Pilze Pilze Forum
Erweitert

…der Odenwald…unendliche Weiden, keine Champignons

Joachim, (vor 8568 Tagen)

Hallo Pilzfreunde,
der Odenwälder hat seit undenklichen Zeiten nur Steinpilze, Rotkappen, Maronenröhrlinge, Pfifferlinge und Wiesenchampignons gesammelt. Etwas anderes kam nicht den Korb.
Einem alten Odenwälder würde niemals einfallen einen Flockenst. Hexenröhrling "zu roppe" (So nennt der Odenwälder das sammeln von Pilzen), Der Odenwälder sammelt keine Pilze mit roten Röhren, basta! Warum sollte er auch? Es gab Steinpilze, Rotkappen, Pfifferlinge und Champignons in nahezu unerschöpflichen Mengen. Steinpilze und Co gibt es immer noch genug, aber wo sind die Wiesenchampignons? 1993 war das letzte Massenvorkommen. Fast auf jeder Weide standen die Champignons in riesigen Mengen, es war einfach, na ja wenn die Kühe es zuließen, sich einen Korb mit Wiesenchampignons zu füllen. Ab 1994 nahm das Champignonvorkommen rapide ab. Letztes Jahr habe ich fast den ganzen Odenwald nach Wiesenchampignons abgesucht, mit dem Ergebnis das ich praktisch keine gesehen habe. An den Kühen kann es nicht liegen, die machen wie eh und je ihr "Geschäft". Ich vermute dass die intensive Tierhaltung (in Ställen) zu Unmengen von Gülle führt und diese dann auf den Weiden entsorgt werden. Da das Entsorgen vornehmlich im Winterhalbjahr geschieht fehlen die natürlichen Zerrsetzer (Mistkäfer usw.), was zur Folge hat, dass die Gülle in den Boden eindringt und dort das Myzel massiv schädigt. Aber wie gesagt es ist nur eine Vermutung. Vielleicht liegen auch ganz andere Gründe vor.
Ich hätte gerne eure Meinung dazu. Stellt ihr auch ein verschwinden der Wiesenchampignons fest, wenn ja, warum?
Mit freundlichen Grüßen
Joachim

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: …der Odenwald…unendliche Weiden, keine Champig

Harald Andres Schmid, (vor 8568 Tagen) @ Joachim

Hallo Pilzfreunde,

Ich hätte gerne eure Meinung dazu. Stellt ihr auch ein verschwinden der
Wiesenchampignons fest, wenn ja, warum?
Mit freundlichen Grüßen
Joachim

hallo,
Bei uns (Schweiz) das gleiche.
Wiesenchampignons habe ich früher stets "zufällig" gesammelt, d.h. sie standen halt immer so rum, wenn ich gerade auf einem Spaziergang war.
Ist mir in diesem Sinne seit sicher fünfzehn Jahren nicht mehr passiert!
Gruss, Harald Andres

Eintrag gesperrt
17 Aufrufe

Es stinkt zum Himmel

Thomas Pruß, (vor 8568 Tagen) @ Joachim

Moin Joachim,
deine Beobachtungen kann ich nur bestätigen. Zwar nicht im Odenwald, aber in Nordfriesland. Ich kann den abnehmenden Trend seit 1996 feststellen (seitdem wohne ich dort), aber wen ich auch frage, immer lautet die Antwort, dass es früher auf den Koppeln (so nennt man hier die Weiden) wesentlich mehr Champignons gab als heute.

Auch ich führe das Verschwinden der Champis auf den intensiven Einsatz von Gülle und anderem Dünger zurück. Tatsache ist, dass die Bauern ab März die Gülle ausfahren dürfen (müssen), und dann ist die Vegetation noch längst nicht so weit, diese massive Nährstoffgabe in Biomasse umzusetzen.

Die Champignons werden einfach totgegüllt!

Ob diese Theorie richtig ist, lässt sich nur indirekt bestätigen, da man das Mycel ja nicht einfach so ausgraben kann. Die indirekte Beobachtung zielt darauf ab, dass man z. B. auf den Deichen von Eider und Treene periodisch noch ganz gute Champignon-Populationen finden kann. Die Deiche und das Vorland dürfen nämlich nicht gegüllt werden. Auch auf den Nordseedeichen kann man noch Chmapignons finden, denn auch dort darf nicht gegüllt werden. Außerdem weiden dort nur Schafe (Rinder würden die Deiche zerstören). Auf dem Eiderdeich habe ich auch den Papageiengrünen Saftling gefunden, der tatsächlich an nährstoffarmen Stellen wächst.

