eierschwamm ein Ascomycet oder ein Basidiomycet?

Welche Blutgruppe?

2.Ist er ein Mykorrhiza-Pilz?

gesellig oder Einzelgänger?

3: Welche Farbe hat sein Sporenpulver?

Hmm, vielleicht welche Farbe haben meine Eizellen?

4: Hat der Eierschwamm Schnallen?

Hab ich Trophocyten?

5: Welche Pigmente hat er?

Welche Pigmente hab ich?

6: Wo ist das Pigment lokalisiert?

Wo sind meine Pigmente lokalisiert?

7. Wieviele Sporen tragen die Basidien?
8.Sind die Basidien ausserordentlich kurz oder ausserordentlich lang?
9.Hat er Cystiden?
10:Hat er Stichobasidien, Hemichiastobasidien oder Chiastobasidien?

neenee, fällt mir nix mehr ein

11.Warum sagt man, er trage Leisten und nicht Lamellen?

Warum sagt man Fingernägel und nicht Krallen?

12:Ist er fast bakterienfrei wie der Steinpilz oder vollgestopft mit
Bakterien wie der Rotgelbe Semmelstoppelpilz?

Bin ich vollgestopft mit Bakterien?

Angenommen, ich würd all das (auch das Ungefragte mangels Kenntnis) wissen ....würd ich mich dann kennen? Oder dich oder irgendwen?

Nee nee, ich kenn den Pfifferling doch auch nicht, indem ich seine Einzelteile zerpflücke - damit verbaue ich mir die Chance, ihn jemals wirklich kennenzulernen - nämlich bei einem gemütlichen Plausch bei einer Tasse Tee.

Viele Grüße,

Tanja

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Hupi, das war SUPER! Ich> falle bei *oT*

Frank Adam, (vor 8627 Tagen) @ Huperzia

- kein Text -

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Re: Kennst du den Eierschwamm?

Karl Keck ⌂, (vor 8627 Tagen) @ Boletus

Oje, oje ... Ich muss zugeben, dass ich noch nie einen Rehling unters Mikroskop gelegt habe! Vielleicht sollte ich doch auch mal mir bekannte Pilz mikroskopisch untersuchen! Da fällt mir ein, dass lange Zeit unwidersprochen blieb, dass der Steinpilz 4-sporige Basidien habe. Erst Antonio Riva hat dann mal in der SZP geschrieben, dass Boletus edulis überwiegend 3-sporige Basidien habe. Wahrscheinlich hat jeder vom anderen abgeschrieben, ohne selbst mal zu mikroskopieren.
Grüße, Karl

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Re: Kennst du den Eierschwamm?

Harald Andres Schmid, (vor 8626 Tagen) @ Karl Keck

Wahrscheinlich hat jeder vom anderen
abgeschrieben, ohne selbst mal zu mikroskopieren.
Grüße, Karl

hallo,
Ich glaube das mit dem Abschreiben bei Pilzbuchautoren erstreckt sich wohl nicht nur auf das Gebiet Mikroskopie!
Ich staune immer wieder über die merkwürdigen Wertungen über den Speisewert von Pilzen, die übereinstimmend durch die Literatur geistern:
Beispiele:
Ockertäubling: Speisepilz (würg!!!)
Rotfussröhrling: guter (!) Speisepilz (schleim...)
Fuchsiger Trichterling: mittelmässiger Speisepilz (ja, wer lieber Rotfüsse hat...)
Perlpilz: mittelmässiger Speisepilz (wohl noch nie probiert, wie?)
Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.
Freilich weiss ich dass die Geschmäcker verschieden sind...
Gruss, Harald Andres

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Speisewert

Birgit, (vor 8626 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald Andres,

Ockertäubling: Speisepilz (würg!!!)

Ockertäublinge verlieren die Schärfe, wenn gebraten. Es gibt auch Leute, die nicht alles essen und sie trotzdem gut finden, irgendwann werd ich sie auch mal probieren. EInige der scharfen Milchlinge (L. vellereus, L.piperitus) verlieren die Schärfe ja auch beim Braten, auch wenn sie leider noch immer harzig schmecken und daher nicht so mein Fall sind. Ich vermute allerdings, daß es unter den scharfen Milchlingen und Täublingen, die nicht giftig sind, einige gibt, die die Schärfe beim Braten verlieren. Daß Silieren einige scharfer Milchlinge genießbar macht weiß man ja schon länger.

Perlpilz: mittelmässiger Speisepilz (wohl noch nie probiert, wie?)

Naja beim Perlpilz scheiden sich wirklich die Geschmäcker, mein Fall ist er trotz abgezogener Huthaut und ausschließlicher Verwendung junger Exemplare auch nicht.

Liebe Grüße

Birgit

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Re: Speisewert

42, (vor 8626 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

Einige der scharfen Milchlinge (L. vellereus,
L.piperitus) verlieren die Schärfe ja auch beim Braten, auch wenn sie
leider noch immer harzig schmecken und daher nicht so mein Fall sind.

Vielleicht sollte man dazu einen Retsina trinken ...

Thomas

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Re: Speisewert

Harald Andres Schmid, (vor 8626 Tagen) @ 42

Hallo Birgit,
Vielleicht sollte man dazu einen Retsina trinken ...
Thomas

oder einen Pangalaktischen Donnergurgler?
Harald Andres

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Re: Speisewert

Frank Adam, (vor 8625 Tagen) @ Harald Andres Schmid

oder einen Pangalaktischen Donnergurgler?
Harald Andres

der hat doch aber gewisse Nebenwirkungen, welche dann wiederum den Pilzen zugeschrieben werden können....;)))
Frank

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Re: Speisewert

Andreas ⌂, (vor 8625 Tagen) @ 42

Hallo Birgit,

Einige der scharfen Milchlinge (L. vellereus,
L.piperitus) verlieren die Schärfe ja auch beim Braten, auch wenn sie
leider noch immer harzig schmecken und daher nicht so mein Fall sind.

Vielleicht sollte man dazu einen Retsina trinken ...
Thomas

Hallo,

Ich denke es müßte schon ein 1996er Domestos (oder irgendein anderer Rohrreiniger) sein ....

Andreas