Zudem gibt es Koppeln, auf denen der Bauer Mist ausstreut. Auch hier findet man noch Champignons. Der strohgebundene Mist gibt die Närstoffe langsamer frei als Gülle, so dass sich die Mikroflora im Boden darauf einstellen kann.

Was den Campignons auch zu schaffen machen dürfte, ist die sehr frühe Mahd: Zur Silageherstellung wird das Gras nämlich schon gemäht, wenn es noch keine 10 cm hoch ist. Häufiges Befahren der Koppeln mit Traktoren, die knapp 300 PS haben führt zur Bodenverdichtung und damit zur Vernichtung der Mycelien.

Was ich auch beobachten kann, ist die periodische Zunahme der Riesenboviste auf den Koppeln, die gegüllt werden. Einen Massenfund machte ich vor ca. 3 Jahren: Auf einer feuchten, nicht gemähten, weil eingesunkenen Stelle auf einer Koppel fanden sich dicht nebeneinander 25 Riesenboviste bis Fußballgröße.
Offensichtlich macht den Riesenbovisten die starke Düngung wenig aus, bzw. sie profitieren sogar davon.

Grüsslis
Thomas

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Re: …der Odenwald…unendliche Weiden, keine Champig

Jens ⌂, (vor 8568 Tagen) @ Joachim

Hallo Joachim,

habe die gleiche Feststellung bezüglich seines Rückganges gemacht. Die letzten
Wiesenchampignons habe ich 1998 auf einer hügelig gelegenen Wiese im Südharz gefunden und das waren auch nicht so viele.
Mein Vater hat mir da von früher ganz andere Sachen erzählt.
Auch zur Pilzberatung ist mir noch nie der Wiesenchampignon untergekommen (einmal glaubte jemand ihn gefunden zu haben, es war allerdings ein Pappelschüppling :-))

Zu den Ursachen denke ich, haben Thomas und Harald schon was geschrieben was plausibel klingt. Was besseres fällt mir da auch nicht ein.

Gruß Jens

Eintrag gesperrt
18 Aufrufe

Re: …der Odenwald…unendliche Weiden, keine Champig

Heinz Ebert ⌂, (vor 8568 Tagen) @ Joachim

Hi Joachim,
ich denke nicht, dass es so ist. Erfahrungsgemäß hatten wir immer dann gute Egerlingsjahre, wenn einem heißen, trockenen Sommer starke Regenfälle folgten, und diese Kombination kommt nicht oft vor. Es gibt hier einen Landwirt, der mich immer anruft, wenn seine Wiesen vollstehn (lieb, gelle). Seine Wiesen sind INTENSIV gedüngt (Gülle und Minerale), und in guten (s.o.) Jahren stehn sie voll mit Champis.
Was Thomas Pruß von den Dünen kennt, ist eine besondere Champi-Art, die wohl auf etwas Salz angewiesen ist, denn man findet sie im Binnenland gelegentlich an den Rändern von Straßen, die im Winter gepökelt werden: Agaricus bernardii, der Dünen-Egerling.
Herzliche Grüße aus der Vulkaneifel, Heinz

Hallo Pilzfreunde,
der Odenwälder hat seit undenklichen Zeiten nur Steinpilze, Rotkappen,
Maronenröhrlinge, Pfifferlinge und Wiesenchampignons gesammelt. Etwas
anderes kam nicht den Korb.
Einem alten Odenwälder würde niemals einfallen einen Flockenst. Hexenröhrling
"zu roppe" (So nennt der Odenwälder das sammeln von Pilzen), Der
Odenwälder sammelt keine Pilze mit roten Röhren, basta! Warum sollte er
auch? Es gab Steinpilze, Rotkappen, Pfifferlinge und Champignons in nahezu
unerschöpflichen Mengen. Steinpilze und Co gibt es immer noch genug, aber
wo sind die Wiesenchampignons? 1993 war das letzte Massenvorkommen. Fast
auf jeder Weide standen die Champignons in riesigen Mengen, es war
einfach, na ja wenn die Kühe es zuließen, sich einen Korb mit
Wiesenchampignons zu füllen. Ab 1994 nahm das Champignonvorkommen rapide
ab. Letztes Jahr habe ich fast den ganzen Odenwald nach Wiesenchampignons
abgesucht, mit dem Ergebnis das ich praktisch keine gesehen habe. An den
Kühen kann es nicht liegen, die machen wie eh und je ihr
"Geschäft". Ich vermute dass die intensive Tierhaltung (in
Ställen) zu Unmengen von Gülle führt und diese dann auf den Weiden
entsorgt werden. Da das Entsorgen vornehmlich im Winterhalbjahr geschieht
fehlen die natürlichen Zerrsetzer (Mistkäfer usw.), was zur Folge hat,
dass die Gülle in den Boden eindringt und dort das Myzel massiv schädigt.
Aber wie gesagt es ist nur eine Vermutung. Vielleicht liegen auch ganz
andere Gründe vor.
Ich hätte gerne eure Meinung dazu. Stellt ihr auch ein verschwinden der
Wiesenchampignons fest, wenn ja, warum?
Mit freundlichen Grüßen
Joachim

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: …der Odenwald…unendliche Weiden, keine Champig

Georg, (vor 8568 Tagen) @ Heinz Ebert

Hi Heinz,

ich denke nicht, dass es so ist. Erfahrungsgemäß hatten wir immer dann gute
Egerlingsjahre, wenn einem heißen, trockenen Sommer starke Regenfälle
folgten, und diese Kombination kommt nicht oft vor. Es gibt hier einen
Landwirt, der mich immer anruft, wenn seine Wiesen vollstehn (lieb,
gelle). Seine Wiesen sind INTENSIV gedüngt (Gülle und Minerale), und in
guten (s.o.) Jahren stehn sie voll mit Champis.

Das kann ich bestätigen. Wiesenchamps mögen lange, trockene Hitzeperioden
gefolgt von kühlem, regnerischen Herbstwetter. Das kommt nur alle paar Jahre sehr
ausgeprägt vor. Anfang der 1990er gab's das öfter. Aber auch in den letzten Jahren
habe ich immer wieder welche (und auch viele) gefunden. Gerne wachsen sie auch
auf Wegen in Weinbergen.

Georg

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Re: …der Odenwald…unendliche Weiden, keine Champig

pilzmel ⌂, (vor 8568 Tagen) @ Joachim

Hallo Pilzfreunde!
Eine m.o.w. kontinuierliche Abnahme der Wiesen-Champis habe ich nicht bemerkt, eher eine gewisse Sprunghaftigkeit. Während 2001 auf jedem Grasfleckchen in Mengen Wiesen-Champignons standen, war 2002 Totalausfall. An Gülle, Düngung usw. kann das nicht liegen. Ich habe mich arg gewundert, daß sich nicht ein einziger Fruchtkörper zeigte, zumal sich Champignons nicht so verstecken, wie z.B. Morcheln, und auch nicht so ein recht schmales Zeitfenster haben. Übrigens war auch der Karbol-Champignon völlig verschwunden, während Stadt- und Anis-Champi bestens gediehen. Ich meine, so manches, was der Landwirtschaft angelastet wird, liegt schlicht am Pilz, weil der einfach keine Lust hat.
Beste Grüße! pm.

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Wiesen oder Weiden

Andi S. aus V., (vor 8567 Tagen) @ Joachim

Reden wir hier von Wiesen (die gemäht werden, für Heu, Öhmd oder Silo) oder von Weiden, auf denen das Vieh rumläuft? Meine Erfahrung ist, 1. dass Wiesenchampignos in großen Mengen nur auf Wiesen gefunden wurden/werden, 2. dass die Wiesen auch zu Zeiten, als es noch Massen von Champignons gab, genauso mit Gülle be- oder misshandelt wurden, 3. dass es tatsächlich erheblich weniger Wiesenchampignons als früher gibt (hätte man früher bei uns buchstäblich kistenweise ernten können) und 4. dass es daran liegt, dass die Wiesen heutzutage viel öfter gemäht werden als früher (dies ist allerdings nur eine Vermutung). Früher wurden die Wiesen im Frühsommer gemäht (Heu) und dann nochmal im Herbst (Öhmd). Heute werden die Wiesen laufend gemäht und damit auch viel häufiger und mit viel schwereren Maschinen befahren als früher.
Andi S. aus V.